Der Weihnachtskrimi aus Waldesruh – Das Unglück des Weihnachtsmannes (2016)

Zur Weihnachtszeit passieren manchmal in Waldesruh die merkwürdigsten Dinge. Manchmal entwickeln sich diese sogar zu einem Weihnachtskrimi. Auch die vergangene Nacht war eine stürmische Nacht in Waldesruh. Das Wetter der letzten Tage spielte anscheinend verrückt.

Der Weihnachtskrimi aus Waldesruh - Das Unglück des Weihnachtsmannes (2016)

Eine stürmische Nacht in Waldesruh – ein neuer Weihnachtskrimi?

Erst am Anfang des Monats der verfrühte Wintereinbruch mit Schneefall. Dann die folgenden grauen und bewölkten Tage mit zuviel Regen. Nun kam auch noch der Sturm hinzu. Doch die Waldesruher und ihre Gäste ließen sich trotz des schlechten Wetters nicht abhalten.  Sie feierten entspannt die erste Woche von Weihnachten in Waldesruh.

Gestern Abend bereits kündigte sich der heraufziehende Sturm durch einige starke Windböen an.  Vorsorglich ließ Egon Schulze alle losen und gefährlichen Gegenstände sichern oder wegräumen. Schließlich sollte niemand durch herumfliegende Weihnachtsbäume geschädigt werden. Es sollte wohl eine stürmische Nacht werden.

Der Weihnachtsmarkt und alle Buden und Büdchen schlossen bereits eine Stunde früher. Die Gemeindearbeiter um Bertram Baumeister kontrollierten die Sicherungsmaßnahmen und halfen natürlich mit, wo sie konnten.

Gäste und Urlauber genossen dennoch ungetrübt in ihren Unterkünften, bei ihren Gastgebern, im Rathaus oder einen der vielen anderen öffentlichen Gebäuden in Waldesruh in vorweihnachtlicher Freude Weihnachten in Waldesruh

Spät am Abend, fast schon um Mitternacht, wurde der Wind stürmischer und die Böen heftiger. Die Weihnachtsfichte auf dem Rathausplatz schwankte bedenklich, hielt jedoch dem Sturm stand. Der Wind wuchs zum Sturm an und rüttelte an den Häusern.

Die Sturmböen versuchten durch die kleinsten Ritzen in die Häuser und unter die Dächer zu gelangen. Mit heiserem Heulen pfiffen sie immer wieder durch die Gassen auf der Suche nach einem Angriffsziel. Doch die Häuser, die Buden und die Büdchen und auch die Weihnachtsfichte hielten stand.

Die paar Urlauber, die sich diese stürmische Nacht noch in den Gassen aufhielten, beeilten sich in ihre sichere Unterkunft zu gelangen. Hart kämpften sie gegen den Sturm an und gelangten schließlich in ihre Zimmer.

Immer weiter pfiff der Sturm durch die Gassen, rüttelte an den Dächern und Fensterläden. Er versuchte die Weihnachtskugeln von der Weihnachtsfichte auf dem Rathausplatz zu pusten. Erfolglos wandte sich der Sturm jedoch ab und machte sich auf den Weg in den Wald, um hier seine Wut auszulassen.

Im Wald knackte und rauschte es. Eicheln und Kastanien polterten von den Bäumen und manchmal polterte und knackte es lauter. Dann war wieder ein Ast von einem Baum gefallen. Die Tiere und die Vögel des Waldes hatten sich aber gut versteckt. Sie wussten, daß man während einer stürmische Nacht nicht draußen sein sollte.

Förster Grünrock schaute durch seine Fenster hinein in den Wald. Nicht etwa, weil er Angst hatte. Nein, er genoß diese Momente, in denen die Natur ganz Natur sein konnte. Auch er hört das Knacken, Rauschen, Krachen und Poltern.

Er versuchte den Mond zu sehen, doch der Sturm pustete die Wolken so schnell vorbei, als liefen sie gegeneinander ein Wettrennen. Nur manchmal konnte der Förster durch einen wolkenfreien Spalt das Licht des Mondes erblicken. Einmal schien es ihm, als sei der Mond heller als sonst.

In diesem Moment rauschte, heulte, krachte und knallte es in direkter Nähe des Forsthauses. Jagdhund Bodo hatte sich bereits in die hinterste Ecke unter dem Sofa versteckt. Sogar Förster Grünrock erschrak über das laute Geräusch. Sollte ein Baum auf das Dach des Forsthauses gefallen sein? Schnell rannte er in das Obergeschoß und schaute nach. Nein, hier war alles in Ordnung!

Der Sturm musste wohl einen Baum ganz in der Nähe des Forsthauses umgeworfen haben, dachte der Förster. Jetzt konnte er aber nicht hinaus in den Wald. Also würde er solange warten müssen, bis sich der Sturm gelegt hatte. Beruhigt ging der Förster ins Bett und schlief auch bald ein.

Zum Ende der Nacht legte sich auch der Sturm. Als es langsam hell wurde, schaute sogar die Sonne durch das Fenster mitten hinein in das Gesicht des noch schlafenden Förster Grünrocks.

Der Weihnachtskrimi aus Waldesruh - Das Unglück des Weihnachtsmannes (2016)

Die Folgen des Sturms und der Nacht

Die Sonne schien am Morgen durch das Fenster mitten hinein in das Gesicht des noch schlafenden Förster Grünrocks. Die Strahlen der Sonne kitzelten ihn in der Nase, so daß er leicht niesen mußte. Dadurch wurde der Förster auch wach.

Er erinnerte sich an den gestrigen Abend und die vergangene Nacht. Konnte man die Folgen des Sturms sehen? Beim Aufstehen warf er einen Blick durch das Fenster hinüber in den Wald. Wie er befürchtet hatte, war ein Baum entwurzelt und lag quer über den Waldweg. Das war dann auch wohl das Krachen, welches er gehört hatte. Da wird der Förster den Waldarbeitern bescheid geben müssen, damit sie den Weg wieder freiräumen und die weiteren Folgen des Sturms beseitigen können.

Unruhig kratzte bereits Jagdhund Bodo an der Haustür. Förster Grünrock öffnete ihm die Tür und wie ein Blitz war Bodo bereits auf dem Hof des Forsthauses. Der Förster schloß die Haustür und hörte Bodo vom Hof her bellen. Egal, jetzt erst einmal in das Bad und dann frühstücken. Schließlich geht man nicht mit leeren Magen zur Arbeit oder in den Wald.

Ausgiebig stellte sich der Förster unter die warme Dusche. Als er fertig war, trocknete er sich ab und ging in die Küche, um für sich Frühstück zu machen. Er füllte Wasser für seinen Kaffee in die Maschine und blickte er hinaus in den Hof. Mit einem Scheppern fiel die Glaskanne auf den Boden und zerschellte in tausend kleine Glasstücke.

Mit offenem Mund starrte der Förster auf den Hof. Waren da …. ? Nein, das können unmöglich … ? Es gibt hier in Waldesruh keine … ! Träumte er oder war es eine optische Täuschung … ?

Der Förster rieb sich die Augen und beugte sich hinunter zum Wasserhahn. Mit den Händen schaufelte er sich kaltes Wasser in das Gesicht. Als er sich wieder aufrichtete, erkannte er, daß er sich nicht geirrt hatte. Auf seinem Hof sah er tatsächlich ein paar Rentiere. Und sein Bodo lief im Kreis um die Tiere herum und bellte und bellte.

Wahrhaftig, lebende Rentiere! Und eines schien zu humpeln. Der Förster konnte doch kein Tier leiden sehen! Schnell rannte er auf den Hof hinaus und pfiff Bodo zurück. Dieser hörte auch sofort und kam zum Förster.

Langsam ging der Förster an die Rentiere heran. Diese schauten etwas ängstlich zu ihm herüber. Doch sie liefen nicht fort. Im Gegenteil: der Förster konnte das humpelnde Rentier sogar berühren. Vorsichtig tastete er das Bein des Tieres ab. Es schien nichts gebrochen zu sein.

Förster Grünrock öffnete das Tor zur Scheune. Mit Heu versuchte er die Rentiere hinein zu locken. Nach kurzer Zeit merkten die Rentiere wohl, daß der Förster es gut mit ihnen meint. Schnell gingen sie in die Scheune und legten sich in das frische Stroh. Der Förster brachte den Tieren noch etwas Heu, welches sie dankbar annahmen.

Vom Streß der Nacht erschöpft, schliefen die Rentiere bald ein. Was sollte der Förster nun machen? Wie kamen die Rentiere überhaupt hier her? Waren sie aus einem Tierpark ausgebrochen? Spontan dachte Förster Grünrock vor allem daran, dem kranken Rentier zu helfen. Also schnappte er sich sein Moped und fuhr zu Doktor BendigVielleicht konnte sie ihm und auch dem kranken Rentier helfen?

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Herumliegende Geschenke an der Rukollamühle

Förster Grünrock schwang sich also auf sein Moped und fuhr den Waldweg entlang hinab in den Ort Waldesruh.

Während der Förster sich auf dem Weg zu Dr. Bendig befindet, verlassen wir ihn erst einmal und wenden uns einem anderem Teil der Geschichte zu. Denn nicht nur am Forsthaus hatte der Sturm seine Spuren hinterlassen.

Auch Tante Rukolla und ihr Mann Heinz hatten am Abend Sorge getroffen, damit der Sturm keine Schäden hinterlässt. Von der neuen Terrasse an der Rukollamühle hatten beide die Tische und Stühle des kleinen Freiluftcafés in das Haus geräumt.

In der Nacht selbst schliefen sie etwas unruhig. Ab und zu polterte es an der Mühle. Jedoch ging die Nacht ohne größere Schäden oder gar Ärger vorüber. Vielmehr war es wohl das Schnarchen von Heinz, welches Tante Rukolla den Schlaf raubte.

Am heutigen sonnigen Morgen mußten sie ihre neue Terrasse natürlich wieder für ihre Gäste und Cafébesucher richten. Schließlich ist nicht so entspannend und erholsam wie der Sonnenschein an frischer Luft. Dazu noch eine heiße Tasse Kaffe oder Kakao und ein Stückchen frische Torte.  Was kann es schöneres geben?

Als die beiden nun vor die Tür traten, sahen sie erst das Unheil, was der Sturm angerichtet hatte. Auf ihren neuen Terrasse und den liebevoll hergerichteten Rabatten lagen viele Weihnachtsgeschenke! Quer und bunt durcheinander, so als hätte sie jemand verloren.

Für den ein oder anderen geneigten Leser oder die ein oder andere geneigte Leserin mag diese Tatsache sicherlich kein großer Schaden sein. Und schon gar nicht mag diese Tatsache größerer Erwähnung bedürfen. Dennoch ist dieses kleine Detail wichtig für den Fortgang der Geschichte.

Auch für Tante Rukolla und ihr Mann Heinz war diese Tatsache nicht weiter erwähnenswert. Vielmehr waren beide erstaunt, woher die herumliegende Geschenke denn kamen. Bestimmt hatte ein Stand des Weihnachtsmarktes seine Dekorationen nicht richtig gesichert. Oder waren die Geschenke von der großen Weihnachtsfichte geweht?

Der Sturm hatte dann wohl in der Nacht die herumliegende Geschenke ergriffen und in Richtung der Rukollamühle geweht. Aber vom Philosophieren kommen die Tische und Stühle auch nicht hinaus auf die Terrasse und die ersten Gäste lassen sicherlich nicht lange auf sich warten.

Also schnell die Pakete und Päckchen zusammen gesammelt und ordentlich aufeinandergestellt. Erst wird das Cafè vorbereitet und dann kann der Heinz die Pakete zum Weihnachtsmarkt zurückbringen.

Der Weihnachtskrimi aus Waldesruh - Das Unglück des Weihnachtsmannes (2016)

Ein Loch im Wald – muß man sich wundern?

Rentiere auf dem Hof von Förster Grünrock, herumliegende Geschenke an der Rukollamühle. Auch in Waldesruh schenkte man solchen absonderlichen Kleinigkeiten gerade zur Weihnachtszeit keine Beachtung. Statt sich zu wundern und Mutmaßungen anzustellen, handelt man hier lieber. Wundern und diskutieren tut man andernorts schon genügend. So fuhr Förster Grünrock also zu Frau Dr. Bendig und Tante Rukolla sammelte mit ihrem Mann die Geschenke ein.

Glücklicherweise traf der Förster die Frau Doktor auch zu Hause an. Trotz der frühen Stunde stand diese in ihrer kleinen Apotheke. Dort füllte sie bereits eine neue Charge des beliebten Waldesruher Bitterblubbers ab. Waldesruh hat nämlich für die Weihnachtszeit ein kleines Gewinnspiel gestartet. Dafür wurde eine weitere Menge des Bitterblubbers benötigt.

Der Anblick erinnerte Förster Grünrock daran, daß er bis zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Frühstück hatte. Nicht wegen des edlen Kräuterlikörs! Sondern einfach, weil sein Magen knurrte. Dr. Bendig hätte doch sicherlich eine Kleinigkeit für ihn. Kleine Kleinigkeiten werden in Waldesruh sofort erledigt und schon hatte der Förster eine Schüssel gesunden Müslis vor sich. Während des Essens erzählte der Förster dann von den Rentieren.

Dr. Bendig schnappte ihre Arzttasche und machte sich auf den Weg zum Forsthaus. Dort wurde das verletzte Rentier fachmännisch bzw. -fraulich behandelt. Der Förster machte sich auf den Weg, um das Loch im Wald anzuschauen, welches der Sturm gerissen hatte.

Auch um ein Loch im Wald muß sich gekümmert werden. Zumal dann, wenn dort ein Baum quer über den Wanderweg liegt. Wenigstens den Weg mußte man freiräumen. Im Loch im Wald würden dann sicher wieder bald neue Büsche und Bäume wachsen.

Der Förster fuhr also mit dem Moped zur Unglücksstelle. Und siehe da: wirklich war ein Baum entwurzelt und lag quer über den Weg. Das mußte beräumt werden! Es konnte ja kein Wanderer zum Nationalparkhaus oder zum Pullermann gelangen.

Beim Näherkommen bemerkte der Förster aber ebenfalls, daß hier viele Geschenke herumlagen. Sollte der Sturm diese hierher in den Wald gepustet haben? Aber wie gesagt: wundern tut man sich nicht lange in Waldesruh.

Da der Förster hier jetzt nichts machen konnte, fuhr er zu seinen Forstarbeitern, damit diese den Weg beräumen konnten. Bei dieser Gelegenheit könnten sie doch die Geschenke gleich mit einsammeln.

In Gedanken schon auf dem Weg zu seinen Arbeitern, bemerkte er nicht das Lachen von Kindern, die hinter der Kurve des Waldweges auftauchten.

Der Weihnachtskrimi aus Waldesruh - Das Unglück des Weihnachtsmannes (2016)

Wie hilft man einem Weihnachtsmann, den man nicht sieht?

Die Kinder bogen gerade um die Ecke, als Susi Bendig schon die Bescherung sah. Ein großer roter Schlitten war im Wald verunglückt. Sollte das etwa der Weihnachtsmann sein? Schnell rannten die drei kleinen Waldesruher zum Schlitten. Und da sahen sie, dass der Weihnachtsmann ihre Hilfe benötigte. Natürlich mußten die drei Kinder Hilfe holen! Doch wie hilft man einem Weihnachtsmann?

Während Susi nun dem eingeklemmten Weihnachtsmann tröstende Worte zusprach, rannte der dicke Bernd den Berg hinunter in das beschauliche Örtchen Waldesruh. Dort lief er geradewegs in die Arme von Egon Schulze und Wachtmeister Hoffmann. Mit rotem Gesicht und außer Atem zog er beide mit in Richtung Wald.

Der dicke Bernd war so außer Atem, daß er kaum ein Wort zu den beiden Erwachsenen sprechen konnte. “ … am Pullermann … Schlitten … wie hilft man einem Weihnachtsmann … nur schnell …“ Sein Stammeln bedeutete den beiden aber eindeutig, daß sie mit ihm kommen sollten. Anscheinend war etwas geschehen.

Forschtrat Tobi hatte es etwas einfacher. Er brauchte nur den noch frischen Mopedspuren von Förster Grünrock zu folgen. Einholen tat er ihn an der Rukollamühle, wo der Förster sich gerade angeregt mit Tante Rukolla unterhielt. „Wir haben den Weihnachtsmann gefunden, er ist verletzt und braucht unsere Hilfe!“ rief Tobi den beiden schon vom Gartenzaun her zu. „Oben am Pullermann, da wo der Sturm den Baum umgeworfen hat. Dort liegt er mit seinem Schlitten“.

Die beiden Erwachsenen schauten sich fragend an. „Den Weihnachtsmann gibt es doch gar nicht.“ entgegnete der Förster „Und außerdem komme ich gerade von der Stelle. Da liegt nur der umgestürzte Baum und ein paar Geschenke. Aber kein Weihnachtsmann!“ „Doch, ganz sicher. Wir haben ihn dort oben gesehen. Die Susi ist jetzt bei ihm. Er braucht Hilfe! Wie hilft man einem Weihnachtsmann, bitte!“

Tante Rukolla beruhigte ihn. „Wir sollten einmal mit Tobi mitgehen. Erinnerst du dich nicht an das letzte Jahr kurz vor Weihnachten? Da ist sogar der Osterhase hier in Waldesruh aufgetaucht!“ sagte sie zum Förster und nahm ihn und den Tobi an den Arm. „Auf gehts!“

Zeitgleich kamen Forschtrat Tobi mit Tante Rukolla und Förster Grünrock und der dicke Bernd mit Egon Schulze und dem Wachtmeister Hoffmann an der Unglücksstelle an. Und was sahen die drei erwachsenen Männer? Nichts! Nur ein umgestürzter Baum, der ein großes Loch in den Wald gerissen hatte. Und ein paar herumliegende Geschenke.

„Wo ist denn nun der Weihnachtsmann?“ wollte Wachtmeister Hoffmann vom dicken Bernd wissen. „Dort oben, bei Susi!“ riefen die beiden Jungs wie aus einem Mund. „Sehr ihr ihn denn nicht?“ Die drei erwachsenen Männer schauten sich fragend an. Nur Tante Rukolla nahm die beiden Jungs in ihre Arme: „Ich sehe ihn!“

„Ich weiß, warum ihr den Weihnachtsmann nicht sehen könnt.“ sagte sie zu dem Männern gewandt. „Ihr glaubt nicht mehr wirklich an Weihnachten. Deshalb seht ihr ihn auch nicht.“ Die Männer blickten sich fragend an. „Das wird es sein,“ sagte Egon Schulze nach einer Weile, „das Weihnachten unserer Kindertage ist längst vorbei. Nur wie können wir dem Weihnachtsmann nun helfen?“

„Ihr müßt ganz fest an ihn glauben“ rief Susi den Hang hinab. Aber so fest die drei Männer auch an den Weihnachtsmann glaubten, er erschien nicht vor ihren Augen. Ob hier ein Bitterblubber helfe, wollte Egon Schulze wissen? „Mit Sicherheit nicht,“ entgegnete Tante Rukolla. „Erinnert euch lieber an das schöne Weihnachten eurer Kindheit.“

Gesagt, getan. Tante Rukolla, Forschtrat Tobi und der dicke Bernd eilten hinauf zu Susi, die immer noch dem Weihnachtsmann zuredete. Die drei erwachsenen Männer versuchten sich an ihre Kindheit und speziell an die Weihnachtstage zu erinnern.

Langsam tauchten wie aus einem Nebel die Erinnerungen wieder auf. Wachtmeister Hoffmann erinnerte sich, wie ihn seine Elten damals eine Modelleisenbahn geschenkt hatten. Zusammen mit seinem Vater spielte er tage- und nächtelang damit.

Egon Schulze dachte an seine Mutter, die in der schweren Nachkriegszeit das ganze Jahr von den knappen Lebensmittelrationen immer wieder etwas abgespart hatte. Nur um zu Weihnachten den Kindern einen extra Teller Kekse backen zu können. Er erinnerte sich an den heiligen Abend, als sie alle zusammen um den Ofen gesessen haben und gemeinsam Lieder sangen.

Und Förster Grünrock wußte noch, wie er als kleiner Junge immer am Vormittag des 24. Dezembers mit seinem Opa und seinem Vater in den Wald ging und alle gemeinsam den schönsten Weihnachtsbaum des Waldes suchten. Zu dritt trugen sie den Baum in das Forsthaus hinein und schmückten ihn. Die Frauen kochten, brutzelten und backten derweil die leckersten Sachen für das Weihnachtsessen.

Allen drei Männern wurde etwas wärmer um ihr Herz. Bei Wachtmeister Hoffmann schien sogar eine kleine Träne im Auge zu glitzern. Langsam hob sich wie ein Schleier der Nebel der Erinnerung. Lichter zu Weihnachten, Freude, Lachen, das Miteinander. Einfach zusammen Zeit miteinander verbringen und füreinander Zeit haben.

Der Weihnachtskrimi aus Waldesruh - Das Unglück des Weihnachtsmannes (2016)

Vor den Augen der Männer wurde es heller und wärmer. Es war, als ob sich ein Vorhang heben würde. Erst ganz langsam fing es an, dann wurde es immer deutlicher. Vor ihren Augen lichtete sich der Wald und ein roter Schlitten kam zum Vorschein. Schnell eilten sie zu ihm hin, um zu sehen, was sie helfen konnten.

Am Schlitten angekommen, lächelte Tante Rukolla den drei Männern  zu. „Jetzt seht ihr ihn also auch! Also hatte ich Recht.“ Gemeinsam mit den drei Kindern überlegten sie nun alle, wie sie dem Weihnachtsmann helfen konnten.

Dann ging es schnell. Mit Hilfe von Fichtenstangen richteten die drei Männer den Schlitten auf. Tante Rukolla und die Kinder zogen den Weihnachtsmann unter dem Schlitten hervor. Eine Trage war schnell gebaut und die Männer trugen den Weihnachtsmann zum Forsthaus. Hier war Frau Dr. Bendig noch vor Ort, die ja das verletzte Rentier versorgt hatte.

Der Weihnachtskrimi aus Waldesruh - Das Unglück des Weihnachtsmannes (2016)

 

Was war dem Weihnachtsmann passiert?

Die Männer trugen den Verletzten also zur Forsthütte. Glücklicherweise war hier noch Frau Dr. Bendig vor Ort, die sich um das verletzte Rentier kümmerte.  Auch Frau Doktor musste sich erst wieder an Weihnachten erinnern, um ihn erkennen  zu können. Aber diesen Teil der Geschichte kennt ihr ja schon …

Wer einem Rentier helfen kann, der kann auch dem Weihnachtsmann helfen. Zumindest, wenn man Ärztin ist. Sie tastete ihn vorsichtig ab. Glücklicherweise war nichts gebrochen. Er schien nur ein paar Prellungen abbekommen zu haben.

Besorgt scharten sich Tante Rukolla, die Kinder und die Männer um den Weihnachtsmann und um die Frau Doktor herum. Noch immer war er matt und geschwächt von den Strapazen. Deshalb wärmte Tante Rukolla erst einmal eine kräftigende Hühnersuppe auf. Die hilft immer!

Langsam und mit zittriger Hand löffelte der Weihnachtsmann die Suppe. Nach jedem Schluck setzte er kurz ab und erzählte. So erfuhren die Anwesenden, was letztendlich geschehen war.

In Vorbereitung auf die Bescherungen am Heiligen Abend mußte der Weihnachtsmann noch viele Geschenke für die Kinder abholen. So flog er rund um die Welt mit seinen fleißigen Rentieren von Spielzeugfabrik zu Spielzeugfabrik, von Zuckerbäckern zu Schokoladenherstellern. „Ihr denkt noch, daß die Elfen die ganzen Süssigkeiten und das Spielzeug allein herstellen können?“ fragte der Weihnachtsmann die Kinder und die Erwachsenen.  „Die Zeiten sind lange vorbei. Soviel Kinder und sowenig Zeit. Dazu die modernen Arbeitszeitgesetze. Und die Wünsche werden auch immer mehr und immer größer.“

Auch er mußte sich vor Jahren schon entscheiden. Jetzt verwalten seine Weihnachtselfen nur die Wünsche der Kinder und erstellen lange Bestelllisten. Diese werden dann mit der Weihnachtspost an ausgewählte Lieferanten geschickt und dort auch verpackt. Sind die Bestellungen abgearbeitet, holt der Weihnachtsmann dann diese mit seinem Schlitten ab. Gern fliegt er dazu in der Nacht. „Dann ist nicht all zuviel Verkehr und ich komme gut vorwärts.“ So organisierte er seine eigene Logistik.

In der Sturmnacht sollte er unter anderen eine große Bestellung aus der Waldesruher Spielzeugwarenmanufaktur abholen. Vor einem Sturm wurde nicht auf seinem Wetterradar gewarnt. Seine Rentiere gaben richtig Gas. Der Aufenthalt in Waldesruh sollte die letzte Adresse in dieser Nacht sein.

Doch plötzlich geriet der Schlitten in den Sturm. Er hatte Mühe, die Rentiere zu halten. Der Schlitten schaukelte und schwankte. Er verlor die ersten Geschenke. Mitten über dem Waldesruher Mühlenberg knackte und krachte es. Irgendetwas am Schlitten war wohl gebrochen.

Der Schlitten drohte abzustürzen. Immer mehr Geschenke verlor der Weihnachtsmann aus seinem Schlitten. Plötzlich rissen auch noch die Gurte und das Geschirr für die Rentiere. Der Weihnachtsmann sah die Tiere nach links und rechts ausbrechen. Der Schlitten drehte sich kopfüber und fiel weiter abwärts. Dann bemerkte er einen dumpfen Aufprall. Das war das letzte, an das er sich in dieser Nacht erinnern konnte.

Erst am nächsten Morgen wachte er durch das Lachen der drei Kinder auf, die ihn gefunden hatten. Und nun sei er hier. Wie geht es weiter? Können die Waldesruher dem Weihnachtsmann helfen?

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Schlittenreparatur und weitere Probleme

Nachdem der Weihnachtsmann seine Geschichte beendet hatte, waren die Waldesruher erst einmal sprachlos. Doch das dauerte nicht allzu lang. Dem Weihnachtsmann mußte geholfen werden! Auf zur Schlittenreparatur!

Also rief Förster Grünrock seine Arbeiter und die Gemeindearbeiter heran. Mit vereinten Kräften wurde der Schlitten aufgestellt und mittels Rollen zum Forsthaus gefahren. Hier schaute sich Bertram Baumeister den Schaden an. Ok, die Deichsel war gebrochen. Das sollte nicht allzu schwer zu reparieren sein.

Holz war genügend im Forsthaus zu finden. Gesägt, gehämmert und geschliffen – schon war eine neue Deichsel fertig und angebaut.

In der Zwischenzeit sammelten die Kinder und Tante Rukolla die Geschenke ein, welche noch im Wald lagen. Man glaubt gar nicht, wieviele Geschenke in so einen Schlitten passen!

Frau Dr. Bendig hatte allerdings schlechte Nachrichten. Das verletzte Rentier wird wohl noch ein paar Tage brauchen, ehe es wieder richtig laufen kann. Ein paar Tage? In acht Tagen war schon Weihnachten! Ob das gut geht?

Aber Förster Grünrock hatte schon eine Idee: Hirsch Hubertus könne doch als Ersatz einspringen! Das würde der bestimmt gern machen! Nur jemand müßte ihn fragen … Aber das sollte in Waldesruh gerade zur Weihnachtszeit kein Problem sein.

Der Weihnachtsmann war allerdings nicht ganz zu zuversichtlich. Am Heiligen Abend müssen die Rentiere viel leisten, damit jeder, der es verdient hatte, auch sein Weihnachtsgeschenk bekäme. Da würde er mit seinem Schlitten um die ganze Welt reisen müssen. Und die Rentiere müssen dafür fit sein. Und natürlich muß die Schlittenreparatur auch gelingen!

Die Geschenke sah er ebenfalls mit Zweifeln. Obwohl Tante Rukolla und die Kinder alle Pakete, Päckchen, Stofftiere und Puppen eingesammelt hatten, die sie finden konnten, es waren einfach zu wenig! Mehr als die Hälfte aller Geschenke fehlten noch!

Zweifel machten sich breit. Doch Egon Schulze wußte Rat. Der Weihnachtsmann solle bei sich zu Hause anrufen und seine Elfen befragen, wieviel Geschenke noch fehlen. Dann könne man die unter Umständen aus der Spielzeugwarenmanufaktur ersetzen.

In der Zwischenzeit waren die Gemeindearbeiter auch mit der Reparatur des Schlittens fertig. Alle gefunden Geschenke wurden im Schlitten verstaut. Die Waldesruher wunderten sich, wieviel in solch einen Schlitten hineingehen kann. Der Weihnachtsmann machte eine Sitzprobe und wollte den Schlitten starten. Doch nichts passierte!

Susi Bendig machte große Augen. „Die Rentiere fehlen ja noch!“ Der Weihnachtsmann schüttelte mit dem Kopf. Dabei wedelte sein großer weißer Rauschebart von links nach rechts und wieder zurück. Nein, die Rentiere brauche der Schlitten nur zum Fliegen. Starten und fahren sollte der Schlitten von allein. Irgend etwas war noch kaputt. Ob die Arbeiter auch magisches Eibenholz zur Reparatur verwendet hatten?

Der Förster und die Arbeiter schauten sich an. Nein, eher war es normales Fichtenholz, Eibe war zwar auch hier zu finden, aber ob es magisches Eibenholz ist? Nein, ohne magisches Eibenholz taugt der Schlitten nur zum Rodeln.

Ratlosigkeit machte sich breit: Woher bekommt man in Waldesruh magisches Eibenholz? Forschtrat Tobi hatte die Idee: Harry Potter muss helfen! Nur wer informiert ihn? Fräulein Krause nahm den Tobi an die Hand und kurzentschlossen erklärte sie: „Wir beide fahren nach Hogwards!“ und wollte loseilen.  Doch der Förster hielt sie zurück: „Warum schicken wir nicht eine Eule? Die ist viel schneller als der Zug!“

Gesagt, getan. Schnell wurde ein Brief geschrieben und die Eule Rosalie losgeschickt. Nun warten alle gespannt auf eine Antwort.

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Harry Potter und das magische Eibenholz

Sehnsüchtig warten die Waldesruher auf Antwort aus Hogwards. Niemand hat eine Ahnung, woher man das magische Eibenholz bekommt. Auch die Eule Rosalie, welche zu Harry Potter geschickt wurde, ist nicht in Sicht. Immer und immer wieder hält Forschtrat Tobi Ausschau nach ihr.

Währenddessen nutzen die anderen Waldesruher die Zeit. Wie dem Weihnachtsmann versprochen war, sichten alle die Bestände der Spielzeugwarenmanufaktur. Holzbaukästen, Memoriespiele, Schaukelpferde, Holzautos und Holzfiguren, Puppen und Teddybären werden zusammengetragen. Selbst auf den Dachböden der Manufaktur wird nachgeschaut. Holztiere, Pyramiden, Hampelmänner und Kugelspiele finden ihren Platz neben Räuchermännchen, Indianern und Nußknackern.

Aber die Liste des Weihnachtsmannes ist lang. Mit Ritterburgen und Cowboyhäusern und ganzen Kasperletheatern können die Waldesruher ja noch dienen. Aber mit Computern, Handys oder Playstationen? Die muß der Weihnachtsmann von seinen anderen Lieferanten beziehen. Gott sei Dank steht die Internetleitung und das provisorische Weihnachtsmannbüro im Rathaus kann fleißig mit dem Nordpol kommunizieren.

Fräulein Krause und Tante Rukolla haben hier die Organisation übernommen. Fleißig schreiben sie Listen, haken ab und schreiben neue Listen. Nebenbei wird telefoniert oder eine Email geschrieben. Schließlich soll nach Möglichkeit kein Kind ohne ein Geschenk zu Weihnachten bleiben.

Doch auch die Geschenke aus Waldesruh müssen verpackt und verladen werden. Hilfe kommt dabei aus dem ganzen Ort. An allen Tischen in der Manufaktur werden Kartons gefaltet und geklebt. Andere Helfer verpacken liebevoll und bruchsicher die Geschenke. Dazwischen sorgt der Bärenwirt für das leibliche Wohl aller.

Die Touristen und Urlauber in Waldesruh wundern sich sicher über den Trubel im Ort. Doch sie nehmen es gelassen und genießen das Weihnachten in Waldesruh. Belustigt schauen sie dem Treiben durch die Fenster zu. Ob sie vom Ernst der Lage überhaupt etwas ahnen?

Die Gemeindearbeiter um Bertram Baumeister stehen indes immer noch ratlos vor dem Schlitten des Weihnachtsmannes. Bertram kratzt sich am Kopf „So ein Quatsch. Magisches Eibenholz … Wo gibt es denn so etwas!“. Susi und der dicke Bernd werfen ihm nur einen empörten Blick zu. „Ja, ja – das wird schon was werden.“ brummt er da nur noch.

In diesem Augenblick kommt Tobi ganz außer Atem angelaufen. Von seinem Aussichtsplatz im Baumgeäst hat er bereits die Eule Rosalie gehört. Zeitgleich kommen die Eule und Tobi beim Schlitten an. Rosalie läßt ein kleines Päckchen fallen. Alle stürzen sich darauf.

Susi öffnet den Brief und heraus fällt ein kleiner Beutel. „Wie Eibenholz sieht das ja nun nicht aus!“ ruft enttäuscht der dicke Bernd. „Wartet, hier steht noch etwas geschrieben …“ Der Forschtrat dreht und wendet das Stück Papier. „Leider ist das nicht in Deutsch …“ murmelt auch er enttäuscht. Susi reißt ihm das Papier aus den Händen: „Das ist Englisch, warte, ich versuche es zu lesen.“

Und da Susi in der Schule immer aufgepasst hatte, geht das auch ganz flott: „Liebe Waldesruher, vielen Dank für die Post, welche ihr mir mit eurer Eule geschickt habt. Auch mich beunruhigt das Geschehen mit dem Weihnachtsmann. Leider ist es nicht möglich, magisches Eibenholz mit eurer Eule zu schicken. Aber ich hoffe, ich kann euch auf andere Art und Weise helfen. Im beiliegenden Beutel findet ihr etwas vom Feenstaub. Nehmt zur Wintersonnenwende geschlagenes frisches Eibenholz und bestreut es mit dem Staub. Dann in den Schlitten einbauen und fest daran glauben. Dann sollte der Schlitten eigentlich fliegen. Viel Glück! Euer Harry Potter“

„Na, wenn das gut geht …“ brummte Bertram Baumeister wieder,. Aber er verstummte sofort, als er die Blicke der Kinder sah.

Wintersonnenwende, wann war Wintersonnenwende? Förster Grünrock weiß natürlich Bescheid: „Die Sonne wandert am 21.12. um 11.44 Uhr in das Zeichen des Steinbocks und markiert damit den Zeitpunkt der Wintersonnenwende. Dann herrscht der kürzeste Tag des Jahres. Und zum Glück ist der 21.12. schon morgen!“

Da sollte es kein Problem sein, Eibenholz zu schlagen. „Die Eibe steht zwar unter Naturschutz,“ meint der Förster „aber in Anbetracht der besonderen Situation können wir hier wohl einmal eine Ausnahme machen.“ Die Bauarbeiter sollten doch einmal ausmessen, wie groß das Holz sein sollte und dann würde er mit den Holzfällern losgehen. Wo Eiben stehen, das weiß der Förster ganz genau. Schließlich ist es ja sein Wald. Und es wird ja auch sicher nur ein kleiner Ast sein.

Der Weihnachtskrimi aus Waldesruh - Das Unglück des Weihnachtsmannes (2016)

Gelingt die Rettung von Weihnachten?

Genau zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende setzte Förster Grünrock die Säge an der tausendjährigen Eibe an. Nichts ungeplantes sollte diesen, für die Rettung von Weihnachten wichtigen Schritt verhindern. Vorher hatte der Förster extra noch mehrere Male die Säge persönlich geschärft.

Ritsche ratsche fraß sich die Säge durch das Holz. Rotfarbene Sägespäne bedeckten bald den Boden. Es dauerte nicht lange, und der Ast der Eibe fiel zu Boden. Nun noch genau Maß angezeichnet und zurechtgesägt.

Kaum war das geschehen, bestreute Susi Bendig das Holz mit dem Feenstaub von Harry Potter. Gespannt warteten alle, was passieren würde. Es passierte aber nichts … „Ich sagte es doch …“ brummte Bertram Baumeister wieder.  Aber er verstummte sofort, als er die Blicke der Kinder sah. „… aber wir bauen das Stück Holz zur Sicherheit doch noch ein!“

Alle gingen zurück zum Schlitten. Das Holz war fix eingebaut und der Weihnachtsmann setzte sich auf den Schlittenbock. Alle drückten die Daumen und schlossen die Augen. Tuck tuck tuck .. brummmm … machte es und ein fast vergessener Geruch stieg allen in die Nase. Der Weihnachtsmann hustete sogar.

Alle öffneten die Augen. Der Schlitten schwebte unter einer blauen Abgaswolke knapp einen halben Meter über dem Boden. „Jupp, ich habe sicherheitshalber den alten Trabbimotor vom Förster mit eingebaut!“ freute sich Bertram Baumeister. „Sicher ist sicher und der funktioniert ja noch. So kann der Weihnachtsmann wenigstens mit dem Schlitten nach Hause fliegen und ihn vor dem Heiligen Abend noch richtig reparieren.“

Der Weihnachtsmann drehte den Zündschlüssel vom Schlitten wieder zurück. Doch der Schlitten blieb in der Luft. „Hurra, es funktioniert. Der Schlitten fliegt von allein!“ alle freuten sich und jubelten. Das Wichtigste zur Rettung von Weihnachten wurde erledigt.

Förster Grünrock holte die Rentiere. Leider war das eine verletzte Rentier immer noch nicht flugfähig. Aber auch hier erhielten die Waldesruher unverhofft Hilfe! Unter den Tieren des Waldes hatte es sich ebenfalls herumgesprochen, daß der Weihnachtsmann Hilfe zur Rettung von Weihnachten benötigte. Und so dauerte es gar nicht lange und einer der jungen Rothirsche aus dem Revier meldete sich freiwillig für das Abenteuer.

Förster Grünrock schaute etwas verwirrt. So kannte er „seine“ Tiere gar nicht. Aber zur Weihnachtszeit geschehen auch in Waldesruh einige wundersame Dinge. Und als Tante Rukolla ihn an den Arm fasste, wußte er, daß er nicht träumte. Bereitwillig stellte sich der junge Rothirsch mit den Rentieren in das Geschirr des Schlittens.

Der Weihnachtsmann zündete wieder den Motor. Wieder knatterte der Schlitten und die bekannte blaue Abgaswolke stieg empor. Die Rentiere und der Rothirsch aus Waldesruh zogen leicht an und tatsächlich. Der Schlitten bewegte sich! Der Weihnachtsmann stellte den Motor aus und der Schlitten glitt langsam über die Bäume des Nationalparkes und den alten Steinbruch hinüber in den Ort zur Spielzeugwarenmanufaktur.

Die Kinder, Tante Rukolla, der Förster und alle anderen, die dem Weihnachtsmann an der Forsthütte geholfen hatten, rannten so schnell sie konnten hinterher. Als der Schlitten sich vor der Manufaktur herabsenkte, trafen sie fast zeitgleich ein. Die anwesenden Urlauber und Touristen staunten nur und klatschten Beifall. Bestimmt dachten sie, daß dies eine weitere Attraktion der Waldesruher bei Weihnachten in Waldesruh ist.

Diese Tarnung geschickt ausnutzend, verteilte der wirkliche Weihnachtsmann ein paar Geschenke. Währenddessen fuhren die Waldesruher den Schlitten in den Hof der Manufaktur. Hier vor den Blicken der Besucher verborgen, konnte die Beladung mit den Weihnachtsgeschenken aus Waldesruh erfolgen.

Bis in den späten Abend hinein dauerte es, die vielen Pakete und Päckchen und  Säcke und Säckchen in den Schlitten zu laden und zu verstauen. Als die Waldesruher und der Weihnachtsmann endlich damit fertig waren, strahlten alle. Zwar waren auch alle geschafft und dem dicken Bernd fielen auch schon fast die Augen zu.

Aber wieder einmal hatten es die Waldesruher geschafft: die Rettung von Weihnachten ist gelungen. Der Weihnachtsmann kann mit seinem Schlitten (wenn auch mit Hilfe eines Trabbimotors) wieder fliegen und der Bescherung aller artigen Kinder steht nichts im Wege.

Fröhlich umarmte der Weihnachtsmann seine Helfer. „Seht ihr, man muß nur an etwas glauben, dann wird alles gut!“ schmunzelte er. „Aber nun muss ich langsam Abschied nehmen, Weihnachten naht und ich habe noch eine Menge zu tun. Vielen Dank an euch alle!“ 

Doch allzu schnell wollten die Waldesruher ihren Gast nicht fliegen lassen. Tante Rukolla holte noch für jeden eine Runde vom Waldesruher Bitterblubber und gemeinsam stießen sie alle auf das Erreichte an. Auch die Kinder durften ausnahmsweise heute einmal vom Kräuterlikör trinken.

Der Weihnachtsmann drückte noch einmal alle und holte aus seinem Schlitten noch ein Andenken für jeden der Helfer heraus. „Passt gut auf mein Rentier auf!“ rief er allen zu und stieg in den Schlitten. Mit dem schon bekannten Knattern und der blauen Wolke hob der Schlitten vom Hof ab.

Die Waldesruher standen da und winkten dem Schlitten zu. Dieser stieg höher und höher und verschwand schließlich in den Wolken.

Müde aber glücklich, zeigten sich die Waldesruher erleichtert, daß ihnen die Rettung von Weihnachten gelungen ist. Förster Grünrock wird das Rentier mit zu sich in die Forsthütte nehmen und gibt ihm ein Dach über den Kopf geben.

Müde und glücklich gehen alle nach Hause und  schlafen auch schnell ein. Die letzen Tage und Stunden waren ereignisreich. Aber es hat sich gelohnt!

Frohe Weihnachten aus Waldesruh wünschen alle Waldesruher!

PS: Wenn ihr zu Weihnachten ein Knattern am Himmel hört, könnte es der Weihnachtsmann sein, der mit seinem Schlitten gerade über euer Dach fliegt.

Der Weihnachtskrimi aus Waldesruh - Das Unglück des Weihnachtsmannes (2016)

 

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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