Ein Sensationsfund ist einem deutschen Biologen im Nationalpark Waldesruher Höhenzüge gelungen. Er entdeckte die Waldesruher Kurzohrmaus wieder!

Die Waldesruher Kurzohrmaus (Microtus waldesruhicus) ist ein Säugetier aus der Unterfamilie der Wühlmäuse. Die Art wurde erst im Jahr 1962 beschrieben und  ist ein Endemit des nördlichen Harzgebirges. Sie kommt heute nur noch um den Waldesruher Hirschkopf vor.

Diese kleine Maus wurde erst 1962 bei Waldesruh entdeckt. Damals wurden mit Mausefallen 18 Tiere gefangen und anhand morphologischer Merkmale als neue Art bestimmt. Danach konnte die Art dort nicht mehr nachgewiesen werden und galt als verschollen

Im Vergleich zur ähnlichen Kurzohrmaus ist die Waldesruher Art etwas größer. Ausgewachsene Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 106 mm, der Schwanz kann bis zu 44 mm lang werden. Dabei können die Tiere ein Gewicht von bis zu 28 g erreichen. Das Fell ist gelblich braun, die Fußrücken sind weißlich behaart. Die Ohren sind fast völlig im Fell verborgen. Das Schädeldach ist leicht gewölbt und die Gehörkapseln sind relativ groß.

Die Waldesruher  Kurzohrmaus ist von der extrem ähnlichen und nahe verwandten Art Bayrische Kurzohrmaus (Microtus bavaricus)  nur molekulargenetisch oder durch die vergleichende Analyse mehrerer Zahn- und Schädelmaße unterscheidbar.

Die Art wurde bisher nur an zwei Fundorten nachgewiesen. Der eine befindet sich in der Nähe der Nachbargemeinde Wilhelmsbrunn,  der zweite direkt im Nationalpark unweit des Hirschkopfes.  Der Lebensraum bei Wilhelmsbrunn bestand aus mäßig feuchten Wiesenhängen in der Nähe eines Baches in etwa 730 m Höhe. In Waldesruh bewohnen die Tiere einen sehr offenen und bis 2005 als Waldweide genutzten Mischwald. Dieser Standort befindet sich in 730–1100 m Höhe.

Der Fundort nahe Wilhelmsbrunn wurde durch den Bau eines Ferienheimes zerstört. Nur im Nationalpark steht das letzte bekannte Vorkommen unter ausreichendem Schutz. Leider ist auf dieser Fläche im Jahr 1989 die Waldweide aufgegeben worden. Große Teile des von der Art bewohnten Waldes sind seitdem zugewachsen.

Nun soll ein Forschungsprojekt starten, in dessen Rahmen die Verbreitung, die ökologischen Ansprüche und die Populationsgröße der Art erforscht werden sollen und an dessen Ende ein Managementplan für die Waldesruher Kurzohrmaus entstehen soll.

Trotz intensiver Nachsuche konnten weder in der Umgebung der bekannten Fundorte oder in Deutschland weitere Vorkommen festgestellt werden. In Deutschland wird die Art bisher in der Roten Liste als „Verschollen“ geführt. Waldesruh ist somit der einzige Ort, an dem dieses possierliche Tierchen zu finden ist.

Förster Grünrock erzählte stolz gegenüber dem Waldesruher Tagesboten„Ich habe es immer noch gehofft, daß wir die Waldesruher Kurzohrmaus wieder finden! In meiner tiefsten Überzeugung habe ich gewußt, sie ist noch nicht ausgestorben. Das zeigt uns allen, wie wichtig der Nationalpark für uns ist!“