Unsere Entdeckungstour durch das Bordeaux geht weiter: heute steht etwas Weintasting im Bordeaux und das Städtchen Saint-Émilion auf dem Plan. Das Wetter lädt förmlich zu Entdeckungen. Was wäre die Weinbauregion Bordeaux ohne die vielen kleinen Weingüter, von denen etliche sogar weltbekannt sind? Keine Frage, dass wir auch wenigstens ein paar davon besuchen wollen.

Weintasting im Bordeaux: Chateau de la Dauphine

Weintasting im Bordeaux

Für ein Weintasting im Bordeaux sollte man schon wissen, welches Weingut man besuchen möchte. Die Auswahl ist reichhaltig und sehr schwer. Bereits in Deutschland haben wir eine Liste von Weingütern erstellt, die wir besuchen wollten. Da wir uns bekanntlich im Team immer abstimmen (und Kompromisse machen müssen), gab es auch angeregte Diskussionen darüber, welche Chateaus nun weiterkommen. Weltbekannte wie das Chateau Mouton-Rothschild wären einerseits reizvoll gewesen. Auf der anderen Seite hatten wir aber keine Lust, inmitten von Reisebussen und Hunderten von Chinesen den grossen Touristenjahrmarkt zu erleben. Schliesslich hatten wir uns auf einige der Weingüter geeinigt.

Nicht alle Weingüter bieten eine Führung mit gleichzeitiger Weinverkostung an. Werden diese aber angeboten, ist es ratsam, bereits im Vorfeld dafür Termine zu buchen. Ansonsten kann es nämlich passieren, dass man entweder vor verschlossenen Toren steht oder das die Führungen bereits ausgebucht sind.

Wir bewegen uns im Fronsac, einem der vielen Weinbaugebiete in der Weinbauregion Bordeaux. Das Bordeaux für sich ist das grösste zusammenhängende Weinbaugebiet der Welt, in dem Qualitätsweine angebaut werden. Es gibt hier ca. 3000 Weingüter, welche als Chateaus bezeichnet werden. Ein System aus Appellationen und Klassifikationen schafft hierbei eine qualitative Hierarchie. Nicht wie zum Beispiel in Deutschland spielen die Lagen hier eine untergeordnete Rolle, sondern das Chateau, zu dem die Lagen gehören.

Die vielfältigen Landschaftsformen, die sich hier entwickelt haben, sorgen für eine Vielzahl an verschiedenen Weinen. Die Grundlage der Landschaft des Bordeaux ruht auf einem riesigen Kalksteinsockel. Dieser tritt aber nicht überall zu Tage, sondern ist zumeist von Sand und Kies bedeckt, die durch die Eiszeiten und die Flüsse hierher verfrachtet wurden. Der Atlantik sorgt für ein mildes, ausgeglichenes Klima ohne extreme Temperaturschwankungen. Diese unterschiedlichen Standorte haben jeweils ein eigenes Mikroklima, welches den Wein an sich beeinflusst. Typisch für das Bordeaux sind die trockenen und langlebigen Rotweine. Nur etwa zwanzig Prozent der Weinproduktion stellen Weissweine dar.

Weintasting im Bordeaux: Chateau de la Dauphine

Führung und Weintasting im Chateau de la Dauphine

Im Fronsac, einem der ältestren Weinbaugebiete im Bordeaux, wurde im Jahr 1750 dieses Chateau errichtet. Kurz nach dem Bau verweilte Maria Josepha von Sachsen, die Mutter des letzten französischen Königs Ludwig XVI. hier. In Andenken und um diesen Besuch zu Ehren wurde das Chateau nach dem Namen der Dauphine von Frankreich als Chateau de la Dauphine benannt.

Das Chateau befindet sich in einem Mäanderbogen des Flusses Dordogne. Es ist von ca. 53 Hektar Weinbergen umgeben. Diese bestehen zu 90% aus Merlot und 10% aus Cabernet Franc. Der Blick über den Fluss und die Weinberge, der Park mit den alten Bäumen und die alte Allee verfehlen nicht die Wirkung auf den Besucher. Während des Rundgangs lernen wir die Geschichte des Weingutes kennen. Sogar das alte Chateau, in dem die Kaiserin damals zu Besuch war, dürfen wir besichtigen.

Wir schlendern durch die alte Parkanlage und erfahren, wie sich der Klimawandel hier konkret auf das Weingut auswirkt. Mehr und mehr wird auch in diesem traditionellen Rotweingebiet Weisswein angebaut werden. Auch in dieser Region bleiben schwere Sturzregen oder lange Trockenzeiten nicht aus. Was im normalen Mass gut für einen guten Wein ist, kann im Extremfall ganze Ernten vernichten.

Die aktuellen Besitzer – ein Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich – wollen das Weingut zu einen ökologischen und nachhaltigen Betrieb umbauen. Bereits seit ein paar Jahren wird auf Pestizide und andere chemische Mittel verzichtet. Auch bei der Herstellung des Weines kommt keine Chemie zum Einsatz. Wir gehen durch die Produktionshallen. Leider steht hier noch fast alles still. Noch ist keine Lesezeit. So können wir uns nur theoretisch ein Bild der hiesigen Arbeit machen. Aber im Prinzip ist die Weinherstellung fast immer gleich 🙂 hier zum Beispiel bei AdegaMae in Portugal.

Das Herumgelaufe – die Tour dauert ca. 1,5 Stunden – macht durstig. Umso mehr freut es uns, dass nach dem Weinkeller nun das Weintasting auf der Liste steht. Wir bekommen drei Weine des Weingutes kredenzt und dürfen verkosten. Da Wein aber immer etwas subjektives ist, verzichte ich jetzt auf ausschweifende Beschreibungen. Da das Weingut nur zwei Weine produziert (Chateau de La Dauphine und Delphis de La Dauphine) kamen wir quasi in den Genuss der gesamten Produktpalette. Leider war der Chateau de La Dauphine Rosè momentan nicht verfügbar. Die probierten Weine kann ich gern weiter empfehlen. Wir selbst haben mit ein paar Flaschen ebenfalls unseren Weinkeller aufgefüllt.

Das Chateau de la Dauphine bietet verschiedene Führungen an. Die Kosten belaufen sich je nach Tour von 5,00 – 23,00 Euro. Bei jeder Führung können mindestens zwei Weine verkostet werden. Unbedingt vorher einen Besuchstermin vereinbaren! Uns hat die Führung durch das Weingut incl. der kompetenten Betreuung sehr gefallen.

Weitere Informationen über das Chateau de la Dauphine.

Weintasting im Bordeaux: Chateau la Dominique

Mittagstisch im Chateau La Dominique

In Deutschland hört sich der Name dieses Weingutes eher an wie ein zweilichtiges Etablissiment. Aber das Château La Dominique ist eines der bedeutenden Weingüter der französischen Gemeinde Saint-Émilion. Der Wein, welcher hier produziert wird, zählt zur Spitzengruppe der Grands Crus Classé. Da gerade Zeit für eine Mittagspause war, hielten wir hier Einkehr. Das Weingut unterhält eine gut gehende Gastronomie. Im Restaurant finden ganz bequem mehrere Reisebusse Platz. Mit etwas Glück konnten wir einen Tisch für uns reservieren. Auch hier lohnt es sich vorher anzurufen.

Aus der reichhaltigen Mittagskarte mit französischen Spezialitäten aus der Region entschieden für uns für das Tagesmenü. Mit drei Gängen und dem Hauptgang Fisch war es ausreichend und hat zudem super geschmeckt. Dazu bestellten wir natürlich den Wein des Hauses 🙂

Das Restauarant ist berühmt für seine Terrasse Rouge. Eine grosse Terrasse über dem Weinkeller. Einige tausend roter Glassteine liegen hier und stehen für die roten Weintrauben der Region. Super gemacht! Rund um das Glasperlenfeld, welches man übrigens auch problemlos betreten kann, kann man die  gesamte Terrasse umrunden. Hier hat man einen herrlichen Blick über die Umgebung. Neben Weinbergen sieht man übrigens auch die Nachbarweingüter, zum Beispiel das bekannte Château Cheval Blanc. Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielten, könnte man sich für ein Weintasting im Bordeaux fast ein Leben lang amüsieren.

Weitere Informationen über das Chateau la Dominique.

Nach der ausgiebigen Mittagspause machten wir uns wieder auf den Weg. Am berühmten Château Petrus machten wir Stop. Leider war aber hier das Tor verschlossen. Aber ein paar Aufnahmen konnten wir machen. Schliesslich wollten wir aber heute noch in das Städtchen Saint-Émilion.

Weintasting im Bordeaux: Ansicht auf Saint Émilion

Das Städtchen Saint-Émilion

Saint-Émilion zählt zu den bekanntesten Städten in Südwestfrankreich. Wohl nicht zuletzt aufgrund der berühmten Weinbauregion. Mit ca. 1800 Einwohnern ist Saint-Émilion aber eher ein kleineres Städtchen. Trotzdem zieht es jedes Jahr tausende von Besuchern hierher. Das merkt man natürlich auch im Stadtbild. Nicht nur die Schlangen von Touristen bei den geführten Stadtführungen fallen einen dort ins Auge.

In der alten Innenstadt, die bestenfalls wie das Weinbaugebiet zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, reiht sich ein Weinladen an den anderen. Alle haben die Hoffnung hier mit den Touristen gute Geschäfte zu machen. Restaurants, Bars und Cafes gibt es ebenfalls mehr als ausreichend. Viele bieten auch ein Weintasting im Bordeaux an – vorrangig natürlich mit den Weinen aus der Region. Dabei reicht die Range von einem alten ehrwürdigen Weinhandel bis hin zu einer modernen Garage, in welcher übrigens ein ganz guter Wein von einem jungen Start up kreiert wird.

Wie auch das deutsche Quedlinburg ist Saint-Émilion ein Freilichtmuseum. Eine Stadt voller Geschichte, die der Legende nach von einem Einsiedler namens Émilion gegründet wurde. Und ja: die Stadt atmet wirklich Geschichte.

Das Wahrzeichen von Saint-Émilion ist wohl die berühmte Felsenkirche und der zur Kirche gehörende Glockenturm. Der Innenraum der Kirche ist vollständig aus dem Kalksandstein des Berges herausgehauen! Ebenso sehenswert sind die Ruine des Dominikanerklosters, der Bischofspalast und die Kollegiatskirche. Aber es gibt hier nicht nur alte Geschichte anhand von alten Gemäuern. Auch die neuere Geschichte finden wir hier. Zum Beispiel in einer alten entweihten Kirche, die heute einem modernen Weinladen ein Zuhause bietet. Hier verbindet sich das Moderne mit der alten Geschichte. Und in Maßen ist das auch gut so.

Nach einem kurzen Rundgang durch das Städtchen und einer kleinen Kaffepause war es wieder an der Zeit, heimzukehren.

Weitere Informationen über Saint Émilion.