Lost Place: Sommerhotel im Harz

Lost Place – das Sommerhotel im Harz. Lost Place bezeichnen Orte, die im Zusammenhang mit ihrer einstigen Nutzung in Vergessenheit geraten sind. Vielfach zählen dazu aufgegebene Wohnstätten und Hotels, aber auch Industrieruinen oder militärische Einrichtungen. Viele von ihnen rotten dahin, verfallen oder werden abgerissen. Einige wenige kommen noch einmal in die Ehre eines neuen veränderten Lebens.

Orte mit Geschichte und Seele

Viele dieser Lost Place haben eine lange, abwechslungsreiche und spannende Geschichte zu erzählen. Für jemanden, der sich für diese Geschichten interessiert, eröffnet sich hier ein eindrucksvolles Beschäftigungsfeld. Wenn man sich bewusst auf diese Orte einlässt, offenbaren sie auch vielfach ihre Seele und ihre Geheimnisse.

Ein solcher von mir besuchter Lost Place ist ein Sommerhotel im Harz in der Nähe des wunderschönen Bodetales. In diesem Hotel war auch Theodor Fontane ein Stammgast. Hier beim Blick vom wunderschönen Balkon in den vorgelagerten Park soll er beim Anblick eines lustwandelnden Paares die Idee zu seiner Romanfigur Effi Briest bekommen haben.

Geschichte und Geschichten im Sommerhotel

Im Jahre 1862 baute die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft ihr Streckennetz im Raum Harz aus. 1863 erhielt die Stadt Thale ihren Bahnhof und schuf so die Grundlage für den Ausbau des Sommertourismus. (In ähnlicher Weise erhielt übrigens auch der Ort Waldesruh seine Aufmerksamkeit.) Die Sommerfrischler genießen die ursprüngliche Natur. Im festlichen Ballsaal werden rauschende Feste gefeiert. In den zahlreichen Bettenzimmern der Gebäudeflügel vergnügen sich Adlige und gutbetuchte Bürger.

Über etwa 120 Zimmer und Suiten verfügte dieses zu seiner Zeit vornehmste Hotel im Harz. Doch diese vornehme Zeit dauerte nur rund 50 Jahre. Das nahe gelegene Eisenhüttenwerk (im Jahr 1872 waren 350 Personen dort beschäftigt, 1905 bereits 4400!) verleidete den Urlaubern mit Dreck, Gestank, Qualm und Lärm deren Erholung und die Sommerfrische.

Der herrschaftliche Glanz ist bald vorbei

Im ersten Weltkrieg wurde das Hotel als Lazarett genutzt. Aus dem wunderschönen Balkon mit Blick auf den Park und die Rosstrappe wurde ein Operationssaal. Nach dieser ersten weltweiten Katastrophe nutzt man das Gebäude als Waisenhaus, Krankenkasse, Rathaus und Stadtbibliothek. Mit der deutschen Wiedervereinigung werden die Fenster vernagelt und die Türen verschlossen. Mehrere windige Investoren versprachen ein Wiederaufleben des Gebäudes.

Heute ist Ruhe eingekehrt in die ehemals prunkvollen Gemächern. Was blieb sind bisher Versprechungen. Man kann nur darüber spekulieren, was mit diesem verwunschenen Gebäude geschieht. Seine Seele jedoch hat es sich bis heute bewahrt.

Die einstige Pracht kann man noch erahnen

Viele Details und Strukturen kann man heute noch erkunden. Verwinkelte Flure und Gänge, verzierte und freitragende Metalltreppen. Bunte Glasfenster und alte Türen. Das Glanzstück ist immer noch der reich mit Stuck verzierte Festsaal. Dieser wird von pompösen Kronleuchtern geschmückt. Man könnte meinen, die wohlhabende Gesellschaft feiert hier noch ihre rauschenden Feste. Wer still ist und sich darauf einlässt, kann hier noch die Hotelgäste durch die Hallen wandeln sehen.

Weitere Bilder aus der jüngeren Geschichte vom Sommerhotel folgen demnächst in einem weiteren Beitrag. Möchtest du keinen Beitrag verpassen, abonniere meine Webseite. So erhältst du jedesmal eine Nachricht, wenn ein neuer Beitrag veröffentlicht wird. Die Möglichkeit zum kostenlosen Abo findest du in der Fußzeile auf jeder Seite.

Hallo, ich bin Torsten. Das Leben machte mich zum Optimisten mit Lebenserfahrung, Abenteurer, Naturschützer, Forstarbeiter, Logistiker, Journalist, Eurovisionär, Sammler, Schriftsteller, Künstler …

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