Eurovision 2019 in Tel Aviv und ich bin dieses Jahr nicht live dabei. Ein bisschen vermisse ich die Eurovisionsbubble schon. Doch die Auszeit dieses Jahr bietet auch gute Gelegenheiten, sich einmal den Eurovision Song Contest von ausserhalb anzuschauen.

Eurovision 2019 in Tel Aviv von ausserhalb der Bubble gesehen

Luca Hänni singt für die Schweiz Foto: Andreas Putting

Eurovision 2019 in Tel Aviv von ausserhalb der Bubble gesehen

Gründe dafür, dieses Jahr nicht live vor Ort zu sein, gibt es einige. Darüber habe ich bereits in einem früheren Beitrag berichtet. Ein kleines bisschen Wehmut kommt aber trotzdem auf. Vor allem dann, wenn man die Berichte auf einigen Webseiten liest. Denn das mache trotzdem, da ich ja informiert bleiben möchte. Auch auf unserer Seite eurovisionlive.com berichten wir weiterhin über den diesjährigen Eurovision 2019 Tel Aviv.

Die Tage beim Eurovision vergehen bekanntlich für uns Journalisten immer gleichförmig. Frühes Aufstehen incl. Wachwerden und Fertigmachen. Dann zum Pressezentrum. Hier arbeiten wir den ganzen Tag. Es wird zwischen den Proben, dem Arbeitsplatz und den Pressekonferenzen hin- und hergewechselt. Zwischendurch etwas essen – oder ungesunde Süssigkeiten in sich hineinstopfen. Abend geht es dann zu ausgesuchten Veranstaltungen, Empfängen oder einfach nur für ein Kaltgetränk in den Euro-Club. Das alles gibt es dieses Jahr für mich nicht. 😉

Die aktuellen Tage vergehen trotzdem nicht gerade langweilig. Einige grössere Projekte sind noch abzuwickeln und das Tagesgeschäft möchte auch noch erledigt werden. Die Liveübertragungen der Semifinale und das Finale selbst werden wir dann gemeinsam vor einem Grossbildschirm verfolgen.

Eurovision 2019 in Tel Aviv von ausserhalb der Bubble gesehen - Netta, die Gewinnerin des ESC 2018

Netta, die Gewinnerin des ESC 2018

Der ESC ist und bleibt unpolitisch

Die besondere Lage in Israel sollte eigentlich den allgemein gebildeten Lesern bekannt sein. Gerade nach den kürzlich stattgefundenen Gefechten im Gazagebiet gab es auch häufiger einen Bezug zum Eurovision Song Contest. Ob eine Grossveranstaltung unter solchen Umständen in Israel oder in irgendeinem anderen Land stattfinden sollte, sei dahingestellt. Dieses Thema wurde eigentlich schon seit dem Gewinn von Netta im letzten Jahr oft und heiss diskutiert.

Die aktuellen Tage zeigen aber bereits: der ESC ist und bleibt unpolitisch. Denn das ist so gewollt. Treffend haben es Marc und Martin vom Blog eurovisionen.eu in ihrem Kommentar zu ESC und Politik und die EBU beschrieben. Dieses Vorgehen erinnert mich an das Leben in der DDR – zumindest, wenn man vielen, gerade den Westdeutschen glaubt. Zu dieser Zeit durfte ja angeblich nichts gesagt werden, was irgendwie der offiziellen Linie widersprach. Sicherlich war das auch meistens angebracht. Trotzdem durfte und konnte man Denken und sein Handeln danach ausrichten.

Nun das gleiche Vorgehen in einer Demokratie, von einer europäischen Organisation ausgehend. Seltsam, irgend etwas stimmt da nicht in meiner Wahrnehmung. Meiner Meinung nach sollte sich die EBU auch politisch mehr äussern. Das zeigten auch gerade die letzen Jahre beginnend mit dem Rückzug der Türkei aus dem Contest. Die Querelen zwischen Russland und der Ukraine beim ESC  2017 in Kiew waren da nur ein weiterer Meilenstein. Sicherlich, der ESC möchte gern unpolitisch sein. Mit seinen schönen Melodien möchte er die Völker zusammenbringen. Gerade in einer Demokratie gehört es dazu, dass man sich äussert zu Missständen und Verbesserungen anstrebt. Das geschieht aber nicht, wenn man gewisse Dinge ignoriert und ausblendet.

Wie in politischen Dingen verhält es sich übrigens mit der Nachhaltigkeit des Eurovision Song Contest. Wie oft sind allein unsere S!isters in den letzten Monaten nach Israel oder zum Videodreh geflogen? Nur, um für einige Tage mal eben die Postkarte zu drehen, die zwischen den Liedern gezeigt werden. Diese Co2 – Statistik würde ich gern einmal sehen. Kompensiert wird diese Umweltbelastung sicherlich nicht. Aber das sind schon wieder Gedanken für einen weiteren Beitrag.

Eurovision 2019 in Tel Aviv von ausserhalb der Bubble gesehen - zurück zu den schönen Melodien Foto: Thomas Hanses

Roko singt „The Dream“ für Kroatien Foto: Thomas Hanses

Zurück zu den schönen Melodien

Den Grossteil der Fans und Journalisten, die sich für den Eurovision 2019 in Tel Aviv begeistern, interessieren diese Dinge nur am Rande (wenn überhaupt). Hauptsache, es gibt Partie und Schnittchen. Mittlerweile erfolgt in Tel Aviv der zweite Probendurchlauf. Auf esc-kompakt werden die einzelnen Proben recht gut wiedergegeben. Wer mag, kann sich dort gern zeitnah informieren. Nicht immer läuft bei den Proben alles glatt – technisch, gesanglich oder kameratechnisch geht eigentlich immer etwas schief – aber dafür sind Proben ja da. Die Hauptsache ist, dass bei den Livesendungen alles rund läuft.

Nach den Proben werden dann die Karten für die einzelnen Platzierungen neu verteilt. Hat der Künstler überzeugt oder ist der Beitrag völlig überschätzt. Das kann man teilweise auch an den Wettquoten sehen. So sind zum Beispiel die Beiträge aus Russland und aus Aserbaidschan deutlich besser vor Ort angekommen als sie vorher bewertet wurden. Malta und Kroatien kommen ebenfalls gut bei den vor Ort Anwesenden an. An der Spitze der Tabelle liegen immer noch Italien, die Schweiz und Schweden. Auch die Niederlande werden noch hoch bewertet (warum eigentlich?). Ich denke, hier gibt es in den nächsten Tagen noch einige Bewegung. Noch hat sich nicht der potentielle Gewinner herauskristallisiert.

Unser Beitrag aus Deutschland probt genauso wie die anderen Big 5 erst in den nächsten Tagen. Leider konnte ich auf der offiziellen Eurovision-Seite keinen Probenplan finden. Die Chancen für einen Platz auf der rechten Seite der Tabelle haben sich bisher nicht wesentlich geändert. Wir werden sehen, wie es nach den ersten Proben aussieht.

Hier möchte ich übrigens bereits meinen ersten Favouriten für dieses Jahr vorstellen:

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Natürlich hat dieser Song bereits Eingang in meine Eurovision-Playlist gefunden. Dazu jedoch später mehr.