In der Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne ist man mittendrin in der Natur. Und das kann man wirklich wörtlich nehmen. In dem vom Verein Storchenpflegestation Wesermarsch e.V. eingerichteten Beobachtungspunkt ist man umringt von Storchenhorsten. Die Besucher können wie in einem Kino live beim Storchenleben dabei sein. Rundherum klappert und fliegt es.

Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne - Meister Adebar in die Wohnung geschaut

Zu Gast bei Meister Adebar in der Storchenpflegestation Wesermarsch

„Nur bis zu den Bänken, weiter nicht!“ mahnt Udo Hilfers, der Chef der Storchenstation uns an, als ich mich mit Stativ und Fotokamera den Störchen nähern möchte. Schnell kommen wir ins Gespräch und ich erzähle ihm von meinem Anliegen. Kommunikation und Netzwerken ist eben auch unter Naturschützern wichtig. Im Endeffekt bleiben wir mehrere Stunden hier vor Ort in Berne und beobachten das Treiben. Udo Hilfers entpuppt sich dabei als freundlicher Gesprächspartner, der einiges über „seine“ Störche zu erzählen hat.

Die Gemeinde Berne befindet sich im südlichen Teil der Wesermarsch. Hier in den Niederungen der Weser und ihrem Nebenfluss Hunte liegen fruchtbare Wiesen und Weideland. Gerade im Sommer ist die Wesermarsch die ideale Kinderstube für unsere Weißstörche. Denn hier auf den Feldern und in den Flussauen finden diese schönen Vögel noch genügend Nahrung, um ihre Jungen aufzuziehen.

Jedem Kind dürfte der Klapperstorch bekannt sein. Vor knapp einhundert Jahren war er noch in jedem Dorf und auf jeder Wiese zu finden. Auch in meinen Erinnerungen spielt der Weißstorch eine Rolle. Doch die Trockenlegung von Feuchtwiesen, die Begradigung von Bächen und Flüssen und die Industrialisierung der Landwirtschaft mit immer mehr Dünger, Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel, sowie Monokulturen und zunehmender Plastikmüll machen unserem Weißstorch schwer zu schaffen. Nur durch viel Engagement kann erreicht werden, dass uns dieser Charaktervogel erhalten bleibt und wieder häufiger beobachtet werden kann. Gut, dass es bei uns im wilden Deutschland noch Regionen gibt, wo auch der Storch noch leben kann. Und gut, dass es Einrichtungen wie die Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne gibt, in der sich ehrenamtliche Helfer um verletzte und kranke Tiere kümmern!

Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne - im für die Besucher nicht zugänglichem Freigehege werden kranke und behinderte Störche gepflegt

Ausflugsziel mit Kaffee und Kuchen

Die Station scheint ein kleiner Tourismusmagnet hier auf dem platten Land zu sein. Durch das flache Land der Wesermarsch zieht es im Sommer viele Fahrradtouristen entlang der Deiche. Viele von ihnen machen einen Abstecher zur Station. Während unseres Aufenthaltes konnten wir uns vom Kommen und Gehen der Menschen überzeugen. Am Kaffee und Kuchen, welcher hier für ein kleines Entgelt angeboten wird, kann es nicht nur liegen. Die Weißstörche sind schon eine Attraktion hier in Berne!

Offiziell in das Leben gerufen wurde die Storchenpflegestation im Jahr 1992. Damit erhielt sie gleichzeitig auch die offizielle Anerkennung und Förderung des Landes Niedersachsen. Neben der Behandlung, Pflege und Wiederauswilderung verletzter Störche und anderer Tiere ist auch die Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung ein grosser Bestandteil der täglichen Arbeit. Im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte wird hier der gesamte Bestand an Weißstörchen von der Nordsee bis zum Dümmer betreut und wissenschaftlich erfasst. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie sich Idealisten für unsere Natur einsetzen!

Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne - neben Futter bringen die Elterntiere auch Wasser zu ihren Jungen

Pflegestelle für verletzte und behinderte Vögel

Ziel ist es, alle verletzten Störche nach erfolgreicher Behandlung wieder auszusetzen. Leider gelingt das aber nicht bei allen Tieren. Diese Dauerpfleglinge, die teilweise nur noch ein Flügel haben oder aus anderen Gründen behindert sind, leben das ganze Jahr in der Station. Sie können trotz ihrer Behinderung Nachwuchs haben und ziehen diesen mit Hilfe auf sogenannten behindertenfreundlichen Bodennestern auf.

Als storchenreichste Gemeinde in Niedersachsen hat Berne aber auch noch eine weitere storchenbezogene Besonderheit zu bieten. Hier brüten viele Störche noch ursprünglich in und auf grossen Bäumen. Diese Baumbrutkolonie ist wohl einzigartig in Deutschland! Viele dieser Baumhorste können auch von der Station aus beobachtet werden. Wie gesagt, man ist hier mittendrin! Je nach Jahreszeit kann man hier die Störche beim Nestbau, bei der Paarung oder beim Füttern der Jungen beobachten. Und es ist wirklich schon beeindruckend, wenn solch ein grosser Vogel zwei Meter über den eigenen Kopf hinwegsegelt.

In der Station gibt es aber nicht nur Störche zu beobachten. Häufig sieht man am Himmel verschiedene Greifvögel wie Sperber, Bussard oder Milane kreisen. Obwohl man sich hier mitten zwischen den Störchen befindet, sollte man sich klar darüber sein, dass die Station kein Zoo ist. Die Pflegegäste und  vor allen auch die wilden Störche sollen nicht durch zuviel Nähe zum Menschen ihre Scheu vor ihnen verlieren. Deshalb auch die eindringlichen Worte von Udo Hilfers zu Beginn unserer Bekanntschaft. Für mich als Natur-, Reise- und Abenteuerblogger Ehrensache!

Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne - beeindruckend, wie elegant Störche über den Köpfen der Besucher hinwegsegeln

Informationen zur Storchenpflegestation Wesermarsch

Adresse: Storchenpflegestation Wesermarsch; Storchenweg 6; D-27804 Berne-Glüsing

per Bus, PKW, Fahrrad: Anfahrt L 868 von Hude oder Berne

per Bahn: bis Bahnhof Berne; ca 25 Gehminuten zur Station

Einige Parkplätze stehen vor der Station zu Verfügung.

TIP: Mit dem Fahrrad von Bremen die Weser entlang. 1:45 Stunde; ca. 33 km

info@storchenstation.de

Geöffnet täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Termine für arten- und stationsbezogene Führungen, gern auch für Gruppen, bitte vorab anmelden. Tel.: 04406-1888

Eintritt kostenlos, um Spenden wird gebeten.

Kaffee, Kuchen und kalte Getränke sind gegen einen kleinen Obulus erhältlich.

Hunde sind leider nicht auf dem Gelände erlaubt. Die Störche danken es euch!

Ein Fernglas ist ratsam, aber nicht notwendig.

Email: info@storchenstation.de

Webseite: http://www.storchenstation.de/

Die Störche befinden sich in einer Entfernung von 10 – 50 Meter. Ein kleines Teleobjektiv ca. 300 mm ist von Vorteil. Für fliegende Störche ist eine Kamera mit schnellen Verschlusszeiten und Serienbildaufnahmen zu empfehlen. Schöne Einblicke in das Geschehen im Zuhause der Störche.