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tbIn loser Folge druckt der Waldesruher Tagesbote exklusiv das geheime Tagebuch von Kaiser Wilhelm ab. Der Fund des Tagebuches war eine Überraschung für den kleinen unbekannten Ort im Harz. Demnächst wird das Tagebuch auch der Öffentlichkeit in einer Dauerausstellung vorgestellt werden. Heute lesen Sie den zweiten Teil der Aufzeichnungen, welche noch nie zuvor an die Öffentlichkeit geraten sind! Das ursprünglich in Sütterlin geschriebene Tagebuch haben wir für unsere Leser gern übersetzt.

1863, nach dem Hubertustag am 04. November

In aller Frühe weckte mich der Hahn des Wirtes mit einem lauten Krähen. Trotz der frühen Stunde fühlte ich mich ausgeruht. Die Wirtin kredenzte mir ein einfaches, aber ausreichendes Frühstück. Während ich die einfachen landestypischen Zutaten mit einem wahren Genuss verspeiste, hörte ich von draussen vom Hofe Tumult aufkommen. Genau in dem Moment stand mein Leibdiener in der Gaststube, gefolgt vom Bürgermeister. Beide waren ratlos und aufgeregt und wollten das Missverständnis und die nicht standesgemäße Behandlung entschuldigen. Aber ich winkte nur ab, mir ging es gut und ich fühlte mich wohl.

Nachdem ich nun mein Frühstück beendet hatte, besichtigte ich mein Pferd, welches ebenfalls sehr gut versorgt wurde. Und der Bauer hatte eine gute Arbeit abgeliefert. Ihn, dem Wirt und dem Bürgermeister gab ich für ihre Mühen ein paar Taler und fragte noch nach einem ortskundigen Jäger. Ich wurde an dem Förster Grünrock verwiesen, welcher schon seit Jahren für den Landesfürsten hier den Dienst versehe.

Förster Grünrock erwies sich ebenfalls als hilfsbereiter und viel wissender Mann. Ohne Umschweife erklärte er sich für den heutigen Tag bereit, mich auf meiner Pirsch zu begleiten. Mein Leibdiener sollte in der Zwischenzeit meinen Tross in den Ort holen. Dieser hatte eine halbe Tagesreise weiter in einem Schloss genächtigt, nachdem mein Verschwinden aufgefallen war.

Der Förster zeigte mir die Umgebung des Ortes. Eine herrliche Landschaft! An den Fährten und Geläufen auf dem Boden sah ich schon, welcher Wildreichtum diesem schönem Ecken Erde inne wohnte. Auch ein junger 16-ender kam mir vor die Augen. Leider war er zu schnell wieder weg, als dass ich ihn mit einem waidgerechtem Blattschuss strecken konnte. So verging auch dieser Tag ohne einen Hirsch zur Strecke zu bringen.

Mittlerweile war auch mein Troß in Waldesruh eingetroffen. Da es schon dämmerte und ich wieder in Berlin erwartet würde, machten wir uns sogleich auf den Rückweg. Nicht ohne noch einmal den Bewohnern dieses Örtchens meinen Dank auszusprechen. Der Bürgermeister lud mich untertänigst noch ein, den Ort zu besuchen, falls ich wieder in der Nähe sein sollte.

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