Naturerlebnisse in der Lüneburger Heide

Naturerlebnisse in der Lüneburger Heide

Dieser Beitrag wurde am 23.06.2021 veröffentlicht.

Er wurde am 23.06.2021 aktualisiert.

Geschrieben von Torsten Berg

Jahrelang galt die Lüneburger Heide als ein Ausflugsort für die älteren Generationen. Auch ich fand es damals langweilig für einen Familienausflug in die Lüneburger Heide zu fahren. Aber mittlerweile ist Urlaub vor der eigenen Haustür wieder salonfähig geworden. Und ich muss sagen, in der Lüneburger Heide gibt es nicht nur zur Heideblüte viel sehenswertes in der Natur!

Naturerlebnisse in der Lüneburger Heide - gar nicht mehr spiessig!

Wie entstand die Lüneburger Heide

Im Dreieck zwischen den grossen Städten Bremen, Hamburg und Hannover finden wir eine grosse flachwellige Heide-, Geest- und Waldlandschaft. Benannt ist sie nach dem  alten Hansestädtchen Lüneburg. Hier in der Lüneburger Heide sind noch viele der  weiträumigen Heideflächen erhalten. Diese Heidelandschaften bedeckten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts weite Teile Norddeutschlands. Heute sind solche Heideflächen nur noch hier in der Lüneburger Heide zu sehen.

Schon frühzeitig siedelten hier die ersten Menschen. Pollenanalysen haben gezeigt, dass auf den trockenen Geestböden Norddeutschlands seit 3.000 Jahren v. Chr. bereits Landwirtschaft betrieben wurde. Die durchgeführten Brandrodungen und der Ackerbau auf den Sandböden führten aber wahrscheinlich schnell zur Verarmung der Böden. Die Äcker konnten zur Landwirtschaft nur kurze Zeit genutzt werden. Dann mussten die Siedlungen verlegt und neue Wälder gerodet werden. In diesen Zeiten mögen dann auch die ersten Calluna-Heiden entstanden sein.

Als Zeugnisse aus dieser Zeit finden wir in der Lüneburger Heide zahlreiche Megalithanlagen, Hügelgräber und Steinkisten. Bis zum 9. Jahrhundert etwa wurde die Heide so genutzt. Nach der Völkerwanderung und dem Entstehen des Frankenreiches unter Karl d. Grossen verblieben die ländlichen Siedlungen vermehrt an ihren ursprünglichen Orten und wurden nicht mehr gewechselt. Der Boden wurde somit stärker benutzt und die Heiden breiteten sich rasch aus. Dennoch, aufgrund der schlechten Böden war die Lüneburger Heide schon immer dünn besiedelt.

Naturerlebnisse in der Lüneburger Heide - eine uralte Landschaft kann man neu entdecken!

Hartes Leben mit der Heidebauernwirtschaft

Die Heidebauernwirtschaft bildete sich heraus. Sie war die einzige Möglichkeit, die nährstoffarmen Böden zu nutzen. Grundlagen der Heidebauernwirtschaft waren die Haltung von Heidschnucken und die Imkerei. Diese beiden Möglichkeiten waren letztendlich auch der Hauptgrund für die Verbreitung und weitere Nutzung der kargen Heideflächen. Die in der Haltung anspruchslosen Heidschnucken weideten auf den Heideflächen. Durch den ständigen Verbiss sorgten die Schafe für eine Verjüngung der Heide und somit für eine gute Heideblüte. Mit der Beweidung verhinderten die Bauern auch eine Bewaldung der Heideflächen. Nur die stacheligen Wacholderbüsche wurden von den Schafen verschmäht.

Neben Wolle und Fleisch der Heidschnucke war aber auch der Dung der Tiere interessant. In mühevoller Arbeit trugen die Bauern den rund vier Zentimeter dicken, von Wurzeln durchsetzten Oberboden der Heide ab und legten diese als Einstreu in die Ställe aus. Zusammen mit dem Kot der Schafe und anderen eingestallten Haustiere wurden diese „Plaggen“ kompostiert und schliesslich zur Düngung auf den kleinen Ackerflächen ausgebracht. So konnten mehrere Jahre hindurch tatsächlich Roggen und andere Getreidearten angebaut werden.

Naturerlebnisse in der Lüneburger Heide - Heidschnucken als Naturschutzhelfer erhalten die Heideflächen.

Naturschutz für die Heide

Trotzdem erlosch die Heidebauernwirtschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts. Zu mühsam war das Leben und die beginnende Industrialisierung versprach ein leichteres und besseres Leben. Mit der industriellen Revolution aber gewann die „unberührte Natur“ als Kontrast zu den schmutzigen Grossstädten wieder an Bedeutung. Durch Ackerbau und Aufforstung merklich reduziert, erschienen die Heideflächen plötzlich als schützenswert. Trotzdem entstanden ab 1891 in der Heide grossflächige Truppenübungsplätze.

Ab dem Jahr 1900 gab es erste Bestrebungen in Sachen Naturschutz. So konnte 1905 die geplante Bebauung des Totengrund mit Wochenendhäusern durch den damaligen Egestorfer Pastor Wilhelm Bode erfolgreich verhindert werden. Ebenso verhinderte der Pastor im Jahr 1909 die geplante Aufforstung des Wilseder Berges. So können wir diese beiden markanten Orte in der Lüneburger Heide noch heute nahezu „ursprünglich“ erleben. 1933 wurde die Lüneburger Heide offiziell als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Seit einigen Jahren haben sich auch Wölfe in der Heide angesiedelt. Auf meiner Expedition zu unseren wilden Wölfen konnte ich mich mit diesem umstrittenen Wiederkehrer auseinandersetzen.

Naturerlebnisse in der Lüneburger Heide - zu Fuss aber auch zu Pferd kommt man hier vorwärts

Tourismus in der Heide

Heute ist die Lüneburger Heide ein bedeutender Schwerpunkt für den Tourismus in Norddeutschland. Jedes Jahr werden mehr als vier Millionen Besucher hier gezählt. Neben dem Wochenendtourismus ist auch der überregionale Fremdenverkehr von wirtschaftlicher Bedeutung. Bekannte Europawanderwege, wie der Heidschnuckenpfad gehören zu den zahlreichen Rad- und Wanderwegen in der Heide.

Wandern in der Heide

Hier möchte ich dir einige schöne Rundwanderungen durch die Gebiete der Lüneburger Heide vorstellen. Klickst du auf einen der Beiträge gelangst du zu meiner Tour bei Komoot. Dort kannst du dir auch die GPX-Datei für deine Wanderung herunterladen.

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Naturerlebnisse in der Heide

Natürlich: an erster Stelle steht die Heideblüte! Das ist das meistbesuchteste Erlebnis in der Lüneburger Heide. Dabei ist die Lüneburger Heide nicht nur eine einzelne zusammenhängende Heidefläche. Über die ganze Region verteilt findest du verschiedene Flächen unterschiedlichster Grösse. Die Calluna-Heide wird landläufig auch als das Heidekraut bezeichnet. Die Heideblüte findet im August und September statt. Während der Blütezeit der Besenheide färben sich dann die Heideflächen lila. Unterbrochen wird das lila Farbenmeer dann nur vom Grün der Wacholder und Kiefern und dem Weiss der Birkenstämme.

Die Lüneburger Heide GmbH als der Tourismusverantwortliche in der Heide stellt mit dem Heideblüten-Barometer jeweils aktuelle Informationen über den Stand der Heideblüte zur Verfügung.

Aber nicht nur zur Heideblüte ist die Lüneburger Heide interessant. Vor der eigentlichen Heide beginnt die Glockenheide in einem zartrosa Blütenton zu blühen. Im Mai färbt das Wollgras die Moore mit einem weissen Flaum, wie ich in meinem Beitrag Exkursionen zur Wollgrasblüte im Moor (mit Foto-Tip) schildere. Und im Frühling kannst du für wenige Tage sogar blaue Frösche in der Heide erleben.

Naturerlebnisse in der Lüneburger Heide - auch blaue Frösche gibt es im Frühjahr zu entdecken.

Kennst du schon die Lüneburger Heide? Welches ist dein Lieblingsplatz dort? Welche Aktivität würdest du deinen Freunden und Gästen empfehlen? Schreib mir deine Tipps doch in die Kommentare!

Kommentieren, Anregen und Diskutieren

  1. Corinna 19. August 2021 at 17:13 - Reply

    Hallo Torsten,
    das ist ein super informativer Beitrag über die Heide. Schön, dass du dort auch so viele Heidschnucken vor die Kamera bekommen hast. Die waren bei unserer Tour dort irgendwie alle abwesend ;)
    Viele Grüße
    Corinna

  2. Inka 24. Juni 2021 at 9:49 - Reply

    So schön, da werden Kindheitserinnerungen wach! Für mich ist das übrigens ne tolle Erinnerung, also nix von wegen nur alte Leute. ;) Einer der seltenen Ausflüge mit Eltern UND Großeltern.
    Hab richtig Lust bekommen, da mal wieder hinzufahren.
    Liebe Grüße
    Inka

    • Torsten 25. Juni 2021 at 7:01 - Reply

      Hallo Inka,

      als Kind fand ich die Ausflüge mit Eltern und / oder Großeltern auch immer sehr schön und aufregend. Bis zu einem gewissen Alter als andere Dinge wichtiger wurden. Und jetzt entdeckt man die alten „Lieben“ wieder.

      Danke für Deinen Kommentar!
      Beste Grüsse

      Torsten

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