Beiträge zur Geschichte: Wie Waldesruh zu seiner steinernen Kirche kam

Einige Zeit lebte Pfarrer Braun nun nach seiner Flucht schon in Waldesruh. Mit der Zeit jedoch empfand er die kleine Holzkapelle als zu eng. Waldesruh brauchte endlich eine richtige Kirche!

Was war geschehen? Mit der Frage, wie Waldesruh zu seiner steinernen Kirche kam, beschäftigt sich ein weiterer Artikel der Serie über die Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Umgebung, welche im Waldesruher Tagesboten abgedruckt wird.

Diese Serie erscheint im Rahmen eines geförderten Projektes, welches sich der Erforschung der Waldesruher Geschichtsschreibung verschrieben hat.

Die Bilder zu diesem Beitrag zeigen Pfarrer Braun in einer nachgestellten Szene aus den 1930ger Jahren. Aus Anlass der 1936 stattgefundenen 1000-Jahr-Feier des Ortes Waldesruh wurden kleine Szenen aus der Geschichte nachgespielt. Die beiden dargestellten Szenen zeigen Pfarrer Braun auf seiner Flucht aus Süddeutschland zum Zeitpunkt, als er ersten Kontakt zu den Waldesruhern bekam.

Den Gedanken an eine grössere Kirche trug der Pfarrer schon einige Zeit im Kopf mit sich herum. Doch woher das Geld für den Bau nehmen? Selbst die Ablasshändler kamen nicht in den abgelegenen Ort. Und mit dem heraufziehenden Kirchenstreit lies das Geschäft mit dem Ablass in unseren Regionen bekannterweise auch ziemlich stark nach.

Nun waren die Waldesruher aber nicht mehr die ärmlichen Köhlersleute von damals. Vielmehr hatten sich über die Zeiten durch mehrere glückliche Umstände ein bescheidener Wohlstand ergeben. Noch heute geht die Sage vom Schatz der Waldesruher Kaufleute in der Gegend um.

Eines Morgens wollte Pfarrer Braun nun wie immer am Morgen in den kalten Jahreszeiten seinen Ofen anheizen und die kleine Holzkapelle auf erträgliche Temperaturen anheizen. Er war mittlerweile geübt darin und seine Hände verrichteten automatisch die Arbeit. In seine Gedanken versunken, merkte er nicht, dass ein Teil der Restglut vom Vorabend aus dem Ofen auf den Bretterboden fiel. Dort glimmte die Glut unbemerkt vor sich hin.

Nach seinem kärglichen Frühstück machte sich Pfarrer Braun auf den Weg, um seiner täglichen Arbeit der Seelsorge nachzugehen. Es dauerte gar nicht lange und schon bald zog dunkler Rauch durch den beschaulichen Ort Waldesruh. „Feuer, Feuer“ hörte man zwischen den Hütten rufen. Schnell erkannten die Waldesruher. dass es ihre kleine Holzkapelle war, die da in Flammen stand. Alle im Ort befindlichen Bewohner rannten zur Brandstätte und versuchten zu retten, was sie retten konnten.

Am Ende des Tages blieb jedoch nur ein Haufen verkohlter Balken und viel Schutt über von der kleinen Holzkapelle. Die Waldesruher waren zu Boden zerstört. Plünderungen und Kriege konnten dem Ort nichts anhaben. Jedoch ein kleines bisschen Glut aus Unachtsamkeit verschüttet, entwickelte sich zum Brand. Dieser Tag, der 17.02.1519, ging als Tag des großen Brandes in die Geschichte von Waldesruh ein.

Doch die Waldesruher wären keine Waldesruher, wenn sie nun ihren Kopf in den Sand stecken würden. Bis in unsere heutigen Tage hinein sind es immer die „Macher“, die Erfolg haben. Die Waldesruher wissen, dass nichts von allein kommt und schon gar niemand jemanden etwas schenken würde. Also hiess es auch nach dem großen Brand wieder die Ärmel hochkrempeln und zusammen anpacken.

Und dieses Mal sollte es ein wirklich fester Ort für unseren Gott werden. Das wünschte sich nicht nur Pfarrer Braun. Auch die Waldesruher wollten eine stattliche Kirche haben. Also musste eine Kirche aus Stein her. Die Waldesruher sammelten in ihrem Ort und in viel Eigeninitiative wuchs langsam eine kleine steinerne Kirche empor. Ein großen Anteil daran hatten die Kräuterweiber, die ihre Kunden um Spenden für die neue Kirche baten. Aus Gründen der Diskretion gab der ein oder andere gut betuchte Bürger oder Edelmann aus der Nachbarstadt sicherlich einiges mehr an Talern als die Kräuterweiber sich selbst erhofften.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche immer weiter aus- und umgebaut. Schliesslich erhielt sie um 1900 herum ihr heute noch sichtbares Aussehen. So kam Waldesruh durch ein kleines Ungeschick zu einer richtigen Kirche. Diese steinerne Kirche wurde nicht nur zu einer Herberge für unseren Gott. Die Kirche war auch massgeblich daran beteiligt, das Waldesruh trotz seiner Abgeschiedenheit ein Hort der Kultur wurde. Doch das ist schon wieder eine neue Geschichte für die Beiträge zur Geschichte.

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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