Beiträge zur Geschichte: Sommerfrische in Waldesruh

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Raus zur Sommerfrische in Waldesruh hieß es Anfang des 19. Jahrhunderts für die Menschen, die sich den Ausflug in das Grüne leisten konnten. Mit diesem Thema beschäftigt sich ein weiterer Artikel der Serie über die Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Umgebung, welche im Waldesruher Tagesboten abgedruckt wird.

Beiträge zur Geschichte: Sommerfrische in Waldesruh

Raus zur Sommerfrische in Waldesruh

Die rasche Industrialisierung brauchte Arbeitersiedlungen für die benötigten Arbeiter. Die Siedlungen  waren damals eng und grau, von einem achtstündigen Arbeitstag konnten die Arbeiter damals nur träumen. Auch mit dem Arbeits- und Umweltschutz war es noch lange nicht soweit wie heute. Das Leben war hart und eintönig für die meisten Menschen dieser Zeit. Viele Familien lebten mit allen ihren Kindern in einer kleinen Wohnung in irgendeinem Hinterhof. Und es waren nicht nur ein oder zwei Kinder, so wie heute. Es waren teilweise vier, fünf oder mehr Geschwister.

An den wenigen freien Tagen, die damals ein Arbeiter hatte, war dann natürlich der Wunsch nach Natur und Erholung hoch ausgeprägt. Wer es sich leisten konnte, fuhr mit der Eisenbahn raus in’s Grüne oder unternahm mit dem Fahrrad kleinere Ausflüge. Hinaus in die Natur wollten alle.

Der Bärenwirt erinnert sich

Diese Zeit und der Bau der Eisenbahn war auch der Anfang des Tourismus für den beschaulichen Ort Waldesruh. „Arbeiter aus den Walzwerken der umliegenden Städte am Harzrand kamen mit ihren Familien zu uns, machten auf unseren Wiesen ihr Picknick oder schauten sich den Wald an. Abends fuhren sie dann wieder nach Hause. Wer es sich leisten konnte nahm ein Zimmer, doch das waren nur die wenigsten“, erinnerte sich der Bärenwirt an die Erzählungen seines Großvaters.

„Meinem Opa gehörte die Gaststätte ja schon damals, der hatte die von seinem Vater geerbt. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass Opa am Wochenende immer am Grill im Hof stand und Bratwürste grillte. Die waren schon damals sehr beliebt. Im Winter war hier fast nichts los, aber im Sommer bei schönen Wetter, da kamen ganze Familien hierher.“

Für die Waldesruher änderte sich durch den Tourismus aber erst einmal nichts. Bis der Tourismus wie heute zu einer Einnahmequelle wurde, dauerte es noch. „Die Waldesruher sind weiter ihrem Tagewerk nachgegangen. Damals brauchte man ja noch Holzkohle und Holz aus dem Wald. Und sie hatten natürlich auch noch mehr in Garten, im Haus  und auf dem Hof zu tun. Da ist das Leben heute doch viel einfacher geworden.“

Waldesruh war eher ein Ziel für die einfachen Leute, große Politiker oder andere Berühmtheiten verirrten sich nur selten in das beschauliche Örtchen. Eine Ausnahme war Kaiser Wilhelm I. – doch diese Geschichte kennt ihr ja schon …