Weihnachtsgeschichte 2019: Der Wunderpilz von Waldesruh

Die Weihnachtsgeschichte 2019 läßt die Waldesruher auch in diesem Jahr wieder spannende Momente erleben. In vierundzwanzig kleinen Folgen als Adventskalender konntet ihr bereits die Geschichte erleben. Hier könnt ihr noch einmal zusammengefasst die gesamte Weihnachtsgeschichte 2019 lesen.

Weihnachtsgeschichte 2019: Der Wunderpilz von Waldesruh

Keine Zeit Trübsal zu blasen

Bereits seit dem Sommer führt der Mühlenbach nur sehr wenig Wasser. Deswegen ist Tante Rukolla besorgt. Zwar sind sie und ihr Mann nicht darauf angewiesen, dass der Bach das Mühlrad der alten Rukollamühle antreiben muss. Schon lange wird hier kein Mehl mehr gemahlen. Nur ab und zu an den Museumswochenenden lässt der Müller die Mühlräder noch einmal so richtig mahlen. Bisher hatte das Wasser des Mühlenbaches immer dafür gereicht. Zwar langsam, aber unermüdlich haben die schweren Steine das Korn zermahlen.

Vielmehr macht sich Tante Rukolla Sorgen darüber, dass in der Natur nichts mehr stimmt. Eigentlich hätte es im Herbst schon viel mehr regnen müssen. Doch nur vereinzelte Tropfen fanden ihren Weg auf die Erde. Das Korn und das Mehl sind bereits etwas teurer geworden. Auch die anderen Zutaten für ihre leckeren Torten kosteten mehr Geld. Aber noch immer war das leckere Gebäck bei ihren Gästen im Kaffee sehr beliebt. Und auch jetzt in der Weihnachtszeit fragen schon viele der Besucher nach Stollen und Keksen.

Das Sommergeschäft war wie immer erfolgreich gewesen in Waldesruh. Viele Menschen wollten hier bei den glücklichen Menschen in unberührter Natur ihren Urlaub verleben. Oder nur ein paar Tage dem Stress des Alltages entrinnen. Waldesruh hatte wohl immer schon das gewisse Etwas, obwohl es schon lange kein Geheimtipp mehr war.

Wie dem auch sei, der Mühlenbach hatte viel zu wenig Wasser als er es sonst üblicherweise führen würde. Langsam fielen die Bachränder trocken und der Bach zog sich immer mehr in sein Bett zurück. Die Uferpflanzen hatten es immer schwieriger und viele von ihnen sind bereits vertrocknet. Die Fische und die anderen Wassertiere sammeln sich in den tieferen Stellen, dort, wo der Bach noch genügend Wasser führt. Wie lange das noch möglich sein wird und wann der nächste Regen kommt, das kann niemand sagen.

So bleibt Tante Rukolla immer wieder nur der Blick gegen den Himmel, in der Hoffnung dort die ersten Regenwolken zu sehen. Für mehr Trübsal bleibt ihr nicht die Zeit. Es ist Adventszeit und Weihnachten steht vor der Tür. Auch in diesem Jahr wollen die Waldesruher mit ihrem Weihnachten in Waldesruh viele Menschen glücklich machen.

Ein neuer Bewohner in Waldesruh

Auch an diesen sonnigen Morgen tritt der Weihnachtsmann gut gelaunt auf seine Terrasse vor das kleine Häuschen, was er seit Anfang des Jahres bewohnt. Nicht leicht hatte er es sich gemacht mit seiner Entscheidung nach Waldesruh zu ziehen. Aber letztendlich haben seine Gefühle gegenüber den Menschen aus Waldesruh dafür gesorgt, dass er seinen Wohnsitz verlegte.

Jahrhundertelang lebte und arbeitete der Weihnachtsmann am Nordpol. Dort in seinen Weihnachtsfabriken hatte er jedes Jahr versucht, die Träume und Wünsche der Menschen auf der ganzen Welt zu erfüllen. Leider wurde das die letzten Jahre aber immer schwerer. Im letzten Jahr hatte er sogar deshalb seine Arbeit als Weihnachtsmann kurzzeitig gekündigt. Weihnachten war daraufhin verschwunden und nur die Waldesruher konnten es mit Hilfe der Waldtiere noch retten.

Ab diesem Jahr wollte er sich nicht mehr damit belasten. Sollten die Menschen doch ihr eigenes Weihnachtsfest feiern, so, wie sie es für richtig hielten. Schließlich ist er nicht mehr der Jüngste. So ist er mit seinen Elfen übereingekommen, nur noch für die Menschen Weihnachten zu veranstalten, für welche Weihnachten wirklich noch zählt.

So werden dieses Jahr keine Unmengen an Geschenken ausgeliefert. Dafür sollen die Menschen ab sofort selbst sorgen. An der Weihnachtsstimmung selbst soll sich jedoch nichts ändern. Denn Weihnachten ist ja bekanntlich die Zeit, in der alles passieren kann. Dafür will der Weihnachtsmann noch sorgen. Für alles andere hat er in dieser modernen Welt keine Nerven mehr. Deshalb suchte er sich ein kleines Häuschen in Waldesruh.

Der Weihnachtsplaner

Wie gesagt, der Weihnachtsmann lebt nun bereits seit einem knappen Jahr in unserem beschaulichen Örtchen. Aber nicht nur sein Abschied vom schnelllebigen Weihnachtsgeschäft war der Grund dafür.

Vielmehr sehnt sich auch der Weihnachtsmann nach Liebe und Geborgenheit. Seit Jahren ist er nun allein, seitdem seine Frau gestorben ist. In Waldesruh fand er zwar bisher nicht die große Liebe wieder, jedoch hatte er hier tolle Menschen kennengelernt. Menschen, die sich gegenseitig helfen und unterstützen und denen das Wort Freundlichkeit noch ein Begriff ist. Die Waldesruher sind keine konsumverwöhnten und geldgierigen Zombies, die sonst bereits vielfach auf der Welt herumlaufen.

Mit Hilfe von Fräulein Krause und dem Ortsvorsteher Egon Schulze fand er auch schließlich das passende kleine Häuschen mit Garten direkt im Wald. Schnell war es eingerichtet und der Weihnachtsmann konnte seine neue Tätigkeit als Weihnachtsplaner aufnehmen.

Seine Rentiere und die Elfen hatte er mit seinen Aufgaben am Nordpol beauftragt. Kontakt hielt er mit ihnen über das Internet, was ja für den Weihnachtsmann nun auch kein Neuland mehr war.

Den Urlaubern fiel der Weihnachtsmann gar nicht auf. Gut, er zeigte sich nicht oft in seinem roten Mantel. Dafür war es ihm hier in Waldesruh im Sommer viel zu heiß. Wie die Waldesruher lief er hier auch mit für uns normaler Kleidung herum. Und wenn es ihm einmal zu warm war, konnte man den Weihnachtsmann auch mit freiem Oberkörper im Garten sehen. Nur sein großer weißer Bart erregte die Aufmerksamkeit der Urlauber und vor allem der Kinder. Aber niemanden kam der Gedanke, dass dies wirklich der Weihnachtsmann sei.

Für den Weihnachtsmann sollte dieses Jahr eines der glücklichsten Weihnachten seines Lebens werden. Zumindest hatte er sich das selbst vorgenommen.

Tante Rukolla macht sich Sorgen

Es schien ja alles ganz gut zu laufen in Waldesruh. Der Weihnachtsmann war zufrieden, die Urlauber glücklich und die Waldesruher genossen ihr Weihnachten in Waldesruh. Wirklich? Waren alle zufrieden und glücklich? Wie wir bereits erfahren haben, schien das bei Tante Rukolla nicht der Fall zu sein.

Schon wieder hatte der Mühlenbach an Wasser verloren. Sollte die Quelle, die noch nie jemand gefunden hatte, langsam aber sicher versiegen? Oder lag das wirklich nur daran, dass es lange Zeit keinen Niederschlag gegeben hatte? Noch hatte das Mühlenkaffee nicht für die Urlauber geöffnet. Bis zum Nachmittag waren es noch ein paar Stunden.

Tante Rukolla überlegte noch etwas und fasste dann den Entschluss! Sie wollte wenigstens bis zur Felswand gehen, dorthin, wo der Wasserfall am Hirschkopf aus den Felsen gestürzt kam. Vielleicht findet sie an der Brücke über den Bach etwas, was den sinkenden Wasserstand erklären dürfte.

Auf ihrem Weg trifft Tante Rukolla auf unseren Bauern Heinrich. Auch dieser scheint gerade nicht besonders glücklich zu sein. Schnell entspinnt sich zwischen den beiden ein kleines Gespräch. Und Bauer Heinrich lässt seinen Sorgen freien Lauf: „Isch muss meene Viescher vakoffn. Dat fudder will gnapp werdden.“ (Ich werde meine Tiere verkaufen müssen. Das Futter wird knapp.)

Ähnliches hat Tante Rukolla bereits von anderen Bauern und Kleintierhaltern gehört. Durch den fehlenden Regen gibt es zu wenig Futter für die Tiere. Über den Sommer konnte nicht genügend Heu und Stroh gemacht und eingelagert werden. Um über den Winter zu kommen, bleibt dann nur der teure Einkauf von Futtermitteln. Oder das billige Soja aus Übersee, wofür der ganze Regenwald vernichtet wird.

„Nene, dasch iss traurich. Awer isch mudd dat mache. Hooptsache isch gann meene Rosi behalde. Die iss meen een un allet.“ (Das ist traurig. Aber was soll ich machen? Hauptsache, ich kann meine Rosi behalten. Die ist ja die wichtigste bei uns.) [Anmerkung der Redaktion: Hier ist sicherlich die Rosi, seine Zuchtsau, gemeint. Nicht die Rosi, seine Frau.]

Gesenkte Kopfes und dieses Mal ohne einen Schluck vom Waldesruher Bitterblubber (was schon eine Menge bedeuten muss) verabschiedet sich Heinrich von Tante Rukolla. Diese macht sich nun noch gedankenvoller weiter auf ihren Weg.

Warum es keinen Bitterblubber gibt

Als Tante Rukolla in Höhe des Forsthauses ankam, sah sie bereits unseren Förster Grünrock mit Frau Dr. Bendig vor der Tür stehen. Erfreut die beiden zu sehen, rief sie ein fröhliches „Hallo“ und gesellte sich zu den beiden.

Frau Dr. Bendig und Förster Grünrock diskutierten gerade angeregt. Deshalb bemerkten sie anfänglich gar nicht die Anwesenheit von Tante Rukolla. So hörte Tante Rukolla erst einmal den beiden zu. Ihre Diskussion drehte sich um den Waldesruher Bitterblubber. Schließlich hätte ja am 01. November die alljährliche Präsentation des neuen Kräuterliköres stattfinden sollen.

Aus bisher unerklärlichen Gründen ist diese jedoch ausgefallen. Nun erfuhr Tante Rukolla hier näheres. Es wird auf absehbare Zeit erst einmal keinen Bitterblubber mehr geben. Beim Sammeln der Kräuter ist Dr. Bendig und dem Förster nämlich aufgefallen, dass am Standort der geheimen Kräuter immer weniger Pflanzen wuchsen.

Zwar stand das Kraut unter Naturschutz, aber die Waldesruher hatten für die Herstellung des traditionsreichen Kräuterliköres extra eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Einmal im Jahr konnten sie eine kleine Menge der Pflanze sammeln. Aber selbst am geheimsten Standort des Kräutleins beobachteten die beiden immer weniger Pflanzen. Aus diesem Grund wurde das Sammeln in den letzten Jahren erst eingeschränkt. In diesem Jahr habe man sich aber entschieden, gar nicht mehr zu sammeln.

Jedenfalls hofft Förster Grünrock, dass sich nach einigen Jahren der Bestand dieser wichtigen Zutat wieder erholt hat und die Waldesruher dann wieder ihren Bitterblubber brennen können.

„Das müsse man aber den Waldesruhern erklären.“ meinte Tante Rukolla. „Dann können wir erst einmal nicht so viel mehr verkaufen und müssen mit unseren Vorräten haushalten.“  Dr. Bendig stimmte ihr zu. Förster Grünrock war etwas skeptischer. Er möchte unter allen Umständen, dass das Rezept unter Verschluss kommt. Nicht, dass noch ein findiger Geschäftemacher das Rezept herausfindet und somit noch das letzte Pflänzlein des notwendigen Kräutleins vernichtet.

Dem Förster wäre es am liebsten, der Bitterblubber wäre gar nicht wiederentdeckt worden. Aber wer weiß denn schon alles vorher. Er bat die zwei Frauen ihr Geheimnis für sich zu bewahren. Falls jemand fragen sollte, sollten sie einfach nur sagen, dass es dieses Jahr aufgrund der geringen Ernte keinen Bitterblubber gäbe. Das sollte die Waldesruher wenigstens für dieses Jahr etwas Ruhe verschaffen.

Kein Weihnachtsrummel – nur noch Gemütlichkeit

Mit einem Blick zur Uhr sah Tante Rukolla, dass es Zeit war, in ihr Kaffee zurückzukehren. Nicht, dass die Gäste noch vor verschlossener Türe stehen mussten. Schließlich war Waldesruh immer noch das beschauliche Örtchen, wie wir es seit Jahren kennen und lieben gelernt haben.

Und zur Beschaulichkeit gehört auch immer eine Tasse eines heißen Getränkes und ein Stück hausgebackene Torte dazu. Das ist eine Gemütlichkeit. Gerade, wenn es draußen grau, kalt und gräulich ist. Gerade in der Vorweihnachtszeit ist Gemütlichkeit wichtig. Denn wie sonst soll man in Weihnachtsstimmung kommen?

Ok, bei aktuellem Sonnenschein und Temperaturen von 15 Grad am 6. Dezember ist es nicht leicht, Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Aber man kann sich noch bequem auf der Terrasse aufhalten und bei Kaffee und Kuchen die Aussicht genießen. Das ist ja auch gemütlich!

Glücklicherweise hatte der Rummel um Weihnachten in Waldesruh in diesem Jahr etwas nachgelassen. Nachdem im letzten Jahr die Menschen das Weihnachtsfest fast zerstört hatten, versprachen die Waldesruher dem Weihnachtsmann ja, dass es in Waldesruh nicht mehr diesen ganzen Weihnachtskommerz geben wird. Darum haben sie auch gar keine Werbung für Weihnachten in Waldesruh mehr gemacht.

Zwar gibt es einen kleinen Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz und an der Rukollamühle stehen auch noch ein paar Büdchen. Aber es gibt keinen Weihnachtsrummel wie in den letzten Jahren. Dadurch schwingt auch wieder dieses wundervolle Weihnachtsgefühl durch die Gassen. So wie es damals war, als es noch keine großen Kaufhäuser, Autos und noch nicht so viele Fernseher gab.

Tante Rukolla kam gerade noch rechtzeitig an der Rukollamühle an. Drei erste Gäste warteten bereits auf der Terrasse. Freudig bestellten sie Kaffee, Kakao und die unvermeidliche Torte. Mit so netten Gästen macht die Arbeit im Kaffee für Tante Rukolla doppelt so viel Spaß.

Auch Förster Grünrock macht sich Sorgen

Förster Grünrock indes machte sich auf den Weg in seinen Wald. Schließlich wollte er noch hinauf zu den Rabenklippen und dort seine Waldarbeiter besuchen. Vielleicht sieht er auch den Luchs wieder, der seit ein paar Jahren dort oben sein Revier hat.

Unterwegs kam er am Pullermann vorbei. Hier schaute er mit Besorgnis in die Natur. Der kleine Waldweiher war fast eingetrocknet. Viel Wasser hatte er nicht mehr. Muschelschalen lagen bereits auf dem Trockenen. Wenn es nicht bald regnen oder schneien würde, wäre auch hier bald nur noch trockene Erde zu finden.

Auch die Bäume rund um den Teich hatten bereits eine schwere Zeit hinter sich. Die Laubbäume haben ihre Blätter bereits frühzeitig abgeworfen. Nur kahle Gerippe stehen noch da. Viele der Buchen und Eichen litten an Kronentrockenheit. Den Fichten setzte zudem noch der Borkenkäfer zu. Eigentlich müsste der Förster hier alles abholzen lassen, um neue Bäume zu pflanzen.

Doch solche Kahlschläge lehnte der Förster ab. Lieber ließ er der Natur ihren Lauf. Sie wusste schon, was das Richtige war. Langsam, sehr langsam wuchsen neue Bäume und Sträucher heran. Diese würden besser mit den heißen und trockeneren Sommern klar kommen. Zwar würde der Waldesruher Wald sich langfristig von den Eichen verabschieden müssen. Stattdessen werden aber andere Baumarten wie die Buche in größerer Zahl wachsen.

Solange noch Leben im Wald war, brauchte sich der Förster nicht zu sorgen. Sorge bereitete ihm aber immer mehr, dass es selbst im beschaulichen Waldesruh immer weniger Tier- und Pflanzenarten gab.

Unglaubliche Dinge passieren häufig in Waldesruh

Trotzdem ging unser Förster Grünrock wohlgelaunt weiter seines Weges. Noch war die Natur hier um Waldesruh intakt. Die Waldesruher hatten ihren Nationalpark und die Urlauber kamen ja gerade wegen der Natur hierher.

Also in Waldesruh konnte man schon leben. Vieles hatte sich in den letzten Jahren hier schon verbessert. Viel mehr konnte man eigentlich gar nicht mehr verbessern. Waldesruh war und ist ja nur ein beschauliches Örtchen. Hier passiert nicht viel. Und wenn etwas Aufregendes passieren würde, wäre das wahrscheinlich ganz unglaublich.

So unglaublich, dass man das Geschehene wohl nur selbst erlebt haben musste, um es zu glauben. Niemanden, dem man so etwas erzählen würde, würde das auch glauben. Wer glaubt denn heute noch den Osterhasen, an einen Schlitten mit Trabbimotor oder fliegenden Rentieren. Selbst wenn Weihnachten verschwinden würde oder Tiere plötzlich reden könnten – es würde kein normaler Mensch auf die Idee kommen, dass es wirklich so stattgefunden hat.

Aber der Förster wusste es besser. Schließlich war er bei all diesen Geschehnissen dabei gewesen. Und nicht nur er, sondern alle Waldesruher. Gerade in der Weihnachtszeit geschehen heute auch noch Wunder. Eigentlich muss man in Waldesruh schon damit rechnen, dass irgendetwas geschieht.

Ganz in seine Gedanken versunken, merkte Förster Grünrock gar nicht, dass er von den Waldesruher Kindern Tobi, Susi und dem dicken Bernd beobachtet wird. Die drei sind statt in die Schule gleich am Morgen in den Wald gelaufen. Denn trotz der trockenen Tage gibt es auch in Waldesruh noch reichlich Pilze. Und das wollen unsere drei wissbegierigen Kinder natürlich noch nutzen.

Pilze suchen im Dezember?

Nun könnte man spekulieren, weshalb die drei Waldesruher Kinder Anfang Dezember im Wald nun noch Pilze suchen würden. Der geneigte Leser könnte meinen, der dicke Bernd wäre interessiert an einer leckeren Pilzpfanne. Oder die geneigte Leserin ist sicherlich der Meinung, dass Susi und Tobi nur die Standorte der ganzen Pilze im Wald notieren wollten.

Aber in diesem Falle müssen die Waldesruher die Leserin und den Leser enttäuschen. Sinn und Zweck vom Pilze suchen ist weder eine leckere Pilzpfanne noch die Kartierung des Waldesruher Pilzbestandes.

Vielmehr wollen die drei Waldesruher den Wunderpilz finden. Dieser Pilz eröffnet den glücklichen Findern nämlich die Erfüllung von drei Wünschen. Und was könnte man sich angesichts der aktuellen Lage in der Welt alles Wünschen?

Der Grund für das Begehren der drei Kinder ist einfach erzählt. Doch dafür müssen wir in unserer Geschichte wieder ein paar Tage zurückgehen. Nachdem die Oma von unserem Forschtrat Tobi in diesem Sommer verstorben war, half Tobi seinen Eltern mit die Zimmer seiner Oma im Erdgeschoss des Hauses auszuräumen. Dort in der Wohnstube stand schon seit Jahren eine uralte Holztruhe. Die Truhe stand schon da, seitdem sich Tobi daran erinnern konnte. Wahrscheinlich war sie auch schon lange vor ihm da.

Jedoch durfte er zu Omas Lebzeiten nie dort hinein schauen. Immer war sie fest verschlossen. Die Oma meinte dann immer nur zu ihm, dass dort ein paar Geheimnisse wären. Ein paar Mal hatte er  versucht den schweren Deckel der Truhe anzuheben. Aber jedes Mal war die Truhe verschlossen. Nun war die Oma aber gestorben und die Truhe konnte geöffnet werden.

Das Geheimnis der Truhe

Als der Tag gekommen war, an dem Truhe geöffnet werden sollte, stand Tobi bereits früh am Morgen ganz aufgeregt in der Stube. Ok, Tobi war immer schon ein Frühaufsteher gewesen. Doch an diesem Tag stand er dann noch etwas früher auf.

Kaum konnte er es erwarten, dass sein Vater den Schlüssel in das Schloss der alten Eichenholztruhe steckte. Das Schloss hakte etwas, dann knackte es und die Riegel sprangen auf. Mit lauten Knarren ließ sich der schwere hölzerne Truhendeckel anheben.

Tobi und seinem Vater kam ein etwas muffiger Geruch entgegen. Beim ersten Blick in die Truhe sahen sie nur ein paar Schachteln, Bettwäsche und Tischdecken. Die Oma von Tobi war in ihrem ganzen Leben sparsam und schonte die Sachen, für die sie hart gearbeitet hatte. Dabei dachte sie natürlich an ihr eigenes hartes Leben. Ihre Kinder und Enkel sollten es einmal besser haben als sie und ihr Mann.

Tobis Vater, der Bertram Baumeister heißt und übrigens der Chef der kleinen Gemeindearbeiterbrigade aus Waldesruh ist, lächelte mit Tränen in den Augen. „Das ist wohl die Aussteuer, die Oma für dich gesammelt hat.“ meinte er zu Tobi. Schließlich war einer der letzten Wünsche der Oma gewesen, dass ihr lieber Tobi diese Truhe mitsamt dem gesamten Inhalt erhält.

Und diesen letzten Willen seiner Mutter wollte Bertram an diesem Tage einlösen. Tobi wusste nicht, ob er sich freuen sollte oder nicht. Eher war er noch ein bisschen trauriger geworden. Langsam klappten sie die Truhe zu ohne weiter hineinzuschauen. Was nun?

Zum Wegtragen war die Truhe für Tobi allein viel zu schwer. Außerdem, wo sollte er damit hin? Sein kleines Zimmer unter dem Dach war bereits so eng, diese Truhe passte nicht hinein. Und was sollte er denn mit der alten Bettwäsche und den Tischtüchern? Sein Vater schien die Gedanken von Tobi zu erraten.

„Wir könnten dir dein Zimmer ja hier unten einrichten. Dann hättest du ein größeres Zimmer und müsstest nicht immer bis nach oben laufen. Außerdem können dann auch deine Freunde hier bei dir übernachten. Was meinst du?“

Tobi nickte ganz erfreut. Das war ja ein ganz neuer Anfang! Freudig umarmte er seinen Vater. Natürlich wird er beim Ausräumen und Renovieren mit anfassen. Und seine Freunde helfen natürlich auch mit.

Die Kinder räumen die Truhe aus

Am folgenden Tag konnten Tobi es kaum erwarten in die Schule zu kommen. Schließlich hatte er der Susi und dem dicken Bernd ja wichtige Neuigkeiten zu erzählen. Und so hatten die drei auch im Unterricht Mühe ruhig zu bleiben. Gleich nach dem Ende der Schule wollten sie sich verabreden. Gemeinsam wollten alle drei Kinder die Truhe erforschen.

Gesagt, getan. Kaum klingelte die Schulglocke zum Unterrichtsende, stürmten die Kinder zu Tobi. Hier hatte Bertram Baumeister schon kräftig mit der Renovierung des Erdgeschosses begonnen. Hilfe hat er dabei von seinen Gemeindearbeitern erhalten. Die Truhe stand zugedeckt im kleinen Stall des Elternhauses.

Hierher verzogen sich die Kinder. Der Truhenschlüssel steckte und gemeinsam schafften sie es den schweren hölzernen Truhendeckel anzuheben. Vor ihnen lagen die kleinen Schätze in der Truhe. Bedächtig nahmen sie Stück für Stück heraus. Zuerst die Bettwäsche und die alten Tischdecken. „Boah, riecht das nach Mottenpulver!“ rief der dicke Bernd. „Klar, das sind ja auch alte Sachen“ entgegnete Susi. „Schau doch bloß, wie kunstvoll und bunt diese Decke hier bestickt ist.“ Vorsichtig legte sie die Wäsche zur Seite.

Unter der ganzen Wäsche kamen einige Schachteln zum Vorschein. Jede einzelne von ihnen wurde vorsichtig geöffnet. Einige enthielten Fotos, andere Briefe. Auch etwas Schmuck und ein paar Orden waren in einer der Schachteln. Laut kicherten die Kinder beim Betrachten der Fotos. Viele Männer zeigten komische Bärte und alte Uniformen. „Guck mal, der hier sieht aus wie Kaiser Wilhelm.“ Susi hielt Tobi ein Foto hin. „Das ist mein Uropa. Von dem hat mir Oma immer viel erzählt. Er war damals im Krieg. Leider kenne ich ihn nicht.“ sagte Tobi leise.

Viele der Briefe konnten sie nicht lesen. Die uralte deutsche Sütterlinschrift war den Kindern nicht vertraut. Später würden sie einen der Erwachsenen fragen müssen. Plötzlich fiel Tobi ein gefaltetes Blatt Papier vor die Füße. Schnell bückte er sich und faltete es auseinander. Zum Vorschein kam eine kleine ungelenke Kinderzeichnung. Auf dem Bild waren Wald, ein Pilz, Rehe, Wildschweine, Vögel und ein kleiner Junge zu sehen.

„Ha, der Junge bin ich“ meinte Tobi zu den anderen beiden. „Das Bild habe ich vor langer Zeit gemalt,  als ich noch klein war.“ Die Oma hatte ihm öfters eine Geschichte von einem Pilz erzählt. So oft, dass er sie fast noch auswendig kannte. Nur hatte er die Geschichte über die Jahre vergessen. Susi und der dicke Bernd setzten sich zu ihm. „Erzähl uns die Geschichte!“ forderte Susi ihn auf.

Die Geschichte vom Wunderpilz

Erwartungsvoll blickten Susi und Bernd nun Tobi an. Und der begann, die Geschichte zu erzählen:

Dieser Pilz soll irgendwo im Waldesruher Wald wachsen. Wo genau, dass weiß niemand so recht. Nur alle einhundert Jahre soll jemand überhaupt die Gelegenheit haben, diesen Pilz zu finden. Allerdings zeigt der Pilz sich nicht jedem. Wer den Pilz sehen wollte, der müsste die Natur lieben, die Tiere und die Pflanzen beschützen und den Menschen gegenüber ein guter Freund sein.

Durch ein Leuchten soll sich der Pilz dem Finder verraten. Derjenige, der diesen Pilz erblickt, kann sich glücklich schätzen. Denn der Pilz ermöglicht es, drei Wünsche zu erfüllen. Allerdings müssen die Wünsche zu irgendetwas Gutem nütze sein und dürfen nicht die Gier oder den Hass befriedigen.

„Ach, das ist doch bloß ein Märchen.“ winkte der dicke Bernd gelangweilt ab. „In jeder Erzählung steckt ein Stück Wahrheit.“ erwiderte Susi. „Meine Oma hat mir diese Geschichte so oft erzählt.“ fuhr Tobi den beiden in das Wort. Und nicht nur das. Sie sagte ihm immer, sie sei im Jahr des Pilzes geboren worden. Und damit sei sie ein echtes Glückskind gewesen. „Sie hatte einfach immer Glück im Leben.“ erinnerte sich Tobi.

Vieles hatte sie in ihren Tagebüchern aufgeschrieben. Ein paar Male hatte sie Tobi auch ihre Erzählungen von damals gezeigt. Angeblich sei ihr Vater einmal ganz glücklich aus dem Wald gekommen. Alles würde gut werden, hatte er damals zu seiner Frau gesagt. Aber an mehr konnte sich die Oma dann auch nicht erinnern.

Trotzdem bewahrte sie die alten Briefe und Bilder ihrer Eltern weiter auf. Eingebunden in einer roten Schleife liegen sie noch heute in einer der kleinen Schachteln. Ehrfurchtsvoll nimmt Susi die Briefe aus dem Karton. Eingetrocknete Lavendelblüten rieseln zwischen den Papieren heraus. Die Briefe riechen nach altem Parfüm.

Leider können die Kinder die Schrift nicht entziffern. Jedoch in einem der Briefe ist eine kleine Zeichnung. „Das könnte der Pullermann sein?“ warf Susi unsicher in die Runde. „Ja“, meint Tobi. Aber er könne die Schrift nicht lesen. Ob Pfarrer Braun nicht helfen könne? Der hat doch diese alten Kirchenbücher in der Kirche. Die haben auch diese alte Schrift. Die Kinder beschlossen, den Pfarrer um Rat zu fragen.

Der Brief vom Uropa

Am nächsten Tag gleich nach der Schule rannten die drei Freunde zum Haus von Pfarrer Braun. Überrascht öffnete der Pfarrer die Tür. Vorsichtig holte Tobi den Brief seines Urgroßvaters hervor, welchen er sorgfältig in seinem Biologiebuch verpackt hatte.

Ob er ihnen den Brief vorlesen könne. Schließlich können sie die Schrift nicht lesen, die sei viel zu alt. Der Pfarrer nickte und bat die Kinder ins Haus. Schnell machte er den Kindern eine Tasse warme Milch und stellt auf einem Teller ein paar Weihnachtskekse bereit. Dann vertiefte er sich in die Lektüre des Briefes.

Die Kinder sahen ihm still zu. Ab und an nickte er mit dem Kopf und brummte etwas. Nach einiger Zeit setzte er seine Lesebrille ab. „Nun ja. Anscheinend schreibt dein Uropa hier aus dem Krieg an sein Mädchen, deine Uroma.“ Er hoffe immer noch gesund und munter nach Hause zu kommen. Schließlich wollte er seine Liebe heiraten und auch Kinder mit ihr bekommen. Doch sein Mädchen hatte immer wieder Bedenken wegen der finanziellen Mittel, damit sie ihre Kinder auch ausreichend versorgen könnten.

„Aber dein Opa hatte anscheinend weitere Forschungen angestellt.“ Er schreibt, dass spätestens im Jahr 1919 alles gut werden wird. Er hätte wichtiges Wissen von einem arabischen Gelehrten erfahren, dem er ihm Kriege geholfen habe. „Ja das weiß ich, Oma hat mir immer erzählt, dass ihr Vater einem verwundeten Soldaten der Feinde geholfen hatte.“ rief Tobi ganz aufgeregt. „Was steht denn noch in dem Brief?“

Der Uropa hätte eine kleine Skizze gemacht, um nicht zu vergessen, was der Soldat ihm erzählt hätte. Eigentümlicherweise kannte er den Ort Waldesruh. Er hatte dem Uropa sogar eine kleine bestickte Decke geschenkt, die er wohl in Waldesruh von einem alten Kräuterweiblein bekommen hätte. Diese Decke schickte er in dem gleichen Paket wie diesen Brief an die Uroma von Tobi.

„Ich weiß nicht, was dein Uropa mit diesem Brief meint. Anscheinend hat er den Krieg ja überlebt und kam wieder zurück nach Waldesruh. Weihnachten 1919 ist er dann gestorben. Am gleichen Tag, als seine Tochter, deine Oma, zur Welt kam.“ Der Pfarrer gab Tobi den Brief zurück. Alte Briefe und Fotos seien wunderschöne Dokumente und Zeitzeugen. Sie ermöglichen uns heute Zeitreisen in die Vergangenheit. Vieles könne man aus ihnen lernen. Tobi sollte diesen Brief in Ehren halten.

Draußen war es inzwischen dunkel geworden. Zeit für die Kinder, nach Hause zu gehen. Artig bedankten sie sich bei Pfarrer Braun und verabschiedeten sich. Auf dem Nachhauseweg vereinbarten die drei, sich morgen früh vor der Schule zu treffen.

Der Morgen nach einer schlaflosen Nacht

Die ganze Nacht hindurch konnte Tobi kein Auge schliessen. Immer wieder dachte er daran, was der Pfarrer ihnen aus dem Brief erzählt hatte. Er dachte an die Geschichte, die er so oft von seiner Oma gehört hatte. Und er dachte an die alte Truhe, von der seine Oma immer behauptet habe, es sei eine Schatztruhe.

Wenn er alle Gespräche, Dinge und Hinweise zusammenfasst? Kann es dann nicht auch sein, dass die Geschichte vom Wunderpilz doch wahr ist? Immer wieder wälzte Tobi sich in seinem Bett hin und her. Dann wieder stand er auf und wanderte durch sein kleines Zimmer. Er ordnete die Briefe und Zeichnungen und versuchte weitere Hinweise zu finden.

Am anderen Morgen war er noch immer müde. Das war ja auch kein Wunder, denn geschlafen hat er ja in der vergangenen Nacht nicht. Trotzdem war er früh morgens der erste Junge vor der Schule. Wenig später trafen seine Freunde bei ihm ein. Die beiden sahen ebenfalls nicht danach aus, als ob sie viel geschlafen hätten.

Wirr redeten alle drei auf einmal durcheinander. So laut, dass unser Fräulein Krause erschreckt aus ihrem Küchenfenster schaute. Als sie die drei Kinder sah, lächelte sie nur. Sie kannte die Kinder ja schon und wusste, dass bei ihnen immer etwas los war. Vielleicht hatte Tobi ja wieder einen Waschbären gefunden, den er nun Susi und Bernd zeigen wollte.

Aber dieses Mal war es kein Waschbär. Schnell zog Tobi Susi und den dicken Bernd mit sich in eine Ecke. Anscheinend berieten sie sich. Nach fünf Minuten rannten die drei aufgeregt um die Ecke. Fräulein Krause wunderte sich, denn die Schule lag genau in der entgegengesetzten Richtung. Doch auch unser Fräulein musste langsam los, denn ihr Büro im Rathaus wartete bereits. Frohen Mutes setzte sie sich wie immer ihr keckes Reiherfederhütchen auf und schritt mit lächelndem Gesicht zum Rathaus.

Die Stickerei

Doch unsere drei Freunde dachten nicht daran, heute in die Schule zu gehen. (Liebe Kinder: Bitte nehmt euch das Verhalten unserer drei nicht zum Vorbild! Denn die Schule zu schwänzen, ist so ziemlich das Dümmste, was man machen sollte. Ausser am Freitag, wenn es um die Rettung der Welt geht. Oder wenn ihr in Waldesruh wohnt und etwas wirklich Wichtigeres als die Schule zu erledigen habt.)

Stattdessen rannten sie zu Tobi nach Hause und in sein neues Zimmer. Sie suchten die kleine bestickte Decke, die Susi bereits so gut gefallen hatte. Und da war sie. Schnell breiteten die Kinder das Deckchen aus. Langsam erkannten sie, was die Stickereien bedeuten sollten.

Ähnlich wie die alte Zeichnung vom Uropa zeigten die Stickereien die Gegend um den Pullermann. Anscheinend war es nachts, denn am Himmel waren Sterne zu sehen. Am Rand des Deckchens war ein Datum eingestickt: der 24.12.1919. Tobi wusste, das war der Geburtstag seiner Oma. Doch hatte es etwas mit dem Wunderpilz zu tun?

Die drei Kinder waren noch unsicher. Sie betrachteten weiter aufgeregt die Stickereien. In den grauen Steinen war ein deutlicher roter Punkt zu erkennen. Auf der rechten Seite zeigte sich ein leuchtendes Licht, welches sich die Kinder nicht erklären können.

Rechts oben am Himmel war an helles gelbes Licht mit einem langen Schein gestickt. „Das ist der Stern vom Weihnachtsabend.“ entfuhr es Susi. Wenn die Stickerei ein Bild vom Heiligabend 1919 sei, dann wäre das ein Anhaltspunkt.

„Schaut doch mal, wenn man den roten Stein, das helle Licht auf der rechten Seite und den Stern miteinander verbindet. Dann haben wir ein rechtwinkliges gleichzeitiges Dreieck!“ Die Jungs schauten auf Susi. Nicht überrascht, denn in Mathematik und Geometrie war Susi die Beste in der Klasse. „Da steht der Pilz!“ rief Tobi laut. „Das müssen wir uns anschauen.“

Schnell rannten unsere drei Freunde in den Wald. Am Pullermann angekommen, entdecken sie gleich auch Förster Grünrock (womit wir dann auch wieder in unserer richtigen Zeitschleife agekommen sind). Um selbst nicht entdeckt zu werden, verstecken sich die Kinder hinter einem Gebüsch. Glück gehabt: der Förster geht vorbei, ohne sie zu sehen.

Fragen über Fragen

Kaum war der Förster außer Sichtweite, kamen die Kinder hinter dem Gebüsch hervor. Jetzt waren sie an Ort und Stelle. Dort, wo der eventuelle Wunderpilz zu finden sein sollte. Bisher hatten sie aber nur die Zeichnung, die gestickte Decke und den roten Stein als Anhaltspunkt.

Sie mussten den genauen Standort des Pilzes finden. Irgendwo rechts vom Pullermann sollte es sein. Doch wo genau? Sollte Susi mit ihrem Gedanken vom rechtwinkligen Dreieck Recht haben, so muss sich der Stern direkt senkrecht über der Fundstelle befinden. Aber wann wird das sein?

Ohne den genaue Lage des zweiten Punkts zu kennen, können die drei nicht den Standpunkt des Pilzes berechnen. Aber wenn Susi nicht so in Mathematik aufgepasst hätte, würden sie das auch gar nicht wissen. Und da Susi die Klassenbeste in Mathe ist, weiss sie das natürlich.

Der dicke Bernd erinnert sich daran, dass die Kinder einmal an einer Sternenwanderung in Waldesruh teilgenommen hatten. Damals hatte das Fräulein Krause dazu den berühmten Astrologen und Astronomen Guckma Da Oben eingeladen. Ob der den Kindern nicht helfen könne?

Damals bei der Sternenwanderung ging es auch um den Stern von Bethlehem. War der große Forscher deshalb damals freiwillig nach Waldesruh gekommen? Weiß er etwas über den Wunderpilz? Fragen über Fragen plagten die drei Freunde. Allein konnten sie die aktuellen Probleme wohl nicht lösen. War es etwa Zeit, die Erwachsenen einzuweihen?

Vergebliches Warten

Die drei Kinder standen mitten im Steinkreis vom Pullermann. Vielleicht würde etwas passieren. Die Erwachsenen erzählen immer, daß der Pullermann ein geheimnisvoller Ort sei. Vielleicht ist er auch ein magischer Ort? Wer weiß das schon. Denn gerade zu Weihnachten geschehen ja in Waldesruh manch wundersame Dinge.

Ob die Kinder warten sollten, daß etwas passiert? Vielleicht schießt der Hauptstein vom Pullermann senkrecht wie eine Rakete in den Himmel? Und es öffnet sich ein Eingang zu einer unterirdischen Höhle? Generell kann ja einiges passieren. Aber nichts geschah. Vielleicht sind die Erwartungen an wundersame Dinge in Waldesruh dann doch etwas übertrieben.

Nach einer gewissen Zeit des Nachdenkens und des vergeblichen Wartens auf eventuell passierende Dinge brach Susi das angestrengte Schweigen der drei Kinder. Mittlerweile war es nämlich auch schon wieder schummerig geworden. Es wurde Zeit, nach Hause zu laufen. Zwar kannten die Kinder den Wald von Waldesruh. Dennoch beschlich Susi immer noch ein komisches Gefühl, wenn sei im Dunklen dort draußen war.  Mädchen halt!

Wieder in der Sicherheit von Tobi’s Zimmer angelangt, machten sich die Kinder weiter darüber Gedanken, ob sie die Erwachsenen nun einweihen sollten. Denn wenn die Erwachsenen vom Wunderpilz erfahren, was dann? Sicher würden die sich doch nur schöne Häuser, viel Geld oder große Autos wünschen. Für die Kinder bliebe von den drei Wünschen nicht viel übrig. Vielleicht ein paar Süßigkeiten oder so. Müde vom vielen Nachdenken und Diskutieren schliefen unsere drei Freunde ein.

Sollen die Erwachsenen eingeweiht werden?

Morgens beim Wecken waren die Eltern von Tobi sehr erstaunt, dass Susi und Bernd bei Tobi im Zimmer übernachtete hatten. Aber sie machten sich keine weiteren Gedanken. Schließlich kannten sie die Freunde. So gab es für alle drei auch ein gesundes Frühstück und gute Worte für den Weg zur Schule.

„Wir müssen uns jetzt endlich klar werden, ob wir die Erwachsenen einweihen wollen!“, fing Tobi auf dem Schulweg an. Allein würden sie es nicht schaffen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Doch wen sollten sie einweihen? Wer war vertrauenswürdig genug, solch ein Geheimnis auf für sich zu bewahren?

Die geneigten Leserinnen und Leser wissen zwar, dass fast alle Persönlichkeiten aus Waldesruh ehrliche und freundliche Menschen sind. So scheint diese Frage der Kinder eigentlich überraschend für einen beschaulichen Ort wie Waldesruh zu sein.

Doch je mehr sich Waldesruh der Welt geöffnet hat, umso mehr der schlechten Dinge sind auch in den abgelegenen Ort eingesickert. Neid, Missgunst, Tücke und Hinterlist kennen wir mindestens seit den Querelen um den Hotelbau auf dem Hirschkopf. Ihren bisherigen Höhepunkt hatten sie zweifelsohne auf dem Weihnachtsmarkt im letzten Jahr erreicht.

Zwar haben es die Waldesruher bis jetzt immer geschafft, diese negativen Elemente zu besiegen. Doch es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich auch Waldesruh in ein modernes Zombieland verwandeln würde. Und wer weiß: wenn ein Waldesruher oder ein Urlauber den Wunderpilz in der Hand hätte. Derjenige könnte alles machen.

Susi sprach aus, woran die anderen beiden ebenfalls dachten: „Trotzdem: wir brauchen Hilfe! Lasst uns Fräulein Krause einweihen. Die hat für Waldesruh doch schon so viel gemacht!“

Fräulein Krause wird helfen

Gesagt, getan. Rennend erreichten unsere drei Freunde das Rathaus. Hier war Fräulein Krause fast immer anzutreffen. Und auch jetzt saß sie fröhlich gelaunt an ihrem Schreibtisch. Etwas überrascht sah sie auf, als die Kinder durch die Tür kamen.

In einem großen Durcheinander fingen die Kinder an zu erzählen. Unser Fräulein Krause verstand natürlich kein Wort, weil die Kinder alle auf einmal etwas zu erzählen hatten. Abwehrend hob sie die Hände und sorgte so für etwas Ruhe. Schnell machte sie den Kindern einen Tee und holte sogar ihre geliebten Erdbeerplätzchen zum Naschen hervor.

Schließlich erzählte Tobi alles noch einmal in Ruhe und der Reihe nach. Fräulein Krause hörte sich alles geduldig an und nickte bei seinen Feststellungen. Als Tobi fertig war, spürte man direkt, wie unser Fräulein nachdachte. Dann fing sie an zu reden.

Generell haben die Kinder Recht. Wenn es einen solchen Wunderpilz geben würde, so sollte man diesen Pilz auch nur zum Guten verwenden. Denn warum sollte er sonst in Waldesruh wachsen? Aber noch ist es gar nicht sicher, ob es den Pilz den überhaupt geben wird.

An den berühmten Guckma Da Oben, der die Sternenwanderungen in Waldesruh durchgeführt hatte, konnte sich Fräulein Krause auch noch sehr gut erinnern. Urplötzlich sei dieser in Waldesruh aufgetaucht und habe ihr vorgeschlagen, diese Sternenwanderungen zu organisieren. Etwas komisch kam ihr dieser Mann schon vor. Aber die Sternenwanderungen waren schon eine schöne Abwechslung für Waldesruh.

Da fiel ihr ein, dieser Herr hatte doch auch für dieses Weihnachtsfest ein Zimmer gebucht? Schnell schaute sie sich die Reservierungen für den Ort an. Genau! Und er hatte sich im Fremdenzimmer von Tobis Eltern eingemietet. Extra nur dort wollte er übernachten. Langsam nahm die Geschichte doch rätselhafte Züge an.

Schließlich fragte sie die Kinder, ob diese damit einverstanden wären, die anderen erwachsenen Waldesruher einzuweihen. Denn unser Fräulein Krause ahnte schon, dass sich hier ganz gefährliche Dinge ereignen könnten.

Waldesruh hat einen Plan

Mit Meldeketten der schnellen Art hatten die Waldesruher ja schon viele Erfahrungen. Schließlich war dieses Jahr wohl das fünfte Jahr, daß etwas passieren würde. Man wusste zwar noch nichts genaueres, aber Vorbeugung ist die bessere Lösung. Kaum war eine halbe Stunde vergangen, waren auch schon die wichtigsten Akteure aus Waldesruh vor Ort: Egon Schulze, Tante Rukolla, Förster Grünrock, Wachtmeister Hoffmann, Bertram Baumeister und natürlich Fräulein Krause und die drei Kinder.

Noch einmal berichtete Tobi, was er wusste. Nun waren die Erwachsenen mit im Bunde und alles würde gut werden. Aufgeregt, aber doch zielführend berieten sie alle über das weitere Vorgehen. Noch war noch nicht bewiesen, daß es den Wunderpilz überhaupt gibt. Genausowenig, ob der Herr Guckma Da Oben etwas Schlechtes im Schilde führte.

Die drei Kinder sollten den Urlaubsgast unbemerkt beobachten. Diese Tätigkeit war vielleicht nicht ganz ungefährlich. Jedoch waren Kinder unauffälliger. Trotzdem sollte Wachtmeister Hoffmann immer in Reichweite bleiben.

Förster Grünrock soll mit Bertram und seinen Bauarbeitern das Gebiet um den Pullermann beobachten. Fräulein Krause und ihr Chef Egon werden in die Kreisstadt fahren und im dortigen Observatorium nach weiteren Hinweisen in Sachen des Wunderpilzes suchen.

Tante Rukolla wird wieder das Hauptquartier und Lagezentrum in der Rukollamühle besetzen. Hier sollen alle Fäden der diesjährigen Weihnachtsgeschichte zusammenlaufen. Auch wenn nichts passieren sollte, die Waldesruher sind so auf der sicheren Seite. Und sollte etwas Wahres an der Geschichte mit dem Wunderpilz sein, dann hat man sich schon vorab die richtigen Gedanken gemacht.

Die Kinder mussten sich beeilen. Egbert Müller, der Bahnhofsvorsteher hatte soeben durchgesagt, dass der Zug mit Herrn Guckma Da Oben pünktlich in Waldesruh eintreffen wird. Und den Astrologen wollten die Kinder nicht verpassen.

Der Fremde trifft ein

Pünktlich fuhr der Zug am Bahnhof ein. In Erwartung der kommenden Festtage hatten viele Urlauber ihre Reise nach Waldesruh umweltverträglich mit der Bahn angetreten. Alle freuten sich nun darauf hier in diesem beschaulichen Örtchen entspannt Weihnachten begehen zu können. So ganz ohne Kommerz und überflüssige Geschenke.

Unter den Anreisenden war auch ein seltsam gekleideter Mann mit fremdländischen Aussehen. „Das muss er sein“, flüsterte der dicke Bernd seinen Freunden zu. Eifrig sich umblickend, wartete der Fremde auf einen der Kofferträger, welche die Gepäckstücke der Reisenden zu ihren Unterkünften transportieren.

Nachdem er seinen Koffer aufgegeben hatte, ging er schnellen Schrittes in Richtung des Hauses von Tobis Eltern. Hier hatte er ja das Fremdenzimmer gemietet. Unsere Kinder schlichen ihm natürlich unauffällig hinterher. Ohne entdeckt zu werden, konnten sie dem Mann bis zur Unterkunft folgen.

Dort angekommen, begrüßte er die Mutter von Tobi und ließ sich sein Zimmer zeigen. Dann schloss er sich hörbar dort ein. Den Kindern blieb nun nichts weiter übrig als zu warten.

Während der Fremde am Bahnhof aus dem Zug steige, stiegen Fräulein Krause und Egon Schulze unerkannt in den gleichen Zug ein, um in die Kreisstadt zu fahren. Dort wollten sie die alte Sternwarte besuchen. Vielleicht fanden die beiden dort weitere Hinweise zum Weihnachtsstern und zum Wunderpilz. Spätestens am morgigen vierten Advent wollten die beiden wieder zurück in Waldesruh sein.

Da diese Reise wohl ohne weitere Bedeutung für unsere Geschichte sein sollte, werden wir die beiden nicht weiter begleiten. Über die Ergebnisse der Reise werden uns die beiden doch sicher bei ihrer Wiederkehr Auskunft geben.

Förster Grünrock und die Gemeindearbeiter machten indes einen Plan, wie sie das Gebiet um den Pullermann beobachten und gegebenenfalls sichern können. Vielleicht könnten sie erst einmal vorsorglich die Waldwege dorthin sperren? Bertram Baumeister und seine Kollegen beluden den Gemeinde-LKW mit Werkzeugen. Unser Förster Grünrock verschwand schon einmal im Wald.

Eskalation am Pullermann

Sehr früh am Morgen begab sich der fremde Gast aus dem Haus. Er gab sich Mühe leise zu sein und niemanden zu wecken. Anscheinend gelang ihm das auch. Jedoch hatte er die Rechnung ohne unseren Tobi gemacht. Nicht umsonst konnte Tobi stundenlang still im Wald sitzen und Tiere beobachten.

Tobi hatte die ganze Nacht wieder kein Auge zugetan. So hatte er bemerkt, dass der Fremde das Haus verließ. Tobi natürlich hinterher. Sicherheitshalber hinterließ er seiner Mutter einen Zettel. Bemühen mußte er sich, um den Fremden nicht aus den Augen zu verlieren. Dieser schien beim Wandern geübt zu sein. Zudem trug er eine nicht gerade kleine Tasche mit sich.

Strammen Schrittes näherte er sich dem Pullermann. Plötzlich versperrte ein Absperrgitter seinen Weg. Ein Schild warnte: „Betreten verboten! Holzeinschlag.“ Sicherlich dachte sich der Fremde, daß an einem Adventssonntag sicher niemand im Wald Holz schlagen würde. Ohne weiter das Gitter eines Blickes zu würdigen, ging er seitlich daran vorbei und weiter den Hang hinauf.

In Höhe des Pullermannes sah der Fremde sich noch einmal um. Schnell betrat er den Wald und verschwand zwischen den Steinen. Tobi hatte Mühe ihm zu folgen. „Nur nicht aus den Augen verlieren“, dachte er bei sich. Am Pullermann versteckte er sich hinter einem Busch und beobachtete den Fremden.

Dieser war inmitten des Steinkreises sehr betriebsam geworden. Aus seiner mitgeführten Tasche holte er Stative und verschiedene Geräte hervor. Dann zählte er die Schrittlänge zwischen der roten Kugel und dem Hauptstein ab. Plötzlich stand er vor dem Busch, hinter dem Tobi sich versteckte. „Du bist der Tobi, nicht wahr? Du kannst jetzt hervorkommen!“ sprach er den Jungen an. Erschreckt und bleich im Gesicht kam unser Forschtrat hinter dem Busch hervor.

Überraschung am Pullermann

Unser Tobi war sehr erschrocken, als der Fremde ihn ruf. Zögerlich kam er hinter den Busch vor. Doch überrascht war er, als der Fremde ihn freundlich anlächelte. „Keine Angst Tobi, ich bin nicht der Bösewicht, für den ihr mich eventuell haltet.“

Er hielt Tobi seine Hand zur Begrüßung hin. „Mein Opa hat mir viel von eurem beschaulichen Örtchen hier erzählt. Und auch von deinem Uropa. Wie er meinem Opa damals im Krieg geholfen und versteckt hat.“

Der Kreis schien sich zu schließen. Der Fremde war der Nachkomme jenes Mannes, dem Tobis Uropa im Krieg geholfen hatte. Und somit sollte er auch das Geheimnis des Wunderpilzes kennen! Oder doch nicht? Was aber machte er hier in Waldesruh am Pullermann?

Der Fremde schien die Gedanken von Tobi zu erraten. So erzählten sie sich beide die gesamte Geschichte, die unsere Leserinnen und Leser ja nun bereits kennen. Als sie beide am Schluß ihrer Geschichte angelangten, holte der Fremde eine kleine Stickerei aus seiner Tasche. „Sieh her, dieses kleine Stück sollte an eurer Stickerei noch fehlen.“

Der Fremde legte die beiden Stickereien sorgfältig nebeneinander. Und siehe da: nun war auch das ganze Licht auf der rechten Seite ersichtlich. Es stand gar nicht im rechten Winkel über dem Pullermann.

„Ihr habt es schon richtig herausgefunden. Das ist der Weihnachtsstern, der zur Geburt unseres Christus am Himmel erschien.“ Und zwar bereits am frühen Morgen des Heiligen Abend. „Mit meinen Geräten hier habe ich berechnet, daß es gegen zehn Uhr morgens sein muß. Dann können wir hier in Waldesruh dieses Licht sehen.“

Tobi schaute immer noch ganz ungläubig: „Und dann wird auch der Wunderpilz erscheinen? Und wir haben dann drei Wünsche frei?“

Der Fremde lächelte nur geheimnisvoll. „Wir werden sehen. Ich glaube, es ist aber das Beste, wenn wir alle Waldesruher und Urlauber Bescheid geben, daß wir uns morgen Vormittag auf dem Weihnachtsmarkt treffen wollen.“

In diesem Moment kamen aber bereits Susi, der dicke Bernd und Wachtmeister Hoffmann ganz außer Atem am Pullermann an. Somit mußten sie jetzt auch erst einmal die Neuigkeiten erfahren.

Am Heiligen Abend

So war es dann schon wieder einmal soweit! Der Tag des Heiligen Abends war gekommen. Wie gestern noch abgesprochen, trafen sich heute Vormittag alle Waldesruher und auch einige neugierige Urlauber erwartungsvoll auf dem Waldesruher Weihnachtsmarkt. Wie ein Lauffeuer hatte es sich herumgesprochen, daß sich heute etwas wirklich Wundervolles ereignen sollte.

Aufgrund der Vorkommnisse im letzten Jahr waren der Weihnachtsmarkt und überhaupt das ganze Weihnachten in Waldesruh wieder kleiner und familiärer geworden. Wohltuend hatte sich wieder der Geist der Weihnacht über unseren beschaulichen Ort gelegt. Entspannt und glücklich, aber auch erwartungsvoll warteten die Anwesenden nun auf das, was passieren sollte.

Außer den drei Kindern und den eingeweihten Erwachsenen wußte natürlich niemand anderes vom Wunderpilz und den drei Wünschen. Nicht auszudenken, was geschehe, wenn einhundert Menschen sich gleichzeitig etwas wünschen würden. Wahrscheinlich würde es massig Süssigkeiten regnen oder der Rathausplatz wäre voller großer Autos. So war es doch sicher besser, dieses Wissen für sich zu behalten.

Nicht, daß sich die Kinder und die Erwachsenen im Vorfeld darüber Gedanken gemacht hätten. Der dicke Bernd hätte gern große Berge von Süssem gehabt. Unser Forschtrat Tobi möchte viele wilde Tiere um Waldesruh haben. Fräulein Krause träumte eher vom Weltfrieden und dem Glück für alle Menschen. So hatte jeder seine eigenen Wünsche und Vorstellungen.

Aber allen zusammen war wohl der Wunsch nach einem vergnüglichen, beschaulichen und sorgenfreien Leben in ihrem Heimatort. Wo jeder seinen täglichen Aufgaben nachgehen konnte und niemand Sorgen hatte. Ein Ort, wo eben jeder nach seiner Fasson glücklich werden kann.

Und deshalb trafen sich denn auch heute alle am Vormittag des Heiligen Abend. Die weihnachtliche Fütterung der Waldtiere hatten die Waldesruher Kinder bereits gestern ohne unsere drei Freunde durchgeführt. Denn auch unsere wilden und gefiederten Freunde in Wald und Feld wollten sie nicht vergessen. Etwas komisch war es doch aber schon, daß gerade der Tobi dabei fehlte.

Gegen zehn Uhr war es dann soweit. Der Tag wurde sehr, sehr langsam heller. Plötzlich sahen alle Anwesende einen hellen Schweif am Himmel. Das musste der Weihnachtsstern sein! Gebannt beobachteten viele Augen, wie sich das Licht langsam über den Mühlenberg hinweg bewegte. Auf Höhe des Pullermanns angekommen, leuchtete es plötzlich orangenrot aus dem Wald heraus.

„Jetzt nur nicht an Süssigkeiten denken!“ hämmerte es im Kopf vom dicken Bernd. Alle anderen Eingeweihten gingen sicherlich ähnliche Gedanken durch den Kopf. Dauerlutscher, Gummibären, Lakritzschnecken … die Gedanken von Bernd drehten sich. Glücklicherweise geschah … nichts! Kein regen aus Bonbons oder anderen Zuckerwaren. Auch keine Massen an Hirschen und Rehen oder teure Autos.

Nichts geschah! Unter den Waldesruhern und ihren Gästen breitete sich aber eine gemütliche und entspannte Stimmung aus. Kaum war das Leuchten im Wald verschwunden, hörte man aus der Ferne bereits ein bekanntes Knattern. Der Rentierschlitten vom Weihnachtsmann setzte zur Landung auf dem Weihnachtsmarkt an.

Der Tag wurde wieder dunkler. Überall begannen Lichter zu flackern und vom Himmel fielen langsam Schneeflocken. Die Ortspyramide drehte sich gemütlich im Kreis. Von den Anwesenden erhob sich erst leise, dann immer lauter das bekannte Weihnachtslied: „Stille Nacht, heilige Nacht …“

Der geheimnisvolle Fremde Guckma Da Oben stand inmitten der Waldesruher. Leise flüsterte er Tobi zu: „Vielleicht war es dieser Wunsch, den der Wunderpilz uns allen erfüllen konnte!“

Damit schließt sich der Vorhang für die diesjährige Weihnachtsgeschichte auch schon …

Die Waldesruher und ihre Gäste wünschen allen Leserinnen und Lesern besinnliche Stunden im Kreise der Menschen, die Ihr lieb gewonnen haben. Vielen Dank für Eure Zeit, die ihr hier beim Lesen in Waldesruh und den anderen Bereichen verbringt. Vielen Dank für Eure Hinweise und Ratschläge. Ich hoffe, ich konnte Euch auch in diesem Jahr wieder mehr als einmal ein Lächeln in das Gesicht zaubern.

FRÖHLICHE WEIHNACHTEN!


So, das war sie, die Weihnachtsgeschichte 2019 aus Waldesruh. Die Waldesruher hoffen, ihr hattet viel Freude mit ihren Erlebnissen. Solltet ihr Gefallen an der Geschichte gefunden haben, dürft ihr gern davon euren Freunden und Bekannten erzählen. Die Waldesruher freuen sich natürlich auch sehr über einen Kommentar von euch! Bleibt dran, auch im nächsten Jahr geht es weiter mit Waldesruh.