Durch die Wälder des Hammer Bakker

Geschrieben von Torsten Berg

Dieser Beitrag wurde am 18.07.2022 aktualisiert.

Durch die Wälder des Hammer Bakker

Nördlich von Aalborg liegt der Höhenzug der Hammer Bakker. Der fast unbewohnte Landstrich besteht aus bewaldeten Hängen engen Tälern.  Vorweg gesagt: so eine vielseitige Tour gibt es nur selten! Wälder, Heidegebiete, kleine Waldseen, Hügelgräber, ein Felsmonument, verschlungene Pfade, die auf und ab gehen – was wünscht sich ein Wandererherz mehr?

Durch die Wälder des Hammer Bakker

Die Moränenlandschaft des Hammer Bakker

Es soll das schönste Inland-Heidegebiet nördlich des Limfjordes sein. Die Eiszeit hat dieses Gebiet gestaltet und – ganz ehrlich gesagt – sie hat hier eine ganz tolle Arbeit geleistet! Das grosse Moränengebiet erhebt sich hier in der sonst flachen Landschaft. Bei einem Auf und Ab zwischen Hügel und Täler mit bewaldeten oder offenen Gebieten kann man die Natur geniessen. Obwohl das Gebiet als Naherholungsgebiet für die Menschen aus Aalborg gilt, waren wir in diesem Gebiet fast ganz allein unterwegs.

Im Hammer Bakker stehen drei markiere Wanderrouten zur Auswahl. Für Mountainbiker gibt es ebenfalls einige Strecken. Neben vielfältigem Natur erleben können wir alte Grabhügel, ehemalige Königsstraßen und andere antike Monumente entdecken.

Bis in das 16. Jahrhundert hinein war die Gegend mit Laubwald bewachsen. Die Abholzung des Waldes und die Viehweide zerstörten aber schnell den ursprünglichen Wald. Knapp 300 Jahre später soll der Hammer Bakker praktisch baumfrei gewesen sein. Für eine landwirtschaftliche Nutzung aber war der sandige Boden nicht wirklich geeignet. Im 19. Jahrhundert begann man deswegen mit der Aufforstung. Leider machte man auch hier den Fehler und pflanzte schnellwachsende Nadelholzbäume. Noch heute stehen im Gebiet viele dichte Nadelbaumplantagen.

Der dänische Naturfond aber will bis zu 1.000 Hektar Fläche im Hammer Baker zu einem natürlichen Laubwald umbauen. Ebenso sollen Heiden, Wiesen und Weidelandschaften erhalten bleiben. Diese sind zunehmend durch starke Verbuschung gefährdet. Um das Zuwachsen dieser offenen Landschaften zu verhindern, werden im Gebiet neben Schafen und anderen Weidetieren auch eine Gruppe Wildpferde gehalten. Auch unsere Wanderung führte durch mehrere solcher Weidegatter.

Durch die Wälder des Hammer Bakker

Die hügelige Heidelandschaft mit den vielen Wacholderbüschen ist nicht nur zur Heideblüte eine wahre Augenweide. Neben den Heide- und Weidelandschaften mit ihrer jeweils charakteristischen Vegetation sind auch die beiden Torfmoorseen “Pebermosen” und “Brødlandmose” erwähnenswert. Im Gebiet Hammer Bakken gibt es sonst keine weiteren Gewässer wie Bäche oder Seen. Um die Seen hat sich noch die typische Moorvegetation erhalten können. Auch der Sonnentau soll hier noch vorkommen.

Unsere Wanderung im Hammer Bakker

Startpunkt der Wanderung: Vodskov, Pitsvey – Parkmöglichkeit rechts hinter eine Hecke

Vom Parkplatz führt uns unser Weg über einen breiten Weg hinein in das Gebiet des Hammer Bakker. Am Waldrand und über schmale Waldwege entlang passieren wir einige Gebäuden, u.a. ein Internat und eine psychiatrische Klinik. Hier gibt es auch noch einen Gedenkstein, der an frühere Zeiten erinnert, als das Gebäude noch eine Irrenanstalt war. Bei unserer weiteren Tour weichen wir nun etwas vom Wanderweg ab und laufen ein Stück der Mountainbikestrecke entlang. Wer das nicht möchte, kann den Wanderweg einfach folgen. Wir stossen später sowieso wieder auf ihn. Der kurze – wenn auch nicht ungefährliche – Abstecher führ durch einen mannshohen Ginsterwald. Glücklicherweise begegneten wir keinem Biker, so dass wir uns auch nicht mit einem spontanen Abroller zur Seite in Sicherheit bringen mussten.

Durch die Wälder des Hammer Bakker

Wir folgen den Markierungen, gehen durch ein Gatter und erreichen einen hübschen Grill- und Übernachtungsplatz. Nun folgen wir der offiziellen “Roten Route” durch den Hammer Bakker. Der Weg ist mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Er führt uns durch die Heide vorbei an Hügelgräbern zu einem wunderschönen Aussichtshügel. Wir entdecken die typischen Heidepflanzen wie das Heidekraut, die Glockenblume, Moosbeere oder die Wacholdersträucher. Durch diverse Gatter laufend überqueren wir die Heideebene, folgen dem roten Punkt und kommen schliesslich in ein Waldgebiet. Unterwegs finden wir immer wieder Schilder, auf denen die Natur vor uns erklärt wird. Sehr schön gemacht!

Schliesslich gelangen wir zum See “Pebermosen”. Hier verlassen wir die rote Route und wandern weiter auf der blauen Route. Im Gebiet um den See lebt auch eine kleine Herde Wildpferde, die zur Landschaftspflege eingesetzt wird. Natürlich sehen wir die Tiere auch mehrmals zwischen den Bäumen. Durch das Verbeissen von Sträuchern und Bäumen und durch ihre Tritte und ihr Staubbaden halten sie die Flächen frei von Aufwuchs und Verbuschung. Schilder weisen uns darauf hin, dass man zu den Tieren mindestens 10 Meter Abstand halten soll.

Bei unserer Tour am See entlang können wir dessen Vegetation betrachten. Wir sehen u.a den Sumpfschachtelhalm und auch die Weisse Seerose. Gerade letztere verträgt überhaupt keine nährstoffreichen Gewässer. Deswegen ist diese Pflanze in Deutschland in den letzten Jahren von einer Allerweltspflanze auf die Rote Liste der bedrohten Arten gerutscht.

Wir gelangen zu einem Rastplatz und machen hier am Rand des Sees erst einmal unsere Pause. Nach einiger Zeit hören wir es Knacken und Schnauben. Zögerlich, aber zielstrebig nährt sich uns die Herde, an der Spitze der Leithengst. Immer näher kommen die Tiere. Von den 10 Metern Abstand wollen die Pferde anscheinend nichts wissen. Schliesslich ist die Herde bei uns und wir sind zwischen den Tieren. Wir denken, dass es besser ist, ihnen den Platz zu überlassen. Schliesslich ist es ihr Revier und bei der sommerlichen Wärme haben auch Pferde ihr Recht auf Wasser. Das wir für unsere Entscheidung später fürstlich belohnt werden sollen, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Durch die Wälder des Hammer Bakker

Wir treffen wieder auf die rote Route und wandern diese weiter durch schattige Wälder, bis wir auf eine breite geschotterte Forststraße treffen. Hier wandern wir einen kleinen schmalen Pfad weiter und kommen an einem kleinen, schon ziemlich verlandeten See vorbei. Etwas später zweigt ein Pfad mit einem Hinweis rechts unseres Weges ab. Der Pfad führt uns zum Denkmal Mindesten auf der Kishøj. Dieses Felsmonument wurde zum Gedenken an Harald Branth von dankbaren Schülern und Freunden gestiftet. Branth war ein dänischer Landwirt, Grundbesitzer und Politiker, der sich für die Modernisierung der dänischen Landwirtschaft einsetzte.

Vom Gedenkstein gehen wir wieder zurück und weiter die alte Königsstraße entlang. Auf den gamle Kongevej reiste damals der dänische König durch das Land. Unser Weg geht weiter den dänischen Pilgerweg Nordjylland Ost entlang. Im Wald, direkt am Wegesrand erblicken wir zwei grosse Steinpilze. Wie durch ein Wunder sind diese zwei herrlichen Speisepilze schon einige Meter vorher für uns sichtbar. Das sollte unser Danke-schön dafür sein, dass wir der Pferdeherde den Vortritt am See gegeben haben. Dem Universum danke ich dafür! Nur wenn man sich allem mit Respekt begegnet, kann es auf unserer Erde wieder schöner werden. Die Pilze haben wir natürlich mitgenommen und wir machten uns schon unterwegs Gedanken, welches Mahl wir damit zubereiten werden. Im Ferienhaus brachten sie dann 350 und 450 Gramm auf die Waage. Beide hatten festes Fruchtfleisch, waren nirgends angefressen oder hatten Maden im Fleisch. Einfach unvergesslich!

Durch die Wälder des Hammer Bakker

Wir zweigen bei der weiteren Wanderung auf die gelbe Route ab und wandern weiter durch die Wälder. Nach einiger Zeit kommen wir noch an einer Bank mit einer herrlichen Aussicht vorbei und nähern uns schliesslich wieder unserem Ausgangspunkt.

Unsere Wanderung bei Komoot zum Nachwandern. Dort kannst du übrigens auch die GPS-Daten unserer Wanderungen auf dein Gerät laden.

Fotogalerie der Wanderung

Videoimpression unserer Wanderung

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