Nordöstlich von Wagenfeld im niedersächsischem Landkreis Diepholz ist auf Karten das Neustädter Moor ausgezeichnet. Das Neustädter Moor ist eines von 15 Hochmooren in der Diepholzer Moorniederung. Dieser Naturraum hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Rastplätze während des alljährlichen Kranichzuges entwickelt. Ich habe mich für euch dort einmal umgesehen.

Wanderung im Neustädter Moor bei Wagenfeld-Ströhen - das Moor erleben

Die Diepholzer Moorniederung – ein birding hotspot

In diesem Naturraum verteilen sich fünfzehn Hochmoore mit einer Fläche von rund 24.000 Hektar. Inmitten landwirtschaftlich intensiv genutzter Flächen sind Moore und weitere geschützte Flächen wahre Schatzinseln für viele Tier- und Pflanzenarten. Durch die fast einzigartige Landschaft und vor allem in der Zeit des Kranichzuges hat sich die Region zu einem immer mehr für den Tourismus interessanten Spot in Niedersachsen und darüber hinaus entwickelt.

Viele Vogelbeobachter kommen während der herbstlichen Kranichrast hierher. Und das nicht nur aus Deutschland. Ich selbst war hier schon mehrere Male zu Gast und habe meine Eindrücke zum Beispiel im Beitrag Kraniche fotografieren zum Kranichzug mit Beobachtungstipps veröffentlicht.

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Das Neustädter Moor – die Perle unter den Mooren

Das Moor steht als Naturschutzgebiet unter gesetzlichem Schutz und ist eines der ältesten Naturschutzgebiete dieser Gegend. Zudem ist das Moor ebenfalls Bestandteil des gleichnamigen FFH-Gebietes und des EU-Vogelschutzgebietes „Diepholzer Moorniederung“. Es steht seit 1969 unter Naturschutz. Im Jahr 2018 wurde das eigentliche Neustädter Moor mit anderen angrenzenden Moorschutzgebieten zusammengefasst. Heute umfasst es eine Fläche von 1.479 Hektar.

Bis zum Ende der 1960er Jahre sollen hier noch Goldregenpfeifer und Birkhuhn gelebt haben. Es ging es schon frühzeitig darum, diesen Lebensraum für seltene Arten vor der Abtorfung zu schützen. Das Neustädter Moor war quasi die Keimzelle des Hochmoorschutzes in Niedersachsen.

Charakteristisch für das Neustädter Moor ist die weite und offene Landschaft. Um diese Landschaft zu erhalten tragen auch die Diepholzer Moorschnucken bei. Heute eine aussterbende Haustierrasse weideten diese schönen Tiere bereits seit Jahrhunderten hier im Moor. Die weissen, hornlosen Heidschnucken sind eines der Markenzeichen in der Diepholzer Moorniederung.

Seit 2014 haben die “Moorwelten” in Wagenfeld-Ströhen geöffnet. Hier in diesem “Moormuseum” kann der Natur- und Lebensraum Moor mit allen Sinnen erlebt werden. Multimedial wird spielerisch Wissen vermittelt. So kann man beispielsweise erfahren, warum Moore so wichtig für den Klimaschutz sind. Im grosszügig dimensionierten Aussengelände können vor allem Kinder ihren Spass auf dem Barfusspark haben.

Wanderung im Neustädter Moor bei Wagenfeld-Ströhen - Tierwelt im Moor - ein Rehbock

Unsere Wanderung “Rund im Neustädter Moor”

Hier an den Moorwelten starten wir auch unser Abenteuer. Am Ende sind wir 12,5 Kilometer unterwegs und brauchen dafür rund 3 Stunden. Die Details zu unserer Wanderung kannst du auf Komoot sehen und dort auch die Daten für dein GPS-Gerät herunterladen.

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An den Moorwelten steht ein ausreichend grosser und kostenloser Parkplatz zur Verfügung. Ebenfalls befindet sich hier der Startbahnhof der Moorbahn, mit der man zum nahegelegenen Erlebnispfad Moorpadd fahren kann. Wir wollen aber wandern und gehen deshalb vorab entlang der Moorbahngleise. In Höhe der Straße Auf dem Voßberge gelangen wir an die Grenze zum NSG Neustädter Moor.

Den Weg wandern wir weiter und lassen die Natur auf uns wirken. Aus der Ferne hört man bereits die Kraniche rufen. Sehen können wir sie aber noch nicht. Dafür kreisen über uns einige Greifvögel. Linkerhand beobachten wir einen Rehbock, der sich von uns anscheinend nicht gestört fühlt. Nach 2,0 Kilometern erreichen wir den Erlebnispfad Moorpadd. Hier endet die Moorbahn und die meisten der Touristen ergiessen sich bei schönen Wetter dann im Moor.

Wanderung im Neustädter Moor bei Wagenfeld-Ströhen - der kleine Aussichtsturm kennzeichnet den Beginn des Erlebnispfades

Am Beginn des Rundwanderwegs steht der Kleine Aussichtsturm. Von ihm aus hat man einen wunderschönen Rundblick auf das Neustädter Moor. Kraniche wird man hier aber eher seltener sehen. Die Übernachtungsflächen liegen ausserhalb der Sichtweite und tagsüber sind die Kraniche meistens in der Umgebung auf den Felder zur Nahrungssuche unterwegs. Mit viel Glück entdeckt man eine durchfliegende Gruppe.

Der Erlebnispfad ist rund 1 Kilometer lang. Auf vorgegebenen Wegen kann der interessierte Besucher hier auf einem Rundweg den Lebensraum des Neustädter Moores kennenlernen. Teilweise führt ein Bohlenweg über die feuchten Flächen hinweg. Von den vorgegebenen Wegen sollte man möglichst nicht abweichen. An den Trittschäden gerade im Bohlenwegbereich sah man, dass dies wohl aufgrund der in Corona-Zeiten grösseren Besucheranzahl wohl nicht allen Menschen hier möglich war. Schade eigentlich!

Während des Rundweges kann man an 19 verschiedenen Stationen das Moor erkunden. Und das nicht nur an drögen Schautafeln: ein Moorbad steht genauso zur Verfügung wie eine schwankende Brücke. Gerade für Kinder ist das ein toller Edutainment-Spass! Aber es lohnt sich auch unterwegs den Blick in die Weite des Moores schweifen zu lassen. Oder auch mal den Boden zu seine Füssen zu betrachten. In einem kleinen Wasserloch am Bohlenweg entdeckten wir sogar einen “Wasserdrachen”.

Nach Absolvierung des Erlebnispfades gehen die meisten Besucher zurück zu ihrem Auto. Wir aber wandern weiter. Auch wenn an solchen Besucher-Hotspots die Natur regelrecht leidet, sind wir doch froh, dass es sie gibt. Denn die Menschen sammeln sich meist nur an diesen Punkten. So hatten wir auch den meisten Teil unserer Wanderung nur die Menschenmassen an diesen Aussichtspunkten.

Wanderung im Neustädter Moor bei Wagenfeld-Ströhen - vom grossen Aussichtsturm kann man von drei Ebenen auf die Moorlandschaft schauen

Unser Weg führt weiter zum Großen Aussichtsturm. Hier hat man die Gelegenheit, Kranichschwärme beim An- oder Abflug zu den Schlafgewässern zu beobachten. Zu Corona-Zeiten sind die Türme allerdings nur mit einem Mund-Nasen-Schutz zu betreten und die bekannten Abstände einzuhalten. Die Wege in das Moor enden hier an einer Kette. Dahinter beginnt das natura2000-Schutzgebiet und im Interesse der Vögel sollte man wirklich nicht weitergehen.

Der Weg führt uns weiter entlang des Moores und von Wirtschaftsflächen. An Feldern und durch Wälder gelangen wir zu höchstem Berg von Ströhen. Der Aufstieg sollte aber kein Problem für einen rüstigen Wanderer sein. Schliesslich treffen wir noch auf eine eingezäunte Herde der Diepholzer Moorschnucken, die hier in Gesellschaft von Ziegen aktive Landschaftspflege betreiben.

Wanderung im Neustädter Moor bei Wagenfeld-Ströhen - die hornlose Moorschucke gehört zu einer vom Aussterben bedrohten alten Haustierrasse

Zum Ende des Weges gelangen wir wieder auf die bekannten Gleise der Moorbahn. Diese führen uns zurück zu den Moorwelten. Zum Abschluss der Tour empfiehlt es sich, dort für einen Kaffee zu verweilen. Sollte dann noch Elan, Ausdauer, Geduld und Interesse vorhanden sein, empfiehlt sich noch ein Besuch an einen der Vogelbeobachtungstürme in der Umgebung. Hier lassen sich zur Dämmerung im Herbst die Gruppen der einfliegenden Kraniche gut beobachten. Informationsmaterial in Form einer sehr guten Flyermappe liegt kostenlos an den besuchten Aussichtstürmen (auch auf unserer Tour) aus.