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Das traditionelle Drei-Königs-Schwimmen in Waldesruh ist mittlerweile ein fester Bestandteil im Rahmen der jährlichen Feierlichkeiten. Doch wie kam es zu diesem Ereignis?

Mit dieser Frage beschäftigt sich ein weiterer Artikel der Serie über die Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Umgebung, welche im Waldesruher Tagesboten abgedruckt wird.

Beiträge zur Geschichte: Wie kam es zum Drei-Königs-Schwimmen in Waldesruh

Diese Serie erscheint im Rahmen eines geförderten Projektes, welches sich der Erforschung der Waldesruher Geschichtsschreibung verschrieben hat.

Vom Jahr 1618 bis zum Jahr 1648 tobte in Europa einer der bis dahin schrecklichsten Kriege, der 30jährige Krieg. Während dieser Jahre zogen marodierende Söldnerheere im Namen des jeweils richtigen Glaubens und ihres jeweiligen Landesherren umher und brandschatzten und raubten alles, dessen sie habhaft werden konnten.

Ein schwedisches Heer gelangte auch in das abgelegene Tal von Waldesruh. Mittlerweile war aus einem ehemaligen Köhlerflecken ein prosperierender kleiner Ort geworden. Die Bewohner hatten sich durch harte Arbeit einen kleinen, sehr bescheidenen Wohlstand erarbeitet.

Am 6. Januar 1642, im tiefsten Winter zogen die Schweden schliesslich in den Ort ein. Die Bewohner hatten natürlich vorab sich, ihre Habseligkeiten und ihr Vieh in den umliegenden Wäldern versteckt. Im Ort selbst blieben nur die alten Männer zurück. Als der Kommandant der Schweden die Übergabe des Ortes forderten, soll der älteste Bewohner mit zittriger Stimme gesagt haben: „We häbbe doch nichs meer, de Spanischen warren schon her un habe allet mitjenomme. Och de Schlüttel von de Rathuus.“ („Wir haben doch gar nichts mehr, die Spanier waren hier und haben alles mitgenommen, sogar den Rathausschlüssel“).

Und tatsächlich, als der Kommandant im Rathaus nachsah, fand er weder Möbel noch den Schlüssel für die Tür. Auch sonst im Ort war nichts zu finden, nur ein paar Federn und etwas Streu. Der Ort gab einfach nichts mehr her, was an diesem kalten 6. Januar zur Verpflegung der Truppe genügt hätte. Und da die alten verbliebenen Männer schon recht gebrechlich aussahen, verzichtete der schwedische Hauptmann auf weitere Übergriffe und zog auf der Suche nach einem passenderen Nachtlager weiter.

Sobald sicher war, dass die Schweden nicht mehr zurückkamen, rief einer der im Wald versteckten Einwohner „Die Schweden ziehen ab“ und eine Gruppe von Jünglingen sprang in den eisfreien Mühlenbach und holte den Rathausschlüssel aus einer alten Ufereibe. Diesen hatten die Waldesruher dort vorher versteckt. So kamen die Einwohner mit nur kleinen Blessuren durch diese schlimme Zeit.

Wie die Bewohner von Waldesruh die Nachricht von den nahenden Schweden erhielten und wie der Ort mit der Zusammenarbeit mit den Harzschützen den Obrigkeiten ein Schnippchen schlug, ist aber wieder eine andere Geschichte.

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