Im Land der Nandus in Deutschland

Wer das Land der Nandus besuchen möchte, braucht nicht zwangsläufig den Flieger nach Südamerika zu nehmen. Seit 2000 ist dieser majestätische Vogel  auch im nordwestlichen Teil des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern anzutreffen. Die Geschichte der hier lebenden Population ist eine erfolgreiche Flüchtlingsgeschichte. Im Jahr 2000 gelang einigen Tieren der Ausbruch aus einer Liebhaberzucht aus Groß Grönau in der Nähe von Lübeck.

Im Land der Nandus in Deutschland

Flucht in den Osten

Glücklicherweise entschlossen sich die Tiere erst zur Flucht, als die Grenzanlagen der DDR bereits einige Jahre abgebaut waren. So konnten die Vögel unbehelligt nach Osten in das ehemalige Grenzgebiet flüchten. Hier im Grünen Band östlich des Ratzeburger Sees fanden die Nandus ideale Lebensbedingungen. Hilfreich war sicherlich auch der immer weiter zunehmende Anbau von Raps für die Biotreibstoffproduktion. Raps wird nämlich im Herbst gesät und treibt noch vor dem Winter aus. Gedeckter Tisch im Winter für die Nandus. So überstanden die Tiere auch den extrem schneereichen Winter 2009/2010. Anscheinend macht ihnen ebenfalls das schmuddelige norddeutsche Wetter nichts besonderes aus.

Wer die Region im heutigen Biosphärenreservat Schaalsee besucht, befindet sich in einer bemerkenswerten Landschaft. Hier abseits der Großstadthektik scheinen die Uhren noch etwas langsamer zu gehen. Kleine Ortschaften liegen verstreut in der Gegend und heißen Utecht, Schlagsdorf, Groß Molzahn oder Rieps. Die Gegend prägen Felder, Sumpf, Seen und kleine Wälder. Touristisch ist das Gebiet noch nicht vollends entdeckt, nur zur Sommerzeit wird es in den Orten um die Seen herum wohl etwas voller.

Das Land der Nandus

Aufgrund der Geschichte und der hier anzutreffenden Natur hat die Gegend trotzdem einiges Sehenswertes zu bieten. Unter anderem die einzigen wildlebenden Nandus in Deutschland und in Europa. Hervorgegangen aus der kleinen geflüchteten Gruppe, die sich erfolgreich allen Einfangaktionen widersetzt hat. Oder war es eher die Sorglosigkeit, daß die Tiere die kalten Winter sowieso nicht überstehen würden?  Heute ist die entstandene Population mit ca. 150 Tieren quasi bereits eingebürgert und integriert. Mecklenburgische Politiker zählen die Nandus bereits zu den heimischen Wildtieren.

Dabei können auch Insekten und sogar Eidechsen gefressen werden.

Es ist schon etwas Aussergewöhnliches, mitten auf deutschen Äckern diese imposanten Laufvögel zu sehen. Hier verhalten sie sich ganz unauffällig und beachten sogar den Straßenverkehr auf den kleinen Landstraßen. Aufgrund ihrer Größe sind sie auf Äckern kaum zu übersehen. Zudem haben die Nandus hier in Deutschland auch keine natürlichen Feinde. Höchstens ein Seeadler oder ein Fuchs könnten kleinere Kücken erbeuten. So ist die Fluchtdistanz der Nandus auch ziemlich niedrig. Allerdings sollte man den Vögeln trotzdem nicht zu nahe kommen. Ihr Verhalten und ihr Körper täuschen über ihre eigentliche Wehrhaftigkeit hinweg.

Die Nandus leben in kleinen Gruppen von fünf bis dreißig Tieren zusammen. Zur Paarungszeit lösen sich die Gruppen mehr oder weniger auf und die Hähne werden territorial. In ihrem Revier scharen sie dann mehrere Hennen um sich. Revier und Weibchen werden mit Schnabelhieben und Tritten verteidigt. Nachdem die Hennen ihre Eier abgelegt haben, ziehen sie weiter zum nächsten Hahn. Das zurückbleibende Männchen bebrütet das Nest allein und stellt sich auch schützend vor die Eier und Jungtiere.

Im Land der Nandus in Deutschland

Der Nandu ist nicht unumstritten

Unter Bauern und auch Naturschützern ist der Nandu nicht unumstritten. Die Bauern sagen, der Vogel vernichte ganze Äcker und richtet einen immensen Wildschaden an. Einige Naturschützer meinen, durch die invasive Art der Nandus werden seltene Insekten, Lurche und Kriechtiere ausgerottet. Diese Besorgnisse waren Grund genug für das Bundesamt für Naturschutz jetzt ein Programm zur Überwachung und Entwicklung der Nandupopulation ins Leben zu rufen. Hierbei sollen unter anderen auch die Einflüsse dieser Vögel auf die alteingesessenen Tier- und Pflanzenwelt untersucht werden. Anhand dieser Ergebnisse wird dann wohl beurteilt werden, ob der Immigrant aus Südamerika weiteres Bleiberecht in Deutschland genießen darf.

Für die weitere touristische Entwicklung der Region östlich des Ratzeburger Sees könnte der Nandu eine bedeutende Rolle spielen. Aus anderen Regionen Deutschlands ist bekannt, daß Naturerlebnisse wie die Brunft der Rothirsche oder der Zug der Kraniche beispielsweise eine wachsende Besucherzahl zur Folge haben. So könnten auch im Land der Nandus diese imposanten Neubürger für einen weiteren Tourismusfaktor werden.

Interessante Links zu den Nandus in Deutschland:

  1. Informationsseite der Arbeitsgruppe Nandumonitoring
  2. Einzigartig in Europa – Nandus in freier Wildbahn
  3. Fremde Federn – Nandus in Deutschland
  4. Mecklenburg-Vorpommern: Nandus vergrößern ihren Lebensraum weiter
  5. Biosphärenreservat Schaalsee

Hallo, ich bin Torsten. Das Leben machte mich zum Optimisten mit Lebenserfahrung, Abenteurer, Naturschützer, Forstarbeiter, Logistiker, Journalist, Eurovisionär, Sammler, Schriftsteller, Künstler …

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