so pflanze nichts als reine Fichten! Dieser Ausspruch eines deutschen Forstmannes aus dem 19. Jhd. trifft auch heute noch für viele Wälder zu. Aber als ausgebildeter Forstfacharbeiter kann ich auch aus Erfahrung sagen, dass seit den 1990er Jahren ein zögerliches Umdenken eingesetzt hat.

Im Harz und auch die Region, in der Waldesruh angesiedelt ist, gab es bis zum Mittelalter noch einen artenreichen und gut altersklassifizierter Mischwald mit einer enormen Artenanzahl an Pflanzen, Tieren und Lebensräumen.

Mit Aufkommen des Bergbaues, der zunehmenden Verhüttung und der beginnenden Industriealisierung wurde immer mehr Holz, Holzkohle und auch Waldfläche benötigt. Über Jahre hinweg wurde der Wald somit nur genutzt und eine Verjüngung erfolgte nur mittels natürlicher Aussaat. Zudem wachsen die meisten Baumarten sehr langsam. Um dem steigenden Holzbedarf gerecht zu werden, wurden schliesslich vor allem schnellwachsende und ertragsreiche Baumarten wie die Fichte angepflanzt. Die Samen der Fichte konnten leicht gesammelt und junge Bäume schnell und kostengünstig in Baumschulen nachgezogen werden. Die Fichte wurde in der deutschen Forstwirtschaft schnell der Brotbaum.

So entwickelten sich langsam aus den einst artenreichen Mischwäldern die heute als Wald bezeichneten eintönigen Fichtenforsten. Solche Stellen gibt es auch heute noch stellenweise im Wald von Waldesruh zu sehen. Jedoch legt Förster Grünrock schon Wert auf eine Wiederherstellung des einstigen Mischwaldes, sobald eine Fläche frei wird, die wieder aufgeforstet werden kann.

Im Bereich des Nationalparkes Waldesruher Höhen finden wir noch grosse Reste des einstigen natürlich vorkommenden Waldbildes dieser Gegend. Dessen Schutz wurde mit der Ausweisung zum Nationalpark Rechnung getragen.

Aber auch im Wald, der nicht unter Naturschutz steht, haben jetzt im Frühling Förster Grünrock und seine Arbeiter alle Hände voll zu tun. Sie wollen an einigen Stellen im Wald neue Bäume pflanzen.

Ziel soll es sein, wieder einen gesunden Mischwald aufzubauen, der von allein vielen Schädigungen widerstehen kann. Dies ist nötig, weil auch in Waldesruh Holz geschlagen wird, damit das Sägewerk und die Spielzeugindustrie genügend Rohstoffe haben. Schliesslich muss auch etwas Geld in die Kassen des Ortes gelangen.

Bisher wurden in der Baumschule tausende kleiner Laubbäume aufgezogen, welche nun in den Boden gebracht werden müssen. Die Forstarbeiter benutzen zur Pflanzung jedoch keine Maschinen, welche den Waldboden verdichten, sondern sie pflanzen traditionell nur mit der sogenannten Wiedehopfhaue. Dies ist eine Pflanzhacke, die extra für solche Forstarbeiten entwickelt wurde.

Um die jungen Bäume vor Wildverbiss zu schützen, werden um besonders gefährdete Bereiche auch noch Wildgatter gebaut. Diese sollen vor allem das Rotwild davon abhalten, die Knospen der jungen Bäume zu äsen. Schliesslich will man die ganze Mühe nicht umsonst gehabt haben und das Geld nicht wieder gleich zum Fenster hinauswerfen.

Wie in der Natur soll auch auf meiner Modellbahnanlage dieser Fakt der Entwicklung Rechnung getragen werden. Verdammen will ich die Fichte trotzdem nicht ganz von der Platte. Vielmehr werden die vorhandenen Bäume als kleine Fichtenhorste in den Wald integriert werden.

Ich finde, durch die Berücksichtigung solcher Fakten aus der Realität gewinnt eine Modellbahnanlage ungemein an Charme und Persönlichkeit. Viel zu oft wird eine Anlage geplant mit tollen Gleisanlagen etc. und die Natur später dann um die Gleise herum gebaut. Doch dem ist in der Realität nicht so!