Zur Spurensicherung am Tatort trafen sich die drei innerhalb von fünfzehn Minuten dort, wo bis vor ein paar Stunden noch die heilige Familie zu finden war.

Was bisher geschah: Fräulein Krause machte morgens auf ihrem Weg zum Büro die erschreckende Entdeckung, daß nur noch das Kind in der Krippe an seinem Platz zu finden war. Von Josef und Maria keine Spur. Schnell informierte sie Egon Schulze und Wachtmeister Hoffmann.

Und nun die Fortsetzung: Fräulein Krause eilte aufgeregt aus ihrem Büro dorthin, wo die vermissten Figuren einst zu finden waren. Sogar das kecke Reiherfederhütchen hing etwas schief auf ihrem Kopf. Doch darum konnte sich Fräulein Krause jetzt nicht kümmern. Sie sah bereits Wachtmeister Hoffmann am vermeintlichen Tatort stehen. Auch Egon Schulze bog gerade hastig um die Ecke. Ein paar andere Waldesruher hatten sich ebenfalls am frühen Morgen schon eingefunden. Langsam wurde es hell und es war immer noch kalt.

Wachtmeister Hoffmann jedoch schien nichts von der morgendlichen Kälte zu spüren. Er hatte alle Mühe damit, die Umstehenden zu beruhigen. Vor allem sollten alle ein paar Schritte zurücktreten, damit keiner eventuelle Spuren vernichten konnte. Immer dichter kamen die Waldesruher heran. Alle wollten natürlich wissen, was passiert war. Was sollte das werden, wenn nun auch noch die Urlauber aufwachen und hier ebenfalls auf dem Weihnachtsmarkt herumlaufen würden? Egon Schulze wusste natürlich Rat. Keine fünf Minuten später bog auch schon Bertram Baumeister mit dem LKW der Gemeinde um die Ecke und stellte die mitgebrachte Absperrung auf.

Nun konnte Wachtmeister Hoffmann in Ruhe der Spurensicherung nachgehen. Niemand konnte nun auch nur einen Teil der vorhandenen Spuren zunichte machen. Der Wachtmeister war zudem froh, daß er Edgar Ente in der Menge entdeckte. Dieser hatte natürlich seinen Fotoapparat mit. Wachtmeister Hofmann bat ihn um die Anfertigung von Beweisfotos.

Gründlich sah sich der Wachtmeister am Tatort um. Nicht ein klitzekleines Stückchen eines Beweises sollte ihm entgehen. Immer wieder bat er Edgar darum, hier ein Foto zu machen und dort noch eines. Spurensicherung war sein Lieblingsfach an der Polizeischule gewesen. Mit kriminalistischem Spürsinn notierte er jedes noch so kleine und unwesentlich erscheinende Detail.

Natürlich wollten die Umstehenden wissen, wie Maria und Josef  verschwinden konnten. Doch dafür hatte der Wachtmeister jetzt keine Zeit. Schließlich nahm Egon Schulze die Initiative in die Hand und sorgte dafür, daß alle Anwesenden sich beim Bärenwirt treffen sollten. Dankbar blickte ihn der Wachtmeister an. Dort konnte er später die Waldesruher danach befragen, ob sie etwas verdächtiges bemerkt hätten. So blieb der Wachtmeister mit Edgar Ente am Tatort zurück.

Gewissenhaft schaute sich der Wachtmeister um. Im Stroh waren keine Spuren zu finden. Nur hinter den Weihnachtsbäumen fand er Abdrücke von Damenabsatzschuhen. Nachdem Edgar von diesen Abdrücken Fotos gemacht hatte, nahm der Wachtmeister noch einen Gipsabdruck ab. Seltsam! Jede der Figuren war allein zu schwer für eine Person. Die Gemeindearbeiter hatten zu dritt schon beim Aufstellen der Figuren Mühe gehabt. Wie sind die Figuren verschwunden?

Im zertrampeltem Stroh konnte er keine weiteren Spuren finden. So vergrößerte Wachtmeister Hoffmann seinen Suchumkreis. Siehe da, am Rand der Ortspyramide entdeckte er Spuren von Autoreifen. Ein Auto mitten auf dem weihnachtlichen Marktplatz im beschaulichen Waldesruh? Er sah genauer hin und bückte sich. Mit einem triumphierenden Lächeln richtete er sich auf und hielt etwas in der Hand.

Edgar Ente kam nun auch näher und erkannte, daß es Stroh war, was der Wachtmeister in der Hand hielt. Für beide war gleich klar, daß die Täter ihre Opfer hier an ihrem Standort gleich auf einen LKW verladen hatten. Sie mussten also nur den Reifenspuren folgen und ermitteln, wessen Abdrücke es waren. Doch das war sicher zu leicht gedacht. Gleich hinter dem Weihnachtsmarkt war die Durchgangsstraße und hier verloren sich auch die Reifenspuren. Eigentlich konnte Wachtmeister Hoffmann ja zufrieden sein. Sein erster eigener und richtiger Kriminalfall hier in Waldesruh!

Wenn es nur nicht so ernst wäre! Was war in der Nacht geschehen? Wo waren Maria und Josef? Warum wurde das Jesuskind hier allein zurück gelassen? Der Wachtmeister sammelte sein Werkzeug zusammen und bat Edgar noch um ein paar Fotos. Dann gingen beide ebenfalls zum Bärenwirt hinüber um mit der Zeugenbefragung zu beginnen.

Fortsetzung folgt …