Es regnet, es ist kalt und windig. Trotzdem kann man Fotografieren bei schlechtem Wetter! Oftmals herrschen dann sogar bessere und schönere Lichtverhältnisse vor als bei gutem Wetter. Doch es kostet schon einige Überwindung sich in solchen Situationen aufzuraffen und nach draussen zu gehen.

Ilona von wandernd.de hat zur Blogparade über das Fotografieren bei schlechtem Wetter aufgerufen. Ich finde ein passendes Thema, um es auch in meiner Fotoschule Natur vorzustellen.

Der Amateur sorgt sich um die richtige Ausrüstung, der Profi sorgt sich ums Geld und der Meister sorgt sich ums Licht.

Georg IR B.

Auch schönes Wetter kann schlechtes Fotowetter sein

Viele Urlaubsfotografen und Knippser gehen nur bei schönen Wetter hinaus. Bei einer kleinen Wanderung bei wolkenlosen blauen Himmel im Sonnenschein kann man die Natur ja auch bestens geniessen. Klar geht das! Aber die Bilder sehen dann meistens nur langweilig aus. Auch ich mache das ab und zu so. Dann geht es mir aber nicht so sehr um das Fotografieren an sich, sondern eher um das dort draussen sein. Trotzdem kann man auch bei schönem Wetter gute Fotos machen. 🙂

Bei diesem Foto der Mittelsäger war ich unterwegs auf der Insel Poel. Es war Ende September 2016 – ein Jahrhundertsommer gab es in diesem Jahr. Wir waren um die Mittagszeit dort. Der Dunst lag flimmernd über der Landschaft, das harte Licht der Mittagssonne brannte vom wolkenlosen, blauen und daher langweiligen Himmel. Das Licht kommt steil von oben, zudem verursacht es einen hohen Kontrast mit ausgebrannten Höhen und abgesoffenen Schatten. Durch das bläuliche Sonmnenlicht lässt die Farben oft verblassen und sorgt so für ausgewaschene Bilder. Nicht umsonst lautet eine alte Fotografenregel:

Von elf bis drei hat der Fotograf frei.

Aus diesen Gründen habe ich hier mit einer grossen Blende gearbeitet. Dabei liegt der Fokus auf die Gruppe der Mittelsäger. Alles andere verschwimmt im Hintergrund. Das Schiff kann man zwar noch wahrnehmen, aber durch die geringe Schärfentiefe tritt es nicht in Konkurrenz zum Hauptmotiv. Die blaue Ostsee verbindet sich mit dem wolkenlosen blauen Himmel zu einem unscharfen blauen Hintergrund, welcher den Horizont aber noch erahnen lässt.

Fotografieren bei wirklich schlechtem Wetter

OK, Sonnenschein ist nun wirklich kein schlechtes Wetter. Schlechtes Wetter heisst meistens: es ist kalt, nass oder stürmisch. Sauschlechtes Wetter ist kalt, nass und stürmisch. Ehrlicherweise gesagt, gehe ich bei solchem Wetter auch nicht wirklich gern raus. Aber manchmal muss es auch einfach sein. Irgendwann fällt einem die Decke auf den Kopf. So wie auf einem Besuch auf der Insel Langeoog, wo wir eine Woche zur Zeit des Vogelzugs unterwegs waren. Als Norddeutscher ist man ja schon das Schmuddelwetter gewohnt. Trotzdem rauf auf das Fahrrad und los. Dieses Mal zum Flinthörn. Hier befindet sich eine kleine Infohütte und man hat die Möglichkeit im Rahmen eines Naturlehrpfades ein Stück in das Wattenmeer hineinzugehen – solange kein Wasser da ist.

Passend zur Ebbe trafen wir ein. Der Himmel war grau und verhangen. Ab und zu regnete es in kleinen Schauern. Im freien Watt tummelten sich eine Menge Wasservögel. Unter anderem der Alpenstrandläufer, der hier zur Zugzeit noch in grosser Anzahl eintrifft. Durch die fehlende Sonne gab es so gut wie keine Reflektionen auf der Wasserfläche. Da der Himmel ebenso verhangen war, zeigte sich das Wasser auch in eher trüberen Farben. Die Vögel liefen auf der Suche nach Nahrung umher und stocherten im Boden nach Würmern, Schnecken und anderem kleinen Getier.

Fotografieren bei schlechtem Wetter

Auch beim Fotografieren im Nebel kann es ganz schön feucht werden. In meinem Fototip zum Fotografieren im Nebel habe ich dir beschrieben, wie du auch bei solchen schlechtem Wetter gute Fotos machen kannst.

Eine besonderes Herausforderung hast du, wenn du im Nebel bei Minusgraden fotografieren möchtest. Mir ist dabei selbst schon einmal die Kamera eingefroren. Trotzdem hat es sich gelohnt!

Fotografieren bei schlechtem Wetter

Fotos von Blitzen und Gewitter sind mir noch nicht vergönnt gewesen. Dazu wohne ich doch zu sehr in der Stadt. Zwischen den Häusern hat man nur selten einen guten Ausblick auf den Himmel, um Blitze einfangen zu können. Einmal jedoch war ich fast mittendrin. An einem heissen Sommertag im letzten Jahr zog plötzlich ein Sturm auf. Die Wolken türmten sich bereits für ein Gewitter auf. Ich hatte freie Sicht in der Landschaft und wartete. Aus der Ferne hörte ich bereits das Grollen. Ich stand mitten im Gewitterloch. Doch das Gewitter überlegte es sich wohl anders und auch der Regen bleib aus. Trotzdem hat es für eine kleine Timelapse gereicht. Links an der Gehölzgruppe sieht man deutlich, wie windig es war.

Wie ich eine Timelapse anfertige, kannst du übrigens in einem früheren Beitrag von mir nachlesen: Am Pestruper Gräberfeld – Erstellung einer Timelapse.

Fotografieren nach dem schlechten Wetter

Das Schöne am Fotografieren bei schlechtem Wetter ist aber das Fotografieren danach! Gerade dann, wenn der Himmel wieder aufklart, der Regen nachlässt und einen Regenbogen in die Landschaft zaubert. Wenn die letzten Regentropfen von den Blättern der Pflanzen heruntertropfen und wenn der wolkenverhangene Himmel aufreisst und die Sonne durch die Löcher schaut. Dieses Glück hatte ich zum Beispiel bei einem Fotowalk in der Bremer Überseestadt. Nachmittags hatte es den ganzen Tag geregnet und ich wollte meine Teilnahme eigentlich schon absagen. Der Regen hielt auch noch bis kurz nach der Treffpunktzeit an. Doch hinter der Schlachte, ab der Eisenbahnbrücke, riss der Himmel auf und die Sonne tauchte die Weser und die Gebäude hier in ein selten geiles Licht.

Gerade nach einem Regen lassen sich in den verbleibenden Pfützen mancherlei Spiegelungen fotografieren. Zum Beispiel hier in Pripjat in der Sperrzone von Tschernobyl.

Leider achte ich bis jetzt eher selten auf solche Gelegenheiten. In diesem Sinn ist wohl mein fotografisches Auge noch nicht wirklich geschult. Mehr durch Zufall habe ich auch den Place de la Bourse in Bordeaux gefunden. Wie der Zufall auch spielt, gerade zu dem Zeitpunkt, als der Wasserspiegel vernebelt wurde. Auch hier nieselte es leicht, so dass schon auf dem noch feuchten Pflaster die Spiegelung bereits zu sehen war, bevor der Wasserspiegel befüllt wurde.

Fotografieren bei schlechtem Wetter

Bei schlechtem Wetter drinnen fotografieren

Natürlich muss man nicht unbedingt bei schlechten Wetter draussen fotografieren. Das geht auch ganz gut drinnen. Du brauchst dir nur ein interessantes Ziel zu suchen und los! Schau dich einfach einmal in Lost Places um oder besuche Museen oder andere Einrichtungen. Im Bunker Valentin zum Beispiel konnte ich mit Langzeitbelichtung und HDR ein paar interessante Fotos einfangen.

Denkort Bunker Valentin

Statt zum Fotografieren kannst du das schlechte Wetter aber natürlich auch dazu nutzen, Fotos zu entwickeln und zu bearbeiten. Bei mir kommen diese Arbeiten in letzter Zeit eindeutig zu kurz. Vielleicht liegt es daran, dass es zu wenig schlechtes Wetter gibt? Wohl eher nicht … aber egal.

Ich freue mich auf deine Impressionen vom Fotografieren bei schlechtem Wetter. Gern kannst du dir auch weitere Inspirationen in den anderen Beiträgen der Blogparade von Ilona holen.