Lost Places: FDGB-Ferienheim Fritz Heckert

Lost Places: FDGB-Ferienheim Fritz Heckert

Dieser Beitrag wurde am 17.02.2018 veröffentlicht.

Er wurde am 27.08.2021 aktualisiert.

Geschrieben von Torsten Berg

Immer, wenn ich wieder einmal in meiner alten Heimat bin, besuche ich Plätze und Orte, zu denen ich früher bereits mehr oder weniger enge Beziehungen hatte. Unter anderem war ich vor kurzem wieder einmal beim ehemaligem FDGB-Ferienheim Fritz Heckert.

FDGB-Ferienheim Fritz Heckert

Das FDGB-Ferienheim Fritz Heckert ist heute ein Lost Place

Bis 1990 war das Heckert-Heim oder Hekki (wie wir es nannten) ein beliebtes Urlaubsdomizil für die Werktätigen der DDR. Neben den Urlaubern gab es hier auch noch eine Gastronomie, welche auch von den Einheimischen rege genutzt wurde. Vielfach war das Hekki ein Ziel von Wochenendausflügen. Seine Lage lies eine gute Aussicht auf die umliegende Harzlandschaft zu.

Heute ist das FDGB-Ferienheim Fritz Heckert ein Lost Place. Trotzdem befindet sich dieses Gebäude noch auf der Denkmalsschutzliste des Landes Sachsen-Anhalts. Das Ferienheim war der erste Neubau solcherart in der DDR. Es entstand im Stil der klassischen Moderne in den Jahren von 1952 bis 1954. Von der Gestaltung her erinnert es an das Berliner Olympische Dorf. Auftraggeber war damals der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund der DDR (FDGB).

FDGB-Ferienheim Fritz Heckert

Das erste neu gebaute Ferienheim für die Werktätigen der DDR

Auf der Westseite befindet sich der große Eingangsbereich des Gebäudes. Er ragt halbrund geschwungen aus der Flucht des Gebäudes hervor. Vor ihm befanden sich einige Terrassen, auf denen man im Sommer gemütlich draussen sitzen konnte. Im Inneren des Hauses befand sich ein grosses Vestibül und in den einzelnen Geschossen Säle. Die Bettenhäuser schlossen sich an das Eingangsgebäude an.

Die Eröffnung des FDGB-Ferienheim Fritz Heckert erfolgte am 11. Juli 1954. Für damalige Zeiten war es ein modernes Heim, welches Platz für 147 Gäste bot. Insgesamt gab es 85 Urlaubszimmer mit fließendem Kalt- und Warmwasser, zwölf Wannenbäder, sechs Duschräume, zwei Klubräume, ein Schachzimmer, ein Leseraum mit Bibliothek, ein Fernsehraum, ein Billiardraum sowie andere kulturelle und sportliche Einrichtungen. 1969 wurde das Heim um ein Bettenhaus mit 150 Betten sowie eine Gaststätte mit Bar erweitert. Nach der politischen Wende im Jahr 1989 wurde das Heim im Jahr 1990 geschlossen.

FDGB-Ferienheim Fritz Heckert

Seitdem rottet dieses Schmuckstück langsam vor sich hin. Mittlerweile wurde alles noch irgendwie verwendbare aus dem Gebäude entfernt. Fensterscheiben gibt es keine mehr und überall an den Wänden findet man Graffities, Bauschutt und Müll. Für Jugendliche scheint es ein beliebter Abenteuerspielplatz zu sein. Vieles wurde einfach zerstört. Total entkernt steht das Gebäude im Wald. Nach 1990 fand sich bis heute kein Investor.

Meine Jugendweihe fand im FDGB-Ferienheim Fritz Heckert statt

Jugendweihe Torsten Berg

1985 hatte ich hier im FDGB-Ferienheim Fritz Heckert die offizielle Feierstunde für meine Jugendweihe. Von dieser Feierstunde existieren noch ein paar Fotos. Allerdings zeigt keines dieser Bilder Einzelheiten vom Hekki. Denn das Wichtige an diesem Tag waren wir Jugendlichen. Nur vor dem Eingangsbereich entstanden ein paar Gruppenfotos und das nebenstehende Einzelbild.

Die eigentliche Feier nach Beendigung des offiziellen Teiles fand, wie bei vielen meiner damaligen Mitschüler, im privaten Kreis der Familie statt. Abends trafen wir uns dann gemeinsam zum obligatorischen Dorfrundgang zu den einzelnen Familien. Für uns Jugendliche damals war dies auch der Tag, an dem man das erste Mal öffentlich sich so richtig betrinken durfte. Soweit ich mich erinnern kann, haben das einige recht gut ausgenutzt.

Jugendweihe Torsten Berg

Nun ja, Geschichte ist vergangene Zeit. Trotzdem war auch dieser Zeitpunkt ein einschneidendes Erlebnis für mich. Die Jugendweihe war (oder ist) der offizielle Eintritt in die Welt der Erwachsenen. In anderen Zeiten und auch bei anderen Kulturen gab und gibt es dafür andere Rituale und Festlichkeiten.

Jugendweihe Torsten Berg

Wie geht es weiter mit dem Hekki?

Bedauerlich finde ich, dass es für dieses Objekt keine weitere Nutzung mehr gibt. Als Ruine steht es nun in einer wunderschönen Landschaft. Auch wenn es nicht mehr im Ausmass der Jahre in der DDR genutzt würde, dieses Objekt hätte etwas besseres verdient.

[Update] Seit Dezember 2020 gibt es wieder einmal Hinweise auf einen neuen Investor. Lt. einem Bericht der MZ „habe ein Projektentwickler im nichtöffentlichen Teil der Ortschaftsratssitzung in Gernrode … ein Konzept vorgestellt …“. Im Auftrag eines Investors könnten danach hier Ferienappartements mit einem ergänzenden Angebot in Richtung Sport entstehen. Leider gibt es keine weiteren Details zu erfahren. Lassen wir uns überraschen, was die nächsten Jahre für den Lost Place FDGB-Ferienheim Fritz Heckert bringen werden.

Hast du noch alte Fotos oder Dokumente vom Hekki? Wenn du magst, kannst du mir diese gern zur Veröffentlichung zur Verfügung stellen.

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Dieser Beitrag ist Teil meiner Spurensuche zum 50-jährigen Jubiläum, weil ich im Fritz-Heckert-Heim meine Jugendweihe erleben durfte!

Kommentieren, Anregen und Diskutieren

  1. Frauke 29. April 2021 at 20:06 - Reply

    Hallo Torsten, ein sehr schön geschriebener Beitrag zum Hekki, dass ich mir letztes Jahr zweimal angeschaut und fotografiert habe. Für mich hat das Gebäude eine sehr angenehme Atmosphäre, trotz Graffiti und Vandalismus, aber ich habe es genossen, am Ende des Tages auf dem Balkon die untergehende Sonne zu genießen 😊 .
    Viele Grüße, Frauke

  2. Mandy 20. Oktober 2020 at 19:30 - Reply

    Ich studiere Architektur und habe das Fritz-Heckert-Heim momentan als Projekt für eine Bauaufnahme. Falls es irgendwo Grundrisse zu dem Gebäude gibt wäre ich sehr dankbar für Tipps, wo ich diese bekommen kann oder zumindest anfragen kann. Ansonsten ist es ein sehr spannendes Bauwerk und ich war bei meinem Besuch fasziniert von der Größe und der Macht, das es ausstrahlt.
    Wenn es weitere Aufnahmen gibt die Sie gemacht haben, z.b. auch von detailierten Schäden, würde ich mich über eine Antwort freuen.

    Liebe Grüße
    Mandy

    • Torsten 21. Oktober 2020 at 11:10 - Reply

      Hallo Mandy,

      frag doch einfach mal bei der zuständigen Stadtverwaltung oder dem Gernröder Kulturverein nach. Über den aktuellen Stand der Eigentumsverhältnisse kann ich leider keine Auskunft geben.

      Beste Grüsse Torsten

  3. BeA 2. Februar 2020 at 16:15 - Reply

    Interessante Geschichte, schön geschrieben!

    • tberg.de 3. Februar 2020 at 9:02 - Reply

      Vielen Dank! Es freut mich, dass der Beitrag Dir gefällt.

      • Christoph 16. September 2021 at 3:20 - Reply

        Hallo! Habe gestern dort geparkt, um eine kleine Wandertouren zu unternehmen und habe mir dabei die Ruine angesehen. Da ich in unserem alten Familien-Bungalow in einem Heft aus DDR-Zeiten ein Bild des FDGB-Heims gesehen habe, war es sehr interessant, den Vergleich zu jetzt zu sehen, wobei man sich das vor Ort nur noch schwer vorstellen kann, da alles komplett zugewuchert ist.

  4. Matthias Dettmann 12. August 2019 at 10:11 - Reply

    Ich habe zu DDR Zeiten Urlaub in dem damals wunder schöne Heim gemacht und wenn man sieht was daraus geworden ist tut es weh es wäre schön wenn jemand noch Bilder hätte wie es damals aussah

  5. hampe 14. Februar 2019 at 22:51 - Reply

    Wenn ich das Geld hätte würde ich es für einen symbolischen Euro kaufen und originalgetreu wieder herrichten als Hotel. Ich find es echt schade das so ein Gebäude einfach zerfällt und dem Vandalismus
    ausgeliefert ist.

    Beste Grüsse aus der Schweiz, hampe

  6. Tina Hoffmann 26. April 2018 at 19:05 - Reply

    Hallöchen… Ich interessiere mich ebenfalls für diese Lostplaces und finde es traurig, dass sie immer mehr verfallen und dem Vanslismus ausgeliefert sind. Ich würde gerne das „hekki“ mal besuchen, von außen allerdings nur, weil ich zu viel Schiss hab^^ . LG aus dem Harz in der Ellricher Ecke

    • Hermann Thiele 26. August 2021 at 11:24 - Reply

      Ich bin Jahrgang 1938 und 1952 bei der Grunsteinlegung dabei gewesen. Es war vorgesehen für Ausländische Urlauber Franzosen Sowjetbürger. Später wurde es dann dem FDGB überlassen
      War mal ein Hinkucker, und kurz vor WENDE noch einmal vollständig renoviert. Dann der Abstieg durch Vandalismus alles wurde rausgerissen. Es tat weh, wenn man es sah. Später sollte es ein Sanatorium für Krebserkrankung werden,wurde nichts daraus. Jetzt soll es verkauft sein, und hoffentlich erlebe ich es noch,dass es wieder erblühen wird

  7. Susanne 14. März 2018 at 9:06 - Reply

    Ich liebe vergessene Orte! Es ist immer wieder spannend die Geschichte zu diesen Plätzen erfahren und wenn dann jemand diesen Ort noch mit persönlichen Erinnerungen füllen kann.. unbezahlbar.
    Danke für den tollen Eindruck!
    Lieben Gruß, Susanne

    • Torsten 14. März 2018 at 13:20 - Reply

      Hallo Susanne,

      vergessene Orte sind wirklich spannend! Ich liebe es, vor allem Plätze zu besuchen, an denen ich vor Jahren bereits war oder zu denen ich eine bestimmte Erinnerung habe. Danke für deinen Kommentar.

      Beste Grüsse Torsten

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