Waldesruh wird flächenhaftes Freilichtmuseum

Der beschauliche Ort Waldesruh wird zu einem flächenhaften Freilichtmuseum erklärt. Diese Nachricht verkündete gestern Ortsvorsteher Egon Schulze in einer eilends zusammengerufenen Ortsversammlung allen Waldesruhern Bürgern. „Die Landesregierung hat in Abstimmung mit den zuständigen Bundesministerien beschlossen, unser Waldesruh deutschlandweit als erstes flächenhaftes Freilichtmuseum zu ernennen und einen entsprechenden Antrag an die UNESCO zu stellen.“ überbrachte Egon Schulze die von den Waldesruhern sehr gemischt aufgenommene Mitteilung.

Minister Dr. Ernst Raumplaner vom zuständigen Landesministerium erläuterte den Anwesenden diese Entscheidung: „Als flächenhaftes Freilichtmuseum (FFM) sollen von nun an in Deutschland und Europa jene Gebiete unter besonderen Schutz gestellt werden, die ihre eigenständige und unverfälschte kulturelle Identität, Kultur und Landschaft erhalten haben. Gerade im dichtbesiedelten Europa gibt es nur sehr wenige dieser noch unverdorbenen Landstriche. Die Waldesruher können sich glücklich schätzen, als erste Ortschaft dazu gehören zu können.“ Die EU habe sich kurzfristig zu dieser Maßnahme entschieden, da die zunehmende Globalisierung „immer mehr zu einem Einheitsbrei führe.“ 

Als einer der grundlegenden Schutzgedanken dürfen von heute an keine weiteren Modernisierungsmaßnahmen im gesamten Schutzgebiet vorgenommen werden. Für alle in den letzten Jahren erfolgten Modernisierungen gilt, daß diese innerhalb von drei Jahren zurück gebaut werden müssen. „Alles soll so bleiben oder so werden, wie es früher schon immer war,“ führte der Minister weiter aus. „Für den Erhalt des Schutzstatus stellt das Land und die EU nicht unerhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung.“ Eine Voraussetzung für die Bewilligung der Mittel sei aber, daß alle Einwohner aus dem Bereich des flächenhaftes Freilichtmuseum (FFM) ausziehen. Die ersten Umsiedlungen sollen bereits kommenden Montag stattfinden. Die somit frei werdenden Häuser und Gebäude werden museal ausgebaut oder – abhängig vom Baudatum – abgerissen.

„Zur Entschädigung werden wir alle Einwohner in schöne und moderne Neubauwohnungen in der Kreisstadt unterbringen. Die Umzugskosten bezahlt das Land und sogar einen Teil der neuen Ausstattung für die Wohnung wird von uns getragen. Schließlich muss das alte Mobiliar ja in den Häusern bleiben, die als Ausstellungshäuser erhalten bleiben sollen.“ Auch für Arbeitsplätze für die Einwohner sei gesorgt: es werden noch Personen gesucht, die für das Gebiet typische Berufe und Bewohner spielen sollen. „So können wir den Besuchern einen identischen Alltag vom Leben in Waldesruh bieten.“, so der Minister weiter. Aber auch Kassierer oder Kioskmitarbeiter werden noch benötigt.

Auf die Frage von vielen Einwohnern, wie sich das Land denn so ein flächenhaftes Freilichtmuseum (FFM) vorstelle, antwortete der Minister: „Wir haben da ganz klare Regelungen. Das gesamte unter Schutz gestellte Gebiet wird eingezäunt. Mitarbeiter und angestellte Personen erhalten einen Passierschein. Innerhalb der Öffnungszeiten soll das Gelände dann gegen eine Eintrittsgebühr zu besichtigen sein.“ Egon Schulze fügte noch hinzu: „Wir vom Ortschaftsrat freuen uns darüber, das für Waldesruh endlich eine vernünftige Zukunftslösung gefunden wurde. Wir Waldesruher profiteren davon nur, wir können unser schönes Waldesruh erhalten, bekommen dafür noch Geld  und sogar neue Wohnungen werden uns im Tausch gegen unsere alten Buden gegeben.“

Zum Ende der Versammlung wurde eine gewisse Unruhe im Saal der Gaststätte vom Bärenwirt unter den Anwesenden laut. Leider musste Herr Minister Dr. Ernst Raumplaner pünktlich zum nächsten Termin in der Landeshauptstadt wieder eintreffen, so daß für weitere Diskussionen keine Zeit blieb.

Service für unsere Leser: Was ist ein flächenhaftes Freilichtmuseum (FFM) ?

Als flächenhaftes Freilichtmuseum (FFM) werden Gebiete mit einer Fläche von mehr als 10.000 ha ausgewiesen.  Sie sind gemäß § 1 Abs. 1 Schutzgesetz zum Schutz Flächenhafter Freilichtmuseen SchGFFM „einheitlich zu schützende Gebiete, die

  1. großräumig, weitgehend unzerschnitten und von besonderer Eigenart sind,
  2. im Teil des natürlichen Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets erfüllen und
  3. sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu werden, der einen möglichst einzigartigen Einblick in die Lebensweise früherer Generationen gewährleistet.“

Mit dieser Schutzkategorie soll besonders der Erhalt, die Einzigartigkeit und die Einheit von menschlichem Wirken früherer Generationen und der Natur, sowie Einzigartigkeit der Regionalität der Nachwelt erhalten bleiben. Als eine Unterkategorie des Weltkulturerbes wurden die FFM am 01.01.2016 geschaffen. Weltweit gibt es seit der Einführung bereits 3 FFM. Waldesruh wird das 4. und bisher einzige in Deutschland werden.

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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