“Wie konnte das nur passieren, wir haben die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Waldesruh verschlafen!” Jammernd sitzt das Fräulein Krause von der Tourismusinformation im Amtszimmer von Ortsvorsteher Egon Schulze.

Tränenspuren, so groß wie kleine Sturzbäche, lassen ihr dezent aufgetragene Schminke zerfliessen. Selbst die sonst so standhafte Reiherfeder auf ihrem Reiherfederhütchen sieht wirklich zerknautscht aus.

Egon Schulze reicht ihr ein Taschentuch nach dem anderen. Auch er wirkt nicht gerade glücklicher. “Nein, so etwas darf nicht passieren. Wir machen hier ein Fest nach dem anderen, nur eines der wichtigsten vergessen wir einfach!”

In diesem ratlosen Moment betraten die Hauptakteure aus Waldesruh die Amtsstube: Förster Grünrock, Tante Rukolla, Kevin und Jakkeline, Edgar Ente, der Bärenwirt, Bauer Heinrich und alle anderen. Selbst der vor kurzem hergezogene Wachtmeister Hoffmann begleitete die Runde.

“Jammern hilft uns nichts, wir haben es verpasst und können das nun auch nicht ändern!” durchbrach Tante Rukolla das betretende Schweigen. Am 13. September hätte Waldesruh seinen 1079-jährigen amtlichen Geburtstag feiern können. “Aber feiert man als Mensch auch jedes Jahr seinen Geburtstag”, so Tante Rukolla weiter. “Bei uns ist das ganze Leben jeden Tag eine Feier und wir brauchen eigentlich keinen Anlass zum Feiern.  Wir haben viele schöne und wunderbare Begebenheiten dieses Jahr schon erlebt.”

“Richtig!”, brummt der Bärenwirt. “Wir sollen uns jetzt nicht verdrießen! Versaut ist versaut, da können wir auch nichts mehr daran ändern.” Auch Förster Grünrock meldete sich zu Wort: “Wir sollten den Lauf der Dinge jetzt so hinnehmen. Nächstes Jahr, zum 1080. feiern wir dann eben ein Stückchen größer! Ich bin sicher, daß es dieses Jahr noch viele andere Gelegenheiten geben wird.”

Die Mienen der Anwesenden sehen schon wieder fröhlicher aus und selbst der Tränenstrom vom Fräulein Krause ist versiegt. Gerade rechtzeitig bevor Egon Schulze die Taschentücher ausgingen. “Weischt ihr wat? Wi nähme gleisch an Schlugg von dem Bitterblubber hier und dann sieht de Welt schon widder besser aus! (Wisst ihr was? Wir trinken hier jetzt einen Schluck von diesem Waldesruher Bitterblubber hier und dann sieht die Welt schon besser aus!)” machte Bauer Heinrich einen Vorschlag.

Dieser wurde von den Anwesenden begeistert aufgenommen. Die Stimmung besserte sich schlagartig und alle überschlugen sich förmlich mit Ideen und Mutmaßungen, was in der nächsten Zeit in Waldesruh passieren wird. Und Bauer Heinrich sah auf die Flasche in seiner Hand und murmelte glücklich: “Wer Sorjen had, der brocht Likör im Haus!”