Bremen und Kaffee sind untrennbar miteinander verbunden. Noch heute sind die bremischen Häfen die wichtigsten Importstationen für Kaffee in Deutschland. Viele der bekannten Kaffeemarken haben ihren Ursprung in der Hansestadt. Einen grossen Anteil am Erfolg des Kaffees hat der Bremer Kaufmann Ludwig Roselius. Er gründete 1906 mit Kaffee HAG (der Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft) in Bremen die erste Kaffeefabrik Europas.

Kaffee HAG in Bremen - Denkmal und lost place

Kaffee HAG in Bremen – Denkmal und lost place

Kaffee HAG in Bremen war mit einem Startkapital von 1,5 Millionen Mark gleichzeitig auch das erste Unternehmen weltweit, welches koffeinfreien Kaffee herstellte. Die Produktion begann 1907 in der neu errichteten Fabrikanlage im Holz- und Fabrikenhafen von Bremen. Schon in der Anfangszeit konnten 13.000 Pfund Kaffee täglich verarbeitet werden.

In der Hagstraße und am Fabrikenufer in Bremen wurde von 1899 bis 1915 in verschiedenen Bauphasen ein Ensemble von Fabrikgebäuden erstellt. Die Fabrik ist ein architekturgeschichtlich prägender Bau für die Reformbestrebungen im Fabrikneubau. Das Ensemble und die Einzelbauten sind ein hochrangiges Bremer Denkmal.

Zum denkmalgeschützten Ensemble gehören:

  • Kaffee-HAG-Werk I, das 1906–1907 nach Plänen von Hugo Wagner entstand und 1914–1915 von dem Bremer Industriearchitekturbüro Hildebrand & Günthel erweitert wurde,
  • Kaffee-HAG-Werk II, Cuxhavener Straße 28 / Fabrikenufer / Hagstraße, besteht aus den beiden fünfgeschossigen Speicherbauten Speicher I und II der ehemaligen Kaba-Produktion, die 1906 bzw. 1912 von Hildebrand & Günthel für die Ölmühle Groß-Gerau-Bremen in Betonskelettbauweise, jedoch mit Mauerwerk-Außenwänden errichtet wurden, sowie das frühere Maschinenhaus der Ölmühle Groß-Gerau-Bremen 1899 von Hildebrand & Günthel
  • auch als Einzeldenkmal der Marmorsaal im Lagererweiterungsgebäude der Kaffee HAG, gebaut 1914 nach Plänen von Hildebrand & Günthel.                                                                   (Quelle: Wikipedia)

Kaffee HAG in Bremen - Denkmal und lost place

Wechselvolle Geschichte der Kaffeefabrik

Nach jahrzehntelanger Nutzung des Werks zur Kaffeeproduktion verkaufte der Sohn des Unternehmensgründers 1979 die Firma Kaffee HAG an das US-amerikanische Unternehmen General Foods Corporation, die 1981 als Kaffee HAG AG mit der General Foods GmbH in Elmshorn zur HAG GF AG fusionierte. 1987 wurde die Produktion im Kaffee-HAG-Werk I weitgehend beendet. Ein Großteil der Betriebsgebäude steht seit 1994 leer und ein Teil der Werksgebäude wurde abgerissen.

2007 erwarb ein holländischer Investor das Fabrikgelände, der die Hallen und Gebäudeensembles weitervermietete. Als Verwalter wurde die Sirius Facilities GmbH eingesetzt, die deutschlandweit Gewerbeimmobilien bewirtschaftet. Hier auf dem Kaffee-HAG-Gelände sollte ein moderner Businesspark entstehen. In einer Infobox an der Hagstrasse kann man sich noch über die damaligen Planbungen informieren. Nach vollmundigen Ankündigungen verharrten aber die rund 35.000 m² mit den unter Denkmalsschutz stehenden Gebäuden im Dornröschenschlaf.

Kaffee HAG in Bremen - Denkmal und lost place

2009 gerät das Kaffee-HAG-Gelände aber im Rahmen der Neuentwicklung der Überseestadt wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.  In einem der früheren Fabrikgebäude hat seit 2009 die Lloyd Kaffeerösterei ihren Sitz. Neben der Röstung und dem Verkauf von eigenem Kaffee wird hier ebenfalls das Lloyd-Kaffee betrieben und auch der prächtige Marmorsaal bewirtschaftet.

Seit 2019 hat das Kaffee HAG Gelände einen neuen Eigentümer. Die HAG-Gewerbepark GmbH will sich hier vor Ort nach Berichten aus dem Weser-Kurier langfristig engagieren. Gefragt sei eine nachhaltige Nutzung als Industriestandort. Lt. den neuen Eigentümern soll es keine Lofts, keine Wohnungen oder neue Büros geben.

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Weitere Informationen

Weserkurier 15.09.2016 Aus nach 109 Jahren: JDE schließt Kaffee Hag-Werk

Weserkurier 13.01.2019 Kaffee-Hag-Gelände hat einen neuen Besitzer

Weserkurier 12.12.2020 Neue Pläne für das Hag-Quartier in der Überseestadt

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