Zum Instawalk im Staatsarchiv Bremen hatte die Bremer Touristikzentrale und bremen.de geladen und ich durfte dabei sein. Inmitten von Aktenbergen, Regalen und Unmengen alter Fotos konnten wir als Teilnehmer einmal hinter die Kulissen des Bremer Staatsarchivs schauen. Dabei haben wir erfahren, dass das Leben als Archivar gar nicht so staubtrocken ist wie es auf den ersten Blick scheint.

Instawalk im Staatsarchiv Bremen

Instawalk im Staatsarchiv Bremen – in zwei Stunden durch Jahrhunderte

Für mich war es das erste Mal, dass ich an einen Instawalk teilnehmen durfte. InstaWalk ist ein zusammengesetztes Wort. Es setzt sich aus dem Fotodienst Instagram und dem englischen Walking (Spaziergang) zusammen. Quasi ist also ein Instawalk ein Spaziergang, der mit Fotos auf Instagram bebildert wird. Dabei ist es nicht zwangsläufig so, dass nur mit dem Smartphone die Fotos geschossen werden dürfen.

Leider konnte ich sogar im Duden dieses Wort noch nicht finden. Aber Instawalks sind seit ein paar Jahren modern geworden. In Bremen war es dieses Mal sogar der zehnte offizielle Instawalk. Da man bei solchen Gelegenheiten oft auch die Möglichkeit hat hinter die Kulissen zu schauen, meldete ich mich einfach einmal an und sie da – ich war auf der Liste.

Der Instawalk im Staatsarchiv Bremen fand unter dem Motto „Schnee von gestern …“ statt. Das Bremer Staatsarchiv ist eine der ältesten Bremer Einrichtungen. Erstmals schriftlich erwähnt wurde es 1221 in einer Chronik. Heute ist es als modernes Archiv gleichzeitig auch ein Dokumentations- und Informationszentrum.

Neben der Übernahme und Pflege des amtlichen Schriftgutes übernimmt das Staatsarchiv auch Unterlagen aus nichtamtlichen Schriftgutes. So findet man hier auch Privatnachlässe einzelner Personen über Familienarchive bis hin zu Firmen und Vereinen. Zur Nutzung steht das Archivmaterial im Rahmen der rechtlichen Grundlagen jedermann frei. Unter anderem kann man hier im Staatsarchiv auch Familienforschung betreiben.

Instawalk im Staatsarchiv Bremen

Herzliches Willkommen und meine Gedanken an früher …

Pünktlich öffneten sich für uns Instawalker die Türen zum sonst am Samstag geschlossenen Staatsarchiv. Schon im Foyer konnten wir einen Blick auf einige Schätze des Archives werfen. Freundlich wurden wir vom Leiter des Archivs, Herrn Prof. Elmshäuser begrüsst. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte, das Gebäude und die Aufgaben des Archives ging es dann für uns richtig los.

Die Mitarbeiter des Staatsarchives hatten für uns kleine Stationen aufgebaut. Hier konnten wir viel Wissenswertes über den jeweiligen Bereich erfahren. So entwickelte sich schnell das ein oder andere Gespräch. Vielfach konnten wir kleine Schätze sehen oder selbst auch herumstöbern. Dadurch erhielten wir einen guten Eindruck von den Aufgaben und den Arbeiten in einem Archiv.

Ich glaube schon, dass die Arbeit hier alles andere als staubtrocken ist. Dunkle, trockene und staubige Archivräume – das war einmal. Aber seien wir einmal ehrlich:

Blogger sind ja auch irgendwie Chronisten und Archivare ihrer Zeit.

(von mir)

Ok, ich bin vielleicht etwas vorbelastet. Schon in meiner Schulzeit war ich neben dem Naturschutz in der Arbeitsgemeinschaft Junge Heimatforscher tätig. Sogar beim Aufbau der Heimatstube unseres Ortes war ich damals in der Schulzeit dabei. Nicht zuletzt hat ja auch Naturschutz selbst mit Geschichte zu tun. Archive sind mir von daher nicht unbekannt. Auch in der Geschichte meiner Familie forsche ich noch heute tatkräftig.

Instawalk im Staatsarchiv Bremen

Entdeckungstour durch das Staatsarchiv

Toll am Instawalk im Staatsarchiv Bremen fand ich, dass wir nicht in einer grossen Gruppe durch das Gebäude geführt wurden. Vielmehr durften wir uns frei bewegen. So kam es auch zu keinen grossen Drängeleien und man rannte sich nicht gegenseitig vor den Linsen (oder Handys) herum.

Das Staatsarchiv ist – wie bereits gesagt – für jeden Interessierten im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften nutzbar. Für Besucher steht ein schöner Lesesaal zur Verfügung. Hier können die vorab beantragten Unterlagen eingesehen werden. Das grosse Wandfries über den Regalen stellt auf acht Tafeln die Städte Bremen und Bremerhaven dar.

Im Staatsarchiv werden fast täglich neue Archivalien aufgenommen. Alle Posten werden kritisch beschaut. Gerade in nichtamtlichen Archivalien findet sich vieles, was nicht wirklich wertvoll zur Archivierung ist. Denn auch im Archiv ist nicht unendlich Platz.

Instawalk im Staatsarchiv Bremen

Nach Erfassung, Beurteilung und Begutachtung des Zustands finden die Unterlagen ihren Platz im Magazin des Archivs. Der aktuelle Bestand umfasst cirka 11.000 Regalmeter Akten, Dokumente, Bilder und Plakate. Jährlich kommen ungefähr 100 Regalmeter neu hinzu. Viele der Unterlagen werden im Laufe der Zeit digitalisiert.

Instawalk im Staatsarchiv Bremen

Für Restaurations- und Erhaltungsarbeiten steht eine Restaurier- und Buchbindewerkstatt zur Verfügung.

Instawalk im Staatsarchiv Bremen

Im Bildarchiv werden seit 1937 Fotomaterialien aller Art aus der Stadt und dem Land Bremen gesammelt. Derzeit kann man in der Bildsammlung rund 1,6 Millionen Fotos und Negative finden. Der Bestand reicht vom privaten Familienalbum aus dem Bremer Alltag bis hin zu offiziellen politischen Anlässen.

Fotowerkstatt und Bildarchiv waren meine Highlights

In der archiveigenen Fotowerkstatt können Reproduktionen der gesammelten Bilder angefertigt werden. Zudem werden hier auch Fotos für die Veröffentlichungen des Staatsarchiv gemacht. Ein besonderes highlight für mich in der Fotowerkstatt war die Sammlung der alten Gerätschaften aus dem Fotolabor. Diese sind teilweise auch heute noch im Einsatz. Das Treiben in der Dunkelkammer ist mir nicht fremd und so war ich erfreut, diese alten Gerätschaften wieder zu sehen.

Instawalk im Staatsarchiv Bremen

Das Gebäude des Staatsarchivs selbst steht seit 2008 unter Denkmalschutz. Eingeweiht wurde das Gebäude 1968. Der auffällige Magazinturm besitzt acht Ober- und zwei Kellergeschosse und ist mit persischem Travertin verkleidet. Aus früheren Archivzeiten sind noch einige der Einrichtungsgegenstände erhalten geblieben. So auch der alte Treseschrank aus dem 18. Jahrhundert oder verschiedene alte Urkundenschränke aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Instawalk im Staatsarchiv Bremen

Weitere Schätze durften wir auch bewundern. So unter anderem auch die erste gedruckte Ausgabe der Bremer Stadtmusikanten aus dem Jahr 1819. Diese gilt übrigens auch als Grund, warum in Bremen dieses Jahr 200 Jahre Stadtmusikanten gefeiert werden.

Instawalk im Staatsarchiv Bremen - Schnee von gestern?

Ich persönlich fand den Instawalk im Staatsarchiv Bremen sehr interessant. Abseits vom Publikumsverkehr gab es genügend Zeit, sich hinter den Kulissen umzuschauen. Vielen Dank noch einmal an Herrn Prof. Elmshäuser und seinem Team für die freundliche Aufnahme und die zahlreichen Erläuterungen. Ebenfalls vielen Dank an bremen.de für die Möglichkeit der Teilnahme.

Meinen Instagram-Account findest du übrigens hier. Gern kannst du mir auch auf den anderen Netzwerken Facebook, Twitter und Pinterest folgen. Um keinen Beitrag auf tberg.de zu verpassen, kannst du dich gern in meinen Newsletter eintragen oder den RSS-feed abonnieren.