Wieder einmal war ich – seit längerer Zeit – zu Besuch an einem Lost Place. Dieses Mal ging es zur einer alten Luftmunitionsanstalt, der Muna Dünsen. Das Gelände liegt unweit von Bremen und wird immer mehr durch die Natur zurückerobert.

Die Natur erobert sich die Muna Dünsen zurück.

Die Muna Dünsen in den 1930er Jahren

Direkt im Wald Bassmerhoop bei Dünsen bot sich Anfang der 1930er Jahre ein ideales Gelände zum Bau einer Munitionsanstalt. In 500 Metern Entfernung führte die Kleinbahnstrecke Delmenhorst – Harpstedt vorbei. Weiterhin bot das Gelände mitten im Wald genügend Schutz vor gegnerischer Luftaufklärung.

Die geplante Anlage sollte Munition für die deutsche Luftwaffe bereitstellen. So begann im Jahr 1934 der Aufbau der Anlage. Mehrere Gebäude entstanden als Unterkunftsgebäude, Wirtschaftsbaracken, Krankenrevier oder Feuerwache. Auch Werkstätten oder Garagen mit Tankstelle, ein Lokschuppen und sogar ein Pferdestall wurden gebaut.

Bereits 1935 konnte der Betrieb der Muna Dünsen aufgenommen werden. Die Arbeiter der Luftmunitionsanstalt waren hauptsächlich mit dem Umschlag von Bomben und Granaten beschäftigt. Die per Eisenbahn angelieferte Munition wurde im Arbeitsbereich mit Zündern versehen. Im grossen Lagerbereich wurde diese Munition dann deponiert. Je nach Anforderung und Bestellung wurde sie dann zum Versand zusammengestellt und verladen.

Aufgang zu einem alten Munitionslager in der Muna Dünsen.

Die Muna Dünsen nach dem Ende des Krieges

Im April 1945 besetzten britische Truppen das Gelände. Der Krieg war hier nun beendet. Die noch aufgefundenen Munitionsbestände wurden gesprengt. Ein gleiches Schicksal war später auch für die Gebäude vorgesehen. Aber durch den massiven Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen entwickelte sich eine enorme Wohnungsnot. Deshalb wurden ab Mitte 1946 einige Gebäude für die zivile Nutzung freigegeben.

Neben privaten Wohnungen konnten hier auch schnell kleine private Unternehmer ihre Firmen aufbauen. 15 Jahre lang konnte sich so die kleine Siedlung Dünsen-Wald entwickeln. Mit der Aufstellung der Bundeswehr wurden aber 1958 die ersten Kündigungen ausgesprochen. Das Gelände war wieder in den Blickpunkt des Militärs geraten.

Muna Dünsen - ein Munitionslagerbunker mit Schiebetoren aus dem Kalten Krieg

Die Muna Dünsen im Kalten Krieg

Die Bundeswehr übernahm ab Anfang der 1960er Jahre das Gelände. Es entstand ein militärischer Schutzbereich. Ab Ende der 1970er Jahre wurde das Gelände komplett abgeriegelt. Im Kalten Krieg wurde die Muna Dünsen zu einem vielseitig genutzten Militärstandort entwickelt. Neben der Bundeswehr nutzen auch die Niederlande und die USA die Flächen.

In den 1980er Jahren waren hier sogar Atomsprengköpfe stationiert. Man kann sich wohl ausmalen, was im Falle eines Atomkrieges passiert wäre. Die Atomkatastrophe von Tschernobyl wäre wohl nichts dagegen gewesen. Übrigens: das Gebiet um Tschernobyl konnte ich bereits 2017 besuchen. Lies hier meinen Bericht darüber. Glücklicherweise kam es aber bis jetzt nicht zu einem Atomschlag. Die Sprengköpfe wurden 1987 von der USA abgezogen.

Die alten Munitionshäuser wurden nach den 2. Weltkrieg entfestigt. Muna Dünsen

Die Muna Dünsen heute

Anfang der 1990 Jahre kam das Ende für die meisten Nutzungen. Seit 2001 findet in der Muna Dünsen keine militärische Nutzung mehr statt. Teile des Geländes sind an verschiedene Nutzer vermietet. Auf Betreiben der umliegenden Gemeinden ist der Wald Baßmerhoop als Naherholungsgebiet für die Öffentlichkeit wieder zugänglich.

Aktuell sind noch viele Bauwerke aus den einzelnen Nutzungsjahren der Muna Dünsen erhalten. Ihr Zustand reicht von sehr guter Erhaltung bis zur totalen Ruine. Mehr und mehr holt sich die Natur den Wald zurück. Das Gelände kann auf mehreren Wegen durchwandert werden.

Unter Urbexern ist das Gelände der Luftmunitionsanstalt sehr bekannt. Das liegt auch daran, das Dünsen öffentlich zugänglich ist. So finden auch mehr und mehr Menschen den Weg hierhin. Schade, dass darunter natürlich auch viele Chaoten sind. Zerstörungen und hingeschmierte Graffities findet man hier überall. Das Gelände wird auch gern als Abenteuerspielplatz genutzt.

Muna Dünsen: Detail an den Schiebetoren eines Munitionsbunkers.

Weitere Details zur Geschichte der Muna Dünsen findest du bei relikte.com. Interessante Geschichten rund um die Luftmunitionsanstalt habe ich dir hier verlinkt.