Nachlese zum ESC in Lissabon

Das Finale des Eurovision Song Contest in Lissabon liegt bereits wieder knapp eine Woche zurück. Nach dem Abschluss der Liveübertragung und der Pressekonferenzen begann der Abbau der Einrichtungen vor Ort. Dennoch möchte ich noch kurz eine Nachlese zum ESC in Lissabon halten.

Nachlese zum ESC in Lissabon

Nach dem Eurovision kommt die Eurovision-Depression

Fast abrupt endet der Eurovision Song Contest mit der Bekanntgabe des Siegers und dem nochmaligen Darbieten des Siegerliedes. Danach erklingt im Fernsehen die Eurovisionshymne und selbsternannte oder von den Medien auserkorene Experten beurteilen dann, warum gerade dieses Lied gewonnen hat. Zeitgleich beginnt hinter den Kulissen der Abbau der Bühne. Denn jeder Tag kostet hier richtig Kohle.

Im Pressebereich geht die Arbeit weiter. Nachdem die ersten Wellen der Begeisterung abgeebbt sind, wird es Zeit sich einen Platz in der Gewinner – Pressekonferenz zu sichern. Während des Wartens werden zu den ersten Eilmeldungen die Berichte geschrieben. Im Laufe der Nacht zieht dann auch im Pressebereich Ruhe ein und die Abrisskräfte können tätig werden.

Nachdem eurovisionlive.com gegen zwei Uhr morgens das Gelände verlassen hat, wollten wir nur noch eines – erst einmal schlafen. Dann am späten Vormittag des nächsten Tages schauen wir uns noch einmal am Atlantischen Ozean um und besuchten einen Winzer. Natürlich mit anschliessender Weinprobe. Doch darüber mehr in einem der folgenden Beiträge. Denn erst einmal muss es eine Nachlese zum ESC in Lissabon geben.

Wenn der Eurovision endet fällt mancher der Anwesenden in eine tiefe Depression. In Fachkreisen nennt man das dann die Eurovisiondepression. Wie Pappmaché fällt dann alles zusammen, was vorher mit voller Glitzer und Glamour aufgebaut war. Das kann für einen Hardcorefan schon eine ganze Welt sein. Doch wenn man ehrlich ist, was ist denn der ESC überhaupt? Ist der ESC mehr als die Fassade, die sich um dieses Event selbst aufgebaut hat?

Wenn die zwei Wochen vor Ort vergangen sind, kehrt für die Öffentlichkeit Ruhe ein. Die Stars und Sternchen auf Zeit gehen ihrer ursprünglichen Tätigkeit nach. Wenn ein Lied Glück hat, wird es vielleicht im Radio gespielt. Ansonsten geraten die drei Minuten Ruhm schnell in Vergessenheit und die mühsam ergatterte Promo-CD verstaubt bei einem Fan im Regal. Die Fans leben weiter in ihrer Eurovisions-Bubble und die Öffentlichkeit wendet sich wieder wichtigeren Dingen zu.

Aber nach dem Eurovision ist vor dem Eurovision. Hinter den Kulissen wird bereits der nächste Eurovision organisiert und vorbereitet. Und dieses Jahr könnte es interessant werden.

Nachlese zum ESC in Lissabon

Nachlese zum ESC in Lissabon: der Gewinner

Interessant deshalb, weil (womöglich) der nächste ESC in Israel und dort in Jerusalem stattfinden wird. Ich persönlich bin der Meinung, das Israel in diesem Jahr als Land kein würdiger Sieger des ESC ist. Netta und ihr Lied sind schon ok, wenn auch nicht mein Geschmack und meine Wahl. Aber ein Land zum Sieger zu wählen, welches in den Tagen vorher und auch zur Zeit des Finales massive Angriffe im Gazastreifen verübt? Ein Land, welches Mauern baut und damit die Lebensadern eines anderen Volkes abschneidet?

Israel würde mich persönlich interessieren, das Land, die Geschichte (die auch unsere Geschichte ist) und die Natur dort. Doch einen Eurovision Song Contest in einer Halle, die nur einen Straßenzug entfernt von einem potentiellen Kriegsgebiet ist, möchte ich nicht erleben. Ich sehe bereits Bilder vor mir, auf denen neben der Halle vor allem Panzer und Maschinengewehre zu finden sind. Schon in den vorangegangen Jahre waren während der Eurovisionszeit die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen immer stärker geworden. Wie soll das erst in Israel aussehen?

Nicht überrascht bin ich vom Abschneiden von Österreich und von Deutschland. Beides waren zwei solide Lieder mit einer soliden Leistung der Sänger. Österreich hatte ich sogar in meiner persönlichen Favouritenliste vor dem Finale auf Platz zwei gesetzt! Ein Kompliment auch an SuRie aus Großbritannien. Während ihres Auftritts rannte ein Störer auf die Bühne, entriss ihr das Mikrofon und brüllte übersetzt „Für die Nazis der britischen Medien: Wir verlangen Freiheit!“ in das Publikum. Der Schock bei SuRie dauerte nur Sekunden. Als sie wieder ein Mikrofon in der Hand hatte, legte sie los und powerte ihr Lied mit doppelter Stärke. So, als wollte sie es allen zeigen. Hochachtung vor diesem Auftritt! Aufgrund der sehr guten Darbietung verzichtete Großbritannien dann auch auf eine Wiederholung, die von der EBU angeboten wurde.

Nachlese zum ESC in Lissabon

Nachlese zum ESC in Lissabon: der Gastgeber

Portugal, speziell Lissabon hat mich begeistert. Eine Stadt, die ungefähr so gross ist wie Bremen, aber deutlich mehr Facetten zu bieten hat. Alte Architektur, zerbröckelte Innenstädte und dazwischen neu errichtete Gebäude. Ein Land dessen Musik Fado zum Weltkulturerbe gehört. Die Lissabonner, denen wir begegnet sind, waren durchweg höflich, zuvorkommend und freundlich. Über diese Punkte möchte ich gern in einem zukünftigen Beitrag schreiben.

Leider war die Zeit zum Kennenlernen eindeutig zu knapp. Zwar haben wir uns einige privat slots zum Erkunden der Stadt und der Umgebung genommen. Aber viel mehr als eine kleine Stippvisite konnten wir nicht machen. Bei zukünftigen Eurovisionsreisen müssen wir uns in diesem Punkt etwas einfallen lassen. Auf jeden Fall werde ich Lissabon noch einmal besuchen. Dann ohne ESC und mit mehr Blick auf Land, Leute und Natur.

Nachlese zum ESC in Lissabon: Meine Eurovisionplaylist

Auch meine Eurovisionplayliste bekommt dieses Jahr wieder Zuwachs. Der diesjährige Jahrgang war zwar meiner Meinung nach schwächer als die Jahrgänge der vergangenen Jahre. Dennoch habe ich wieder einige Songs aufgenommen. Unabhängig, davon, wie sie im Wettbewerb platziert waren oder ob sie es überhaupt in das Finale geschafft haben. Und das sind meine Auserwählten:

Nach dem Grand Prix ist vor dem Grand Prix

Für mich endet dann dieses Jahr erst einmal die Eurovisionsbubble. Auf tberg.de wende ich mich wieder den wichtigeren Dingen zu. So gibt es noch einiges für die DSGVO zu erledigen, die am 25. Mai in Kraft tritt. Auch einige Beiträge wie die angesprochenen aus Portugal oder über die Schweinswale müssen endlich veröffentlicht werden. Anfang Juni (am 03.06. genau)  findet auch wieder unser Nachbarschaftsflohmarkt auf dem Delmeplatz statt. Bis dahin möchten auch noch Keller, Schränke und Regale durchgeschaut und entrümpelt werden. Garten, Urlaub, neue Beiträge und neue Folgen für unterwegs im wilden deutschland stehen ebenfalls in der Warteschlange. Es gibt also immer etwas zu tun. Aber: die Hauptsache ist, du bist glücklich! Und irgendwann im Dezember fängt dann wieder die Eurovisionszeit an …

Hallo, ich bin Torsten. Das Leben machte mich zum Optimisten mit Lebenserfahrung, Abenteurer, Naturschützer, Forstarbeiter, Logistiker, Journalist, Eurovisionär, Sammler, Schriftsteller, Künstler …

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