Förster Grünrock erzählt: vom Hirschkäfer

Unter einigen der alten Eichen im Nationalpark finden die Waldesruher Kinder seltsame kleine Geweihe. Diese zeigen sie nun Förster Grünrock und der fängt an zu erzählen.

„Diese Geweihe gehören dem Männchen vom Hirschkäfer. Dieser Käfer ist hier bei uns in Deutschland die größte Käferart. Die Männchen, die dieses Geweih tragen werden bis zu 8 cm lang. Aber diese Geweihe sind keine Geweihe wie ihr das von unseren Rothirschen kennt. Vielmehr sind das die umgewandelten Oberkiefer, die geweihartig vergrößert sind.“

Forschtrat Tobi wird ganz aufgeregt: „Aber die Männchen kämpfen wie die Hirsche gegeneinander und der Gewinner bekommt dann die Weibchen.“ Susi fängt an zu lachen: „Man gut, dass ihr Jungs keine Geweihe habt, sonst würdet ihr auch kämpfen und nicht wie die Hähne herumstolzieren.“ Der dicke Bernd wird rot: „Soll ich mich wegen dir mit Tobi prügeln?“ und zeigt Susi seine Muskeln.

„Kinder, kein Gerangel hier.“ sagte der Förster. „Aber Tobi hat recht. Gerade jetzt sind die Hirschkäfer in der Paarungszeit. Da klettern die Männchen hoch in die Wipfel der alten Eichen, wo die Weibchen sitzen. Die Männchen werden durch Lockstoffe, ähnlich dem Parfüm von Frauen, angelockt. Hier oben kämpfen sie dann und versuchen mit ihren Geweihen die anderen Männchen vom Baum zu stoßen. Und der, der übrig bleibt, kann sich dann mit den Weibchen paaren. Die Weibchen klettern dann den Baum wieder hinunter und legen im Wurzelbereich ihre Eier ab. Danach sterben Männchen wie Weibchen. Die Tiere leben in ihrer Käfergestalt auch nur drei bis acht Wochen. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie als Larven und Puppen im Altholz. Deshalb ist es auch so wichtig für diese Tiere, viele alte und morsche Bäume zu haben.“

„Und werfen die Käfer denn auch ihr Geweih ab? Das ist doch nur das Geweih, was wir hier gefunden haben und nicht der ganze Käfer.“ will Susi wissen. „Nein, das machen die Käfer nicht. Wahrscheinlich hat diesen Käfer ein Vogel gefangen und den Käfer gefressen. Der Panzer und das Geweih sind aus Chitin, einer Kalkhülle ähnlich unsern Knochen und kann vom Vogel nicht gefressen werden. Das wird dann einfach fallen gelassen und ihr könnt dies unter den alten Bäumen finden.“

„Und wie können wir die Käfer beobachten?“ will Forschtrat Tobi wissen. Auch darauf weiß Förster Grünrock eine Antwort: „Am besten dafür geeignet sind warme Abende oder kurz vor einem Gewitter. Das sind beste Flugtage und aufgrund der Größe kann man die Käfer gut erblicken. Außerdem müsst ihr leise sein, dann könnt ihr auch deutlich das brummende Fluggeräusch hören. An solchen Tagen laufen die Käfer aber auch gern am Erdboden umher, um geeignete Stellen zur Eiablage zu suchen. Und ihr sollte auch in den Parks oder im Garten bei euch die Augen und Ohren aufhalten. Hier lecken die Käfer gern den süßen Saft der Bäume.“

„Der Käfer ist vom Aussterben bedroht,“ weiß Förster Grünrock weiter zu berichten. „Er braucht zum Leben alte Bäume und viel Totholz. Dieses ist aber in unseren aufgeräumten Wäldern und Parkanlagen nur noch selten zu finden. Deshalb, solltet ihr einen solchen Käfer sehen, sagt mir Bescheid, damit wir gemeinsam diese schönen Tiere retten können.“

Tobi strahlt: „Ich habe sowieso immer mein Beobachtungsbuch dabei. Da werde ich dann alle Fundorte eintragen!“

Der Förster geht weiter seines Weges in den Wald und die Kinder schauen noch eine ganze Weile angestrengt in die Höhe. Vielleicht entdecken sie doch noch einen Hirschkäfer? Oder sollte man doch etwa besser auf einen Baum klettern?

Edgar Ente

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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