Naturfotografie – wie mache ich das perfekte Foto

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Naturfotografie – wie mache ich das perfekte Foto

Naturfotografie - wie mache ich das perfekte Foto

Viele Naturfotografen wünschen sich das eine – das perfekte Foto! Stunden, Tage, Wochen, Monate oder Jahre vergehen und viele gute Aufnahmen gelingen. Dennoch: das perfekte Foto ist nicht dabei. Was muss man nicht alles für ein gelungenes Foto auf sich nehmen! Auf den Bildern, die man dann seinen Zuschauern präsentiert, sieht alles ganz einfach und leicht aus. Ich selbst bin viel in meiner Freizeit in Sachen Wildlife-, Natur- und Landschaftsfotografie unterwegs. Aus ca 100 guten Bildern ergibt sich bei mir vielleicht das eine ideale perfekte Foto! Doch was ist das überhaupt: ein perfektes Foto?

Naturfotografie - wie ich das perfekte Foto mache - eines meiner für mich perfekten Lieblingsbilder - die heulende Wölfin Dala im Wolfscenter Dörverden.

Was ist ein perfektes Foto?

Die einzelnen Geschmäcker sind glücklicherweise sehr unterschiedlich. Wie langweilig wäre unsere Welt doch, wenn allen Menschen immer nur das Gleiche gefallen würde? Es gibt mindestens genauso viele Geschmäcker wie Menschen auf unserer Erde leben. Was dem Einen gefällt, findet ein Anderer total langweilig. Auch in der Fotografie ist das so! Zu allererst muss mir ein Foto selbst gefallen. Wenn es das nicht tut, dann ist es für mich kein gutes Foto. Schon gar kein perfektes Foto! Ob ich es dennoch veröffentliche, hängt dann von den aktuellen Gegebenheiten ab.

Eine Zeitlang habe ich auf meinem Instagramaccount versucht, jeden Tag ein neues Foto zu veröffentlichen. Zwangsläufig stand ich dabei auch schon mehrmals vor der Frage, ob ich das betreffende Bild denn wirklich hochladen sollte. Es waren keine schlechten Fotos. Nur sie gefielen mir nicht, sprachen mich nicht direkt an. Dennoch lud ich sie in meinen Account. Mehrere solcher Fotos erreichten dann auch jeweils meine #bestnine. So unterschiedlich können Geschmäcker sein!

Ein gutes Foto ist aber noch lange kein perfektes Foto. Für mich gehört zu einem perfekten Foto nicht nur die technisch einwandfreie Aufnahme. Auch die Gefühle sollen beim Betrachter angesprochen werden. Deshalb ist ein Foto für mich ein perfektes Foto, wenn es aus der Kamera so erscheint, wie ich es mir vorab selbst vorgestellt habe. Dazu braucht es nicht unbedingt eine langwierige und aufwendige Planung. Vielfach entsteht diese Vorstellung auch erst während der Fotosession. Lies hier meine Tipps zum Robben fotografieren.

So ging es mir bei dem Foto mit der heulenden Wölfin Dala im Wolfscenter Dörverden. Ich hatte bereits eingie Aufnahmen der Wölfe in der Kamera, darunter auch heulende Wölfe. Aber ich wollte ein Foto schiessen, welches einen heulenden Wolf vor einem Baum oder Felsen zeigt. Nach längeren Suchen habe ich dann den gewünschten Aufnahmeort gefunden. Nur war dort kein Wolf. Also warten und weiter beobachten. Irgendwann im Laufe des Tages bot sich mir noch die Gelegenheit. Ich drückte ab. Das Rohbild war im Kasten. Das Bearbeiten in Lightroom war ein paar Tage später nur noch eine Kleinigkeit.

Naturfotografie - wie ich das perfekte Foto mache - für kleine Tiere wie diesen Grasfrosch lege ich mich gern auch mal in den Matsch.

Wie komme ich zu einem guten Foto?

Das Fotografieren macht mir Spass. Aber dabei kommt es immer auf das Motiv an. Wenn ich Menschen fotografiere, bekomme ich vielleicht ein technisch gutes Bild hin. Aber dem Foto fehlt die Seele. Warum? Ich habe einfach keinen Spass dabei! Und das merkt man dem Foto dann auch irgendwie an. Ich habe für mich selbst gemerkt, dass mein Genre die Landschafts- und Naturfotografie ist. Meine Tätigkeit als Naturschützer und als ausgebildeter Forstwirt kommen dabei diesem Hobbie sehr entgegen.

Freude und Leid sitzen eng beieinander, wenn es darum geht hobby- oder auch berufsmäßig als Tier- und Naturfotograf unterwegs zu sein. Zu den Tieren kann man nicht kommen, Tiere kommen zu einen! In unserer schnellebigen Zeit wird dies oft verkannt und nicht selten machen Auftraggeber noch zusätzlich Druck, um ein wunderbares Foto von einer noch so seltenen Art zu bekommen. Zudem setzt sich ein Fotograf vielfach selbst unter diesen Druck. Da wird dann schon einmal zu unfairen, teilweise gar kriminellen Mitteln gegriffen, um die gesteckten Erwartungen zu erfüllen. Nicht zu vergessen sei auch der finanzielle Aspekt. Selten kommen die gesuchten Arten am Wohnort vor und auch die Ausrüstung für das Fotografieren bekommt man selten für lau.

Vorab sei gesagt, dass es gerade bei wildlebenden Tieren und Pflanzen der streng geschützten Arten lt. Bundesnaturschutzgesetz verboten ist, diese zu stören. Ich würde dieses Verbot rein aus moralischen und ethischen Gründen auf alle Tier- und Pflanzenarten ausdehnen wollen. Wie leicht kann es zum Beispiel gerade in der Brutsaison passieren, dass durch ein aufgeschrecktes und vom Nest flüchtendes Vogelweibchen die bebrüteten Eier auskühlen und der Nachwuchs abstirbt. Ich habe schon viele schöne und perfekte Fotos gesehen. Leider stellte sich bei einigen später heraus, unter welchen Umständen diese gemacht wurden. Dann bleibt selbst beim perfekten Foto ein schaler Beigeschmack.

Naturfotografie - wie ich das perfekte Foto mache - an der Stelle, wo sich die Nord- und die Ostsee treffen. Schon bei der Vorabvisualisierung fiel mir auf, dass das Motiv ohne irgendetwas in der Mitte sehr langweilig sein würde.

Planung und Vorbereitung sind nötig für ein perfektes Foto

Bevor man nun auf gut Glück durch die Natur tobt, um eventuell ein Tier vor die Kamera zu bekommen, sollte man sich Gedanken über sein Fotomotiv machen. Wo kommt das gesuchte Tier oder die Pflanze vor, welche Ansprüche stellt es an seinen Lebensraum und wie lebt es überhaupt? So wird man selten Kegelrobben in den Alpen finden oder Bienenfresser im Winter in Norddeutschland! So kann ein Wochenende schon sehr knapp bemessen sein, wenn man erst eine längere Anreise in Kauf nehmen muss, um in das Verbreitungsgebiet einer Art zu gelangen. Ich für meinen Teil plane schon für meine Urlaube im Voraus und informiere mich über zu erwartende Arten im Urlaubsgebiet.

Ist man dann im potentiellen Verbreitungsgebiet angekommen, heisst es die Örtlichkeiten zu inspizieren und zu erkunden. Welche kleinräumlichen Gegebenheiten gibt es vor Ort, beschäftigen sich Naturschützer, aufgeschlossene Jäger oder Forscher mit der gesuchten Art. Vorab hilft es hier Kontakt über das Internet aufzunehmen, nicht schaden kann auch ein Netzwerk von Bekannten oder die Teilnahme an einer oder mehreren naturkundlichen Führungen durch das Gebiet.

Hat man diese Vorraussetzungen erfüllt, braucht man die richtige Ausrüstung und vor allem viel Zeit! Man sollte sich auf Beobachtungsständen einrichten, gute Beobachtungsplätze suchen, evtl ein Tarnzelt mitnehmen, den ortsansässigen Jäger um Erlaubnis fragen, ob man seine Kanzeln benutzen darf. Auch ein Boot kann manchmal als Fortbewegungs- und Ansitzmittel hilfreich sein.

Frühzeitiges aufstehen ist nicht nur dem Jäger anzuraten, auch für einen Naturschützer hat Morgenstund’ Gold im Mund! Die meisten Tiere sind am aktivsten in den frühen Morgen- und Abendstunden, seltener in der Mittagszeit, wenn der geneigte Wanderer sich an der Natur erfreut. Besonderen Spass macht es natürlich auch, wenn sich am Beobachtungsstand gleichzeitig eine grössere Touristengruppe sich ebenfalls am Naturschauspiel erfreut.

Naturfotografie - wie ich das perfekte Foto mache - man muss sich schon eine Zeitlang ruhig am Teich aufhalten, um den Wasserfrosch in dieser Perspektive ablichten zu können.

Ansitz oder Pirsch?

Hat man sich nun für eine Tageszeit entschieden, sollte man natürlich den Ort des Geschehens aufsuchen. Dies kann je nach Entfernung mit dem Auto geschehen, mit dem Rad oder auch mit einem Boot. Zumindest das Auto sollte man dann aber auf einem Parkplatz abstellen. Im direkten Gebiet angekommen bietet es sich an zu Fuß weiter zu pirschen. Ob man nun im Ansitz wartet oder durch das Gebiet pirscht ist abhängig vom gewünschten Fotomotiv. Das perfekte Foto gelingt selten beim Anblick eines flüchtenden Tierhintern. Lies hier meine Tipps zum Frösche am Teich fotografieren.

Hat man es auf Pflanzen, kleinere Tiere oder Landschaften abgesehen, lohnt es sich weiter zu Fuß unterwegs zu sein. Für Aufnahmen gerade größerer Säugetiere oder Vogelaufnahmen am Nest oder Horst bietet es sich an, auf Ansitz zu verharren. Dies kann eine Jagdkanzel genauso wie ein Beobachtungsstand oder ein mitgebrachtes Tarnzelt sein. Wichtig ist nur, dass man schon beim Gang zum Ansitz sich ruhig, nahezu geräuschlos und rücksichtsvoll benimmt.

Rücksichtsvoll sollte man vor allem auch bei der Fotopirsch sein, nicht selten kann man auch hierbei eindrucksvolle und unverhoffte Fotoaufnahmen schießen. Vor allem sollte man aufpassen, wohin der eigene Fuß gesetzt wird, oftmals sieht man in der Fixierung auf sein eigentliches Fotoobjekt nicht, dass man gerade eine der seltenen Waldorchideen zertritt.

Egal ob nun auf Pirsch oder auf Ansitz, immer sollte darauf geachtet werden, dass man Tiere nicht beunruhigt oder stört, möglichst auch nicht anfasst, ihre Bauten und Nester nicht gefährdet  und von Pflanzen keine Blätter, Blüten oder andere Pflanzenteile abreißt. Solch ein umsichtiges Verhalten sollte die Grundmaxime jedes Naturfreundes sein. Für mich heißt es, lieber einmal ein Foto auslassen als zu riskieren, daß zum Beispiel die Tiermutter ihr Junges verlässt.

Auch auf seine eigene Sicherheit sollte man bedacht sein, keine riskanten Klettertouren unternehmen oder sich durch zuviel Nähe zum Objekt in Gefahr begeben. Gerade Tiere sind oft in ihren Handlungen zwar vorhersehbar, aber nicht berechenbar und so mancher anscheinend stabile Untergrund entpuppt sich als schnell nachgebende weiche Masse. Ich selbst habe mich einmal beim Fotografieren von Kranichen zu weit in einen abgelassenen Stausee hineinbewegt und plötzlich bin ich bis zu den Knien im Schlamm versunken. Als Resultat musste ich barfuß ohne meine Gummistiefel und mit nassen Socken den Heimweg antreten. Die Gummistiefel stecken wahrscheinlich heute noch im Seegrund.

Naturfotografie - wie ich das perfekte Foto mache - ich war nicht wegen den Kranichen hier. Doch plötzlich kamen sie angeflogen und liessen sich 20 Meter vor mir nieder.

Neben Zeit ist auch ein bisschen Glück notwendig

Nun braucht man neben viel Zeit auch ein bisschen Glück. Nicht immer findet man die gesuchte Pflanze sofort oder das gewünschte Tier lässt sich garantiert nicht blicken und wenn dann doch, so bewusst nicht in einer fotogenen Pose. Geduld, Geduld, Geduld, warten, warten, warten … ein nahezu unendliches, sich immer wiederholendes Spiel. Lies hier meine Tipps zum Kraniche fotografieren.

Ich nutze diese Zwangspausen dann, um mich intensiv mit der mich umgebenden Natur auseinanderzusetzen und auf mich wirken zu lassen. Vielleicht kommt das Tier, auf das man wartet gar nicht, stattdessen erscheint urplötzlich aus dem Nichts eine Wildkatze oder ein Eisvogel. Maybe – hier bleibt es dem Fotografen überlassen, ob er es riskiert und diese sich bietende Gelegenheit nutzt – diese bietet sich bestimmt kein zweites Mal. Oder er wartet weiter, bis das Objekt der Begierde die Bühne betritt.

Jetzt nur nicht hektisch werden! Ruhig bleiben ist angesagt. Mir passiert es selbst immer wieder, ich höre mein Herz bis zum Hals pochen und mein Puls ist bestimmt auf 180. Warte ich noch, bis das Tier vor mir sich in eine noch bessere Position bewegt oder drücke ich gleich auf den Auslöser – mit der Gefahr, dass es dadurch verschreckt und flüchtet? Meistens ergibt sich aber die Möglichkeit mehrere Aufnahmen hintereinander zu machen.

Nun sollte endlich mindestens ein perfektes Foto im Kasten sein. Die Zeiten, in denen man tagelang auf die Entwicklung warten musste sind mit der Entwicklung der Digitalfotografie vorbei. Jetzt kann man ziemlich zeitnah die Bilder sehen und gegebenenfalls nachschiessen – so lange das Motiv noch da ist.

Allen Naturfotografen möchte ich einfach folgendes an das Herz legen: Bitte verzichtet auf das perfekte Foto, wenn ihr dafür Tiere oder Pflanzen beeinträchtigen müsst. Achtet beim Fotografieren auch auf die Umgebung, damit ihr nicht ungewollt z.B. beim Anblick einer Libelle eine seltene Orchidee zertretet. Für den echten Naturfreund sollten dieses Handeln eigentlich selbstverständlich sein!

Über den Autor:

Hallo, ich bin Torsten. Das Leben machte mich zum Optimisten mit Lebenserfahrung, Abenteurer, Naturschützer, Forstarbeiter, Logistiker, Journalist, Eurovisionär, Sammler, Schriftsteller, Künstler …

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