Förster Grünrock erzählt: von Hirsch Hubertus

In diesen Tagen ist es wieder soweit, Hirsch Hubertus wird sein Geweih abwerfen und anfangen, sich ein neues wachsen zu lassen. „Schieben“ sagt der Förster dazu.

Wieder einmal ist Förster Grünrock mit den Kindern aus Waldesruh unterwegs. Diesmal wollen sie schauen, wie es Hubertus und seiner Familie geht.

Auf ihrem Weg erzählt der Förster den Kindern einiges über den Rothirsch: „Die Rothirsche sind in Mitteleuropa und also auch in Waldesruh die größten, frei lebenden Wildtiere. Ein männlicher Hirsch kann  100 bis 200 Kilogramm auf die Waage bringen und beeindruckt mit seinem riesigen Geweih, das allein vier bis fünf Kilogramm wiegt. Gegen Ende des Winters fällt das Prachtstück einfach so ab. Es hängt dann mitten im Wald an einem Busch oder Baum oder liegt auf dem Boden. Mitnehmen darf man eine solche Fundsache übrigens nicht. Sie ist nämlich Eigentum des Jägers, der in diesem Revier jagen darf.“ erklärt der Förster den staunenden Kindern.

„In den vorausgehenden Wochen hatte sich eine Bruchstelle gebildet, an der das Geweih schließlich abgebrochen ist, entweder aufgrund seines Gewichtes oder weil das Tier damit an einem Baum hängen geblieben ist.  Nur die männlichen Rothirsche tragen ein Geweih. Bereits in ihrem ersten Lebensjahr entwickeln sich aus dem Rosenstock, kurzen Fortsätzen an ihrem Stirnbein zwei Höcker mit Spießern, also noch nicht verzweigten Mini-Geweihen mit maximal 40 Zentimetern Länge. Ist der Junghirsch zwei Jahre alt, wirft er zum ersten Mal sein Geweih ab. Danach wächst sein erstes verzweigtes Gehörn, das Gabelgeweih. 

Von nun an wirft er jedes Jahr  die alten Stangen ab und ersetzt sie durch ein neues, meist größeres Geweih.  Man kann jedoch nicht direkt von der Zahl der Geweihenden auf das Alter des Hirsches schließen, denn auch Futter und Krankheiten beeinflussen dessen Entwicklung. So ist es durchaus möglich, dass das Tier mehrere Jahre hintereinander Geweihe mit gleicher Endenzahl trägt oder sogar zurücksetzt, also weniger Enden besitzt als im Vorjahr.“

„Wozu hat ein Hirsch denn überhaupt ein Geweih?“ möchte Susi vom Förster wissen.  Der hat natürlich sofort eine Antwort auf ihre Frage: „Ein großes Geweih ist dem Hirsch insofern von Nutzen, als es ihn dazu befähigt, Rivalen durch Imponiergehabe und ritualisierte Kämpfe in die Flucht zu schlagen.“

Der dicke Bernd fällt dem Förster ins Wort: „So ein großes Geweih ist doch unpraktisch, oder?“ Der Förster bleibt gelassen, er freut sich, wenn die Kinder Fragen stellen: Es kommt durchaus vor, dass Hirsche sich damit im Dickicht so stark verhaken, dass sie sich nicht mehr helfen können und verenden und auch ein gegenseitiges Hängenbleiben der Männchen beim Balzkampf ist möglich.“ 

Forschtrat Tobi möchte aber nun auch etwas wissen:  „Warum macht sich die Natur denn so eine Mühe?“ Dazu zuckt der Förster nur mit den Schultern. „Das wissen auch heute die Forscher noch nicht wirklich. Man vermutet, dass ein junger Hirsch körperlich noch nicht dazu in der Lage ist, ein großes Gehörn auszubilden. Aber warum es die alten Hirsche machen, keine Ahnung. Aber das könnt ihr ja erforschen, wenn ihr erwachsen seit! Doch nun müsst ihr wieder zurück zur Schule, sonst bekommen wir alle Ärger mit eurer Lehrerin!“ verabschiedet der Förster die Kinder.

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