Schwaneweder Wandernadel Route 3 – Spuren der Geschichte
Den 3. Stempel der Schwaneweder Wandernadel Route 3 erwandern wir uns auf der Route „Spuren der Geschichte“. Der Startpunkt für diese Tour befindet sich auf Bremer Hoheitsgebiet. Wir stehen vor dem U-Boot-Bunker Valentin.

Regionale Heimatgeschichte
Das Thema des Nationalsozialismus ist nicht unbedingt etwas für jeden. Einige werden es auch zu düster finden, um sich damit in der Freizeit zu beschäftigen. Wir stehen am Parkplatz des Denkort Bunker Valentin. Hier am Ufer der Weser direkt an der Landesgrenze zwischen Bremen und Niedersachsen sollten U-Boote in Serienfertigung hergestellt werden. Der Bunker wurde von 1943 bis März 1945 durch KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene unter unmenschlichen Bedingungen gebaut. Deren Spuren entdecken wir auf unserer heutigen Wanderung.
Damals handelte es sich um das größte Rüstungsprojekt der Kriegsmarine. Der Bunker wurde zu 95% fertiggestellt. Aufgrund des Kriegsverlaufes wurde die geplante Serienproduktion der U-Boote aber nicht mehr aufgenommen.
Sicherlich werden die Menschen, die hier schuften mussten, kein Auge für die Landschaft und die Natur gehabt haben. Aber es waren vielleicht auch die kleinen Wunder der Natur, die einzelnen von ihnen Hoffnung und Kraft gegeben haben. Heute können wir diese Wunder frei genießen. Aber in unserer Verantwortung liegt es auch, daß sich Zeiten wie im Nationalsozialismus nicht wieder wiederholen.
Vor dem Bunker steht seit 1983 das Mahnmal „Vernichtung durch Arbeit“. Es handelt sich hierbei um einen Betonpfeiler, der in einer Bruchstelle menschliche Körper zerquetscht. Die Freie Hansestadt Bremen erinnert mit diesem Mahnmal an die Unmenschlichkeit der Nazis. Im KZ-Außenlager Farge, welches zum Konzentrationslager Neuengamme gehörte, wurden zwischen 1943 und 1945 mehr als 10.000 Menschen beim Bau des U-Boot-Bunker Valentin eingesetzt. Tausende von ihnen fanden hier den Tod.

Der Geschichtslehrpfad
Vom Bunker führt die Route der Wanderung über die ehemalige Lagerstraße den heutigen Geschichtslehrpfad entlang. Die Lagerstraße war der Verbindungsweg zwischen der Baustelle, dem Arbeitslager und dem Marinegemeinschaftslager. Die Häftlinge mußten diesen Weg meist zu Fuß gehen.
Nach Informationen auf der Webseite des Geschichtslehrpfades befindet sich der Großteil des Weges auf dem Standortübungsplatz der Bundeswehr. Das Gelände ist militärischer Bereich und darf nur an den Wochenenden frei begangen werden. Diese Information geht aber nicht so aus dem Begleitheft zur Wandernadel hervor. Schilder vor Ort warnen ebenfalls vor dem Betreten. Gerade beim Betreten des Truppenübungsplatzes sorgt dies bei uns für Verunsicherung. Aber es ist Wochenende und wir folgen den deutlich sichtbaren Pfaden.
Der Weg führt uns durch das Gebiet. Weithin sichtbare Stelen markieren die Stationen des Geschichtslehrpfades. Hier gibt es weiterführende Informationen. Leider sind die mittels Barcode abrufbaren Inhalte schon seit längerem im Wartungsmodus. So kommen wir vorbei am Arbeitserziehungslager und am Kriegsgefangenenlager. Nebenan stand das Marinegemeinschaftslager, in welchem 600 Soldaten der Kriegsmarine untergebracht waren. Unter anderen waren diese Soldaten zur Bewachung der Häftlinge eingesetzt.
Heute streicht ein leichter Wind über blumige Sommerwiesen. Es fällt schwer, sich das Grauen hier vorzustellen. Wir kommen am Gräberfeld vorbei. Hier waren bis zum Kriegsende 783 Opfer der umliegenden Lager verscharrt. Nach dem Krieg 1949 wurden die Toten exhumiert und in ihre Heimat oder zur Gedenkstätte nach Bremen-Osterholz umgebettet.

Schwaneweder Wandernadel SWN 3
Wir gelangen zur Straße an der Kaserne. Heute erstreckt sich auf der Fläche ein kleines Gewerbegebiet. 1939 wurde hier das Marinegemeinschaftslager errichtet. Mehrere Umbauten, Umwidmungen und Neubauten folgten. 2004 gab die Bundeswehr den Standort auf. Seitdem erfolgt die Nutzung als Gewerbepark.
An der Baracke Wilhelmine treffen wir auf den Stempelkasten und Stempeln natürlich. Die Heimatfreunde Neuenkirchen unterhalten hier einen Dokumentations- und Lernort. Seit 2007 / 2008 wird hier die Geschichte des Ortes dokumentiert. Etwas später kommen wir an der Baracke 27 vorbei. Auch hier besteht ein Dokumentationsort und die Baracke ist Sitz des Verein „Dokumentations- und Gedenkstätte Geschichtslehrpfad Lagerstraße/U-Boot-Bunker Valentin“. Leider sind beide Orte nur nach Vereinbarung geöffnet.
Hinter der Baracke 27 schlagen wir uns auf einen kleinen Pfad links in den Wald. Empfehlenswert ist hier die Mitnahmen einer Machete, denn der Pfad ist ganz schön zugewuchert. Wir kommen am ehemaligen KZ-Bahnhof vorbei. Anders als heute lag der Bahnhof frei auf offenen Feld. Die Rampe hier bildete die Endstation für die Häftlinge. Kriegswichtige Güter, Baustoffe und sonstiges Material wurden über diese Bahnen herangeschafft und über Loren bis in die Bereiche der Rundbunker transportiert.
Auf unserem weiteren Rundweg kommen wir am Eingang des KZ-Außenlagers vorbei. Auch hier markiert eine Stele den Erinnerungsort. Am Ende des Rundgangs geht es über die Lagerstraße wieder zurück zum Bunker Valentin.

Die Bunkerwildnis
Die Tour der Schwaneweder Wandernadel hat eine Länge von 7,5 Kilometer. Wir verlängern diese Tour und zweigen vor dem Haupteingang zum Denkort links ab. Am Zaun der Anlage wandern noch durch die Bunkerwildnis zur Weser und somit einmal um das gesamte Bunkergelände herum.
Hier auf einen Teil der ehemaligen Bunkerbaustelle hat sich in den letzten 80 Jahren die Natur ungestört entwickeln können. Ein lichter feuchter Wald wuchs heran, reich an Totholz, eingestreut Röhrichte und Hochstaudenfluren. Die Wildnis ist ein idealer Lebensraum für viele Vogelarten, Insekten, Fledermäuse und Amphibien. Seit 2017 ist der BUND Bremen Eigentümer der Naturfläche. Mehr als 4.000 Zwergfledermäuse, die im Bunker überwintern, nutzen den Wald zur Nahrungssuche.
Die Wildnis ist nur auf einem Pfad zu durchqueren. Am Ende des Waldes gelangen wir zum Deich an der Weser. Wir genießen die frische Brise und den Ausblick auf den Fluß. Auf dem Deich laufen wir in Richtung des Bunkers und können auch einige Einblicke in die Wildnis nehmen.
Am Bunker angekommen, können wir durch ein Gitter in die Schleuse und das Tauchbecken des Bunkers schauen. Von hier aus sollten die fertigen U-Boote durch einen Kanal in die Weser ausfahren. Der Durchstich zur Weser wurde jedoch nicht mehr vorgenommen.
Fazit der Tour
Nie wieder ist jetzt!
Fotoimpressionen unserer Wanderung
Unsere Videoimpression der Wanderung
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Mehr InformationenInformationen zur Wanderung
Dauer gesamt: 4:00 Stunden
Distanz: 8 Kilometer (mit Umrundung Bunker-Wildnis 10,5 Kilometer)
Höhenunterschied: 40 Meter
Link zur Tour mit Trackdownload
Mit freundlicher Unterstützung von Komoot *
Startpunkt:
Parkplatz am Denkort Bunker Valentin
Rekumer Siel, 28777 Bremen
Highlights unserer Tour:
Die Highlights sind schwer definierbar. In Anbetracht der Hintergründe der Tour verzichten wir dieses Mal darauf.
Hinweis:
Die Tour der Schwaneweder Wandernadel ist an den Verlauf des Geschichtslehrpfad Lagerstraße angelehnt. Auf der Webseite des verantwortlichen Vereins finden sich weitere Informationen zu diesem Thema. Geschichtslehrpfad Lagerstraße – U-Boot-Bunker Valentin
Dokumentations- und Lernort Baracke Wilhelmine
An der Kaserne 122
28790 Schwanewede
Bundesland Niedersachsen
Telefon: +49 (0)179 9207967; Öffnungszeiten nach Vereinbarung
Denkort Bunker Valentin
Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag und Sonntag
April bis September: 10 – 17 Uhr
Oktober bis März: 10 – 16 Uhr
Eintritt frei
Überblick

Den 3. Stempel der Schwaneweder Wandernadel erwandern wir uns auf der Route "Spuren der Geschichte". Der Schwerpunkt der Tour bildet die Geschichte des KZ Farge, welches für den Bau des U-Boot-Bunker Valentin errichtet wurde.
Geschrieben von Torsten Berg
Dieser Beitrag wurde zuletzt am 06.08.2025 aktualisiert.
Erstellt wurde er am 06.08.2025 .













































