Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel

Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel

Dieser Beitrag wurde am 14.04.2021 veröffentlicht.

Er wurde am 14.04.2021 aktualisiert.

Geschrieben von Torsten Berg

Hier im Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel in Niedersachsen kann man erleben wie ein Moor wieder ein Moor wird. Nach jahrhundertelanger Nutzung darf sich die Landschaft wieder vernässen. Es ist spannend, diesen Lebensraum dabei zusehen zu können, wie er sich wieder entwickeln darf.

Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel - wir entdecken eine bizarre Landschaft

Das Hohe Moor ist 6.000 Jahre alt

Eine Torfschicht von rund sechs Metern Stärke im Hohen Moor lässt darauf schliessen, dass hier vor rund 6.000 Jahren das Torfmoos zu wachsen begann. Zum Ende der Eiszeit sammelte sich hier in einer Senke nährstoffarmes Regenwasser. Torfmoose sind zarte Pflanzen. Sie haben noch nicht einmal eine Wurzel. Wasser saugen sie wie ein Schwamm auf. Sie wachsen dem Regen entgegen und lassen dabei jährlich einen Millimeter Torf unter sich entstehen.

Torfmoose begnügen sich mit wenigen Nährstoffen. Das ist auch ihr Vorteil gegenüber anspruchsvolleren Pflanzen. Zudem geben die Torfmoose Säure ab, so dass ein intaktes Hochmoor pH-Werte von unter 3 aufweisen kann. In dem sauren und sauerstofffreien Torf werden neben den nach unten absterbenden Torfpflanzen auch andere Organismen konserviert. Selbst Menschen werden nach Jahrhunderten als gute erhaltene Moorleichen gefunden.

Nur wenige Tier- und Pflanzenarten fühlen sich im Moor wohl. Diese Bewohner sind heute besonders selten, da es kaum noch ungestörte Hochmoore gibt.

Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel - wir finden Überreste der menschlichen Nutzung des Moores

Das Hohe Moor und die Menschen

Noch 1764 machten die Kartographen der Kurhannoverschen Landesaufnahme um die Landschaft zwischen Stade und Bremervörde einen grossen Bogen. Zu unheimlich war ihnen das „hohe Moor“. Zwei heute nicht mehr existierende Seen zeichneten sie in ihre Karte ein. Für den Rest der Landschaft musste eine grobe Schraffur genügen. 1835, schon siebzig Jahre später, zeigt sich in den Karten bereits, dass das Moor durch Schlitzgräben in viele kleine Parzellen aufgeteilt wurde.

Hunderte Geestbauern aus der Nachbarschaft nutzten die Heideplaggen und den Weisstorf als Einstreu im Stall. Mühsam stachen sie zudem in Handarbeit den Schwarztorf als Brennmaterial für die heimischen Öfen. Industriellen Torfabbau mit Grossbaggern hat es hier im Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel nie gegeben. Stattdessen hinterliess man hunderte von kleinen, aber mehrere Meter tiefen Gruben. Nach dem Torfabbau liefen diese voll mit Wasser.

Durch die tiefen Entwässerungskanäle und die langen Schlitzgräben verlor das Hohe Moor viel Wasser. Die Torfmoose starben grossflächig ab. Der Torfboden trocknet aus und zersetzt sich nun unter Sauerstoffeinfluss schnell. In die Moorränder trieben die Bauern ihr Vieh. Aus den Moorflächen wurde extensiv genutztes Wiesen – und Weidenland. Zwei Drittel des Gebietes wurden so in ein Mosaik aus Wassergruben und Entwässerungsgräben verwandelt. Aber zum Glück blieben auch ursprüngliche Moorflächen erhalten. Diese helfen heute bei der Regeneration des gesamten Hohen Moores.

Bereits 1934 wurden die ersten sechs Hektar rund um den Elmer See als Naturschutzgebiet unter Schutz gestellt. Heute stehen seit der letzten Erweiterung im Jahr 2005 ganze 854 Hektar als Natura-2000-Gebiet gemäss der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) unter Naturschutz. Die ökologische Wende im austrocknenden Regenmoor allerdings gelang erst mit der Anhebung des Wasserstandes am Anfang der 1980er Jahre. Mit dem LIFE-Natur-Projekt 2001-2006 wurde der Wasserstand so erhöht, dass die typische Moorflora und -fauna hier eine weitere Zukunft hat. Allein das LIFE-Natur-Projekt kostete während seiner Laufzeit 1,29 Millionen Euro. Die Hälfte dieser Summe wurde von der EU finanziert. Schon allein das ist ein Grund, weshalb Deutschland ein Mitglied der Europäischen Union bleiben sollte (lies dazu meinen Beitrag #SalonEuropa – Blogparade „Europa ist für mich …“).

Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel - neue Arten wie die Kanadagans besiedeln den Lebensraum

Im Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel unterwegs

Nun stehen wir hier inmitten vom Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel in Niedersachsen. Rings um uns herum hören wir immer wieder Kraniche trompeten. Öfter sehen wir auch Kraniche über uns hinweg fliegen. Mittlerweile kommen diese Vögel auch wieder als Brutvögel ins Hohe Moor. Neben den Kranichen hören und sehen wir natürlich viele Enten und Gänse. Da für die Vögel immer noch Zugzeit ist, würden wir uns natürlich auf die ein oder andere faszinierende Vogelbeobachtung beim Vogelzug freuen. Deshalb: Fernglas nicht vergessen!

Durch das Gebiet führen diverse Wanderwege, oftmals auf Dämmen entlang. Oft erhalten wir auf unserer Tour besondere Einblicke in die vielfältigen Entwicklungsstadien des sich renaturierenden Moores. Bizarr finde ich die vielen im Wasser stehenden abgestorbenen Bäume. Sogar einen Wildnispfad gibt es hier durch das Moor. Im Naturschutzgebiet Hohes Moor wurden zwei ausgeschilderte Rundwanderwege eingerichtet. Der längere Weg hat eine Länge von sieben Kilometern, der kürzere ist 2,05 Kilometer lang.

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Unsere gewanderte und bei Komoot sichtbare Tour umfasst die schönsten Regionen beider Touren und kann bequem als Grundlage für eine Tagestour benutzt werden. Es sollte genügend Zeit für Naturbeobachtung und auch zum Fotografieren sein. Im Gegensatz zu anderen Mooren hatten wir sogar echt das Gefühl vollkommen allein zu sein. Nur selten begegneten uns andere Wanderer. Das sieht bei schönerem Wetter im Sommer sicherlich etwas anders aus. Der Radfernweg Elbe-Weser-Dreieck führt am Hohen Moor vorbei. Auch bei einer Radtour ist das Hohe Moor ein guter Pausenort, an dem man auch längere Zeit für Entdeckungen bleiben kann.

Tipps zum Verhalten im Naturschutzgebiet Hohes Moor

Ein Besuch des Hohen Moores kann ein interessanter Naturausflug werden! Dennoch, wir befinden uns hier in einem Naturschutzgebiet. Um die vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten zu schützen, sollten wir unser Verhalten daran ausrichten. Richtiges Verhalten in der Natur habe ich in meinem Beitrag Tipps und Wissenswertes für einen Waldbesuch beschrieben. Natürlich gelten die Grundsätze dafür auch für Moore. Zusätzlich möchte ich dir noch folgende Tipps geben:

  • Aus Sicherheitsgründen solltest du auf den festen Wegen bleiben.
  • Festes Schuhwerk und bei Nässe eventuell sogar Gummistiefel anziehen.
  • Im Sommer an schützende Kleidung oder Insektenschutzmittel denken.

Naturschutzgebiet Hohes Moor bei Heinbockel - sterbende Birken sind gut für das Moor

Lebensraumentwicklung

Die sterbenden und abgestorbenen Bäume sind ein gutes Zeichen für das Hohe Moor. Vor allem die Birken. Denn im entwässerten Moor keimten recht bald die ersten Birkensamen. Die wachsenden Bäume entzogen dem Moor noch mehr Wasser. Durch die Wiedervernässung werden die Bäume wieder zurück an den Rand des Moores gedrängt. Dadurch kann sich wieder eine hochmoortypische Tier- und Pflanzenwelt entwickeln.

Die feuchten Schlenken der Mooroberfläche wechseln sich mit den höher gewachsenen Bulten ab. Es gedeihen hier Sonnentauarten, fleischfressende Pflanzen, die mit Klebeblättern Insekten fangen und so ihren Stickstoffbedarf ausgleichen. Auch Moosbeere und Glocken- und Rosmarinheiden leben hier. In trockeneren Bereichen finden wir den Gagelstrauch und die Heidelbeere.

In den flachen Randtümpeln balzt der Moorfrosch. Die blau gefärbten Männchen sind aber kaum zu sehen. Kreuzottern sonnen sich an Wegrändern und den Kanten der alten Handtorfstiche. Sogar der Kranich ist nach der Wiedervernässung mit rund 60 Brutpaaren wieder als Brutvogel im Moor heimisch.  Nur für Spezialisten ist wohl die Insektenfauna erkennbar. Über fünfzig gefährdete Falterarten und zwanzig Libellenarten wurden hier in den letzten Jahren gefunden.

Die einstige baumlose Weite des Moores von vor 250 Jahren wird sich aber wohl nicht mehr entwickeln. In ein paar Jahrzehnten werden wir hier aber wohl wieder ein natürlich gewachsenes Hochmoor erleben können. Dann haben sich in den vernässten Flächen wieder weite Torfmoosrasen mit den typischen Bulten und Schlenken entwickelt. Reiche Wollgrasbestände werden im Mai auf der Fläche fruchten. Dafür finden wir seltener Pfeifengras und Besenheide.

Neben den Randsümpfen entwickeln sich die Birken- und Kiefernbestände im Randbereich des Moores zu feuchten und lichten Moorwäldern. Ein reichhaltiges Lebensraummosaik aus offenen Wasserflächen, freier Landschaft, Torfmoosrasen und Moorwald bietet einer entsprechenden Flora und Fauna beste Lebensbedingungen.

Kleine Fotogalerie

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Jetzt seit ihr dran! Welches Moor würdet ihr euren Gästen für einen Besuch empfehlen? Was kann man dort beobachten und entdecken? Und was ist eurer Meinung nach die beste Zeit, um in einem Moor zu wandern? Schreibt mir doch bitte in den Kommentaren dazu! Gern könnt ihr natürlich meinen Newsletter abonnieren, um kein Naturerlebnis mehr zu verpassen!

Kommentieren, Anregen und Diskutieren

  1. Nadine 21. April 2021 at 13:45 - Reply

    Hallo Thorsten,

    ein sehr interessanter Artikel mit schönen Fotos. Ich bin unglaublich gerne in Mooren unterwegs und begrüße es sehr, dass sich der Nabu mit soviel Herzblut für die Regeneration von einigen Gebieten einsetzt. Sehr interessant finde ich den Anklamer Stadtbruch in Mecklenburg-Vorpommern und erst gestern war ich im Großen Torfmoor bei Lübbecke unterwegs, das ich ebenfalls weiterempfehlen kann!

    Viele Hrüße,
    Nadine

    • Torsten 22. April 2021 at 7:15 - Reply

      Danke für deinen Kommentar, Nadine. Den Anklamer Stadtbruch und das Torfmoor kenne ich auch noch nicht, die kommen mal beim mir auf die Vormerkliste.

      Beste Grüsse, Torsten – ohne h :-)

  2. Angela 19. April 2021 at 19:44 - Reply

    Moore sind echt faszinierend! Das hier kannte ich noch nicht. Das sieht ja richtig groß aus. Den Wandertipp merke ich mir direkt vor, wenn ich mal in der Gegend bin! Danke fürs Mitnehmen!

    • Torsten 20. April 2021 at 8:24 - Reply

      Hallo Angela,

      der Nordwesten hat noch einige „unentdeckte“ Schönheiten. Meistens sind die Moore ja momentan überlaufen, gerade im Bereich von Hamburg. Ich hatte kürzlich mit einem Ranger vom Pietzmoor gesprochen, der hat sich gewünscht, dass der Tourismus dort nicht soviel Werbung macht. das war auch das einzige Mal, dass ich mit Corona-Maske in die Natur musste.

      Beste Grüsse

  3. travellingcarola 19. April 2021 at 18:51 - Reply

    Moore üben auf mich eine große Faszination aus, vielleicht weil sie tatsächlich ein bisschen etwas Unheimliches oder Mystisches habe. Schön, dass du deine Entdeckungen in diesem Naturschutzgebiet und zu anderen Mooren teilst. Da werde ich gleich ein wenig stöbern.

    • Torsten 20. April 2021 at 8:20 - Reply

      Hallo Carola,

      ich denke auch, die Faszination liegt darin, dass Moore für uns etwas nicht mehr alltägliches sind. Moore haben wir eben nicht mehr allzuviel – im Gegensatz zu Wäldern.

      Viel Spass beim Stöbern!

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