Förster Grünrock erzählt: von seiner Streuobstwiese

Förster Grünrock ist diesmal mit den Kindern aus Waldesruh auf der Streuobstwiese hinter dem Forsthaus unterwegs.

Wer hat nicht schon als Kind Äpfel aus Nachbars Garten geklaut? Zugegeben, in der Stadt ist das etwas schwierig. Dort gibt es kaum Gärten und Äpfel kann man heutzutage billig in jedem Supermarkt kaufen. Doch auf dem Lande und auch in Waldesruh ist das auch heute noch möglich.

Vor knapp hundert Jahren, als es noch keine Supermärkte wie heute gab, mussten sich viele Menschen mit dem begnügen, was sie selbst erzeugen konnten. Glück hatte, wer ein Stückchen Land sein eigen nannte und darauf Obst, Gemüse und Futter für das Vieh anbauen konnte.

Auch der Großvater von Förster Grünrock, der auch Förster war, bekam mit seiner Dienstwohnung vom Landesherren ein Stückchen Land vermietet. Der Förster bemerkte recht schnell, dass sich hier an geschützter Stelle Apfelbäume recht gut entwickelten. Also pflanzte er einige kleine Apfelbäume in seinem Garten.

Diese gediehen recht prächtig und brachten bald jedes Jahr eine reiche Ernte. Die Äpfel wurden dann von der Förstersfrau gegen andere Lebensmittel im Ort eingetauscht. Da sie durch diesen Tauschhandel ganz gut ohne große Mühe den Speiseplan bereichern konnten, entschlossen sich die Förstersleute den Garten ganz aufzugeben und nur noch Obstbäume zu pflanzen. So wurde dann schliesslich eine Streuobstwiese aus dem kleinen Garten.

„Der Name Streuobst kommt daher, dass das unter den Bäumen stehende Gras zur Weide für das Vieh genutzt wurde. Auch wurde es gemäht und das Heu dann als Einstreu für die Ställe verwendet.“ weiß Förster Grünrock zu berichten.

Die alten Sorten sahen anders als die heute modernen Bäume aus. Sie hatten allesamt einen großen Stamm und weitausladene Kronen. Ihre Früchte waren je nach Verwendungszweck süss oder sauer, mehlig oder knackig. Die Farben der Äpfel reichten von einem tiefen dunkelrot über ein sattes grün bis hin zu einem leuchtenden Gelb. Die Sorten trugen klingenden Namen wie Angelner BorsdorferHalberstädter Jungfernapfel oder Juwel von Kirchwerder.

„Heutzutage gibt es im Supermarkt fünf bis sechs Standardsorten, die über Jahre gezüchtet sind,“ erklärt der Förster den staunenden Kindern. „Und die Handelsnormen definieren, wie ein Apfel auszusehen hat. Über die Jahre sind uns deshalb schon einige Sorten verloren gegangen und die große Vielfalt schrumpfte zusehens.“ weiß der Förster weiter zu berichten.

Aber es gibt noch Bauern, welche wieder verstärkt alte Obstsorten anbauen und diese somit für uns erhalten. Auch der heutige Förster Grünrock kümmert sich auf seiner Streuobstwiese um die alten Bäume. „Auf dieser Wiese fahren keine Traktoren und Gift wird hier auch nicht gespritzt.“ fällt ganz aufgeregt der Forschtrat Tobi dem Förster ins Wort. „Hier ist die Natur noch im Gleichgewicht, weil es hier viele Vögel, Kröten und nützliche Insekten gibt, die die Schädlinge fressen.“

„Zudem bieten die alten Stämme den Tieren auch Höhlen an und somit eine Wohnung für Spechte, Eulen oder kleine Raubtiere wie Marder.“ erzählt der Förster. „Und wir hängen zusätzlich Nistkästen für die Vögel auf,“ wirft Susi Bendig ein.

„Dieses kleine Stück Natur hier bietet viele Lebensräume für die unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten. Das habt ihr gut erkannt! Wenn wir hier am Rand der Wiese noch eine Totholzhecke aus dem anfallenden Baumschnitt aufstapeln, dann finden die Tiere noch zusätzlichen Schutz.“ lobt der Förster die Kinder.

„Und damit eure Arbeit hier auch belohnt wird, dürft ihr alle spätestens im Herbst wiederkommen und euch soviel Äpfel pflücken, wie ihr tragen könnt.“ meint der Förster. „Aber nun müsst ihr wieder zur Schule, die Stunde hier ist um. Wenn ihr wollt, könnt ihr aber gern heute nachmittag wiederkommen.“ drängt er die Kinder aber nun zur Eile.

„Och, wir haben doch nur Sport“ murmelt der dicke Bernd etwas unlustig. Aber was sein muss, das muss sein!

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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