Früher war alles besser

„Früher war alles besser!“ – wer kennt diesen Ausspruch nicht. Heute bestimmen Stress und Hektik unseren Alltag. Selbst unseren Urlaub verplanen wir bis auf den letzten Tag.

Früher war alles besser – nicht alles, aber das Leben war entspannter und die Menschen zufriedener. Die Lebensweise und die Erfahrungen unserer Vorfahren können uns Hilfestellung geben und zeigen, wie wir unser Leben entschleunigen und alte Tugenden wie Zufriedenheit und Bescheidenheit wieder neu entdecken.

Seit Beginn der industriellen Revolution im 19. Jhd. beginnt sich unser Leben immer schneller zu verändern. Die Dampfmaschine, der Webstuhl, das Telefon, der Computer und weitere Erfindungen erleichtern uns zwar das tägliche Leben. Aber deren Nutzung ist auch mit Nachteilen verbunden.

Was war unseren Vorfahren wichtig, was können wir von ihnen für ein besseres Leben lernen? Hiermit möchte ich ein paar Denkanstöße geben:

Regelmäßige Ruhezeiten

Früher waren die Tage auch randvoll mit Arbeit. Im Morgengrauen spätestens stand man auf, erledigte die Arbeiten in Haus und Hof, war zudem noch Angestellter oder Arbeiter bis zum Abend. Trotzdem waren die Menschen weniger gestresst. Das Geheimnis liegt im Lebensrhytmus! Jeder Tag und jeder Monat hatte seine Struktur. Dies gab den Menschen Sicherheit. Das Wichtigste waren regelmäßige Ruhezeiten, wie der Feierabend oder der Sonntag. Dieser Tag war heilig, man wurde quasi zum Abschalten gezwungen.

Genügsamkeit

Wer genügsam ist, der hat nur das, was er braucht. Damit stellt er gewissermaßen ein Stoppschild gegen die Unzufriedenheit auf.  Auf diesem Schild steht deutlich: „Danke, ich habe genug!“ Oftmals fällt das heute aber schwer, denn wir wissen nicht, wann wir genug haben. Jeder von uns besitzt um die 10.000 Dinge. Wir haben mehr Dinge als wir benötigen, zum Beispiel mehrere Handys oder zig Teile Bekleidung. Früher hatten die Menschen meistens an persönlichem Besitz nur ein paar Dutzend Sachen und waren glücklich.

Gemeinschaft

Jeder lebt heute autonom und für sich. Wir glauben, die anderen nicht zu brauchen. Früher war man mehr aufeinander angewiesen. Dadurch entstand Gemeinschaft und aus der konnte man sehr viel schöpfen. Zum einen die Hilfe der Partner, zum anderen deren Erfahrungsschatz. Man tauschte sich aus. Die Älteren gaben den jüngeren von klein auf mit,wie man richtig lebt. Jeder lernte durch Zuschauen und Mit- und Nachmachen.

Warten können

Warten ist heute out, es stresst uns. Wir haben den Eindruck Zeit zu versäumen. Dabei ist Warten geschenkte Zeit, die die Leute früher ausgekostet haben. Man ist nicht ständig feiern gegangen, sondern hat lange auf ein Fest hingefiebert und sich auf dieses Fest vorbereitet. Auch Warten auf saisonales Gemüse gehört dazu. Heute kann man immer alles im Supermarkt kaufen. Dadurch entsteht aber keine Vorfreude. Nur wer es aushält mit Sehnsüchten zu leben, kann sich richtig freuen.

Geschichten erzählen

Jeder Ort hatte seinen Geschichtenerzähler. Die Leute kamen zusammen und haben zugehört. Es ging um das Miteinander, um Lebensqualität. Man hat sich auf den langsamen Erzählfluß eingelassen. Das tat gut! Heute ist das undenkbar. Alles wird kurz und aktionsreich geschildert, egal ob im Fernsehen, in Büchern oder im Gespräch.

Wie ist deine Meinung zu diesen Denkanstößen? Was können wir heute besser machen, um unser eigenes Leben bewusster zu leben?

(Bildnachweis: „Stalldienst“ April 1933 – Familienarchiv Berg; links: meine Großmutter Frieda Berg, geb. Johann)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.