Letzte Aktualisierung am 30. Dezember 2020

Fräulein Krause friert. Am Wochenende ist im Rathaus die Heizung ausgefallen. Pünktlich morgens um 7 Uhr hatte Fräulein Krause die Tür zu ihrem Büro im Rathaus aufgeschlossen und nun sitzt sie an ihrem Schreibtisch.

In diesem Moment kommt auch Egon Schulze frohgelaunt und in freudiger Erwartung auf einen Kaffee in das Büro. Als er sein Fräulein Krause jedoch in ihrem Wintermantel und dem Reiherfederhütchen auf dem Kopf hinter ihrem Schreibtisch sitzen sieht, ist die gute Laune auch schon verflogen.

„Ist denn die Garderobe kaputt?“ fragt er. Er weiß, daß sein Fräulein Krause sehr viel Wert auf gutes Benehmen legt. Wortlos steht das Fräulein auf, kommt ihm entgegen und hält ihm dabei das Zimmerthermometer vor das Gesicht: „8 Grad, Egon! Es sind 8 Grad! Mir ist kalt, ich friere und heute gibt es keinen Kaffee! Und auch keine Post, in Handschuhen kann ich nicht schreiben! Gott sei dank hatte ich noch meine Puschen hier, sonst hätte ich jetzt auch noch eiskalte Füße“, demonstrativ niest Fräulein Krause mit einem lauten Hatschi in ihren Ellenbogen.

In der Tat, als Egon zu Boden schaut, bemerkt er die roten mit Plüschfell überzogenen Hauslatschen von Fräulein Krause. Und auch der Blick auf das Thermometer bringt keine höheren Temperaturen zustande.

„Seitdem wir diese neumodische Heizung aufgerüstet haben! Es war ja klar, sobald es draussen kälter wird. Früher mit dem Kanonenofen hätten wir jetzt eine schöne warme Stube.“

Was machen? „Ich rufe gleich einmal den Bertram an, der wird schon eine Lösung haben.“ beschwichtigt Egon sein Fräulein Krause. „Wir gehen jetzt rüber zum Bärenwirt und genehmigen uns dort erst einmal ein Gläschen Bitterblubber, der wärmt von innen. Dann lade ich dich zu einer Tasse Kaffee ein und wir können dabei schon einmal über das diesjährige Weihnachten in Waldesruh reden. OK?“

Fräulein Krauses Laune steigt schon wieder etwas. Schnell legt sie das Thermometer auf den kleinen Beistelltisch und schon steht sie wartend in der Tür. „Egon?“

„Uschi! Bitte ziehe aber die roten Puschen vorher aus … „ schmunzelt Egon und nimmt sein Fräulein Krause kollegial in den Arm.