Robben fotografieren auf Helgoland – meine Tipps

Robben fotografieren auf Helgoland. Wohl kaum eine Jahreszeit eignet sich so perfekt dazu wie der Winter. Denn in dieser Jahreszeit findet die Geburt und die Paarung der Kegelrobben statt. Und die Insel ist überraschend menschenleer. In diesem Beitrag findest du meine Tipps zum Robben fotografieren auf Helgoland.

Robben fotografieren auf Helgoland
Robben fotografieren im Winter ist auf Helgoland ideal. 1/800 s bei f/6,0 ISO 800 450 mm TAMRON SP AF 150-600 mm F5-6,3 VC USD A011N

Helgoland – ein HotSpot für den Naturfotografen

Helgoland als einzige deutsche Hochseeinsel hat einige tierische Attraktionen zu bieten. Zur Vogelzugzeit ist die Insel ein HotSpot für Ornithologen. Während des Frühjahrs bis in den Herbst hinein kann man hier hautnah dem Basstölpel begegnen. Während dieser Zeit halten sich natürlich auch Seehunde und Kegelrobben auf der Insel auf. Doch richtig spannend wird es mit den Kegelrobben erst im Winter auf Helgoland.

Zwar trifft man im Winter nur wenige Seehunde auf der Insel an. Diese Robbenart kommt dann eigentlich nur zum Sterben auf die Insel. Dafür trifft man umso mehr der Kegelrobben an. In einem früheren Beitrag habe ich bereits etwas über diese schönen Tiere geschrieben. Während November bis Februar kommen mehrere hundert Tiere nach Helgoland. Hier bringen die Weibchen ihre Jungen zur Welt und ziehen diese in den ersten Wochen auf.

Gleichzeitig werben die Bullen um die wieder geschlechtsreifen Weibchen und liefern sich untereinander teilweise blutige Kämpfe. Geburt und Aufzucht der Jungen, sowie der Kampf um die Weibchen und die eigentliche Paarung lassen sich quasi hautnah auf engem Raum beobachten.

Robben fotografieren auf Helgoland - meine Tipps
Komm kuscheln … 1/1000 s bei f/5,6 ISO 640 300 mm TAMRON SP AF 150-600 mm F5-6,3 VC USD A011N Durch den Blick des süssen Robbenbabys wird gleich eine Beziehung zum Betrachter hergestellt. Ruhiger Hintergrund und der Seetang im Vordergrund verstärken die Bildwirkung.

Wo finde ich die Robben auf Helgoland?

Helgoland bietet also ideale Voraussetzungen um Robben fotografieren zu können. Nirgendwo kommt man sonst so nah an diese eindrucksvollen Tiere heran. Zudem ist Helgoland – im Vergleich zu anderen Inseln – leicht zu erreichen.

Robben fotografieren auf Helgoland kann man am besten natürlich auf der Düne. Von der Hauptinsel fährt im Winter im Halbstundenrhytmus eine Fähre zur Düne. Die genauen Fahrzeiten können im Internet eingesehen werden. Eine Fährfahrt (Hin- und Rücktour) kostet 5,00 Euro. Es empfiehlt sich je nach Wetterlage eine der ersten Fähren zu nehmen. Diese startet 8:00 Uhr. In den Morgenstunden sind die Robben am aktivsten. Zudem sind dann noch keine Tagestouristen auf der Insel.

Vom Fähranleger kann man die Insel auf einem Rundwanderweg bequem erkunden. Für das Robben fotografieren eigenen sich besonders der Nordstrand. Hier halten sich die meisten Robben auf. 2018 hat man in den Dünen des Nordstrandes einen Steg gebaut. Von diesem hat man einen guten Rundblick auf den Strand und die Robben. Allerdings gelingt es hier nur selten Fotos auf Augenhöhe mit den Tieren zu machen.

Robben fotografieren auf Helgoland - meine Tipps
Ausruhen 1/40 s bei f/8,0 ISO 100 600 mm TAMRON SP AF 150-600 mm F5-6,3 VC USD A011N Der ruhige Hintergrund passt hervorragend zum Hauptmotiv des schlafenden Kegelrobbenbullen.

Gebote sind zum Schutz der Tiere da

Das Fotografieren am Nordstrand ist leider nicht ganz ohne Beeinträchtigung der Kegelrobben möglich. Je nach Hochwasserlage sammeln sich hier die Tiere in hoher Zahl auf kleinem Platz. Meistens ist es dann schwierig, den geforderten Mindestabstand von 30 Metern zu den Tieren einzuhalten. Zumal, wenn die Kegelrobbenkühe ihre Jungen gebären, stören renitente Fotografen die Tiere. Aus diesen Gründen ist teilweise der Zugang zum Nordstrand temporär für Menschen nicht gestattet. Die Ranger vor Ort kontrollieren dann dieses Zutrittsverbot auch logischerweise und fordern Besucher auf, den Bereich zu verlassen. Naturverbundene Fotografen und Besucher sollten dann schon im Interesse der Tiere diese Verbot beachten.

Demhingegen hat der Südstrand der Insel eine grössere Fläche zu bieten. Hier verteilen sich die Tiere im Winter auf der gesamten Fläche. Es ist leichter den geforderten Mindestabstand einzuhalten. An der Ostseite der Insel befindet sich noch ein kleiner Kieselstrand. Hier sind auch häufig Robben anzutreffen.

An den Stränden findet man häufig die Kühe mit Jungen. Ältere Jungtiere werden von den Müttern gern einige Zeit allein gelassen. In solchen Situationen sollte man darauf achten, dass die Mutter zu ihrem Jungen gelangen kann. Auch sollte man darauf achten, den Tieren nicht unbedingt den Rückzug in das Wasser zu versperren.

Robben fotografieren auf Helgoland - meine Tipps
Massiger Kerl 1/500 s bei f/6,0 ISO 900 400 mm TAMRON SP AF 150-600 mm F5-6,3 VC USD A011N Bei diesem Foto gefällt mir die Einfachheit der Aufnahme. Digitale Linien führen durch das Bild. Der Hintergrund tritt hinter dem Hauptmotiv zurück.

Robben fotografieren auf Helgoland – meine Tipps

Positiv im Winter ist das Licht beim Fotografieren. Man kann hier den ganzen Tag fotografieren und hat selbst bei Sonnenschein niemals richtig „hartes“ Licht. Im Gegensatz zum Sommer verteilen sich die Tiere über die gesamte Insel. Auch in den Dünen und auf den Wegen, selbst auf den Holzstegen sind die Kegelrobben zu finden. Man darf also nicht überrascht sein, wenn man direkt hinter einer Kurve auf einen Kegelrobbenbullen trifft. Dann hilft es, Ruhe zu bewahren und den Rückweg anzutreten.

Da es im Winter zwangsläufig sehr kalt ist und es auch teilweise sehr windig werden kann, sollte man sich warm anziehen. Vor allem, wenn man plant längere Zeit auf der Düne zu fotografieren. Aber es gibt auch Möglichkeiten zum Aufwärmen. In der Bungalowverwaltung in der Nähe des Fähranlegers ist ein kleiner Ausstellungsraum eingerichtet. Auch das Flughafenrestaurant hat geöffnet.

Der Winter stellt auch einige Herausforderungen für die Technik dar. Es sollten genügend Akkus mitgenommen werden. Bei Kälte schreitet deren Entladung schneller voran. Deshalb empfiehlt es sich, die Ersatzakkus auch nah am Körper zu tragen. Ich habe meinen Ersatzakku immer in der Hosentasche gehabt und konnte so den „ganzen“ Tag fotografieren.

Im Schnee oder bei hellem Sand muss fast immer eine manuelle Belichtungskorrektur durchgeführt werden. Die Kameraautomatik bezieht sich auf einen mittleren Grauwert und Fotos werden dann oft zu dunkel. Deswegen empfiehlt es sich hier ein bis zwei Belichtungsstufen überzubelichten. Mein Tip: schau auf das Histogramm. Daraus kannst du ersehen, dass das Bild korrekt belichtet wurde. Allerdings ist die unterschiedliche Belichtung natürlich auch ein Mittel, um einzigartige Bilder zu erstellen.

Robben fotografieren auf Helgoland - meine Tipps
Kegelrobbenporträt – 1/1000 s bei f/6,3 ISO 400 450 mm TAMRON SP AF 150-600 mm F5-6,3 VC USD A011N Für kurze Augenblicke lässt sich die Sonne sehen. Im angeschnittenen Profil lacht selbst die Kegelrobbe über das schöne Wetter. Zusammen mit Vorder- und Hintergrund ergibt sich eine stimmige Aufnahme.

Das Equipment

Bei der Fotoausrüstung für Helgoland kann man eigentlich nichts falsch machen. Viele der Tiere auf Helgoland sind an den Menschen gewöhnt und die Fluchtdistanzen relativ gering. Für das Robben fotografieren solltest du 300 bis 400 mm Brennweite einplanen. Grössere Brennweiten kannst du natürlich insbesondere für Detailaufnahmen verwenden.

Wenn du nicht nur einfach Robben fotografieren möchtest, empfehle ich dir, die Tiere auch einmal in ihrem Lebensraum abzulichten. Wie in der Landschaftsfotografie kannst du hier kleiner Brennweiten und Weitwinkelobjektive benutzen.

Natürlich sollte ein Stativ und ein Fernauslöser nicht fehlen. Empfehlenswert ist auch ein Schutz gegen Regen und dem feinem Sand. Zum Beispiel kannst du einen Schutzfilter für die Objektive verwenden oder eine Schutzhülle* einsetzen. Vor allem, wenn du bodennah arbeitest, kann der durch den Wind aufgewirbelte Sand Schaden an deiner Ausrüstung verursachen.

Robben fotografieren auf Helgoland - meine Tipps
Mutterliebe – 1/500 s bei f/6,0 ISO 12500 420 mm TAMRON SP AF 150-600 mm F5-6,3 VC USD A011N Bei diesem Foto zeigt es sich sehr schön, dass auch Tiere Gefühle hegen können. Persönlich stört mich einzig und allein der Hintergrund im Bild links oben.

Hier noch mehr Tipps zum Robben fotografieren für dich

In einem früheren Beitrag hatte ich bereits allgemeine Tipps zum Fotografieren von Tieren gegeben. Hier kannst du den Beitrag noch einmal lesen. Natürlich kannst du in der Tierfotografie auch die allgemeinen Gestaltungsregeln der Fotografie beachten.

Tiere sind lebendige und fühlende Wesen! Je länger ich nun schon wilde Tiere beobachte und fotografiere, umso mehr erkenne ich deren Gefühle untereinander. Der Mensch ist eben nicht die Krone der Schöpfung, für die er sich gern hält. Diese Gefühle versuche ich in meinen Bildern festzuhalten.

Eine weitere Möglichkeit etwas andere Fotos zu machen, besteht darin, Tiere in ihrem Lebensraum zu zeigen. Für mich selbst gehe ich immer mehr davon ab, Tiere einfach nur abzulichten. Tiere in ihrem Lebensraum sind ein probates Mittel dazu.

Robben fotografieren auf Helgoland - meine Tipps
Interaktion – 1/1000 s bei f/6,0 ISO 640 350 mm TAMRON SP AF 150-600 mm F5-6,3 VC USD A011N Interaktion zwischen den Arten ist ein lohnendes Fotoobjekt und geht weg vom reinen Ablichten der Tiere.

Ganz spannend wird es, wenn man das Verhalten von Tieren fotografieren kann. Hier muss man oft schnell reagieren. Hilfreich erweist sich in solchen Sachen oft die Serienbildfunktion. Und natürlich sollte man seine Kamera und deren Bedienung „im Schlaf“ kennen.

Weitere lohnende Fotoobjekte sind auch immer Interaktionen zwischen verschiedenen Tierarten. Diese verdeutlichen uns, dass alles miteinander vernetzt ist und sich gegenseitig bedingt. Ich hatte zum Beispiel die Gelegenheit, zu beobachten wie sich kurz nach einer Geburt Möwen und Rabenvögel das Jungtier angegriffen haben und sich schliesslich über die Nachgeburt der Kegelrobbe hergemacht haben. Auch das ist Natur!

Umsichtiges Verhalten zum Schutz der Robben

Es versteht sich eigentlich von selbst, dass jeder Naturfotograf und jeder Besucher sich umsichtig gegenüber den Kegelrobben und den anderen Tieren verhält. Hier möchte ich dennoch einige Verhaltensregeln geben. Diese findest du auch im aktuellen Faltblatt von Helgoland Touristik.

  • Fasse bitte nie eine Robbe an, auch wenn diese noch so niedlich sind. Robben sind Raubtiere mit kräftigem Gebiss. Bei einem Biss können Bakterien zum Beispiel Blutvergiftungen hervorrufen.
  • Bitte immer einen Abstand von 30 Metern halten. Sollte sich ein Tier von selbst nähern, weiche bitte zurück.
  • Wenn Robben unruhig werden, den Kopf heben oder weg robben, weiche bitte ebenfalls zurück. Gleiches gilt auch, wenn die Tiere fauchen oder einen Angriff starten.
  • Bilde kleine Besuchergruppen. Ständige Einzelbesucher stören mehr als gelegentliche Menschengruppen.
  • Verhalte dich ruhig. Vermeide laute Geräusche, hektische Bewegungen oder Locksignale in der Nähe von Robben.
  • Abhängig von der Verteilung der Jungtiere auf der Düne und bei entsprechenden Hochwasserlagen sind einige Bereiche vorübergehend gesperrt. Bitte respektiere diese Markierungen.
  • Füttern ist natürlich verboten. Wildtiere werden dadurch oft aufdringlich und aggressiv.

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Wenn ja, hinterlasse doch bitte einen Kommentar hier oder auf den sozialen Netzwerken! Das ist für mich der schönste Lohn. Habt ihr noch weitere Tipps zum Fotografieren dieser schönen Tiere?

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Hallo, ich bin Torsten. Das Leben machte mich zum Optimisten mit Lebenserfahrung, Abenteurer, Naturschützer, Forstarbeiter, Logistiker, Journalist, Eurovisionär, Sammler, Schriftsteller, Künstler …

2 Replies to “Robben fotografieren auf Helgoland – meine Tipps”

  1. Wow, was für tolle Bilder! Und danke für den Hinweis mit dem Abstandhalten! Es gibt genügend Leute, denen das Tierwohl sowas von egal ist, wenn sie nur ein gutes Foto schießen können 🙁 Irgendwann muss ich wohl auch mal nach Helgoland …

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