Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise

Geschrieben von Torsten Berg

Dieser Beitrag wurde am 27.04.2022 aktualisiert.

Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise

Die Lausitz ist Braunkohlenrevier. Seit über 100 Jahren wird hier Kohle abgebaut. Das Leben vieler Menschen drehte sich hier um die Kohle. Die Brikettfabrik Louise ist heute Sehenswürdigkeit und erlebbare Technikgeschichte. Ich durfte in der weltweit ältesten Brikettfabrik auf Entdeckungstour gehen. Heute wie damals funktionieren die alten Maschinen noch immer. Klimapolitisch sollte die Kohle als Energieträger ausgedient haben. Doch im Laufe des Ukrainekriegs bekommt die Kohle wohl ein Comeback. Als technisches Denkmal jedoch bleibt die Louise uns wohl hoffentlich weiter erhalten.

Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise - heute ein technisches Denkmal

Energie ist die Grundlage unseres Wirtschaftens

Aus Windkraftanlagen soll der Strom der Zukunft kommen. Eine schreckliche Vorstellung solche Masten überall zu sehen.

Für eine lange Zeit waren fossile Brennstoffe der Motor der Wirtschaft. Seit Beginn der industriellen Revolution wurde Kohle, Erdöl und -gas zu verschiedensten Zwecken eingesetzt. Durch diese Stoffe und mit ihnen entwickelte sich auch unsere Technik. In der Brikettfabrik Louise im südbrandenburgischen Domsdorf ist diese stetig verbesserte Entwicklung noch heute zu sehen. Die Fabrik ist heute ein technisches Denkmal und kann offiziell im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Dabei werden sogar die alten Maschinen wieder in Bewegung gesetzt. Nach neuesten Erkenntnissen ist die Louise sogar die weltweit älteste Brikettfabrik der Welt und sie könnte immer noch zur Produktion genutzt werden.

Die aktuell in der Braunkohleregion der Lausitz lagernden Rohbraunkohleflöze sind noch nicht einmal zu einem Drittel abgebaut oder erschlossen. Aus Klimaschutzgründen ist es richtig, dass die menschliche Gesellschaft aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigt. Doch für dieses Ausstiegsszenario sollte man auch Alternativen zur Verfügung haben. Und man sollte sich das Wissen der Generationen vor uns bewahren. Ganz sicher werden wir dieses Wissen noch gebrauchen können.

Energie soll immer und überall verfügbar sein. Ausreichend für ein beständiges Wirtschaftswachstum. Dafür baut man mehr und mehr Windkraftanlagen und Sonnenkollektoren. In anderen Ländern setzt man weiterhin auf Atomstrom, obwohl nach Tschernobyl und Fukushima die Risiken ebenso bekannt sind. Ich persönlich möchte keinen Atomstrom. Ich möchte auch keine Windkraftanlagenwälder. Für mich zählt die Einsparung von Energie viel mehr als die immer weitere Produktion neuer Energie. Doch das sind schon wieder Gedanken für einen weiteren Blogbeitrag.

Die weltweit älteste Brikettfabrik Louise

Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise - Detail eines Röhrentrockners

Am Standort der Brikettfabrik befand sich die ehemalige Grube Louise. Hier inmitten der Braunkohlereviere der Lausitz wurde bereits in früheren Jahren Braunkohle abgebaut. Schnell stellten die Betreiber fest, dass Briketts einen höheren Effizienzwert haben als die rohe Kohle. Im September 1882 wurde die Brikettfabrik in Betreib genommen. Bereits im Jahr 1883 wurden über 150.000 Hektoliter Rohbraunkohle zu Briketts verarbeitet. In der Anfangszeit pressten zwei Pressen die schwarzen Steine. Ohne Strom, nur allein mit Dampf wurden die ersten schwarzen Steine gepresst. Der ständig steigende Bedarf jedoch machte umfangreiche Erweiterungen nötig. Auch der industrielle Fortschritt wurde genutzt. Zum Schluss wurden sieben Pressen zur Brikettproduktion genutzt. Zu den ursprünglich vorhandenen sechs Tellertrocknern wurden zwei Röhrentrockner aufgebaut. 1896 wurde die erste Lichtmaschine zur Stromerzeugung in Betrieb genommen.

Schon bald nach der Inbetriebnahme wurde die Brikettfabrik in die Bergwerksgesellschaft “Eintracht” überführt. 1908 begann der erste Bauabschnitt der Kraftwerkshalle. Weitere Abschnitte folgten in den Jahren 1924 und 1938. Die Tagesleistung der Fabrik betrug im Jahr 1938 360 Tonnen. Bis zum Stillstand der Anlage wurde diese Tagesleistung auf 584 Tonnen erhöht. Trotz der ganzen Erweiterungen der Fabrik ist Louise eine der kleinsten Brikettfabriken in Deutschland geblieben. Seit Beginn der Inbetriebnahme liefen die Anlagen ununterbrochen. Nur beim Einmarsch der Roten Armee im Jahr 1945 zum Ende des Zweiten Weltkrieges kam es wenige Stunden zum Stillstand.

Nach dem Krieg wurde sie in Volkseigentum überführt und schliesslich 1968 dem Kombinat Braunkohleveredlung Lauchhammer angegliedert. Am 18. November 1991 wurde das letzte Brikett gepresst. Nach 110 Jahren erfolgte am 6. Februar 1992 die bislang endgültige Stilllegung. Die Fabrik wurde in eine Verwertungsgesellschaft übernommen und sollte komplett abgerissen werden. Glücklicherweise erkannte man aber noch rechtzeitig ihren Wert. Die Brikettfabrik Louise wurde im September 1992 in die Denkmalsliste des Landes Brandenburg aufgenommen. Der Verein Freundeskreis Technisches Denkmal “Louise” e.V. kümmert sich seit September 1994 um den Erhalt der Maschinen und technischen Anlagen. Mit Erfolg, den viele der Maschinen können noch heute produzieren. Aktuell wird untersucht, ob die Brikettfabrik den Anforderungen als UNESCO-Weltkulturerbe entspricht.

Technisches Denkmal und Weltkulturerbe

Beim Betreten des Werksgeländes wird man entführt in eine Ära, in der Industrie, Kultur, Maschinenbau und Kunst noch eine Einheit waren. Die Gebäude, Räume und Maschinen sind noch im Original erhalten. Bei den Führungen können bis zu 14 Anlagen in Bewegung erlebt werden. Ein Highlight dabei ist die “Dampfzeit”, bei der die historische Brikettpresse im Echtdampfbetrieb vorgeführt wird.

Nicht nur das mehr als hundertjährige Alter der Brikettfabrik ist interessant. Louise hat durchaus auch noch einige andere Besonderheiten zu bieten. Die noch vorhandenen Pressen sind über die Jahre hinweg in sechs verschiedenen Typen gefertigt. Alle werden aber mit Dampf angetrieben. So sind verschiedene Systeme zur Steuerung des Füllgrades und der Kolbenbewegungen vorhanden. Louise ist auch eine der wenigen Fabriken, die das Tellertrocknungs- und das Röhrentrocknerverfahren angewendet haben. Das Kesselhaus ist mit Flammrohrkesseln ausgerüstet, die um die Jahrhundertwende modern waren. Die notwendige Energieerzeugung ist einfach aufgebaut und enthält trotzdem alle Grundelemente eines modernen Grosskraftwerks.

In der Brikettfabrik Louise konnten wir alle Bereiche des Warenflusses in der Fabrik im Rahmen einer 6-stündigen Foto-Tour besichtigen. Dabei konnten wir uns frei bewegen. Aufgrund der Größe der Anlage standen wir uns als Fotografen nicht im Weg. Das ist schon sehr wichtig bei solchen Veranstaltungen. Zu Beginn der Tour sollte es einen kurzen Rundgang geben, in dem die Funktionsweise der Fabrik erklärt wurde. Leider musste diese aus Gründen abgebrochen werden. Das fand ich persönlich sehr schade, da ich auch als Fotograf eigentlich wissen möchte, was ich da fotografiere. Leider merkte man aber auch, dass einige Fotografen nur fotografieren wollten, so dass der Mehrheit der Gruppe die Abkürzung der Tour ziemlich willkommen war.

Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise

Rohkohlebunker – Anlieferung der Rohbraunkohle

Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise - der Rohkohlebunker

Hier erfolgte die Anlieferung der Rohbraunkohle per Schiene. In diesem riesigen Gebäude wurde die angelieferte Rohbraunkohle auch von Fremdstoffen wie Steinen, Holz etc. getrennt. Die Kohle wurde ebenfalls gebrochen und zerkleinert, über diverse Siebe geführt und schliesslich über Förderbänder weiter zum Nassdienst transportiert.

Nassdienst und Trocknung – Verarbeitung der Kohle

Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise - einer der Öfen

In weiteren Verarbeitungsschritten wurde die Kohle “gewaschen” und in den einzelnen Teller- und Röhrentrocknern getrocknet. Dabei wurde der Wassergehalt der Braunkohle bis auf maximal 20% reduziert. Ein Teil der Kohle wurde zur Wärme- und zur Dampferzeugung verfeuert. Knapp 65% der Kohle wurde damit zur Pressung weiterverarbeitet.

Wichtig war die Erzeugung von Dampf zum Betreiben der Maschinen und Anlagen. Gerade zu Beginn der Industrialisierung zeugten diese Anlagen vom Erfindungsreichtum der Maschinenbauer.

Pressung – Herstellung der Briketts

Während der Verarbeitung wurde die Kohle bis zu einer Korngrösse von 5 Millimetern zerkleinert. Dieses Kohlepulver wurde über die verschiedenen Pressen zu den bekannten Brikettformen zusammengepresst, abgefördert und für den Abtransport und Verkauf vorbereitet.

Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise - die älteste Presse von 1893

Kraftwerkshalle – das Herzstück

Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise - Industriekultur aus 100 Jahren

Gesteuert wurde die ganze Fabrik in der Kraftwerkshalle. Hier hatte man den Überblick!

Fabrikgelände

Fast alle Gebäude und Anlagen sind noch im Originalzustand erhalten. Die verschiedenen Baustile und -zeiten sind erkennbar. Das ist Industriekultur!

Das Ende der Fabrik

Entdeckungstour in der ältesten Brikettfabrik Louise - Erinnerungen in der Kraftwerkshalle

Mit der politischen Wende in der DDR, der Wiedervereinigung und der desaströsen Politik der Treuhand wurde auch die Existenz der Brikettfabrik Louise obsolet und wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Louise hat diese Zeiten dennoch überlebt und wird nun hoffentlich noch weiteren Generationen als Denkmal und Anschauungsobjekt zur Verfügung stehen.

Aufgrund der aktuellen weltweiten Entwicklung, des Kriegs in der Ukraine, der Klimakrise und der damit einhergehenden Energiepolitik ist es vielleicht vorteilhaft, altes Wissen und alte Erfahrungen weiterhin zu bewahren. Sollte sich unser Lebensstil nicht radikal ändern, werden wir alte Technologien immer noch benötigen.

Tipps zum Besuch

Aktuelle Hinweise zu Veranstaltungen, zu den Öffnungszeiten und vieles mehr erfahrt ihr auf der offiziellen Webseite der Brikettfabrik Louise. Neben der Louise könnte ihr noch andere Relikte aus der Kohlezeit erkunden. Da der Ort Domsdorf nur ein kleiner Ortsteil ist, haben wir unsere Übernachtung im wunderschönen Bad Liebenwerda gebucht. Das Elbe-Elster-Land bietet sich für ausgedehnte Radtouren an. Der Naturpark “Niederlausitzer Heidelandschaft” bietet sich für ausgedehnte Wanderungen und vielfältige Naturerlebnisse an. Man kann also gern ein verlängertes Wochenende in der Region verbringen.

Kommentieren, Anregen und Diskutieren

  1. Ullrich Altmann 27. April 2022 at 13:23 - Reply

    Eine sehr schöne Bilderstrecke, zusammen mit vielen interessanten Informationen … ein schöner Beitrag!

  2. Susanne Møller 27. April 2022 at 12:12 - Reply

    What a fantastic piece of history !!
    Wonderful photos of this enormous factury, with many tracks of people of old days.
    I still remember when we burned Briketten in the stove. Such a nice, constant warmth, and they smelled good.

    Kind wishes,
    Susanne
    Denmark

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