Letzte Aktualisierung am 30. Dezember 2020

Die Weihnachtsgeschichte 2017 dreht sich um das Rentier vom Weihnachtsmann.  Nach dem letztjährigen Unfall musste das Tier ja fast ein Jahr in Waldesruh verweilen. Dort avancierte es zu einem kleinen Star. Doch nun musste das Rentier langsam aber sicher zum Weihnachtsmann zurückkehren.

Auf dem Weihnachtsmarkt am 1. Advent

Auf dem Weihnachtsmarkt am 1. Advent

Nach fast einer Woche Dauerregen soll das Wetter in Waldesruh nun besser werden. Fräulein Krause hofft, dass auf dem Weihnachtmarkt am 1. Advent in Waldesruh dann eine wirklich weihnachtliche Stimmung aufkommt. Akribisch hatte sie bereits im Sommer angefangen für Weihnachten in Waldesruh zu planen. Schliesslich soll es wie immer ein Weihnachten für die ganze Familie sein. Fräulein Krause weiss sehr genau, was solch ein Weihnachten ausmacht. Und das, obwohl sie als gebildete, alleinstehende Frau bisher selbst noch keine Familie gründen konnte.

Aber unser Fräulein Krause ist wie immer mit Herz und Seele bei der Sache. Beim Organisieren ist sie ein wahres Multitalent. So war Egon Schulze, der Ortsvorsteher von Waldesruh gar nicht überrascht, als „seine Uschi“ wieder einmal ganz aufgeregt zu ihm ins Büro stürmte.

„Du, Egon, ich muss jetzt ganz dringend mit dir reden.“ Ohne anzuklopfen stand Fräulein Krause vor seinem Schreibtisch. Sogar die Feder an ihrem Reiherfederhütchen war noch voll in Schwingungen begriffen. Aber Egon kennt ja „seine Uschi“ schon länger. Also lächelte er nur: „Nun erzähl schon!“

Auf dem Weihnachtsmarkt am 1. Advent

Und unser Fräulein Krause fing an. Was Egon denn davon halte, wenn am Wochenende vom 1. Advent der Weihnachtsmarkt auch mit Tieren gestaltet werden würde. Also mit richtig lebendigen! Schliesslich hatten die Eltern von Christus ja auch ihr Kind in einem Stall zur Welt gebracht. Und darum würden ja auch ein paar Schafe, Kühe und Esel gut zur Heiligen Familie passen.

Egon Schulze liess sich diese Idee kurz durch den Kopf gehen. Nach einer knappen Minute nickte er. „Ja, das kann eine gute Idee sein. Ich gehe mal davon aus, dass dieses Jahr unsere Familie nicht abhanden kommt.“ Mit einem Lächeln dachte er an einen der ersten Kriminalfälle in Waldesruh. „Fein!“, freute sich Fräulein Krause„Ich habe bereits mit Bauer Heinrich gesprochen. Er wird ein paar seiner Tiere dann jeden Morgen auf den Weihnachtsmarkt bringen.“ Nur für eine Abzäunung müsse dann noch gesorgt werden.

Gesagt, getan. Schnell wurden sich die beiden auch über alle weiteren Einfälle für das Wochenende am 1. Advent einig. Bereits am Freitag morgen brachte Bauer Heinrich seine Tiere zum Weihnachtsmarkt. Dort bildeten sie zusammen mit der Heiligen Familie ein ganz weihnachtliches Motiv.

Auf dem Weihnachtsmarkt am 1. Advent

Und auch ein weiteres Tier soll der Star des Wochenendes am 1. Advent werden. Denn das Rentier vom Weihnachtsmann darf noch dieses Wochenende in Waldesruh verweilen. So lautete die Abmachung zwischen dem Weihnachtsmann und unserem Fräulein Krause. Denn das Rentier war über den Sommer hinweg zu einem der beliebtesten Waldesruher Sehenswürdigkeiten geworden.

Aus diesem Grund auch war in Waldesruh das Rentier auch zu einem beliebten Souvenir geworden. Ob als Rentierkeks, als geschnitzte Holzfigur oder als Bestandteil der Speisekarte der neuen Gaststätte vom Bauer Raffke. Das Rentier war irgendwie überall mit von der Partie.

Heute am 2. Advent sollte das Rentier vom Weihnachtsmann verabschiedet werden. Doch warum lässt es sich nicht mehr auf dem Weihnachtsmarkt blicken? War es bereits abgereist?

Der Abschied vom Rentier am 2. Advent

Der Abschied vom Rentier am 2. Advent

Ein letztes Mal wollten sich die Waldesruher und ihre Gäste mit dem Rentier zusammen auf das kommende Weihnachtsfest freuen. Viele Erinnerungsfotos wollten noch gemacht werden. Denn so langsam war es auch bei den Gästen durchgesickert, dass es sich bei diesem Rentier um ein echtes Rentier vom Weihnachtsmann handelte.

An diesem 2. Advent warteten viele Waldesruher mit ihren Gästen bereits am Morgen auf das Rentier. Es war bereits spürbar kälter geworden. Das Thermometer näherte sich unaufhaltsam in den letzten Tagen dem Nullpunkt. Vereinzelt fiel bereits Schnee, der jedoch nicht liegen blieb. Auch an diesem Morgen fielen dicke Schneeflocken aus den Wolken über Waldesruh. Sollte es endlich einmal wieder ein richtiger Winter werden?

Der Abschied vom Rentier am 2. Advent

Vorfreude auf den Abschiedstag

Alle Buden hatten heute bereits etwas früher geöffnet. Der Bärenwirt hatte den Grill bereits so angeheizt, dass die ersten Bratwürste bald fertig waren. In den Glühweinhütten dampfte der Glühwein. Tante Rukolla brachte soeben die ersten frischen Rentierkekse an ihren Stand. Alle warteten voller Spannung auf das Rentier. Doch das liess sich nicht blicken.

Mittlerweile war es fast 11 Uhr. Unter den Waldesruhern und ihren Gästen machte sich Unruhe breit. Heute wollten sie alle zusammen das Rentier verabschieden. Trotz der weihnachtlichen Stimmung und des Schnees, der anscheinend sogar liegen bliebe, kam keine wirkliche Weihnachtsstimmung auf. Fräulein Krause fror schon sichtlich in ihrem eleganten blauen Kostüm. Sogar ihr sonst so keckes Reiherfederhütchen liess die Feder bekümmert hängen.

Fräulein Krause sorgt sich um das Rentier

„Ich gehe jetzt zu Förster Grünrock. Es muss etwas passiert sein.“ flüsterte sie ihrem Nachbarn Egon Schulze zu. Der nickte zustimmend und antwortete ihr, dass er zur Überbrückung gleich eine kurzweilige Rede an die Waldesruher und ihre Gäste halten wolle. Fräulein Krause eilte die Waldesruher Trift hinauf zum Forsthaus von Förster Grünrock.

Der Abschied vom Rentier am 2. Advent

Egon Schulze, der Ortsvorsteher von Waldesruh, begrüsste dann wie abgemacht die Waldesruher und ihre Gäste. Leider wisse er auch nicht, wo das Rentier bleibt, auf das alle gespannt warten würden. Doch er ist sicher, dass es noch zum Abschied nehmen vorbei schauen würde. Die Gäste sollten sich doch auf dem Weihnachtsmarkt amüsieren. Damit gab er auch den Startschuss für die Weihnachtsmelodien der Waldesruher Jagdhornbläser. Der Bärenwirt schnitt das Wildschwein über dem großen Lagerfeuer an und Frau Dr. Bendig verteilte großzügig Kostproben vom Waldesruher Bitterblubber. Die Menschenmenge verstreute sich mehr und mehr und ging der weihnachtlichen Vorfreude nach.

Der Abschied vom Rentier am 2. Advent

Nach einer halben Stunde kam Fräulein Krause am Forsthaus vom Förster Grünrock an. Die Strecke zum Forsthaus machte ihr nicht aus. Die Waldesruher sind noch wahre Naturmenschen und nicht so verwöhnt wie die Städter mit ihren Bussen und Bahnen. Am Forsthaus fand sie einen völlig aufgelösten Förster Grünrock und einen seiner Jagdfreunde vor. „Das Rentier ist nicht mehr im Stall!“ rief der Förster dem Fräulein Krause entgegen.

Wieder einmal ist das Weihnachtsfest gefährdet

Wieder einmal ist das Weihnachtsfest gefährdet

Wie an jedem Tag wollte der Förster seine Tiere versorgen. Doch das Rentier war nicht mehr in seinem Stall. Was war geschehen? Ratlos blickten sich alle Anwesenden an. „Ich habe keine Ahnung, was hier passiert ist.“ unterbrach der Förster die erdrückende Stille. „Gestern Abend haben wir hier noch einmal Stroh aufgeschüttet. Anscheinend muss es ja auch hier die Nacht verbracht haben. Denn das Stroh ist ja platt gelegen.“

Fräulein Krause war den Tränen nah. Und auch die Reiherfeder auf ihrem Reiherfederhütchen hing gekrümmt nach unten. „Jedes Jahr zu Weihnachten passiert hier irgendetwas unschönes.“ seufzte sie. „Wir wollen doch alle nur zusammen eine besinnliche und ruhige Adventszeit haben.“. Auch ihre sorgfältig und dezent aufgetragene Schminke fing bereits an, sich unter ihren Tränen zu verflüssigen.

Erst einmal muss Fräulein Krause getröstet werden

Förster Grünrock nahm das Fräulein in seinen Arm. Das war sonst immer die Aufgabe vom Ortsvorsteher Egon Schulze, doch der war gerade nicht in der Nähe. Fräulein Krause genoss die starken Arme des Försters und langsam, ganz langsam begannen ihre Tränen zu trocknen. Nach einiger Zeit hatte sich das Fräulein wieder gefasst. Sie begann wie immer ihr organisatorisches Geschick zu entfalten. „Wir müssen das Rentier suchen!“ Anscheinend hatte wieder einmal ein Weihnachtskrimi in Waldesruh begonnen.

Jäger Willi wurde gebeten ohne viel grosses Aufsehen Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente vom Waldesruher Weihnachtsmarkt hinauf zum Forsthaus zu holen. Beide hatten bereits viele Erfahrungen mit den Geschehnissen zur Weihnachtszeit in Waldesruh. Fräulein Krause war sich sicher, die beiden haut gar nichts um.

Erste Spurensuche

Während Jäger Willi in den Ort eilte, sahen sich Fräulein Krause und der Förster schon einmal im Stall um. Auf den ersten Blicken schien alles in Ordnung zu sein. Alle Gerätschaften waren auf ihren Plätzen. Am Boden waren viele Spuren zu sehen. Doch der Förster winkte ab. Die Spuren waren vom Rentier und den anderen Tieren, die hier im Stall ihr Zuhause hatten. Selbst der treue Jagdhund Bodo konnte mit seiner feinen Nase hier nichts herausfinden. Nichts deutete daraufhin, was in der letzten Nacht hier passiert sein konnte.

Endlich kam Jäger Willi mit Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente am Forsthaus an. In ihrer Begleitung war ausserdem noch Egon Schulze. Der hatte leise die Befürchtung, dass er sein Fräulein Krause wieder in den Arm nehmen musste. Doch das hat ja bereits Förster Grünrock vertretungsweise übernommen.

Das Weihnachtsfest ist gefährdet!

Der Förster weihte die Ankommenden in die bisherigen Ergebnisse ein. Das dauerte nicht lange, denn es gab ja noch keine Ergebnisse. „Ja, wir müssen handeln! bestätigte Egon Schulze noch einmal. Wenn auch nur ein Rentier fehlt, kann der Weihnachtsmann die Geschenke nicht ausliefern. Wie soll er den Schlitten steuern? Mit einer ungeraden Zahl von Rentieren würde er immer nur im Kries fliegen. Alle Kinder wären dann zu Weihnachten sehr unglücklich. Und das können die Waldesruher einfach nicht wollen. Wieder einmal ist das Weihnachtsfest gefährdet. Die Spurensuche begann also.

 

Einige Gerüchte werden geboren

Einige Gerüchte werden geboren

Noch einmal nahm die Gruppe um Egon Schulze den Versuch auf. Vielleicht finden sie alle gemeinsam doch noch eine Spur. Wenigstens eine klitzekleine Spur, welche einen Anfangspunkt in der ersten Spurensuche geben könnte. Jeden Strohballen, ja jeder Strohhalm wurde umgedreht.

Während die Männer suchten, eilte Fräulein Krause zur Rukollamühle. Jemand musste die ganze Suche organisieren. Das Fräulein Krause war eine Meisterin der Organisation. Und mithilfe von  Tante Rukolla würden sie das Rentier schon wieder finden. Jetzt war jede Menge Organisation, Kommunikation und Improvisation gefragt.

Tante Rukolla sah unser Fräulein Krause schon von weitem heran laufen. So hatte sie noch Zeit schnell einen leckeren Cappuccino zuzubereiten. Denn diesen mochte Fräulein Krause. Jetzt musste sie sich erst einmal setzen und Atem schöpfen. Bei einer Tasse heissen Cappuccino erzählte sie Tante Rukolla dann von dem, was dem geneigten Leser und der geneigten Leserin bereits bekannt ist.

Die Rukollamühle wird Hauptquartier

Schnell war die Aufgabenverteilung klar. Fräulein Krause soll den Weihnachtsmann informieren. Tante Rukolla richtet inzwischen die Mühle als Hauptquartier für die Suche und Organisation ein. Schliesslich mussten Alternativen geplant werden, sollten die Waldesruher das Rentier nicht finden.

Gerade als die beiden Frauen die schweren Tische zurechtrücken wollten, ging die Tür der Rukollamühle auf. Atemlos standen Susi Bendig, der Forschtrat Tobi und der dicke Bernd im Kaffee von Tante Rukolla. „Wisst ihr, was auf dem Weihnachtsmarkt los ist?“ rief der Forschtrat den Frauen entgegen. Ohne eine Antwort abzuwarten , sprach er hastig weiter. „Da sind junge Leute aufgetaucht. Mit Transparenten und Plakaten. Die sind von ATEP oder so. Die wollen das Rentier befreien.“ Susi Bendig fiel ihm ins Wort. „Die sind von ATEP. Das ist ein Verein gegen die Zurschaustellung von Tieren im Zoo oder im Zirkus. Die haben gelesen, dass hier auf unserem Weihnachtsmarkt auch Tiere zu sehen sind.“ Es gibt Gerüchte, das die jungen Leute das Rentier und die anderen Tiere befreien wollen.

Vielleicht haben diese Tierschützer etwas mit dem Verschwinden des Rentieres vom Weihnachtsmann zu tun? – denkt sich Fräulein Krause, während die Mühlenwirtin den drei Kindern erst einmal jedem eine Brause und einen Rentierkeks anbietet. Dabei erzählt Tante Rukolla den Kindern, was passiert ist.

Bauer Heinrich erzählt über Gerüchte

Plötzlich poltert es draussen und die Tür geht auf. Bauer Heinrich steht in der Tür. „Jibb me mal an Bitterblubber. Dasch ischt ja heide ne Hegtig im Orde. So wasch bin isch jar nisch jewohnd. (Mach mir mal einen Bitterblubber auf. Das ist ja heute eine Hektik in Waldesruh. Das bin ich gar nicht gewöhnt.)“ brubbelt er zu Tante Rukolla. Diese schaut nur kurz zu Fräulein Krause herüber. Es scheint ja wirklich eine Menge passiert zu sein.

Nach dem ersten kräftigen Schluck aus der Flasche mit dem Waldesruher Bitterblubber fängt Bauer Heinrich zu erzählen an. Er war gerade auf dem Weg von seinem Stall in den Wald, um Brennholz zu holen. Da kam ihn der Bärenwirt entgegen. Der war sichtlich schlecht gelaunt. Im kurzen Gespräch erfuhr Bauer Heinrich, dass viele Gäste in der neu eröffneten Bahnhofskneipe bei Bauer Raffke essen würden. Der hatte doch diese neuen Rentierrouladen auf seiner Karte.

Gestern schon musste der Bärenwirt seine guten Rinderrouladen am Abend verschenken. „Wäre ja schade drum, die wegzuwerfen,“ soll er zum Heinrich gesagt haben. Und seit heute morgen hätte der Raffkebauer sein Angebot noch einmal günstiger gemacht. „Für das bisschen Geld kann man nichts vernünftiges kochen,“ meinte er weiter. Er wird das Gesundheitsamt einmal auf den Raffke ansprechen müssen.

Dann sei er weiter zum Raffke gefahren. Der hatte etwas Gemüse bei ihm bestellt. Das wollte er dort abliefern. Aber Bauer Raffke hatte keine Zeit. „Der olle sasch scho in seene Wajen un muschte schnelle in de Kressstadd. Da soll es billijes Fleesch jeben. (Der war auf dem Sprung und wollte schnell in die Kreisstadt fahren. Dort soll es günstiges Fleisch geben.)“, brubbelte Bauer Heinrich und nahm noch einen weiteren Schluck. „So ville Hegtig, nee“

Die Frauen sahen sich wieder verwundert an. Gerüchte nach, sei der Bärenwirt nicht gerade gut auf Bauer Raffke zu sprechen. Und andere Gerüchte besagen ja, dass der Bauer Raffke sein Fleisch aus dubiosen Quellen bezieht. In diesem Moment jedoch kamen die Männer aus dem Forsthaus mit hoffnungsvollen Mienen herein. Hatten sie eine Spur gefunden?

Erste Spuren vom verschwundenen Rentier

Erste Spuren vom verschwundenen Rentier

Fräulein Krause und Tante Rukolla wunderten sich noch über die zugetragenen Gerüchte, als Förster Grünrock mit Egon Schulze, Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente in das Kaffee eintraten. Ihre Mienen waren schon etwas hoffnungsvoller als zu Beginn des Tages.

„Habt ihr erste Spuren gefunden?“ wollten die beiden Frauen und natürlich auch die Kinder und alle anderen Anwesenden wissen. „Ob man das bisschen erste Spuren nennen kann, weiss ich nicht.“ begann der Wachtmeister. Eher seien es erste Anhaltspunkte. „Wenn es nicht so traurig und brandeilig wäre, würde ich mich über die ganze Sache ja freuen. Endlich gibt es hier in Waldesruh wieder einmal eine anspruchsvolle Aufgabe für mich.“ 

Erste Spuren werden ausgewertet

Akribisch breitete Edgar Ente die gefundenen erste Spuren aus. Gewissenhaft hatte er alle Funde dokumentiert und fotografiert. „Hier sehen wir Spuren. Die sehen so aus, als ob es die Füsse von einem kräftig gebauten Mann sind. In deren Nähe fanden wir auch ein paar Reifenspuren. Aber für einen LKW sind die zu klein.“ erläuterte der Wachtmeister. Förster Grünrock fügte hinzu: „Da wo sich die Fussspuren und die Reifenspuren treffen, haben wir auch einige Haare und ein paar Blutspritzer gefunden.“

Alles zusammengenommen sah es so aus, als wäre das Rentier Opfer eines kaltblütigen Komplotts geworden. Dazu passen natürlich auch die Gerüchte, die aktuell durch den beschaulichen Ort Waldesruh geistern. Noch knapp eine Woche bis Weihnachten. Und es sah so aus, als ob das Rentier ermordet wurde. „Wir sollten die Hoffnung nicht verlieren. Aber wir sollten mit dem schlimmsten rechnen.“ erklärte der Wachtmeister.

„So schnell kriegen wir doch gar kein neues Rentier für den Weihnachtsmann“, begann der dicke Bernd zu weinen, „und das heisst, der Weihnachtsmann kann seinen Schlitten nicht fliegen und wir alle bekommen keine Geschenke.“ Die Sache war wirklich vertrackt. Tante Rukolla aber war wie immer zuversichtlich. Sie nahm den dicken Bernd in den Arm und tröstete ihn. „Auch Jungs dürfen mal weinen!“ sagte sie mit Blick auf Susi, die schon wieder anfing zu kichern.

Fräulein Krause übernimmt die Organisation

„Solange wir das Rentier nicht tot auffinden, solange haben wir noch Hoffnung, dass es lebt.“ warf Fräulein Krause ein. „Wir müssen es überall suchen. Und wir brauchen jede Hilfe dabei, die wir bekommen können.“ Unser Fräulein Krause bekam trotz ihres Schocks die organisatorische Oberhand wieder in den Griff.

Die Kinder sollten mit Egon Schulze zurück in den Ort gehen und die Waldesruher informieren. Den Förster Grünrock bittet sie, mit seinen Tieren zu reden, ob nicht eines von ihnen das Rentier gesehen hatte. „Reden? Wie soll ich mit den Tieren reden?“ wunderte sich der Förster. „Es ist Weihnachtszeit,“ warf Tante Rukolla ein. „Erinnere dich daran, was im letzten Jahr passierte!“. 

Gesagt, getan. Die Kinder, Egon Schulze und der Förster machten sich auf den Weg. Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente unternahmen eine weitere Spurensuche. Und auf den beiden Frauen lastete die gesamte Organisation. Beide setzten sich an das Telefon und informierten den Weihnachtsmann. Er war schliesslich einer der Hauptbetroffenen und sollte deshalb vor Ort sein.

Die grosse Suchaktion

Die grosse Suchaktion

Ortsvorsteher Egon Schulze eilte mit den Waldesruher Kindern Susi Bendig, dem Forschtrat Tobi und dem dicken Bernd zum Weihnachtsmarkt am Rathaus. Hier vergnügen sich alle Waldesruher mit ihren Gästen. Vom Erkerfenster des Rathauses dringt weihnachtliche Musik über den Platz. Plötzlich wird die Musikschleife unterbrochen und aus den Lautsprechern klingt ein lautes Knistern und Hüsteln. „Hallo liebe Gäste und liebe Waldesruher! Hier spricht Egon Schulze als Ortsvorsteher. Wir haben ein Problem!“ 

Über die Lautsprecher erklärt Egon Schulze den Gästen, was passiert ist und was die Waldesruher nun unternehmen wollen. Viele Gäste lachen und freuen sich. „Das ist aber eine tolle Überraschung.“ freut sich auch die Urlauberin Dr. Angel Amerkel„Das ist ja mal ein ganz anderer Weihnachtsmarkt.“ Offensichtlich hält der überwiegende Teil der Gäste die Ansprache für ein besonderes Event von Weihnachten in Waldesruh. Weihnachtsmänner und fliegende Rentiere gibt es doch nur im Märchen und für die Kinder.

Trotzdem machen alle mit und fangen mit der Suche an. Auf dem Weihnachtsmarkt und im ganzen Ort schauen die Waldesruher und ihre Gäste nach dem Rentier. Jeder Strohballen wird umgedreht, hinter jedem Stand wird nachgeschaut. Ein ganz verwegener Gast möchte sogar auf den Weihnachtsbaum klettern. Nur im letzten Moment kann ihn der Gemeindebrigadier Bertram Baumeister von seinem Vorhaben abhalten.

Förster Grünrock erfährt bei seiner Suchaktion ein grosses Geheimnis

Förster Grünrock hat etwas mehr Probleme mit seiner Aufgabe. Er soll mit „seinen“ Tieren reden, ob diese etwas vom Rentier erfahren hätten. Nun kennt er zwar „seinen“ Wald und  „seine“ Tiere, aber mit denen reden? Er kann zwar ihr Verhalten deuten, aber reden? Andererseits hat er ja selbst erfahren, dass man mit dem richtigen und festen Glauben an etwas einiges erreichen kann. Warum auch in dieser Angelegenheit dann nicht?

Zur Sicherheit nimmt er noch ein Fläschchen vom Waldesruher Bitterblubber zu sich. Man kann ja nie sicher genug sein. Und so ein Bitterblubber wirkt ja manchmal Wunder. Dann macht er sich schon auf den Weg. Er weiss, wo er „seine“ Tiere findet. Und so trifft er sie alle in der Nähe des Nationalparkhauses: den Hirsch Hubertus, den Keiler Hadrian, den Rehbock Weißzack und wie sie alle heissen. Und Förster Grünrock glaubt es kaum. Er kann tatsächlich mit den Tieren reden. Und sie reden mit ihm!? Das klingt schon etwas verrückt. Doch wir dürfen nicht vergessen, wir sind hier in Waldesruh und ausserdem ist es die Zeit der Weihnacht.

Nachdem der Förster sein Anliegen vorgebracht hat, ziehen sich die Tiere zu einer kurzen Beratung zurück. Schliesslich taucht Hirsch Hubertus wieder auf. „Lieber Förster, Waldesruh ist auch unsere Heimat. Deshalb werden wir euch Waldesruhern helfen. Wir werden den Rat der Waldtiere einberufen und uns an der grossen Suchaktion beteiligen. Jedes Tier in seinem Lebensraum. Aber wir haben eine Bedingung: du darfst niemanden erzählen, dass wir Tiere euch Menschen verstehen und mit euch reden können. Das wäre schlecht für uns Tiere. Der Mensch verbreitet soviel Unglück!“

Förster Grünrock war schon immer ein Freund der Natur, der Tiere und der Pflanzen. So willigt er nur allzugern ein. Und er nimmt sich fest vor, auch in Waldesruh noch mehr für ein glückliches Zusammenleben von Natur und Mensch zu sorgen. Unser Förster ist glücklich, dass er ein weiteres Geheimnis „seiner“ Tiere erfahren hat. Aber er wird dieses Geheimnis sicher behüten.

Mit kriminalistischem Spürsinn - der 6. Teil des Weihnachtskrimis 2017

Mit kriminalistischem Spürsinn

Während ganz Waldesruh sich an der Suche nach dem verschwundenen Rentier beteiligte, konzentrierte sich die Arbeit unserer schon Weihnachtskrimi erfahrenen Hauptfiguren Edgar Ente und unserem Wachtmeister Hoffmann auf die weitere Lösung des diesjährigen Falles. Mit kriminalistischem Spürsinn hatten sich die beiden in das Hauptquartier der Ermittlungen zurückgezogen und analysierten die vorhandenen Spuren.

„Ich würde sagen, wir haben hier drei Hauptverdächtige, die wir weiter verfolgen sollten.“ stellte der Wachtmeister fest. Anhand der ersten Spuren und der auftauchenden Gerüchte konnten sie mit ihrem kriminalistischem Spürsinn den Tathergang konstruieren.

Dabei hatten sie drei Möglichkeiten:

  1. Die Aktivisten von ATEP befreiten das Rentier aus dem Stall von Förster Grünrock mit Hilfe eines Viehwagens und brachten es in einen Nationalpark in Lappland. Bei der Verladung in den Karren verletzte sich das Rentier. Daher kommen Blut und Haarbüschel, die am Tatort gefunden wurden.
  2. Der Bärenwirt will die Konkurrenz von Bauer Raffke ausschalten. Rentierbraten gehört nicht nach Waldesruh. Deshalb hat er das Rentier mit dem Viehkarren von Bauer Heinrich abgeholt und es zum Weihnachtsmann zurückgeschickt. Dazu würden die gefundenen Fussspuren passen.
  3. Bevor das Rentier Waldesruh verlassen muss, hat Bauer Raffke es abgeschossen. Billiger kommt er nicht an Rentierfleisch. Dazu würden wieder das Blut und die Haare passen. Zudem ist Raffke auch nicht gerade von zierlicher Gestalt.

Mit kriminalistischem Spürsinn werden weitere Spuren gesucht

Den beiden Kriminalisten rauchten die Köpfe. Hier am Schreibtisch konnten sie den Fall nicht lösen. Also raus in die Natur! Noch einmal besichtigten sie den Tatort. Von dort folgten sie mit kriminalistischem Spürsinn den Spuren, die gerade noch sichtbar waren. Am Krummen Arm fanden sie dann eine weitere Spur. Hier unter einem der Büsche fanden sie eine Kuhle, in der sie graue Fellfetzen und Blut fanden. Zudem zeigte sich eine Schleifspur in Richtung des Mühlenbachs.

Dieser Spur folgten die beiden. Bis sie zum Mühlenbach kamen. Dort verlor sich die Spur. Edgar Ente und Wachtmeister Hoffmann gingen noch einige Male den Bach hinauf und hinab. Aber es war keine weitere Fährte zu entdecken. Zumindest hatten sie eine kleine weitere Spur gefunden. So beschlossen sie zurück zum Hauptquartier zu gehen. Dort wollten sie die verdächtigen Zeugen vernehmen. Auf ihrem Rückweg begegneten die beiden Kriminalisten dem Jäger Willi mit seinem Hund. Dieser suchte wohl auch angestrengt nach dem Rentier um das kommende Weihnachtsfest zu retten.

Zeugenvernehmung - Teil 7 der Weihnachtsgeschichte 2017

Zeugenvernehmung

Als unsere beiden Kriminalisten in der Rukollamühle ankommen, warten die drei Hauptverdächtigten bereits auf ihre Zeugenvernehmung. Drei jugendliche Tierschützer, ein zutiefst betrübter Bärenwirt und ein wütender Bauer Raffke saßen im Kaffee. Die besorgte Tante Rukolla hatte für die Anwesenden heisse Getränke bereit gestellt. Unser Fräulein Krause organisierte wie immer geschäftig hin und her. Die Waldesruher erwarteten den Weihnachtsmann, um einen Alternativplan zu entwerfen und ausserdem war ihr Tagesgeschäft mit Weihnachten in Waldesruh mehr als ausgefüllt.

Edgar Ente und der Wachtmeister zogen sich in eines der Hinterzimmer zurück. Hier wollten sie die Zeugenvernehmung der Verdächtigen einzeln vornehmen. Die Frage stellte sich, wer zuerst an der Reihe sein sollte. Nebenan hörte man Bauer Raffke bereits wieder poltern. Sie entschlossen sich den Bärenwirt anzuhören. Dieser kam ganz bekümmert herein und setzte sich auf einen Stuhl.

„Nein, ich würde nie das Rentier töten. Mich nervt es nur, dass der Raffke billiges Fleisch anbietet. Hauptsache billig. Und dann ist sein Essen auch noch von mieser Qualität. Aber das Rentier vom Weihnachtsmann würde ich nie töten!“ Fast schon weinerlich stammelte er seine Worte. Der Wachtmeister fragte ihn, wo er denn während der Tatzeit gewesen war. Er hätte in seiner Gaststätte hinter dem Thresen gestanden, was sicherlich auch seine Gäste bestätigen würden.

Gibt es bei der Zeugenvernehmung neue Erkenntnisse?

Nach einigen weiteren Fragen liessen unsere Zeugenvernehmer den Bärenwirt gehen. Da stand auch schon Bauer Raffke in der Tür. „Wie lange soll ich hier noch warten! Ich habe ein Unternehmen zu führen und kann es mir nicht leisten, herumzusitzen!“ Erbost trommelte er mit den Fäusten auf den vor ihm stehenden Holztisch.

Zur Tatzeit wäre er unterwegs gewesen. Er wollte aus einem Hamburger Frischemarkt tiefgefrorenes Rentierfleisch abholen. „Hier in Waldesruh gibt es ja nichts und meine Gäste essen nur Rentier!“ Auf den Vorwurf, das Rentier für seine Küche geschossen zu haben, lachte er nur laut los. „Seit wann sägt sich ein geschäftstüchtiger Unternehmer den Ast ab, auf dem er sitzt? Das Rentier sorgt doch dafür, dass die Besucher nach Waldesruh kommen und die Kassen füllen. Da wäre ich ja schön blöd!“. Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand aus der Rukolamühle.

Nachdem sich unsere beiden Kriminalisten verblüfft anschauten, baten sie die drei Jugendlich aus dem Tierschutzmilieu hinein. Diese zeigten sich nicht sonderlich beeindruckt. „Was ihr macht, ist total uncool. Auch Tiere haben Gefühle. Und so ein Rentier gehört nicht auf den Weihnachtsmarkt ausgestellt.“ erklärte der Wortführer. Ihre Organisation ATEP demonstriere schon seit Jahren gegen Massentierhaltung und eingesperrte Tiere in Zoos und Zirkussen. Aber mit dem Verschwinden des Rentieres haben ihre Organisation nichts zu tun.

Da der Wachtmeister und Edgar Ente nichts weiteres in der Hand hatten, mussten sie auch die drei wieder gehen lassen. Wie sollten sie nun weiter verfahren? Noch immer nicht waren sie schlauer und weiter in ihrem Fall.

Um sich aufzumuntern, gingen die beiden zurück in das Kaffee und genehmigten sich einen Kaffee mit Bitterblubber. An was soll man sich denn sonst festhalten, wenn man nichts hat. Fräulein Krause dagegen war ganz gut gelaunt. Endlich hatte sie den Weihnachtsmann erreichen können und ihn dazu gebracht, nach Waldesruh zu kommen. Telefonisch hatte sie ihm bereits die Lage geschildert und nun wollten sie sehen, wie sie das Weihnachtsfest retten könnten.

Der Weihnachtsmann kommt nach Waldesruh - Teil 8 der Weihnachtsgeschichte aus Waldesruh

Der Weihnachtsmann kommt nach Waldesruh

Es war Fräulein Krause nicht leicht gefallen, den Weihnachtsmann zu bewegen nach Waldesruh zu kommen. Sein Terminkalender war jetzt kurz vor Weihnachten besonders voll. Es gab noch viel zu tun, bevor alle Kinder am Weihnachtstag ihre Bescherung erleben konnten. Aber dieses Jahr war ja noch gar nicht sicher, ob es überhaupt eine Bescherung gab!

Das Rentier war immer noch nicht gefunden. So hatte der Weihnachtsmann kurzfristig seinen Sekretariatselfen mit seiner Stellvertretung beauftragt und ist nach Waldesruh geflogen. Dank des modernen Hochgeschwindigkeitsschlittens mit dem immer noch vom letzten Jahr eingebauten Trabbimotor ging das auch in ein paar Minuten.

Um unnötige Irritationen unter den Urlaubern zu vermeiden, hatte sich der Weihnachtsmann entschlossen, etwas entfernt vom Ort im Wald zu landen. Von hier konnte er leicht zu Fuss zur Rukollamühle gelangen. Dort angekommen, liess er sich die aktuelle Lage von unserem Fräulein Krause schildern. Während dessen genoss er den Waldesruher Cappuccino mit Bitterblubber, den Tante Rukolla ihm zubereitet hatte.

Der Weihnachtsmann sieht keine Alternative als Ersatz für das Rentier

Die Lage war ernst. Im letzten Jahr hatte der Weihnachtsmann die Geschenke nur mit Verspätung zu allen Kindern bringen können. Der für das Rentier eingesprungene Hirsch hatte zwar sein bestes getan, aber er war eben kein magisches Rentier vom Weihnachtsmann. Diesen Stress wollte er dem Hirsch nicht mehr zumuten. Fräulein Krause wurde wieder betrübter. Also musste das Rentier gefunden werden oder Weihnachten fiele aus. Es gab wohl nur diese zwei Möglichkeiten. Der Weihnachtsmann nickte.

Zwischenzeitlich brachte Egon Schulze auch keinen besseren Nachrichten in die Rukollamühle.  Die noch immer suchenden Waldesruher hatten bis jetzt noch keine Spur vom vermissten Rentier gefunden. Dennoch gaben sie die Suche nicht auf. Wieder und wieder wurden alle Keller, Dachböden und Anbauten durchsucht.

Auch die Waldesruher Tiere konnten bisher unserem Förster Grünrock keine Erfolgsmeldung überbringen. Nahezu alle sind aus ihren Lebensräumen ohne die Spur des Rentieres vom Weihnachtsmann zurückgekehrt. Nur die Waldesruher Kurzohrmaus ist noch nicht von ihrer Suche zurückgekehrt. Für das Weihnachtsfest sieht es wirklich düster aus …

Ein überraschendes Geständnis - Teil 9 Weihnachtskrimi aus Waldesruh

Ein überraschendes Geständnis

Selten sieht Förster Grünrock so betrübt einem Morgen entgegen wie in diesen Tagen. Seitdem das Rentier vom Weihnachtsmann verschwunden ist, ist das tägliche Leben nicht mehr so schön. Nur noch das leere Strohlager erinnert an das Rentier. Und es ist noch gar nicht auszudenken, was ohne das Rentier aus dem Weihnachtsfest wird.

Doch an diesem heutigen Morgen ist es noch dunkler, noch grauer, noch nässer als sonst. Umso erfreuter ist unser Förster als im Morgengrauen bereits sein alter Jagdkumpan Jäger Willi vor seiner Tür steht. Doch irgendwie sieht Willi auch nicht gerade glücklich aus.

Beide begrüssen sich und Jäger Willi fragt den Förster, ob sie in das Forsthaus gehen könnten. Denn er habe dem Förster etwas zu erzählen. Natürlich willigt der Förster ein. Und beim Morgenkaffee wird dem Förster dann ein überraschendes Geständnis gemacht.

Ein überraschendes Geständnis von Jäger Willi

Am Morgen als das Rentier verschwunden sei, war Jäger Willi wie gewohnt auf Ansitz am Mühlenbach. Er wollte ein paar Wildschweine abschrecken, die sich an Bauer Raffkes Wintersaaten gütlich taten. Aber wie es oft in solchen Situationen ist, wartet man auf Wildschweine, dann kommen keine Wildschweine. Der Mond verschwand zusehends mehr hinter den Wolken und es wurde dunkler und dunkler.

Willi wollte schon den Hochsitz verlassen, da raschelte es vor ihm. Aus dem Gebüsch löste sich ein Reh langsam vom Untergrund abhebend heraus. So erkannte es zumindestens der Jäger. Anscheinend humpelte das Reh. Es schien verletzt zu sein. Als verantwortungsvoller Jäger konnte Willi kein Tier so leiden lassen. Also legte er an, visierte das Reh an und schoss. In dem Moment jedoch, als er den Abzug drückte, wehte ihm irgendetwas am Kopf herum. Dadurch verriß er beim Drücken das Gewehr und der Schuss hatte wahrscheinlich das Reh nur verletzt.

Das Tier sprang daraufhin ab und verschwand im Unterholz. Als der Förster zum Anschuss kam, entdeckte er Haare und etwas Blut. Natürlich nahm Willi dann sofort die Nachsuche auf. Schliesslich kann man kein Tier leiden lassen. Aber die Nachsuche nahm am dichten Gebüsch am Mühlenbach ein jähes Ende. Vor lauter Dornen und auch wegen der Dunkelheit konnte die Nachsuche nicht weiter fortgeführt werden. Am nächsten Morgen war er gleich frühzeitig beim Förster Grünrock am Forsthaus. Dem wollte er nämlich deswegen eigentlich Bescheid geben. Aber dann war das Rentier verschwunden und alles konzentrierte sich auf die Suche nach ihm.

War es das vermisste Rentier vom Weihnachtsmann?

Mittlerweile war er sich aber gar nicht mehr so sicher, ob er wirklich ein krankes Reh vor der Flinte gehabt hatte. Vielleicht sah das Reh etwas komisch aus, vielleicht war es ja das Rentier. Deswegen konnte er die letzten Nächte auch nicht ruhig schlafen und deswegen sei er nun heute hier.

Förster Grünrock musste erst einmal schlucken. Er kannte Willi seit langem als einen verantwortungsbewussten Jäger und guten Freund. Sollte Willi sich unbeabsichtigt eine solche Verfehlung geleistet haben? Doch erst einmal musste man Gewissheit haben. Schnell machten sich die beiden auf den Weg zu der Stelle, an der Willi das vermeintliche Reh angeschossen hatte.

Hilfe für das Rentier - Weihnachtsgeschichte Teil 11

Hilfe für das Rentier

Jetzt war natürlich guter Rat teuer. Obwohl die Waldesruher und auch die Waldtiere das Rentier lange suchten, hatten sie es noch nicht gefunden. Die beiden Jäger beeilten sich zur Rukollamühle zu kommen. Hier schilderten sie den anderen den Fall. Nun wurde nicht lange überlegt und alle machten sich zu der von Jäger Willi bezeichneten Anschussstelle auf.

Genau das war die Stelle, die wenige Stunden zuvor auch von Edgar Ente und Wachtmeister Hoffmann gefunden wurde. Nur leider wissen wir bereits, dass hier die Suche ebenfalls ohne Ergebnis verlaufen ist. Alle blickten sich ratlos an. Im Gebüsch jedoch piepste eine kleine Waldesruher Kurzohrmaus hektisch herumDie Waldesruher nahmen jedoch davon keine Notiz – ausser einem.

Eine kleine mutige Maus hat das Rentier gefunden

Förster Grünrock konnte nämlich mit „seinen“ Tieren reden. Das Gepiepse der kleinen Maus hiess nichts anderes, als dass der Förster der Maus folgen sollte. Unser Förster hatte aber den Tieren versprochen, ihr gemeinsames Geheimnis zu bewahren. Deshalb entfernte er sich unauffällig hinter die nächste Wegbiegung. Dort wartete bereits aufgeregt die kleine Maus. „Piep, ihr müsst sofort zum kleinen Loch an der Drachenglashöhle gehen. Dorthin hat sich das Rentier zurückgezogen, nachdem es sich verletzt hat. Piep, schnell, piep!“

Der Förster kannte das kleine Loch. Es war ein schmaler Belüftungsstollen unweit der Stelle, an der sie standen. Er nickte der kleinen Maus dankbar zu. Wenn sie jetzt alle schnell handeln würden, könnten die Waldesruher das Weihnachtsfest vielleicht noch retten! Wie zufällig dirigierte Förster Grünrock unsere kleine Gruppe zu der Stelle, an der sich das kleine Loch befand.

Auch unser Fräulein Krause ist mutig

Nichts war zu sehen. Mit einer Taschenlampe leuchtete Wachtmeister Hoffmann in das Loch hinein. War da nicht doch etwas? Aber das Loch war für die Männer zu klein. Keiner würde hindurch passen. Nur unser Fräulein Krause war schlank genug, um durch die Öffnung abgeseilt werden zu können. Die Männer blickten sich fragend an. Doch forsch trat unser Fräulein Krause vor. Für die Rettung von Weihnachten war sie bereit, jedes Opfer zu bringen. Nur ihr Reiherfederhütchen legte sie sorgsam auf einen grossen Stein.

Langsam, Meter für Meter wurde das Fräulein Krause in den Schacht abgeseilt. Die vier Männer hielten das Seil straff und gaben ihr Möglichstes. Denn wenn Fräulein Krause abstürzen würde, wäre das nicht nur das Aus für Weihnachten! Nein – was wäre denn Waldesruh ohne das Fräulein Krause?  Nach geschätzten fünf Minuten, aber nach gefühlten fünf Stunden gab das Seil nicht mehr nach. Fräulein Krause war also scheinbar unten angekommen. Es dauerte noch ungefähr fünfzehn Minuten bis es fünfmal am Seil zupfte. Das war das vereinbarte Zeichen, um das Seil wieder hochzuziehen. Schon beim Hochziehen bemerkten die Männer das höhere Gewicht.

Hilfe für das Rentier und offene Fragen

Bald schaute schon der Kopf vom Fräulein Krause aus dem Loch. „Hurra, wir haben es! Zieht nur kräftig weiter.“  Die Männer zogen und zogen und schliesslich erblickten sie das Geweih des Rentieres. Wenig später lag es vor ihnen im Gras, noch erschöpft und benommen. Aber sie hatten es gefunden! Und es war noch am Leben! Schnell untersuchten die Waldesruher das Rentier so gut es eben ging. Es war keine äussere Verletzung zu finden. Nicht nur dem Jäger Willi fiel ein ganzer Waggon Steine vom Herzen.

Wie aber kam das Rentier in das kleine Loch? Zu wem gehörten dann die Blutspuren und die Haarbüschel, die überall gefunden wurden? Diese Fragen mussten erst einmal warten. Jetzt galt es das Rentier zum Weihnachtsmann zu bringen. Der wartete ja an der Rukollamühle. Die Waldesruher war es fast gelungen Weihnachten zu retten. Oder doch nicht?

Rettung für das Weihnachtsfest - das Finale der Weihnachtsgeschichte

Die Rettung für das Weihnachtsfest

Jetzt ging eigentlich alles ganz schnell. Die Männer bauten eine Trage, mit der sie das noch schwache Rentier zur Rukollamühle transportieren konnten. Zum Glück wiegt ja so ein Rentier fast nichts. Sonst könnte es ja auch nicht fliegen.

Sehnsüchtig erwartete man Förster Grünrock, Edgar Ente, Wachtmeister Hoffmann und natürlich auch das tapfere Fräulein Krause bereits. Und Tante Rukolla wusste auch bereits, wie man einem schwachen Rentier helfen kann. Nämlich mit einer heissen Hühnerbrühe! Heisse Hühnerbrühe gibt man auch kranken Menschen zur Stärkung. Also heisse Hühnerbrühe hilft bestimmt. Und ein kleiner Schuss vom Bitterblubber hinterher. (Liebe Kinder: versucht das bitte nicht mit euren Haustieren. Das klappt nur bei magischen Rentieren!)

Also eine Tasse heisse Hühnerbrühe für das Rentier gemacht. Und siehe da – nach fünf Minuten stand es auf, schüttelte sich kurz, schnaufte und nickte dankbar mit dem Kopf. Alle die da waren, freuten sich. Der Weihnachtsmann liess ein fröhliches „HoHoHoHo“ hören und fiel dem Rentier um den Hals.

Die gelungene Rettung für das Weihnachtsfest

Die Waldesruher hatten es wieder geschafft. Ganz knapp konnten sie zur Rettung für das Weihnachtsfest beitragen. Jetzt hat der Weihnachtsmann noch genügend Zeit, um zum Nordpol zu fliegen und alle Geschenke werden rechtzeitig abgeliefert. In Waldesruh war man wieder glücklich! Jetzt konnte man beruhigt das Weihnachtsfest beginnen lassen! Alle anderen Sorgen bleiben jetzt erst einmal liegen.

Die Waldesruher wünschen allen Leserinnen und Lesern, egal ob gross oder klein, ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest!

Tante Rukolla hat noch einen ganz besonderen Tip für euch: „Seht das Leben nicht so ernst. Erinnert euch an eure Kindheit und seit einfach mal wieder ein bisschen Kind. Dann geschehen auch wieder kleine und grosse Wunder. Das ist der Zauber der Weihnacht!“