Durch das wildromantische Bodetal von Treseburg nach Thale

Durch das wildromantische Bodetal von Treseburg nach Thale

Geschrieben von Torsten Berg

Dieser Beitrag wurde am 07.02.2022 aktualisiert.

Veröffentlicht wurde er am 13.01.2022.

Viele Urlauber kennen das Bodetal nur von den berühmten Punkten her: dem Hexentanzplatz und der Rosstrappe. Bekannt ist sicherlich auch noch der Einstieg in das Bodetal bei Thale mit der Erlebniswelt der Seilbahnen Thale. Wenige machen sich die Mühe und unternehmen hier im Gebiet ausgedehnte Wanderungen. Wir sind durch das wildromantische Bodetal von Treseburg nach Thale gewandert. Zurück ging es dann durch die Harzwälder wieder nach Treseburg. Auf dieser Strecke sammelten wir auch gleich sechs Stempel der Harzer Wandernadel.

Durch das wildromantische Bodetal von Treseburg nach Thale - Blick durch den Wald auf die Bode bei Treseburg

Das Bodetal ist doch nur Massentourismus?

Wenn man wieder einmal in der alten Heimat unterwegs ist, kommt man unweigerlich auch an Orte und Plätze, die “normalerweise” nur Touristen aufsuchen. Zu normalen Zeiten und im Sommer stapeln sich hier die Touristen. Zum Glück aber meistens nur an den bekannten Orten. Ist das Bodetal denn nicht auch nur Massentourismus?

Schon in Thale am Eingang zum Bodetal wird man von der Erlebniswelt der Seilbahnen Thale erdrückt. In den 1980er Jahren gab es hier die Talstationen der Seilbahn und des Sesselliftes. Heute hat man noch Spass in verschiedenen Funparks, auf der Spassinsel, beim Minigolfen, im Harzbob oder auf der Downhillstrecke. Ein wirklich umfangreiches Spass- und Freizeitangebot. Anscheinend scheint es auch Bedarf dafür zu geben – zumindest in der Urlaubssaison.

Für mich war die Wanderung im Bodetal eine Rückkehr zu meiner eigenen Geschichte. Hier war ich im Naturschutz aktiv und arbeitete in der Forstwirtschaft. Dieses urwüchsige Stück Erde, von den Kräften der Natur geformt, hat auch durch den ganzen Tourismusrummel nichts von seiner Strahlkraft verloren. Und man kann diese ganzen Tourismusattraktionen ganz gut umgehen.

Durch das wildromantische Bodetal von Treseburg nach Thale - der Teufel wartet auf dem Hexentanzplatz

Vorüberlegungen zur Tour

Als geübte Flachlandwanderer machten wir uns vorab doch schon Gedanken. Ist es nun besser die grossen Steigungen bergauf zu gehen oder doch lieber bergab. Letztendlich entschieden wir uns dafür, bergauf zu gehen. Gerade bei feuchtem Herbstwetter und den vom Laub bedeckten, teils steinigen Wanderwegen war das rückblickend eine sehr gute Idee. Unsere Route durch das Bodetal ist übrigens ein Teil des
Fernwanderweges Harz-Eichsfeld-Thüringer Wald und auch des Harzer Hexenstieges.

Auch wenn der Weg durch das Bodetal ein gut frequentierter Wanderweg ist, sollte man trotzdem gute trittsichere Wanderschuhe tragen. Flache Turnschuhe mit dünner Sohle, Business-Lederhalbschuhe oder gar Flip-Flops gehen gar nicht. Teilweise führt der Weg über steiniges und unebenes Gelände. Ein Wanderstock hat sicherlich auch seine Vorteile. Getränke sollte man ebenfalls nicht vergessen und eine kleine Brotzeit kann oftmals auch sehr gut tun.

Im Herbst und Winter sollte man sich überlegen, ob man eine Taschenlampe braucht. Unten im Bodetal und in den Nebentälern wird es teilweise noch früher dunkel als sonst in der dunkeln Jahreszeit. Auch im Wald bricht die Dunkelheit schneller herein.

Durch das wildromantische Bodetal von Treseburg nach Thale

Durch das wildromantische Bodetal von Treseburg nach Thale

Wir starten in Treseburg. Hier direkt an der Bode am Ortseingang des kleinen Städtchens wurde ein Wanderparkplatz angelegt. Unsere Route führt uns direkt durch das Bodetal entlang des gleichnamigen Flusses durch urwüchsige Wälder mit jahrhundertealten Eichen, Buchen, Eiben und anderen Bäumen. Ziemlich bald erreichen wir die Sonnenklippe und erwandern uns hier den Stempel der HWN 69.

Wir kommen an vielen weitern Felsklippen vorbei, laufen über Jahrmillionenalte Gesteinsformationen und durch zerklüftete Schluchten. Sind wir in Treseburg noch fast allein unterwegs, so treffen wir – je näher wir nach Thale kommen – immer mehr Menschen. Klar, denn die Hauptattraktionen des Bodetals liegen nun mal bei Thale.

Schliesslich erreichen wir den Bodekessel. Mein Begleiter ist geflasht von soviel Bergen. Ich kann das verstehen. Mir geht es genauso, aber ich kenne die Landschaft hier. Am Gasthaus Königsruhe stempeln wir die HWN 178 und wagen den Aufstieg Richtung Hexentanzplatz. Über Serpentinen geht es hinauf. Für Flachwanderer ist das eine ganz schöne Anstrengung. Auch für mich, aber ich habe ja auch den Rucksack mit der Fotoausrüstung bei mir. :-)

Durch das wildromantische Bodetal von Treseburg nach Thale

Oben angekommen haben wir uns die Rast an der La Viershöhe redlich verdient. Und auch den Stempel der HWN 72. So gut tat eine Brotzeit selten. Nach Erholung und Stärkung schauten wir uns auf dem Hexentanzplatz um. Vor allem bestaunten wir natürlich die geilen Felsformationen. Über Jahrmillionen hat sich die Bode hier in die Gesteinsschichten eingegraben und Wind und Wetter modellierten das heutige Erscheinungsbild. Einfach ein Wahnsinn! An solchen Orten stören mich dann auch nicht die vielen Touristen. Ok, seien wir ehrlich: es war mitten in der Woche und wir sind mitten in der Coronapandemie. Die Anzahl der Menschen hält sich hier heute in Grenzen. Ich finde es gut!

Hinter dem Hexentanzplatz machen wir einen Abstecher über den Brunhildenstieg entlang zur Prinzensicht. Hier hat man noch einmal die Möglichkeit auf die gegenüberliegende Rosstrappe zu blicken. Ausserdem gibt es hier den Stempel der HWN Nr. 70. Dann müssen wir zurück. Die Route führt uns auf Wirtschaftswegen weiter. Aber das ist für mich insoweit in Ordnung. Der Harz ist traditionelles Waldgebiet und Wald darf auch genutzt werden, wenn es nachhaltig und vertretbar ist.

Durch das wildromantische Bodetal von Treseburg nach Thale

Dafür stand übrigens auch der Mann, dem die Forstleute das Pfeil-Denkmal gestiftet haben. Dieses Denkmal ist eine Gedenkstätte für Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil (1783 – 1853). Er war ein forstlicher Praktiker, Forstwissenschaftler und Schriftsteller. Ab 1830 leitete er die Höhere Forstlehranstalt in Eberswalde und gab 24 Bücher und 700 forstliche Abhandlungen heraus. Trotz seiner zahlreichen Veröffentlichungen und seiner Kenntnis der gesamten damaligen forstlichen Fachliteratur stellte Pfeil das scharfe „Beobachten der Natur“ und das Sehen lernen über alles theoretische Wissen: „Der Mangel an Beobachtung kann durch bloße Spekulation nie ersetzt werden.“ Das führte ihn zu seiner berühmten Maxime: „Fragt die Bäume wie sie erzogen sein wollen, sie werden Euch besser darüber belehren als es die Bücher thun.“

Hier am Denkmal gibt es den Stempel der Harzer Wandernadel Nr. 68. Wir bekommen das Denkmal noch in schönsten Abendlicht zu sehen. Für eine Rast stehen hier mehrere Holztische und Bänke zur Verfügung. Jetzt müssen wir uns aber sputen, denn wir haben noch eine Strecke vor uns. Das Bestaunen und Fotografieren nimmt viel Zeit in Anspruch. Aber ich kann es verstehen: der ganze Harz ist einfach herrlich!

Am Aussichtspunkt Weisser Hirsch gibt es die nächste Wandernadelstempelstelle. Nummer 67. Nun stolpern wir die Höhe wieder runter. Je tiefer wir in die Schlucht des Bodetals wieder eintauchen, umso dunkler wird es auch im Wald. Vor uns liegt Treseburg und wir gelangen rechtzeitig kurz vor Einbruch der Dunkelheit wieder an unserem Parkplatz.

Unsere Tour bei Komoot


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Obwohl einer der Touristenmagneten im Harz ist das Bodetal unbedingt einen Besuch wert. Orte wie der Hexentanzplatz, der Bodekessel, der Blick auf die Rosstrappe und die urtümlichen Schluchten: sie sind viel zu schön, um sie links liegen zu lassen! Abseits der HotSpots findet man aber auch genügend Ruhe und Erholung. Aber man sollte sich nicht zuviel vornehmen. Für Touren abseits der HotSpots empfehlen sich unbedingt Wanderschuhe. Je nach der geplanten Tourdauer sollte man eine Taschenlampe mitnehmen. Im Wald und in den Schluchten wird es eher als gewohnt dunkel.

Hier findest du das Video zu unserer Wanderung:

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Auf dieser Wanderung kannst du die Stempel der Harzer Wandernadel HWN 69 – 178 – 72 – 70 – 68 – 67 erhalten. Weitere Tipps im Harz findest du auf meiner Webseite unterwegs im Harz 

Kleine Fotogalerie

Kommentieren, Anregen und Diskutieren

  1. hubert 31. Januar 2022 at 21:53 - Reply

    Klingt nach einer tollen Tour, wobei ich schon bei dem ersten Bild schmunzeln muss. Dieser Teufel, oder was das ist, ist ja echt putzig!

    Den Harzer Hexenstieg habe ich eh schon länger im Auge, irgendwann sollte ich den echt mal gehen…

    • Torsten Berg 1. Februar 2022 at 20:11 - Reply

      Moin Hubert,

      wenn du mich fragen würdest: mach das! Wen du den Bronzeteufel meinst, der sitzt auf dem Hexentanzplatz und hat noch zwei äusserst attraktive weibliche Begleiterinnen. :-)

      Beste Grüsse

  2. Lena 31. Januar 2022 at 14:56 - Reply

    Das Bodetal ist für mich eines der schönsten deutschen Wandergebiete! Es ist auch eine Art Mythos für mich, weil ich es noch nie “so richtig” durch geschafft habe. Wir sind mehrmals ein Stückchen reingelaufen, aber aufgrund kleiner Kinder, nicht wanderfester Begleiter:innen oder Zeitdruck leider nie weit. Irgendwann möchte ich unbedingt mal die ganze Strecke laufen!

  3. Jens 31. Januar 2022 at 13:05 - Reply

    Hallo Torsten,
    meine halbe Kindheit habe ich wandernd im Harz verbracht und war auch viele Male am Hexentanzplatz und an der Rosstrappe, aber irgendwie hat es sich nie ergeben, einmal durch das Bodetal zu wandern. Mit Deinem schönen Artikel wird mir ein weiteres Mal klar, wie dringend ich das nachholen sollte. Da wir fast immer mit unseren Kindern im Harz unterwegs sind, meinst Du, dass es möglich ist, die Strecke unten im Tal in einer Richtung an einem Nachmittag mit kleineren Kindern zu durchwandern?
    Und ich stimme Dir unbedingt zu: Sobald wir zwischen den Klippen und Felsen des Harzes stehen, sind wir immer wieder aufs neue begeistert von diesem schönen Mittelgebirge.
    Herzliche Grüße,
    Jens

    • Torsten Berg 31. Januar 2022 at 13:49 - Reply

      Hallo Jens,

      danke für deinen Kommentar. Mit kleineren Kindern ist die Tour von Thale nach Treseburg oder von Treseburg nach Thale durch das Bodetal gut zu schaffen. Es sind ca. 10 km. Es gibt viele kleinere, aber auch grössere Unebenheiten durch Gesteinsplatten und Steinstufen. Je nach Witterung ist es auch sehr feucht auf den Wegen. Die Kinder sollten also schon trittfest sein. Ansonsten macht es den Kiddies sicherlich viel Spass die Strecke zu erkunden. Dabei solltet ihr aber aufpassen, dass sie nicht den Hang abrutschen.

      Ich bin das erste Mal die Strecke von Thale nach Treseburg mit meinen Eltern gewandert, als ich 6 Jahr alt war. Angeblich war ich hinterher so fertig, dass ich im Sessel sitzend mit einem Keks im Mund noch vor dem Abendessen eingeschlafen bin.

      • Jens 31. Januar 2022 at 15:27 - Reply

        Danke Dir, Torsten, das ist gut zu wissen, denn unsere Jüngste ist tatsächlich 6 Jahre alt. Ich fürchte, dann werden wir diese Wanderung auf den nächsten Sommer verschieben. Aber dann ganz sicher!

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