Ich bin dann mal die Welt retten

Können wir noch die Welt retten? Angesichts von Erderwärmung, Klimakatastrophe, Ressourcenverbrauch, Artensterben und weiteren hausgemachten Katastrophen ist diese Frage schwerlich zu beantworten. Sollen wir überhaupt noch etwas versuchen, um die Welt retten zu können? Meinerseits ein eindeutiges JA! Warum sollen wir eigentlich die Welt retten? Echt? Ihr fragt nach dem Warum?

Kraniche in der Diepholzer Moorniederung © Torsten Berg

Müssen wir die Welt retten?

Zahlen, Daten und Fakten, wie es um unsere Erde und unserer Natur bestellt ist, können wir jeden Tag mehrmals hören, lesen und sehen. Jedoch scheint es mir oft so, als ob diese Dramatik vielen Menschen schlichtweg egal ist. Man kann nicht anders, es ist bequem, man lebt nur einmal, der Kunde verlangt es so! Diese und andere Aussagen höre ich immer wieder in Diskussionen.

Fakt ist, wir Menschen leben über unsere Verhältnisse. Der aktuelle Living Planet Report 2016, untersucht und stellt unseren Umgang mit unserer Erde dar. Er ist nichts anderes als eine globale Bestandsaufnahme über den Zustand der Welt – quasi die Krankenakte der Erde. Das Ergebnis ist erschütternd. Wer mag, kann sich hier die deutsche Kurzfassung anschauen. Wir verbrauchen jetzt im Vergleich zum Vorjahr die Ressourcen von mehr als 1,5 Erden.

Mein fotografischer Rückblick auf das Jahr der Natur 2016

Jedoch mehr als der erhobene Zeigefinger und mehr als alle trockenen Zahlen zusammen, können wohl nur persönliche Begegnungen und Erfahrungen zum Handeln bewegen. Im Rahmen der Living Planet Tour konnte ich dieses wieder einmal gestern Abend erleben. In Bremen zeigte Dirk Steffens in einem großartigen Multimediavortrag wie diese persönliche Sensibilität im Umgang mit unserer Umwelt auch ganz konkret zum Umwelt-, Tier- und Naturschutz beitragen kann.

Persönliche Erlebnisse sind wirksamer als trockene Zahlen, Daten und Fakten

Ich bin dann mal die Welt retten

Ich weiß nicht, ob meine Faszination für unsere Natur bei mir angeboren ist. Schon als Kind erhielt ich von meinen Eltern und meiner Familie vielerlei Gelegenheit, mich mit der Natur zu beschäftigen. Sei es bei Entdeckungen und der Mithilfe im eigenen Garten, bei der Betreuung der Kaninchen oder der Pflege des eigenen Aquariums. Ich verschlang Bücher über die Natur und konnte ganze Abende lang den Dokumentationen von Grzimek, Sielmann oder Heinrich Dathe zuschauen.

Mit meinem Vater ging ich auf Tümpeltour um Wasserflöhe für unsere Aquarienfische zu fangen. Mit meinen damaligen Freunden aus der Kindheit streunerte ich auf dem Bauernhof herum oder wir waren unterwegs in Feld und Flur. Vielfach unternahmen meine Eltern mit mir und meinen Geschwistern Touren, Wanderungen und Reisen. Nicht in ein schickes Ferienressort mit all-inclusive-Angeboten, sondern vielfach in ein kleines Ferienhaus in den schönsten Ecken der damaligen DDR.

Momente, die faszinieren

Ich bin dann mal die Welt retten

Das sind die Momente, die mich damals und auch heute noch faszinieren! Bei einem Urlaub in Templin in der schönen Uckermark erlebte ich meinen ersten Froschregen. Ich als kleiner Junge in Gummistiefeln und Regenmantel mitten auf einem Sandweg und um mich herum viele tausende kleiner Frösche. Diese verließen nach einem warmen Sommerregen ihr Gewässer, um nach der Umwandlung von einer Kaulquappe das Landleben zu beginnen. Solche Momente bleiben unvergesslich!

Mein Berufswunsch stand fest, ich wollte irgend etwas mit Tieren und Natur werden. Forscher, Entdecker oder Zootierpfleger. Am Ende wurde ich Forstfacharbeiter. Und das war auch gut so. Die Lehrzeit verbrachte ich naturgemäß viel im Wald. Spannende und faszinierende Momente und Erlebnisse inklusive. Dank meinem damaligen Revierförster kam ich zur Naturschutzarbeit. Die Begeisterung für die Natur wuchs weiter.

Naturschutzarbeit wird mehr und mehr zur politischen Arbeit

Ich bin dann mal die Welt retten

Mit dem Fall der Mauer und der politischen Wende wurde aus der aktiven Naturschutzarbeit mehr und mehr auch ein politisches Ringen für den Erhalt der Natur. Gleichzeitig wuchs auch die Sorge, etwas zu verlieren. Mehr und mehr unserer Natur nämlich. In Gebieten, in denen sich in den letzten zwanzig Jahren nur langsam etwas verändert hatte, wurden schlagartig Baugebiete ausgewiesen, Industrie- und Gewerbegebiete erschlossen, Straßen und Autobahnen gebaut.

Ich bin dann mal die Welt retten

Wo früher Ketten von Rebhühnern aus dem Feldern aufstiegen, Feldlerchen sich in die Lüfte schwangen oder Frösche quakten, war auf einmal Stille. Kein Summen und Brummen mehr. Das Naturerlebnis beschränkt sich außerhalb von Schutzgebieten auf Allerweltsarten. Und selbst diese werden immer weniger Individuen. Streuobstwiesen wurden gegen Supermärkte und Eigenheimen eingetauscht. Steinkauz und Enzian verloren ihren Lebensraum und wir verloren auf diesen Flächen den Steinkauz und den Enzian.

Wir verbrauchen immer mehr Flächen, Rohstoffe, Nahrungsmittel und andere Ressourcen für unsere Lebensweise. Wir leben seit 150 Jahren auf Pump von dem, was die Erde in Jahrmillionen hervorgebracht hat und heute noch hervorbringt. Doch wir verbrauchen mehr als wir zur Verfügung haben – aktuell die Ressourcen von mehr als 1,5 Erden. Das so etwas nicht lange gut gehen kann, weiß man durch den Blick auf das eigene Girokonto.

Ich bin dann mal die Welt retten

Zahlen müssen für unseren übermäßigen Verbrauch wir und andere: Menschen, die durch den Anstieg der Meeresspiegel ihr Land verlieren. Menschen, die durch regionale Wetterphänomene ihre Habe, ihr Gut und ihr Leben verlieren. Kinder, deren Kindheit darin besteht für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Tiere und Pflanzen, die einfach aussterben.

Aber es gibt auch Erfolge zu feiern

Doch es gibt nicht nur schreckliche Nachrichten aus unserer Zeit. Die Bestände von Seeadlern, Kranichen, Uhus und Bibern sind in den letzten Jahren wieder angestiegen. Wolf und Luchs sind wieder in Deutschland heimisch. Der damalige US-Präsident Barack Obama schuf im August 2016 das größte Meeresschutzgebiet der Welt um Hawaii – die Region mit dem komplizierten Namen Papahānaumokuākea umfasst 1,5 Millionen Quadratkilometer. Und schon Mitte Oktober 2016 einigten sich 24 Nationen und die EU auf ein noch größeres Schutzgebiet im antarktischen Rossmeer – nach Ende der kommenden Fangzeit im Dezember 2017 – 1,55 Millionen Quadratkilometer unter Schutz. Es wird das grösste Naturschutzgebiet der Erde und das erste in internationalen Gewässern sein.

Am 11. Juli 2016 pflanzten 800 000 Freiwillige in Indien binnen 24 Stunden 49,3 Millionen Bäume. 92 Staaten haben das Pariser Klimaschutzabkommen ratifiziert. Zusammen tragen sie zu 65,8% der weltweiten Emissionen bei. Nicht alles ist schlecht!

Ich bin dann mal die Welt retten

Diese Beispiele zeigen deutlich: wenn wir es wollen, können wir die Welt retten! Jeder kann dazu beitragen! Mit jedem noch so kleinen Beitrag lohnt es sich! Jeder einzelne! Sind unsere Beiträge aber nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Liegt die Macht nicht bei den großen internationalen Konzernen und den Banken? Zusammen sind wir sieben Milliarden Menschen auf dieser Welt. Meinst du nicht, daß sich jede kleine Tat aufaddiert bei dieser Menge an Menschen? Wenn jeder nach seinen Maßstäben einen kleinen Beitrag leistet, um die Welt zu retten, dann können wir unseren blauen Planeten, unsere Heimat noch für weitere Generationen erhalten!

Jeder kann seinen Beitrag dazu finden. Eine einfache Lösung gibt es nicht. Ich wohne in Bremen. Hier brauche ich selten ein Auto. Meine Schwester dagegen wohnt in einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt auf dem Land. Für sie ist ein Auto unentbehrlich. Aber jeder kann etwas machen!

Das unternehme ich, um die Welt zu retten:

– Ich lebe seit zwölf Jahren nahezu autofrei.

– Ich besitze ein Monatsabo für den öffentlichen Nahverkehr.

– Beim Einkaufen greife ich zu regionalen und saisonalen Produkten.

– Selbst kochen statt Fertigprodukte aufwärmen steht im Trend. Rezepte findest du zum Beispiel hier!

– Ich entscheide mich bewusst für einen nachhaltigen Lebensstil.

– Nicht nur im Winter werden die Singvögel im Garten gefüttert.

– Aktiv als Naturschutzmacher unterstütze ich den NABU bei seiner Naturschutzarbeit, zum Beispiel bei der Nistkastenbetreuung.

– Im Frühling helfe ich Kröten und Frösche über die Straße.

– Ich vermeide Plastikmüll.

– Mit meinen Fotos und Berichten versuche ich Menschen für die Schönheit unserer Natur zu begeistern.

– Zum Einkaufen benutze ich wiederverwendbare Baumwolltaschen statt Plastik- oder Papiertüten.

– Als Naturfotograf bin ich schon ein komischer Kauz 😉

Das sind einige meiner Beiträge. Was kannst DU unternehmen, um die Welt zu retten? Überlege dir, wo du am einfachsten anfangen kannst. Denn dann schaffen wir es! Alle zusammen haben wir die Macht!

Ich bin dann mal die Welt retten

Die Natur ist es mir wert! Ich bin dann mal weg, die Welt retten. Und du?

 

Torsten

Torsten

Hallo,ich bin Torsten. Das Leben machte mich zum Optimisten mit Lebenserfahrung, Abenteurer, Naturschützer, Forstarbeiter, Logistiker, Journalist, Eurovisionär, Sammler, Schriftsteller, Künstler …
Torsten

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