Die Kleine Weser und Werdersee in Bremen

Die Kleine Weser und Werdersee sind eines der beliebtesten Erholungsgebiete in Bremen. Um einen Frühlingsmorgen an der Kleinen Weser in Bremen zu erleben, sollte man schon etwas früher als sonst aufstehen. Man braucht zwar nicht mitten in der Nacht zu starten. Denn zu diesem stadtnahen Erholungsgebiet ist es nicht weit. Mitten durch die Stadt fliesst bekanntlich die Weser und nahe der Innenstadt erhält der zweitlängste Fluss in Deutschland weiteren Zufluss aus dem Werdersee.

Hier am Teerhof mündet die Kleine Weser in die Weser - mitten in der Stadt - Foto vom Hochwasser am 10.02.2020

Morgenstund‘ hat Gold im Mund

Da ich eher ein Morgenmensch bin, bereitet mir das frühe Aufstehen keine Probleme. Ich finde es morgens einfach entspannter. Denn es sind noch nicht allzu viel Menschen unterwegs, die Luft ist noch frisch und das Licht einfach das Beste, was es gibt. Letzteres ist ja gerade für einen Fotografen eine essentielle Notwendigkeit. Sicher das Wetter muss stimmen. Aber auch bei schlechtem Wetter kann man schöne Fotos machen. Das kannst du hier zum Beispiel nachlesen: Fotografieren bei schlechtem Wetter. Mir persönlich macht es einfach Spass, frühzeitig in der Natur unterwegs zu sein. Denn dann entdeckt man immer wieder neue Abenteuer.

Zugang über die Deichschart zur Kleinen Weser

Die Kleine Weser und Werdersee in Bremen

Bremer nennen das ganze Gebiet gern Kleine Weser und Werdersee. Die Kleine Weser ist ein zwei Kilometer langer Nebenarm der Weser. Vom Teerhof flussaufwärts bis zum Stadtteil Huckelriede gehend war der Wasserlauf ein blind endendes Tidegewässer. Nur bei Flusshochwasser erhielt dieser Arm Frischwasser aus der Weser. Schon in den 1930er Jahren wurde hier ein See mit Regattastrecke geplant. Wikipedia Durch diverse Baumaßnahmen und auch den Folgend des Weserhochwassers von 1981 erhielt das Gebiet sein heutiges Aussehen.

Heute sind die Kleine Weser und Werdersee ein beliebtes Paradies für Jogger, Radfahrer und Spaziergänger. An Tagen mit schönem Wetter herrscht auf den Deichen und Wiesen grosses Gedränge. Es gibt sogar ein kleines Strandbad. Diverse Liegewiesen und ausreichend Schatten- und Sonnenplätze laden zum Verweilen ein. Trotzdem gibt es mit einigen kleinen Inseln und dem Röhrichtsaum entlang des Ufers noch naturnahe Bereiche.

Jagende Kormorane auf der Kleinen Weser

NIKON D5100 1/320 s bei f/6,3 ISO 1600 600 mm TAMRON SP AF 150-600 mm F5-6,3 VC USD A011N

Das Jagdverhalten der Kormorane

Ich entschliesse mich mit dem Fahrrad die große Runde um die Kleine Weser und Werdersee herum zu fahren. Damit schaffe ich die Strecke in annehmbarer Zeit und habe noch genügend Zeitpuffer zum Fotografieren. Man weiss ja nie, was einem so alles begegnet. Und es fing gleich spannend an: direkt ab der Wilhelm-Kaisen-Brücke wurde ich auf eine Gruppe von zwanzig Kormoranen aufmerksam. Dies Vögel suchen mittlerweile auch in der Innenstadt nach Nahrung und werden dort auch reichlich fündig. Tagsüber ziehen sie sich dann meistens in ruhigere Bereiche zurück, zum Beispiel in das NSG Neue Weser. Auch am Weserwehr kann man diese schönen Vögel sehr gut beobachten.

Die Vogelgruppe schwamm gemächlich flussaufwärts. Dabei konnte ich einen Teil des beeindruckenden Jagdverhaltens dieser Fischer beobachten. In aufgelockerter Front schwammen sie über das ruhige Wasser. Wie auf ein Kommando machten die Vögel dann eine Rolle vorwärts und tauchten dabei ab. Nach mehreren Metern tauchten sie wieder auf und meistens hatten sie dann auch einen Fisch in ihrem Schnabel.

Komorane, die keinen Fisch erbeutet hatten, versuchten natürlich dem erfolgreichen Jäger etwas von der Beute abzujagen. Aber meistens gingen diese Zwistigkeiten ohne grosse Streitereien zu Ende. Anscheinend gab es genügend Fisch und man brauchte eben nur kurz abzutauchen.

Den ganzen Weg konnte ich die Gruppe Kormorane verfolgen. Ständig spielten sie das gleiche Spiel. Dass ich mit dem Fahrrad unterwegs war, war in diesen Momenten keine gute Idee. Schliesslich hatte ich meine Kamera NIKON D5100 mit dem 600er TAMRON auf einem Einbeinstativ im Einsatz. Also fuhr ich einhändig mit dem Fahrrad 500 Meter voraus und liess die Kormorane an mir vorbeiziehen. Dann wiederholte sich das Spiel bis Höhe des Badestrandes. Die Kormorane schienen satt zu sein und flogen weiter Richtung NSG Neue Weser.

die Prozession: eine Gruppe Reiherenten schwimmt in Formation die Kleine Weser entlang

Vor allem Wasservögel sind hier zu beobachten

Ich radelte die Strecke weiter und genoss die Natur. Am Ufer der kleinen Weser sassen ein paar Angler, meistens schweigsam. Vereinzelt kamen mir ein paar Jogger entgegen. Die Kamera hatte ich immer griffbereit. Vereinzelte Bilder von Reiherenten, Schnatterenten, die unvermeidlichen Stockenten, aber auch von Haubentaucher oder Austernfischer konnte ich schiessen. Mittlerweile ziehe ich diese Art der Jagd auf unsere wilden Freunde vor.

Etwa auf Höhe des Weserkraftwerkes hat man vom Deich des Werdersees bereits einen Blick auf die Röhrichte, naturnahe Auen-Gebüsche und andere Landhabitate des NSG. Unter anderem auch einige als Viehweide genutzte Wiesen. Diese sind eingezäunt und mit Hecken umstanden. Ein lautes Schnattern zog mich hier an. Ich steig vom Fahrrad und pirschte mich bis an die Grenze des Naturschutzgebietes an. Diese ist an dieser Stelle ganz gut durch einen Koppelzaun gekennzeichnet. Auch stehen hier einige Gebüsche und Hecken. Diese bieten einen wunderbaren Sichtschutz. Gerade bei wachsamen Wildgänsen ist es notwendig, möglichst wenig aufzufallen.

Graugänse in Morgenstimmung - gefunden am Werdersee in Bremen

NIKON D5100 1/250 s bei f/6,3 ISO 140 400 mm TAMRON SP AF 150-600 mm F5-6,3 VC USD A011N

Unter anderem konnte ich auch das obige Foto von der Gruppe Graugänse machen. Diese waren es nämlich, die mein Interesse durch ihr lautes Geschnattere geweckt haben. Anfang der 1970er Jahre umfasste die gesamte europäische Population der Graugänse nur noch etwa 20.000 Tiere. Durch Schutzmassnahmen, dem Schutz von Lebensräumen und dem teilweisen Verzicht auf die Bejagung konnte sich der Bestand im Jahr 2003 auf etwa 250.000 Tiere erhöhen. Wikipedia. So ist es auch kein Wunder, dass die Graugans zumindest in Norddeutschland mittlerweile ein Allerweltsvogel ist.

Fotos von Graugänsen habe ich eigentlich mittlerweile massig. Dennoch gefällt mir dieses Foto persönlich sehr. Nicht nur, dass die Gänse völlig ungestört weiter äsen. Auch die Lichtsituation am Morgen und der feine Nebel im Hintergrund gefallen mir sehr. Hinzu kommt die abnehmende Tiefenschärfe, die bereits in der Gänsegruppe anfängt. Bewusst habe ich den Fokus hier auf die vordersten Tiere gesetzt.

Bus verpasst? Wildes Bremen an der Kleine Weser und Werdersee äsende Graugänse vor der Erdbeerbrücke

Auf dem Heimweg von meiner Runde um die Kleine Weser und Werdersee gelang mir dann noch ein kleiner Schnappschuss für mein Wildes Bremen. Passenderweise fuhr gerade ein Bus der BSAG über die von Bremern liebevoll Erdbeerbrücke genannte Karl-Carstens-Brücke. Ob die frühen Busfahrer jedoch ein Auge für die Natur hatten, wage ich zu bezweifeln.

Auch an diesem Morgen sind wieder einige Fotos entstanden. Nach Sichtung und notwendigen Aussortieren werden die schönsten davon einen bleibenden Platz auf meiner Festplatte finden. Die besten werden natürlich entwickelt und für euch hier präsentiert. Ich hoffe, meine Auswahl gefällt euch auch!

Jetzt seit ihr dran: Seit ihr eher die Lerche oder die Nachtigall? Mögt ihr eher morgens oder abends fotografieren? Oder eher weder noch? Schreibt es mir in den Kommentaren!

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