Nachtrag zum deutschen Vorentscheid: wird Michael Schulte das Dilemma beenden?

Seit gestern Abend wissen wir, dass Michael Schulte mit seinem Lied Deutschland in Lissabon beim Eurovision Song Contest vertreten wird. Doch kann und wird Michael das Dilemma der deutschen Beiträge beim Musikwettbewerb beenden können?

Michael Schulte als glückliche Gewinner des deutschen Vorentscheids (c) eurovisionlive.com

Gleich vorweg sei ehrlich gesagt: die Zeit gestern vor dem Bildschirm hätte ich besser für andere Dinge nutzen können. Der NDR hatte wieder einmal im Vorfeld ein neues Konzept erdacht. Mit diesem neuen Konzept wollte man wieder wieder einmal den deutschen Beitrag vor einem Dilemma bewahren. Und in diesem Jahr hat man angeblich das ultimative Format endlich gefunden, um Deutschland wieder auf einen Siegerplatz zu heben.

Es ist das gleiche Schauspiel wie immer. Fast schon ein running gag. Wie auch jedes Mal der gerade abgeschlossene Eurovision Song Contest als „the best contest ever ever“ durch die Verantwortlichen bezeichnet wird.

Jetzt also soll Michael Schulte uns vor dem Dilemma der schlechtplatziertesten Nation bewahren. Ich persönlich empfand sein Lied als das Beste an diesem Abend. Aber es ist eine Ballade! Zugegeben eine sehr schöne Ballade! Aber jeder „Experte“ weiss, dass ein Lied, welches dem Siegerlied des Vorjahres gleicht, die seltensten Chancen auf einen Gewinn hat. Zudem dürfte in diesem Jahr wieder ein Lied mit mehr Schischi und mehr Geschehen auf der Bühne gewinnen.

Die gestern Abend vorgestellten sechs Finallieder sollten die besten aus den eingereichten viertausend (4.000) Beiträgen sein. Da möchte ich gar nicht wissen, wie schlecht die restlichen 3.994 anderen Lieder waren. Was wurde uns denn geboten? Eine verhinderte Jamala (Natia Todua), eine schwierig zu verdauende Ballade (RYK), Pistengaudi für Besoffene (Voxxclub), ein spätgeborener 68er auf Speed (Xavier Darcy), ein flacher Abklatsch von Black Smoke (Ivy Quainoo) und eben die Ballade von Michael Schulte aus Buxtehude.

Ivy fand ich zudem auch nicht schlecht. Jedoch passte das Lied nicht zu ihr. Ihre Stimme kann mehr und kam leider bei diesem Lied nicht auf Fahrt. So war es auch kein Wunder, dass Ivy auch schnell bei der Wertung raus war.

Auch die Moderation von Linda Zervakis und Elton konnte an diesem Abend nichts wirklich reissen. Peinliche und flache Witze sollten die Sendung jugendlich und hip gestalten. Mehr Sex und mehr Spass sollte es werden. Aber am laufenden Band gab es nur flache Pointen. Es war ein Abend zum Einschlafen. Ich glaube, der NDR sollte wirklich einmal überlegen, wenigstens ein Jahr zu pausieren. Oder Stephan Raab noch einmal ran zu lassen, wenn der denn noch will.

Eine kleine Verbesserung war zu erleben. Die Punkte wurden aus drei Blöcken vergeben vergeben. Ein Teil der Punkte kam wie gewohnt vom Zuschauervoting. Ein weiterer Teil von einer Expertenjury aus Experten, die irgendwann und irgendwie einmal auch nur mal das Wort Eurovision gelesen haben. Und dann noch die einhundertköpfige Jury aus Fans. Fans? Da wurde doch der eine typische Eurovisionszuschauer aus dieser Jury gefragt, warum der Contest dieses Jahr in Lissabon stattfindet? Die Antwort: „Keine Ahnung, da bin ich jetzt nicht drauf vorbereitet.“ lässt schon tief in das Fanwissen blicken. Ich bin auf die Einschaltquoten der Sendung gespannt.

Wenigstens bei der Vergabe ihrer 12 Punkte waren sich die Juries dann auch einig. Alle zwölf Punkte gingen an Michael Schulte. Leider wird es aber in Lissabon nicht für einen Platz unter den Top 20 reichen. Schade eigentlich. Aber zumindest wird das grosse Eurovisionsfinale in Lissabon nicht so einschläfernd werden wie der deutsche Vorentscheid gestern Abend.

Wie ist deine Meinung zum deutschen Vorentscheid und zum Lied von Michael Schulte? Hinterlass doch deinen Kommentar dazu. Mehr Informationen zur deutschen Vorentscheidung, zu den anderen Vorentscheidungen und zum Grand Prix in Lissabon gibt es auf www.eurovisionlive.com.

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Nachtrag: Mittlerweile liegen die Einschaltquoten vor. Unser Lied für Lissabon landete auf „blassem Vorjahresniveau“. Nur 3,17 Mio Menschen wollten miterleben, wen Deutschland nach Lissabon schickt. Zur Quelle geht es hier lang.

Hallo, ich bin Torsten. Das Leben machte mich zum Optimisten mit Lebenserfahrung, Abenteurer, Naturschützer, Forstarbeiter, Logistiker, Journalist, Eurovisionär, Sammler, Schriftsteller, Künstler …

2 Replies to “Nachtrag zum deutschen Vorentscheid: wird Michael Schulte das Dilemma beenden?”

  1. Moin Thomas,

    ich stimme Dir in allen Punkten zu (bis auf den, dass mir ein anderer Song besser gefiel – aber das ist Geschmacksache) und bin total enttäuscht von der Sendung, der Moderation und den dargebotenen Songs. Das geht in jeder Hinsicht besser.

    1. Hallo Eddy,

      das vielen die Sendung nicht gefallen hat, habe ich schon mehrfach gehört. Was die Songs betrifft … naja … es gab schon schlechtere Jahre.

      Beste Grüsse Torsten (nicht Thomas) ?

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