Zu den buntesten einheimischen Vögeln, die in Deutschland zu jeder Jahreszeit beobachtet werden können, zählen zweifelslohne die Haubentaucher. Er gehört zu den Lappentauchern und ist aus dieser Familie der grösste, bekannteste und häufigste Vertreter.

Farbenprächtige Wasservögel - Haubentaucher im Morgenlicht auf der Kleinen Weser

Noch weit verbreitet: der Haubentaucher

In unseren Regionen brütet er auf Süsswasserseen und Teichen mit bewachsenen Ufern. Auch an langsamen Fliessgewässern können wir ihn beobachten. So finden wir in auch in Bremen an der kleinen Weser und am Werdersee. Seltener, aber nicht unmöglich ist eine Beobachtung in den Wallanlagen. Allgemein mag dieser schöne Vogel aber eher die Randbereiche der Stadt.

Von Südwest-Europa bis nach China reicht sein Vorkommensgebiet. Je nach geografischer Lage ist der Haubentaucher ein Zug- oder Standvogel. Während des Winterhalbjahres überwintern “unsere” Haubentaucher auf den grossen Binnenseen oder in den Küstengewässern. Bei länger zugefrorenen Gewässern wandern sie jedoch an die Küsten ab.

Haubentaucher werden bis zu 50 cm lang und können bis zu 1.400 Gramm schwer werden. Im Jahresverlauf tragen sie neben ihrem bunten Prachtkleid mit den schwarzen und roten Federn und der langen Haube auch ein graues Schlichtkleid. Dieses tragen sie ab September / Oktober bis zum März / April.

Farbenprächtige Wasservögel - die Balz der Haubentaucher

Auffälliges Balzritual

Beeindruckend finde ich vor allem immer wieder das auffällige Balzritual der Vögel im Frühjahr. Dann führen Männchen und Weibchen fast synchron ihre Tänze auf. Diese Tänze setzen sich aus einer Reihe von ritualisierten Verhaltenselementen zusammen. Neben der “Kopfschüttelzeremonie” ist der auffälligste Bestandteil der “Pinguintanz”. Hierbei richtet sich das Paar Brust an Brust auf und schlagen mit den Füsse auf das Wasser. Ich selbst konnte diese Phase leider noch nicht fotografieren. Andere Elemente des Tanzes erhielten von Zoologen so schöne Namen wie “Jungfernpose” oder “Entdeckungszeremonie”.

Solltet ihr ein Haubentaucherpaar beim Balzen beobachten, nehmt die Chance wahr und beobachtet dieses Verhalten. Setzt euch ruhig an das Wasser, vermeidet hektische Bewegungen und geniesst einfach dieses kostenlose Naturschauspiel. Die Balz beginnt teilweise bereits im Dezember in den Überwinterungsgebieten und lässt erst nach, wenn die Paare zu Nisten beginnen.

Gemeinsam wird ebenfalls am Nest gebaut. Der Nestbau dient ebenfalls dem Balzgeschehen, weswegen oftmals auch “Schaunester” gebaut werden. Das Hauptnest wird vorzugsweise im Verlandungsbereich der Gewässer gebaut. Es können aber auch völlig offene Schwimmnester errichtet werden.

Nach der Eiablage wird das Gelege auch von beiden Elterntieren abwechselnd bebrütet. Die Brutdauer beträgt 27 bis 29 Tage. Nach dem Schlüpfen können die Jungen als Nestflüchter sofort schwimmen. In den ersten Lebenswochen werden die Küken jedoch oftmals auf dem Rücken der Elterntiere versteckt getragen. Nach ca. 80 Tagen tauschen die Jungen ihr schönes Dunenkleid gegen das Jugendkleid.

Farbenprächtige Wasservögel - Haubentaucher mit Nachwuchs im Dunenkleid

Als Nahrung frisst der Haubentaucher hautsächlich kleine Fische. Diese werden tauchend erjagt. Aber auch Frösche, Kaulquappen und Wasserinsekten werden gern verzehrt.

Farbenprächtige Wasservögel - nach Fischen jagender Haubentaucher

Haubentaucher und Mensch

Im 19. Jahrhundert wurden diese schönen Vögel noch bejagt. Aus dem dichten seidigen Gefieder an Brust und Hals wurde noch Kragen, Mützen und Muffs für feine Damen hergestellt. Im Zuge des sich entwickelnden Naturschutzgedanken wurde die Jagd eingestellt und der Haubentaucher als geschützte Art unter Schutz gestellt.

Seit den 1960er Jahren steigt der Bestand an Haubentauchern in Mitteleuropa an. Diese Zunahme wird auch mit der zunehmenden Nährstoffeintragung in die Gewässer und der damit verbundenen (anfänglichen) Zunahme an kleinen Weissfischen erklärt. Jedoch durch die zunehmende Freizeitnutzung vieler Gewässer durch den Menschen ist diese Entwicklung teilweise wieder rückläufig.

Da der Haubentaucher zu seiner Nahrung meist Fische zählt, ist er nicht gerade bei Anglern und Fischern beliebt. Die grösste Bedrohung für diesen in Gestalt und Verhalten wunderschönen Vogel geht von Sportfischern, aber auch Badegästen und Wassersportlern durch Beunruhigung aus. Insgesamt gesehen gibt es in Mitteleuropa ein sehr uneinheitliches Bild der Bestandsentwicklung.

Farbenprächtige Wasservögel - Haubentaucher am Nest, im Hintergrund ein Graureiher

Vom Klimawandel gilt der Haubentaucher als besonders betroffene Art. Das heutige Verbreitungsgebiet wird sich um ein Drittel verkleinern und nach Nordosten verschieben. Vorkommen auf der iberischen Halbinsel, der nördlichen Mittelmeerküste und in Frankreich werden verloren gehen. Möglicherweise werden dafür im nordwestlichen Russland neue Lebensräume entstehen.

Ruf des Haubentaucer

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