Wachtmeister Hoffmann´s Einsatz im Nationalpark

Bei seinem wöchentlichen Einsatz im Nationalpark staunte Wachtmeister Hoffmann nicht schlecht. Sollte in seinem beschaulichen Örtchen Waldesruh doch einmal etwas passiert sein?

Wachtmeister Hoffmann´s Einsatz im Nationalpark

Einmal in der Woche dehnt Wachtmeister Hoffmann seinen Kontrollgang durch Waldesruh auf das Gebiet des Nationalparkhauses auf dem Hirschkopf aus. Vom Bahnhof kommend wandert er die Durchgangsstraße am Alten Steinbruch entlang hinauf zur Rukollamühle. Hier wird er dann meistens schon von Tante Rukolla und einer dampfenden Tasse heißen Kaffee erwartet. Ab und an findet Tante Rukolla dann auch noch Zeit um sich mit dem Wachtmeister über Gott, Waldesruh und die Welt zu unterhalten. An besonders guten Tagen hat Tante Rukolla dann auch noch ein leckeres Stückchen von ihrer handgefertigten Torte für den Wachtmeister.

Gestärkt nach der willkommenen Pause zieht es den Wachtmeister dann weiter in Richtung des Nachbarortes Wilhelmsbrunn, um dann von der Durchgangsstraße hinter der Rukollamühle in den Alten Schmugglerweg Richtung Nationalparkhaus einzubiegen. Hier am Rand des Mühlenberges beginnt auch der Anstieg Richtung Hirschkopf und der Wald des Nationalparkes. Der Wachtmeister genießt bei schönem Wetter gern die Landschaft und die Ruhe der Natur. Am frühen Vormittag hat er den Wald noch nahezu für sich allein. Die Ruhe wird dann nur von dem Gesang der Waldvögel oder dem Gekreisch des Eichelhähers unterbrochen.

Da ja bekanntlich in Waldesruh sowieso nie etwas passiert, kann der Wachtmeister sich ganz auf die Natur konzentrieren und seinen Gedanken nachhängen. Den Weg kennt er schon zur Genüge und so finden seine Füsse wie von selbst die richtige Richtung. Schliesslich macht der Alte Schmugglerweg eine scharfe Kurve nach rechts. Schon vom Weitem sah Wachtmeister Hoffmann  etwas gelbes durch die Büsche schimmern. Was war das?

Beunruhigt verdoppelt er die Geschwindigkeit seiner Schritte und siehe da: ein quietschgelber Trabant mit Zeltaufbau, einer sogenannten Pension Sachsenruh„Und ich dachte, die DDR-Zeiten seien vorbei! Daß ich das noch einmal hier erlebe!“ denkt er halblaut bei sich. Entschlossenen Schrittes geht er auf das Auto zu. Abgeschlossen, auch das Zelt ist verschlossen. Keine Spur von den Besitzern.

„Hm, Parken und Übernachten im Nationalpark ist nicht erlaubt. Schon gar nicht darf hier der Waldweg mit einem PKW befahren werden. Andererseits – ich kann mich noch gut an die Urlaube damals mit Ursula erinnern – was haben wir da nicht alles gemacht.“ Vorsorglich notiert er sich das Kennzeichen des Trabants und setzt sich erst einmal für eine kleine Pause in das Gras …

Wachtmeister Hoffmann´s Einsatz im Nationalpark

Aufgrund der sommerlichen Temperaturen und den Anstrengungen vom Aufstieg von der Rukollamühle aus fielen dem Wachtmeister alsbald die Augen zu. Zudem hatte er trotz der Wärme immer noch pflichtbewusst seine Uniform angezogen. Das Zirpen der Grillen, das Singen der Waldvögel und die gesunde Waldluft taten ihr übriges. So also schlief Wachtmeister Hoffmann alsbald ein. Plötzlich zeterte über ihm ein Eichelhäher. Der Vogel hatte sich wohl erschreckt, als er den grün gekleideten Menschen im Gras entdeckte. Dem Wachtmeister kam es vor, als ob er nur Minuten geschlummert hätte. Ein Blick auf seine Armbanduhr zeigte dem Wachtmeister aber, daß bereits eine Stunde vergangen war. Und noch hatte sich kein Mensch am Trabbi sehen gelassen.

„Nun dann geh ich weiter, das Kennzeichen habe ich notiert und ich möchte zum Nachmittagskaffee zu Hause sein.“ dachte der Wachtmeister bei sich.  Er zog seine Unform gerade, rückte seine Dienstmütze zurecht und wanderte weiter Richtung Nationalparkhaus, dessen Umrisse er schon sehen konnte. Mittlerweile war es 11:00 Uhr und am Nationalparkhaus waren schon einige Besucher eingetroffen. Diese schienen die übliche Wanderroute die Waldesruher Trift hinauf genommen zu haben, da sie dem Wachtmeister nicht unterwegs begegnet waren. Einige kannte er bereits von den vergangenen Tagen aus Waldesruh, bei anderen war er sich sicher, daß diese hier nicht mit dem Trabbi angereist waren.

Er hielt sich nicht lange am Nationalparkhaus auf dem Hirschkopf auf. Sein geübter Blick schweifte zu den Papierkörben und zum Brunnen. Kein Müll lag herum, die Papierkörbe waren noch leer und die Pumpe am Brunnen schien auch funktionsfähig zu sein.

Wachtmeister Hoffmann´s Einsatz im Nationalpark

Auch das Geländer am Aussichtspunkt wies keinerlei Beschädigungen auf. Kurz blickte er noch einmal in die Ferne auf seinen Heimatort Waldesruh und lächelte zufrieden: „Die Nationalparkmitarbeiter von Förster Grünrock machen hier eine gute Arbeit!“ Mit einem „Schönen Tach noch!“ verabschiedete er sich von den Besuchern und ging weiter seinem nächsten Ziel entgegen – der Badestelle am Mühlenbach.

Sein nächster Kontrollpunkt war die kleine Badestelle am Mühlenbach, welche offiziell vom Ortsschaftsrat zum Baden freigegeben war. Hier sollte er regelmäßig darauf achten, dass die erfrischungssuchenden Urlauber keinen Müll hinterlassen und auch wegen der Waldbrandgefahr hier nicht grillen. Sein Weg führte den Wachtmeister noch ein Stückchen des Schmugglerweges entlang. Flüchtig sah er ein paar Stücke Damwild abspringen und ärgerte sich schon ein bisschen, dass er diese Tiere nicht vorher gesehen hatte. Aber sicherlich waren sie vor dem älteren Wanderehepaar geflüchtet, welche er gerade überholte.

Kurz vor der Brücke über den Mühlenbach bog er rechts ab auf einen kleineren Pfad. Zu seiner Linken beobachtete er den Schilfgürtel des Baches, in welchem viele Vögel brüteten. Vielleicht konnte er hier eines der Wildschweine beobachten? Die Gebüschgruppe zu seiner Rechten nahm er genauer in Augenschein, Hier wurde vor kurzem die Waldesruher Kurzohrmaus wieder entdeckt. Leider konnte er auch dieses Mal keines dieser possierlichen, aber auch scheuen Tiere erblicken.

So öffnete sich schliesslich der Pfad hin zu einer kleinen Lichtung und der Wachtmeister stand am Rand der kleinen Badestelle unterhalb des Hirschkopfes, an der die Gemeindearbeiter extra Sand aufgeschüttet hatten. Hier hörte er die Urlauber und Touristen vom Nationalparkhausplateau her, wo es wohl schon etwas voller geworden war. Aus der Ferne klangen die Waldesruher Kirchenglocken und zeigten ihm an, dass es früher Nachmittag war. Diese Töne erinnerten ihn daran, dass auch er schon als Kind gern gebadet hatte und mit den Mädchen gern seinen Schabernack trieb.

Wachtmeister Hoffmann´s Einsatz im Nationalpark

Trotz des warmen Wetters heute war nur eine Familie an der Badestelle anzutreffen. Da er diese augenscheinlich noch nicht kannte, kam er mit dem Familienvater ins Gespräch und war ganz erstaunt: „Siggi? Siggi Berch? Wir waren damals zusammen in der Kreisstadt und haben da studiert! So ein Zufall. Was verschlägt dich hierher, wie geht es dir und ist das deine Familie?“

Beide lagen sich in den Armen. Froh darüber einen ehemaligen Schulfreund wiedergesehen zu haben, vergaß Wachtmeister Hoffmann seinen nahen Feierabend und plauderte mit Siggi. Der stellte ihm seine Frau und seine beiden Kinder vor. Siggi erzählte, dass es ihn nach der Wende in den Westen und vor einem Jahr zurück zu Frau und Kindern in die Heimat nach Bitterfeld gezogen hat. Nun sei er auf Urlaub und wollte mit seiner Chrischta noch einmal die schönen Wochen ihrer Jugendzeit erleben. Darum haben sie sich einen Trabbi gekauft mit Pension Sachsenruh und sind in den Harz gefahren zum Campen.

„Und dieser Trabbi ist nicht zufällig quietschgelb und steht oben im Wald?“ fragte Wachtmeister Hoffmann plötzlich ganz ernst. „Doch, wieso … “ entgegnete Siggi. „Nun ja, da wäre eine Kleinigkeit … aber die könnten wir doch heute Abend beim Bärenwirt bereden. Den Trabbi könnt ihr gern bei mir vor dem Haus abstellen und wenn ihr wollt, auch gern bei mir übernachten.“

Ob Siggi nun eine Strafe zahlen muss wegen unerlaubten Campen im Nationalpark? Das entzieht sich leider unserer Kenntnis. Aber die Waldesruher sind ja bekannt dafür bestehende Schwierigkeiten unkompliziert zu lösen.