„Einkochen mit Tante Rukolla ist immer ein Erlebnis!“ freut sich Susi Bendig, die gemeinsam mit anderen Kindern aus Waldesruh fleißig Tante Rukolla zur Hand geht. Hektik herrscht in deren Küche  in der Rukollamühle – die letzten Früchte müssen für den Winter verarbeitet werden.

„Wie Bauer Heinrich  für seine Tiere zur Vorratshaltung im Winter das Heu einholt, so müssen wir es auch hier für uns Waldesruher tun. Wir können nicht einfach mal so schnell in einen Supermarkt oder zum Großhandel fahren und einkaufen. Hier bei uns müssen wir schon ein bisschen vorsorgen und nachdenken. Ausserdem sind die ganzen Früchte doch viel zu schade zum Wegwerfen!“ lacht Tante Rukolla.

Mit roten Kopf organisiert sie fleissig das Einwecken und Konservieren der letzten Früchte innerhalb des Ortes. Ihre Küche in der Rukollamühle ist dazu groß genug und fleißige Hände schaffen zusammen auch mehr. Einige Frauen aus dem Ort sind auch jetzt gerade anwesend.

Bis in den späten Abend hinein wird geputzt, geschnippelt, gepresst, gesaftet, genascht und vor allem auch zusammen gelacht. „Schon unsere Großeltern hielten das so: das gemeinschaftliche Einkochen war zur Lebenshaltung erforderlich und stärkte das örtliche Gemeinschaftsgefühl. Und wir Kinder lernten damals viel von unseren Omas und Müttern. Dieses Wissen geben wir auch heute gern an unsere Kinder weiter!“

Schon seit den ersten Waldfrüchten des Sommers sind die Frauen mit der Herstellung von Marmeladen beschäftigt. Erdbeeren, Birnen, Kirschen werden auch eingekocht – einwecken sagen die älteren Waldesruher auch noch. Die Gärten liefern dann zum Ende des Sommers und dem beginnenden Herbst weiteres Obst und auch Gemüse. Spätestens zum Erntedankfest sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Mit den ersten Schlachtungen wird dann sogar das Fleisch eingekocht.

„Einkochen ist Mädchenkram!“ Selten sind sich der dicke Bernd und  Forschtrat Tobi gemeinsam so sicher. „Wir sammeln dann lieber die Beeren und Pilze und bringen sie dann hierher zum Putzen und Einkochen!“ Und die schwere Gartenarbeit wie das Ernten und Einlagern von Kartoffeln oder Rüben übernehmen die Männer auch lieber.

Wenn die Arbeiten erledigt sind, wird das gesamte Gut gerecht unter den mithelfenden Waldesruhern verteilt. Dabei geht es dann aber nicht  so sehr darum, dass eine Familie exakt ihre 3,5 kg Waldpilzgläser mitnehmen kann. Vielmehr wird unter den Einwohnern gerecht nach ihren Bedürfnissen getauscht. Auch der Bärenwirt erhält für seine Gastwirtschaft immer einen gewissen Anteil der haltbar gemachten Lebensmittel. „Nur so konnte und kann unsere Gemeinschaft existieren“ weiß Tante Rukolla, „das ist eben Waldesruh – hier hilft jeder dem anderen. Ohne Neid und Mißgunst!“