Duncan Laurence gewinnt die Krone des Eurovision Song Contest 2019 und was ist mit Deutschland? Wir sind wieder auf dem vorletzten Platz gelandet und machen uns nun vielleicht Gedanken um den nächsten Start.

Duncan Laurence gewinnt die Krone - Foto Thomas Hanses

Duncan Laurence gewinnt die Krone

Das Finale des Eurovision Song Contest ist gelaufen. Der Sieger steht fest – nicht unerwartet von vielen. Damit wird der ESC im nächsten Jahr irgendwo in den Niederlanden stattfinden. Nach der Diskussion um den diesjährigen Austragungsort in Israel wird es im nächsten Jahr entspannter ablaufen. Der Song „Arcade“ von Duncan Laurence war zwar nicht mein grösster Favourit, aber dennoch freue ich mich über das Ergebnis. In meinem persönlichen Voting habe ich die Niederlande auf den zweiten Platz gesetzt. Zudem ist der Song auch in meiner Eurovisionplaylist gelandet.

Herzlichen Glückwunsch in die Niederlande. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr. Mein Gewinnerfavourit Australien konnte zwar nicht den Sieg verbuchen, schaffte es aber auf einen guten neunten Platz. Der Grund dafür war sicherlich auch eine noch nie zuvor gesehene Bühnenshow. Schwerelos schien die Sängerin Kate Miller-Heidke mit ihrem Background durch das Weltall zu schweben. Und das Weltall war sogar echt, keine erdachte Projektion. Man konnte sogar deutlich den Pferdekopfnebel sehen. „Zero Gravity“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie man aus einem durchschnittlichen Song noch etwas mit einer geilen Performance machen kann. Hier sollte sich Deutschland ein Vorbild nehmen. Weiterhin freue ich mich über die guten Platzierungen von Russland, der Schweiz, Schweden und Aserbaidschan. Auch diese Songs halten ihren Einzug in meine Eurovisionplaylist.

Innerhalb der Eurovisionsbubble war der ESC in Israel sicher gelungen. Mir gefielen beide Semifinale und auch das Grand Finale war unterhaltsam. Sogar Madonna trat auf (ok, über die Qualität lässt sich streiten). Also, der Sender KAN hat keine Kosten und Mühen gescheut. Seitens der Regierung wurde dem Sender nur ein Kredit bewilligt (und Madonna wurde durch einen israelischen Millionär bezahlt). Sicherlich, das Ein oder Andere hätte man sich bei den drei Liveshows sparen können. Leider kann ich nicht wirklich etwas zum Gelingen der Eurovisionswochen in Tel Aviv sagen. Aber ich denke, kein Grand Prix geht ohne Probleme über die Bühne. Aber ich denke, Israel hat sich schon gut präsentiert.

Politische Zeichen während der Livesendung

So unpolitisch kann auch der ESC nicht sein. Island zeigte während der Punktevergabe Flaggen aus Palästina und auch Madonna liess zwei Tänzer mit einer israelischen und einer Palästinenserflagge auf dem Rücken die Showtreppe hinaufsteigen. Zusätzlich tanzten dann noch Tänzer mit Gasmasken auf dem Kopf zu ihrem neuen Titel „Future“. Ich finde, ein schönes Statement! Laut Aussagen der EBU werden nun wahrscheinlich den Isländern Konsequenzen drohen. Man überlegt noch. Ob Madonnas Verhalten Konsequenzen haben wird, kann ich momentan noch nicht sagen. Wahrscheinlich wird aber alles irgendwie totgeschwiegen. Es kann ja nicht lange dauern in unserer schnelllebigen Zeit. Den Auftritt von Madonna kannst du dir übrigens hier anschauen.

Und was ist mit Deutschland?

S!sters aus Deutschland ist leider wieder nur auf dem vorletzten Platz gelandet. Schade eigentlich, denn am Gesang der beiden Mädchen lag es nicht. Wer möchte, kann sich den Liveauftritt hier noch einmal anschauen.

Wie ich bereits vorhergesagt habe, der vierte Platz für Deutschland war nur ein Ausrutscher und keineswegs ein Zeichen dafür, dass das so als erfolgreich gefeierte neue Vorentscheidungsformat wirklich bestanden hat. Kritik für den diesjährigen vorletzten Platz gab es bereits häufig und auch ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber gab bereits sein Statement ab. Auch Thomas Mohr, Redakteur bei NDR2,  fand deutliche Worte zum Abschneiden unseres Beitrags. Hier zu sehen ab Minute 15:40.

Meine Gedanken zum Vorentscheidungsformat

Kritik gab es genug, Selbstkritik weniger. Ich möchte hier nicht kritisieren, sondern einfach einmal meine Gedanken zu einem etwas neuerem Vorentscheidungsformat vorstellen. Wie bisher soll es einen öffentlichen Vorentscheid geben, bei dem die Zuschauer und das bisherige Fanpanel die Beiträge bewerten können. Bewerben für diesen Vorentscheid sollten sich ausnahmslos aber Künstler mit selbstgeschriebenen Beiträgen. Davon gibt es genug in Deutschland. Somit sollte es gewährleistet sein, dass das Lied zum Künstler passt. Nichts finde ich schlimmer, als ein Sänger (oder Sängerin), der sich nicht mit einem fremdproduzierten Lied arrangieren kann. In solchen Situationen fehlt dann oftmals die persönliche Bindung und das merkt man einfach auf der Bühne.  In dieser Hinsicht sind sowohl Michael Schulte als auch der Niederländer Duncan Laurence zwei sehr aktuelle Beispiele. Denn beide schrieben ihren Song selbst und schnitten beim Contest sehr gut ab. Ohne Herzblut geht es einfach nicht.

Ein Songwriting-Camp bedarf es bei solch einem Vorgehen nicht unbedingt. Vielmehr sollte diese Zeit dann zu einem production-camp genutzt werden. Hier hat man Zeit, um am Song zu feilen und die Bühnenshow zu gestalten. Nachnominierungen oder wild cards sollten ausgeschlossen sein! Das war eine grobe Skizzierung meiner Vorschläge für ein neues Vorentscheidungsformat. Sicher kann man noch vieles überdenken und verwerfen. Einige Punkte habe ich bewusst noch offen gelassen.

Was meinst du zum Abschneiden von Deutschland in Tel Aviv? Und generell zum Eurovision Song Contest? Lass mir doch einfach dazu einen Kommentar hier.