Waldohreulen in Bremen-Findorff

Waldohreulen in Bremen-Findorff

Geschrieben von Torsten Berg

Dieser Beitrag wurde am 16.02.2022 aktualisiert.

Veröffentlicht wurde er am 16.02.2022.

Waldohreulen in der Stadt zu treffen ist eigentlich gar nicht so schwierig. Man muss nur wissen, wo sich die Tiere gerade aufhalten. Mittlerweile ist die Nachricht auch durch Funk und Fernsehen weit verbreitet. Und deshalb kann auch ich jetzt verlauten: es gibt Waldohreulen in Bremen-Findorff.

Waldohreulen in Bremen-Findorff - leicht zu übersehen, weil sie gut getarnt im Baum sitzen

Entdeckt:  Waldohreulen in Bremen-Findorff

Mitten im Bremer Stadtteil Findorff hat eine Gruppe Waldohreulen ihren gemeinsamen Winter-Schlafbaum gefunden. Und der scheint den Vögeln zu gefallen. Denn mindestens vier Jahre lang lassen sich die Nachtgreifvögel hier schon nieder. Direkt an einem kleinen Weg, der gern von Radlern und Gassi-Gehern benutzt wird. Allerdings muss man schon den Kopf heben, um die gut getarnten Vögel zu entdecken. Durch ihr braungraues Federkleid sind sie recht gut geschützt vor neugierigen Augen.

Waldohreulen sind gut erkennbar durch ihre auffallenden Kopffedern. Diese sehen wie Ohren aus. Deshalb auch der Name. Mit diesen Federbüscheln können sie aber nicht hören. Vielmehr drücken sie damit unter anderem ihre Stimmungen aus. Die Vögel können eine Körperlänge von 35 Zentimetern erreichen und dabei eine Flügelspannweite von einem knappen Meter. Damit gehören sie zu den mittelgrossen Vertretern ihrer Familie. In Mitteleuropa ist sie die am häufigsten anzutreffende Eulenart. Geschätzt 32.000 Brutpaare sollen in Deutschland noch leben. Damit ist die Eule zwar nicht akut gefährdet, aber ihre Bestandszahlen sind in der Tendenz rückläufig. Dennoch sind die Tiere trotzdem streng geschützt. Seit 2007 stehen die Waldohreulen in der Roten Liste gefährdeter Arten für Niedersachsen und Bremen.

Typisch für diese Art ist die Angewohnheit, sich in der Winterzeit mit anderen Vertretern ihrer Art einen gemeinsamen Schlafbaum zu teilen. In Bremen sind solche Schlafbäume aber recht selten. Hauptsächlich jagen die nachtaktiven Vögel Mäuse. Dabei kann ein ausgewachsener Vogel rund 1.000 Stück pro Jahr futtern.

Waldohreulen in Bremen-Findorff - wenn eine Eule tagsüber mit grossen Augen schaut, fühlt sie sich gestört.

Nur beobachten, bitte nicht stören

Die Findorffer Eulen lassen sich durch neugierige Betrachter nicht aus der Ruhe bringen. Ich selbst war in den letzten Jahren mehrfach am bekannten Ort. Immer traf ich dort mehrere Zuschauer. Solange alles ruhig und gesittet abläuft, lassen sich die Tiere auch nicht stören. Jedoch traf ich auch auf renitente Fotografen und gelangweilte Kleinkinder. Einmal ging in der Nachbarschaft ein Böller hoch. Und bei solchen Aktionen fühlen sich die Eulen dann gestört und öffnen ihre Augen. Zumindest wollen sie dann sehen, wer da stört. Wenn die Menschenansammlung dann zu laut wird, Hundegebell ertönt oder man gar versucht mit dem Handy oder der Kamera noch näher an die Vögel heranzukommen, dann kann man die Tiere auch vergrämen. Und auch wenn ein Foto von einer den Fotografen mit offenen Augen anschauenden Waldohreule faszinierend ist, so zeugt das doch von einer Störung der Tiere. Denn die schlafen normalerweise tagsüber. Und wenn man selbst öfter im Schlaf gestört wird, weiss man, wie sich die Tiere fühlen.

Aus diesem Grund werde ich den genauen Standort der Tiere auch nicht verraten. Durch Presse, Funk und Fernsehen gibt es schon genügend Medienrummel für diese schönen Tiere. Nicht nur aus der Gegend kommen mittlerweile die Fotografen zum Schlafbaum der Eulen.

Sobald die Brutzeit bei den Waldohreulen beginnt, löst sich die Schlafgemeinschaft wieder auf. Die Brutpaare suchen dann verlassene Krähen- oder Elsternester auf. Dort legen sie ihre Eier ab und ziehen dann die Jungvögel auf. Es ist dann durchaus möglich, dass sich einzelne Paare in Bremer Grünanlagen, Parzellengebieten oder auch Privatgärten einfinden. In Bremen scheint es einige Brutpaare zu geben. Bemerkt werden sie dann aber oftmals erst, wenn die Jungtiere mobil genug sind. Dann nämlich signalisieren sie ihren Eltern mit einem lauten fiependen Ruf, wo im Baum sie sitzen und Hunger haben. Da diese Rufe während unserer Nachtruhe ertönen, fühlen sich viele Anwohner schnell genervt. Das ist dann ein kleines bisschen die Rache der Natur.

Waldohreulen in Bremen-Findorff - ab und an bewegen sich die Waldohreulen auch mal :-)

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  1. Ullrich Altmann 16. Februar 2022 at 15:40 - Reply

    Tatsächlich: Man muss doch öfter an den “Eulenbaum”, um die schönen Tiere zu “treffen”. Ich war bisher nur einmal da und hatte das Glück, dass auf eine der nicht ganz so versteckten Eulen ein bisschen Licht fiel … wie ein Spot. Allerdings tat mir diese Eule nicht den Gefallen, wenigstens mal mit einem Auge zu blinzeln. Sie behielt für eineinhalb Stunden den Kopf zwischen den Schultern. Auf ein anderes Tier ausweichen ging dann auch nicht: Entweder, die Eulen saßen durch Ast- und Blattwerk verdeckt, oder ich hatte krasses Gegenlicht der tiefstehenden Sonne. Langer Rede kurzer Sinn: Da sind Dir schöne Fotos gelungen. Übrigens waren – als ich da war – nur stille Interessenten da – teils mit Ferngläsern, teils mit Fotoapparaten, aber auch diejenigen, die es mit dem Smartphone versucht haben ;-) Aber alles war ziemlich geräuschlos und störungsarm. Nur ein Radfaher fühlte sich durch ein Stativbein auf dem Radweg schwer behindert und musste sich darüber lautstark beschweren. Glückwunsch zu Deiner Geduld und Hartnäckigkeit, und danke für Deine Verschwiegenheit, was die Location betrifft.

    • Torsten Berg 17. Februar 2022 at 13:24 - Reply

      Manchmal ist es interessanter die Menschen beim Tiere gucken zu beobachten als die Tiere :-)

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