Lost Places: FDGB-Ferienheim Fritz Heckert

Immer, wenn ich wieder einmal in meiner alten Heimat bin, besuche ich Plätze und Orte, zu denen ich früher bereits mehr oder weniger enge Beziehungen hatte. Unter anderem war ich vor kurzem wieder einmal beim ehemaligem FDGB-Ferienheim Fritz Heckert.

FDGB-Ferienheim Fritz Heckert

Das FDGB-Ferienheim Fritz Heckert ist heute ein Lost Place

Bis 1990 war das Heckert-Heim oder Hekki (wie wir es nannten) ein beliebtes Urlaubsdomizil für die Werktätigen der DDR. Neben den Urlaubern gab es hier auch noch eine Gastronomie, welche auch von den Einheimischen rege genutzt wurde. Vielfach war das Hekki ein Ziel von Wochenendausflügen. Seine Lage lies eine gute Aussicht auf die umliegende Harzlandschaft zu.

Heute ist das FDGB-Ferienheim Fritz Heckert ein Lost Place. Trotzdem befindet sich dieses Gebäude noch auf der Denkmalsschutzliste des Landes Sachsen-Anhalts. Das Ferienheim war der erste Neubau solcherart in der DDR. Es entstand im Stil der klassischen Moderne in den Jahren von 1952 bis 1954. Von der Gestaltung her erinnert es an das Berliner Olympische Dorf. Auftraggeber war damals der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund der DDR (FDGB).

FDGB-Ferienheim Fritz Heckert

Das erste neu gebaute Ferienheim für die Werktätigen der DDR

Auf der Westseite befindet sich der große Eingangsbereich des Gebäudes. Er ragt halbrund geschwungen aus der Flucht des Gebäudes hervor. Vor ihm befanden sich einige Terrassen, auf denen man im Sommer gemütlich draussen sitzen konnte. Im Inneren des Hauses befand sich ein grosses Vestibül und in den einzelnen Geschossen Säle. Die Bettenhäuser schlossen sich an das Eingangsgebäude an.

Die Eröffnung des FDGB-Ferienheim Fritz Heckert erfolgte am 11. Juli 1954. Für damalige Zeiten war es ein modernes Heim, welches Platz für 147 Gäste bot. Insgesamt gab es 85 Urlaubszimmer mit fließendem Kalt- und Warmwasser, zwölf Wannenbäder, sechs Duschräume, zwei Klubräume, ein Schachzimmer, ein Leseraum mit Bibliothek, ein Fernsehraum, ein Billiardraum sowie andere kulturelle und sportliche Einrichtungen. 1969 wurde das Heim um ein Bettenhaus mit 150 Betten sowie eine Gaststätte mit Bar erweitert. Nach der politischen Wende im Jahr 1989 wurde das Heim im Jahr 1990 geschlossen.

FDGB-Ferienheim Fritz Heckert

Seitdem rottet dieses Schmuckstück langsam vor sich hin. Mittlerweile wurde alles noch irgendwie verwendbare aus dem Gebäude entfernt. Fensterscheiben gibt es keine mehr und überall an den Wänden findet man Graffities, Bauschutt und Müll. Für Jugendliche scheint es ein beliebter Abenteuerspielplatz zu sein. Vieles wurde einfach zerstört. Total entkernt steht das Gebäude im Wald. Nach 1990 fand sich bis heute kein Investor.

Meine Jugendweihe fand im FDGB-Ferienheim Fritz Heckert statt

Jugendweihe Torsten Berg

1985 hatte ich hier im FDGB-Ferienheim Fritz Heckert die offizielle Feierstunde für meine Jugendweihe. Von dieser Feierstunde existieren noch ein paar Fotos. Allerdings zeigt keines dieser Bilder Einzelheiten vom Hekki. Denn das Wichtige an diesem Tag waren wir Jugendlichen. Nur vor dem Eingangsbereich entstanden ein paar Gruppenfotos und das nebenstehende Einzelbild.

Die eigentliche Feier nach Beendigung des offiziellen Teiles fand, wie bei vielen meiner damaligen Mitschüler, im privaten Kreis der Familie statt. Abends trafen wir uns dann gemeinsam zum obligatorischen Dorfrundgang zu den einzelnen Familien. Für uns Jugendliche damals war dies auch der Tag, an dem man das erste Mal öffentlich sich so richtig betrinken durfte. Soweit ich mich erinnern kann, haben das einige recht gut ausgenutzt.

Jugendweihe Torsten Berg

Nun ja, Geschichte ist vergangene Zeit. Trotzdem war auch dieser Zeitpunkt ein einschneidendes Erlebnis für mich. Die Jugendweihe war (oder ist) der offizielle Eintritt in die Welt der Erwachsenen. In anderen Zeiten und auch bei anderen Kulturen gab und gibt es dafür andere Rituale und Festlichkeiten.

Jugendweihe Torsten Berg

Wie geht es weiter mit dem Hekki?

Bedauerlich finde ich, dass es für dieses Objekt keine weitere Nutzung mehr gibt. Als Ruine steht es nun in einer wunderschönen Landschaft. Auch wenn es nicht mehr im Ausmass der Jahre in der DDR genutzt würde, dieses Objekt hätte etwas besseres verdient.

Lassen wir uns überraschen,was die nächsten Jahre für den Lost Place FDGB-Ferienheim Fritz Heckert bringen werden. Hast du noch alte Fotos oder Dokumente vom Hekki? Wenn du magst, kannst du mir diese gern zur Veröffentlichung zur Verfügung stellen.

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Torsten

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Hallo,ich bin Torsten. Das Leben machte mich zum Optimisten mit Lebenserfahrung, Abenteurer, Naturschützer, Forstarbeiter, Logistiker, Journalist, Eurovisionär, Sammler, Schriftsteller, Künstler …
Torsten

3 Replies to “Lost Places: FDGB-Ferienheim Fritz Heckert”

  1. Hallöchen… Ich interessiere mich ebenfalls für diese Lostplaces und finde es traurig, dass sie immer mehr verfallen und dem Vanslismus ausgeliefert sind. Ich würde gerne das „hekki“ mal besuchen, von außen allerdings nur, weil ich zu viel Schiss hab^^ . LG aus dem Harz in der Ellricher Ecke

  2. Ich liebe vergessene Orte! Es ist immer wieder spannend die Geschichte zu diesen Plätzen erfahren und wenn dann jemand diesen Ort noch mit persönlichen Erinnerungen füllen kann.. unbezahlbar.
    Danke für den tollen Eindruck!
    Lieben Gruß, Susanne

    1. Hallo Susanne,

      vergessene Orte sind wirklich spannend! Ich liebe es, vor allem Plätze zu besuchen, an denen ich vor Jahren bereits war oder zu denen ich eine bestimmte Erinnerung habe. Danke für deinen Kommentar.

      Beste Grüsse Torsten

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