Kellogg’s Bremen lieferte seit 1964 die bekannten Frühstücksflocken aus Bremen in die Welt. Bis zum 23.11.2017 als die letzte Schicht begonnen hatte. Seitdem wartet das Areal der Kellogg’swerke auf eine neue Nutzung. Den Stillstand durfte ich noch einmal für einen kleinen Rundgang nutzen.

Kellogg's Bremen - von der Industriefläche zur Überseeinsel

Aus Bremen schickte Kellogg’s seine Frühstücksflocken in die Welt

1963 wurde Kellogg Deutschland in der Hansestadt Bremen gegründet. Ein Jahr später nahm dann das Werk die Produktion seiner Frühstücksflocken auf. Knapp fünfzig Jahre produzierte das Unternehmen Frühstückscerealien in Bremen. Nachdem bereits 2014 Kellogg Deutschland seinen Sitz nach Hamburg verlegte, kam 2016 das endgültige Aus auch für den Produktionsstandort Bremen.

Mehr als 200 Mitarbeiter waren von der Schliessung betroffen. Neben diesen menschlichen Schicksalen bleibt in allerbester Citylage direkt an der Weser ein fünfzehn Hektar grosses Stück Industriebrache über. Aber hier soll in den nächsten Jahren etwas ganz Grosses passieren!

Noch in diesem Jahr soll der Abriss der Gebäude erfolgen. Bereits jetzt schon kann man die Vorarbeiten sehen. Bald wird sich das alte Gelände von Kellogg’s Bremen mit neuem Gesicht zeigen. Hier kannst du noch einmal einen kleinen Blick in das ehemalige Gebäude werfen.

Auch wenn das Gelände kein wirklich vergessener Ort in Bremen ist, an Anziehungskraft hat Kellogg’s Bremen nichts verloren. Glücklicherweise ist es mir gelungen, noch einmal die Möglichkeit zu einem Rundgang auf dem Gelände zu erhalten. Vielen Dank noch einmal an die Überseeinsel GmbH, die diesen Besuch ermöglichte.

Kellogg's Bremen - von der Industriefläche zur Überseeinsel

Kellogg’s Bremen – von der Industrie zur Überseeinsel

Viel ist nicht mehr zu sehen. Grosse Erd- und Sandwälle lagern zwischen den Gebäuden. Die ersten Baumaschinen sind bereits stationiert. Es ist, als warte alles auf den grossen Startschuss. Der Abriss der grossen Lagerhalle ist im vollen Gang. Auf dem gesamten Gelände soll eine attraktive Mischung aus Wohnen und Büro entstehen.

Im Silo von Kellogg’s Bremen wird ein Hotel mit 120 Zimmern gebaut. Auch für öffentliche Plätze und Grünanlagen soll genügend Platz vorhanden sein. Wer möchte, kann hier einen kleinen Blick in die Zukunft wagen. Ohne Zweifel, es wird schön werden, wie ich bereits bei einem Fotowalk in der Überseestadt an anderer Stelle sehen konnte. Schön, aber auch austauschbar.

Zurück in die Gegenwart: noch findet man hier dieses eigenartige Feeling eines alten stillgelegten Fabrikgeländes. Marode Industrieanlagen und langsam verwitternde Gebäude. Als ob das Gelände vor kurzem erst verlassen wurde, hängen noch Reinigungslisten an den Türen. Irgendwann Mitte Mai 2017 hören die Eintragungen auf.

In einigen Ecken türmt sich der Gewerbemüll, in anderen Ecken erobern sich erste Ruderalpflanzen den Lebensraum. Beim Blick in die alten Hallen brennt sogar noch Licht. Also Leben ist hier doch noch etwas drin. Ein kleiner Trost bleibt: die Silhouette des Kellogg’s Bremen Silo soll wohl erhalten bleiben. So wird wohl wenigstens der Schriftzug des Unternehmens nicht aus dem Stadtbild verschwinden.

Kellogg's Bremen - von der Industriefläche zur Überseeinsel

Nichts ist so beständig wie der Wandel

Es ist wohl der Lauf der Zeit, dass sich durch gesellschaftlichen Wandel auch unsere Städte und unser Lebensumfeld ändern. Wenn sich nichts verändert, wäre es ja auch schlimm. Nicht immer aber ändern sich Dinge zum Besseren. Ich persönlich habe den industriellen Wandel in der DDR miterlebt. Dort hat sich schlagartig – quasi über Nacht – vieles geändert. Innerhalb weniger Jahre schlossen viele Betriebe. Die ehemals dort arbeitenden Menschen verloren nicht nur ihren Arbeitsplatz. Mit ihm verloren sie auch Teile ihrer Identität, waren sie doch viele Jahre dort beschäftigt.

Deutschland, Europa, eigentlich die ganze Welt verändert sich momentan sehr schnell. Die Werftenkrise, das Ende des Sozialismus, das Aus der Steinkohle, der Austritt aus der Kernenergie und nun der Umbau zu einer „ökologischen“ Gesellschaft: all diese Ereignisse und Entscheidungen tragen dazu bei, dass sich Städte und Landschaften verändern.

Dass viele dieser Veränderungen auch mit teils harten Einschnitten verbunden sind, steht meistens auf einem anderen Blatt. Oft werden diese negativen Begleiterscheinungen gern verschwiegen und uns erst im Nachhinein bewusst. Umso schöner ist es aber, wenn aus dem Alten etwas Neues und Nützliches wird. ich freue mich schon auf die „neue“ Überseeinsel!