Sommerzeit ist Zeit für Waldbären

Ob es in Waldesruh denn Waldbären gebe, wollen seit dem Wochenende viele Anrufer von Fräulein Krause von der Touristeninformation des Ortes erfahren. „Sicher, die Sommerzeit ist auch Waldbeerenzeit in Waldesruh.“ erklärt sie immer noch geduldig dem mittlerweile gefühltem einhundertsten Anrufer.

Sommerzeit ist Zeit für Waldbären in Waldesruh

Und auch bei der Frage, ob es denn noch sicher in Waldesruh sei, bleibt sie noch geduldig. „Sicher? In Waldesruh sei es immer sicher! Wegen der Waldbären? Auch wegen der Beeren! Zur Not können ja auch Förster Grünrock helfen, die richtigen Beeren zu unterscheiden.“ 

Plötzlich betritt ein Urlauber die Touristikinformation. Fräulein Krause lässt das Telefon also erst einmal klingeln, schließlich ist ja nun ein Kunde persönlich da. Um persönlich erscheinende Kunden muß sich natürlich auch persönlich und sofort gekümmert werden. Hilfsbereit wünscht sie dem jungen Herren einen guten Morgen und fragt ihn, ob er ein Zimmer sucht.

„Mein Name ist Michael Knipser, ich bin Naturfotograf.“ stellt sich der junge Mann höflich vor. „Ich suche die Waldbären, die es hier in Waldesruh geben solle. Und gern auch ein Zimmer für die nächsten Tage.“ Was haben die Leute alle mit diesen Waldbeeren, denkt Fräulein Krause bei sich, aber hilfsbereit und freundlich wie sie ist, denkt sie es nur.

Sicher, Waldbeeren seien hier viele zu finden, Himbeeren, Brombeeren, Preiselbeeren oder Walderdbeeren. Welche Beeren suche er denn genau? Der junge Mann schaut das Fräulein entgeistert an. „Ich suche den Bären, den es hier bei Ihnen geben soll. Schließlich steht ja hier im Waldesruher Tagesbote, daß Sommerzeit Waldbärenzeit ist.“ Und dabei legt er die Samstagsausgabe der Waldesruher Regionalzeitung auf den Ladentisch. Hier steht es schwarz auf weiss auf Seite 2 in der rechten Spalte: Sommerzeit ist Waldbärenzeit“.

Fräulein Krause weiß von keinem Waldbären

Nein, Bären, richtige Bären gibt es in Waldesruh nicht, jedenfalls wüsste sie nichts davon. Sie könnte aber sofort bei Förster Grünrock nachfragen, ob es mittlerweile hier Bären gibt. Aber das könne sie sich gar nicht vorstellen. So vermittelt sie dem Herrn Knipser erst einmal ein Zimmer beim Bärenwirt und ruft bei Förster Grünrock an. Doch der geht nicht an sein Telefon. Sicher ist er draussen im Wald und sucht den Bären.

Vorsichtshalber versucht sie es auch in der Redaktion des Waldesruher Tagesboten. Dort geht erwartungsgemäß immer jemand an das Telefon. Auch jetzt meldet sich ein Mitarbeiter. Nein, es hätte alles seine Richtigkeit. Er hätte die Meldung zwar nicht persönlich entgegengenommen, aber den Probeabdruck vor Freigabe noch einmal Korrektur gelesen. Es wäre alles korrekt gewesen.

Fräulein Krause liest nun noch einmal den kleinen Artikel, der solch einen Rummel auslöst. Da steht in der Überschrift fett gedruckt Sommerzeit ist Zeit für Waldbären in Waldesruh. Sie liest weiter im Text: große Mengen reifer und wohlschmeckender Him-, Brom- und Preiselbären gebe es für die Sammler in den Wäldern um Waldesruh im Sommer zu ernten. Da wird ihr einiges klar!

In der Redaktion wurden Waldbären mit Waldbeeren verwechselt

Die Waldbären sollten eigentlich die Waldbeeren sein. Sie erinnerte sich, daß sie mit Förster Grünrock darüber sprach, daß er einmal einen Artikel über die Waldbeeren veröffentlichen solle. Anscheinend ist beim Druck der Zeitung dann etwas schiefgelaufen.

Für einen Rückruf der Zeitung sei es nun zu spät. Aber da war ja noch der Herr Knipser, der beim Bärenwirt wartet. Da könnte man doch sicher mit ihm und Förster Grünrock etwas arrangieren. Sie hat schon ein paar Gedanken dazu im Kopf. So lässt sie ihr Telefon weiter klingeln und eilt hinüber zum Bärenwirt.

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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