Unterwegs auf der Straße der Megalithkultur – 33 spannende Entdeckungen

Unterwegs auf der Straße der Megalithkultur – 33 spannende Entdeckungen

Dieser Beitrag wurde am 26.01.2021 veröffentlicht.

Er wurde am 27.01.2021 aktualisiert.

Geschrieben von Torsten Berg

Es ist ein nasser und kalter Wintermorgen. Die Sonne kann man nur hinter dicken Wolken erahnen. Rauchschwaden ziehen durch die Luft. Feuer spenden ein wenig Wärme. Trommelklänge lassen die feuchtkalte Luft vibrieren. Hier am Begräbnisplatz versammelt sich eine Gruppe von Bauern aus der Jungsteinzeit, um einen der ihrigen zur letzten Ruhe zu betten. Sie glauben an das Weiterleben nach dem Tod und geben ihrem Gefährten das notwendige Rüstzeug für die Reise mit.

Heute findet der Wanderer an dieser Stelle nur ein paar grosse Steine, deren Anordnung häufig willkürlich aussieht. Kaum jemand weiss, welche Geschichten hinter diesen Steinen stehen.

Großsteingrab Schmeersteine an der Straße der Megalithkultur

Viele dieser auch als Hünensteine bekannten Grosssteingräber befinden sich in Norddeutschland. Auf 330 Kilometern führt die Straße der Megalithkultur zu 33 spannenden archäologischen Stationen durch Nordwestdeutschland. Auf diesem Weg können wir mehr als 70 Großsteingräber entdecken, die aus der Jungsteinzeit (etwa 3.500-2.800 vor Christi Geburt) stammen. Aber auch in den Niederlanden, in Dänemark und in Südschweden sind diese interessanten Gebilde zu finden. Viele der auch als Megalithgräber benannten Grabanlagen entdeckt man ebenso in Frankreich, der Schweiz, Portugal und Spanien, und auch an den Küsten von Marokko bis Tunesien oder auch in Großbritannien.

Die Baumeister der Megalithkultur

Um 3.500 Jahre v. Chr. gründeten die bis dahin als Jäger und Sammler lebenden Menschen die ersten Siedlungen. Zunehmend setzt sich eine bäuerliche Lebensweise bei ihnen durch. Von den benachbarten Völkern übernahm man neue Techniken und Bräuche. Statt wie bisher in Hütten und Zelten ohne festen Wohnsitz zu leben, bauten sie Häuser. Die Menschen kultivierten Weizen, Gerste, Erbsen, Linsen und andere Pflanzenarten. Zudem züchteten sie Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine. Mit der neolithischen Revolution in der Jungsteinzeit entwickelte sich der Mensch auch in Nordwestdeutschland zum Ackerbauer und Viehzüchter.

Auch der Umgang der Menschen mit dem Tod änderte sich. Die Bauern der Steinzeit errichteten für ihre Verstorbenen eindrucksvolle Gräber aus grossen Gesteinsbrocken. Die Großsteingräber waren geboren. In Norddeutschland hat sich der Typ eines Kollektivgrabes herausgebildet. Dabei wurden in einem bereits genutzten Grab nachträglich weitere Verstorbene beigesetzt. Archäologen fanden in einem einzigen Grab Skelettreste von bis zu 150 Individuen. Anscheinend wurden diese Megalithgräber über viele Generationen hinweg benutzt.

Das Wort Megalith leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet soviel wie „großer Stein“ von mega für groß und lithos für Stein

Im norddeutschen Raum sprechen wir bei den Erbauern von Menschen der Trichterbecherkultur. Dieser Name leitet sich von der Form der von ihnen benutzten Keramikgefässe ab. Diese hatten ein bauchiges Unterteil und einen trichterförmigen Hals. Häufig wurden diese mit Mustern verziert. Noch wissen wir wenig über ihre Siedlungsplätze, ihren Alltag und ihren Aussehen. Die Grabungen in ihren Gräbern bringen aber bereits ein wenig Licht in diese Zeit.

Der Bau eines solchen Großsteingrabes muss für die damalige Zeit ein aufwendiger Kraftakt gewesen sein. Grosse Findlinge dienten in der Regel als Baumaterial. Deren Transport zu den ausgewählten Bauplätzen fand mitunter über weite Strecken statt. Versuche in unserer Zeit zeigten, dass die bis zu fünfzig Tonnen schweren Steine mit einfachen Mitteln wie hölzernen Rollen und Hebebäumen, mit Tauwerk und auch mit Zugtieren wie Ochsen bewegt und zu den Grabkammern zusammengesetzt werden konnten. Die Menschen der Jungsteinzeit setzen damals schon die Hebelgesetze um, ohne diese zu kennen!

Typischer Grabbau für den nordwestdeutschen Raum ist das Ganggrab. Diese Grabform besitzt einen Zugang aus Steinen, der nach Süden ausgerichtet ist. Vermutlich bezieht sich dieser Zugang auf den Mittagsstand der Sonne. Oftmals wurden Tongefäße mit Nahrung, Waffen, Werkzeuge und Schmuck aus Bernstein, Tierzähnen oder auch Kupferanhänger als Grabbeigaben für das Leben nach dem Tod in diesen Gräbern gefunden. Über die durchgeführten Bestattungsrituale wissen wir nur wenig. Rituelle Opferhandlungen und feierliche Zeremonien wie in meinem Eingangstext können angenommen werden.

Die Megalithgräber in neuerer Zeit

Über die Zeiten hinweg wurden viele dieser Gräber komplett zerstört. Die Steine wurden zum Bau von Straßen, Kirchen und Befestigungsanlagen verwendet. In Nordwestdeutschland gibt es heute noch rund 400 teilweise erhaltene Anlagen. Heute gebräuchliche Bezeichnungen wie Hünengräber oder Teufelssteine sind wohl im Mittelalter entstanden. Für die Menschen des Mittelalters war es wohl schwer vorstellbar, dass einfache Menschen der Jungsteinzeit solche massiven Bauten erstellen konnten. Die Großsteingräber der Trichterbecherkultur sind nicht die einzigen Megalithbauten. Auch Steinkreise, Steinreihen und sogenannte Menhire (einzeln aufgerichtete Steine) zählen dazu.

Seit 2009 soll die Straße der Megalithkultur uns heutigen Menschen die Lebenswelten von vor über 5.000 Jahren nahebringen. Die Straße der Megalithkultur verläuft durch die Regionen Osnabrücker Land, Emsland, Oldenburger Münsterland und die Wildeshauser Geest. An den 33 Stationen sollen die Gräberfunktion bzw. Konstruktion, die Jenseitsvorstellungen, das Naturverständnis und das Alltagsleben thematisiert werden.

Die Megalithkultur ist aber kein rein deutsches Thema. Sie hat ebenfalls eine herausragende Bedeutung für die europäische Geschichte. Die Kultbauten haben einen hohen touristischen Wert und sind Teil des gemeinsamen kulturellen Erbes. Folgerichtig wurde 2013 die europäische Route der Megalithkultur als Kulturweg des Europarats anerkannt und in das Programm der Europäischen Kulturstraßen aufgenommen.

Großsteingrab Mühlensteine an der Straße der Megalithkultur

Unterwegs auf der Straße der Megalithkultur

Die 330 Kilometern der Straße der Megalithkultur kann man neben dem Auto auch mit dem Fahrrad absolvieren. Natürlich muss man die Route nicht an einem Stück erleben. Auch ich habe die gesamte Route noch nicht abgefahren. Vielmehr wandere ich auf Teilstrecken während meiner Rundwanderungen entlang oder besuche gezielt das ein oder andere Grosssteingrab. Viele meiner Routen kannst du bei Komoot finden und nachwandern.

Die Straße der Megalithkultur führt zu dreiunddreissig spannenden archäologischen Stationen. Vielfach sind das auch die grösseren, imposanteren und auch berühmteren Grabanlagen. Dennoch befinden sich in deren Umkreis noch etliche weitere und nicht minder interessante Steingräber. Zudem finden wir auf unseren Wanderungen häufig auch weitere Zeugen aus anderen Zeiten. Und es wäre schade, diese nur deshalb nicht zu würdigen, weil wir in der falschen Zeit unterwegs sind.

Das Pestruper Gräberfeld an der Straße der Megalithkultur

Station 26 – das Pestruper Gräberfeld

Bereits in einem früheren Beitrag habe ich das Pestruper Gräberfeld besucht und beschrieben. Auf der Straße der Megalithkultur wird das Gräberfeld als Station 26 geführt. Es ist die einzige Station auf dieser Straße, welche weder dem Neolithikum noch der Megalithbauweise zuzurechnen ist. Es sich dabei um ein Terrain von nahezu 40 Hektar mit rund 500 bronze- und eisenzeitlichen Grabhügeln. Die Anlage ist damit etwas jünger als die Grosssteingräber aus der Jungsteinzeit. Im Gegensatz zu den Grabanlagen des Neolithikum haben wir es hier nicht mit Kollektivgräbern zu tun, sondern mit jeweils Einzelgrabanlagen.

Das Gräberfeld ist die größte bronze- und eisenzeitliche Nekropole des nördlichen Mitteleuropa. 1992 wurde das Areal zum Grabungsschutzgebiet erklärt. Zeitweise grasen Heidschnucken auf den Heideflächen, um die Landschaft hier offen zu halten.

Steingräber bei Visbek

In den ausgedehnten Wäldern der Wildeshausener Geest finden wir einige weitere Stationen. Bemerkenswert sind die Steingräber bei Visbek. Besonders Station 24 (Visbeker Bräutigam) und Station 28 (Visbeker Braut) sind bereits wegen ihrer Grösse hervorzuheben. Der Visbeker Bräutigam ist das längste Hünengrab Niedersachsens.

Auf unserer Wanderung Geest, Aue und Steingräber bei Visbek haben wir einige der Gräber dort besucht.

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Station 30 – Glaner Braut

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Weitere Grabanlagen und interessante Punkte

Bei Unterstedt kannst du neben Grosssteingräbern auch einige Grabhügel entdecken. Zum Beispiel auf unserer Wandertour Moor, Wald und Heide rund um die Bullenseen. Auf dieser Wanderung kannst du auch das 654 ha große Naturschutzgebiet „Großes und Weißes Moor“ kennenlernen, welches zu den am besten erhaltenen Hochmooren in Niedersachsen gehört.

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  1. […] schon selbst besucht, will die Straße jetzt aber selbst noch einmal abfahren, nachdem ich den Beitrag von Torsten dazu gelesen […]

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