Mit der Weihnachtsgeschichte 2018 erlebten die Waldesruher auch in diesem Jahr wieder spannende Momente in der Adventszeit. Zum ersten Mal gab es die Weihnachtsgeschichte in vierundzwanzig kleinen Folgen als Adventskalender. Zur besseren Lesbarkeit haben die Waldesruher hier noch einmal die gesamte Geschichte für euch aufgeschrieben.

Die Weihnachtsgeschichte 2018 - Wie die Menschen Weihnachten zerstörten

Tag 1 der Weihnachtsgeschichte 2018: Am Nordpol

Noch ist es ruhig in der Werkstatt hoch oben am Nordpol. Die fleißigen Elfen als Helfer des Weihnachtsmannes arbeiten routiniert die Wunschzettel der Kinder ab. Noch kommen diese nur zögerlich über die Antennenleitung in das Büro des Elfenvorarbeiters. Aber jeden Tag kann es soweit sein. Dann merken die Kinder und auch die Erwachsenen auf der Welt, dass Weihnachten vor der Tür steht. Dann werden sich die Wünsche häufen und die Elfen werden alle Hände voll zu tun haben.

Der Weihnachtsmann genießt noch die letzten ruhigen Tage. Morgens beginnt er seinen täglichen Rundgang durch die Werkstatt und schaut in das Büro des Elfenvorarbeiters hinein. Alles läuft bis jetzt normal. Es gibt keine Lieferrückstände und die Spielzeugwarenfabriken arbeiten alle im Takt. Selbst mit den neumodischen technischen Geräten haben die Elfen keine Schwierigkeiten.

Nach der Mittagspause stattet er seinen Logistikelfen einen Besuch ab. Diese überholen gerade den Weihnachtsschlitten. Denn es ist natürlich sehr wichtig, dass der Schlitten pünktlich zu Weihnachten auch funktioniert. Aber auch hier hat der Weihnachtsmann nichts zu beanstanden. Zufrieden geht er hinaus an den Waldrand, wo die magischen Rentiere stehen. Auch sie haben noch einige Tage der Ruhe vor sich.

Versonnen krault der Weihnachtsmann seinem Leitrentier den Kopf. Hoffentlich geht das diesjährige Weihnachtsfest ohne große Komplikationen über die Bühne. Der Weihnachtsmann merkt, dass er alt wird. Die letzten Jahre wurden immer mühseliger, aufregender und schnelllebiger. Auch die Wünsche der Kinder sind immer mehr und immer grösser geworden.

Seufzend erinnert er sich an seinen Schlittenunfall vom vorletzten Jahr. Und an das verschwundene Rentier im letzten Jahr. Beide Vorfälle ereigneten sich über Waldesruh. Glücklicherweise, denn in diesem beschaulichen Örtchen mit seinen freundlichen Menschen und der ursprünglichen Natur wurde ihm schnell geholfen. Der Weihnachtsmann wusste nicht, was geschehen wäre, wenn er hier keine Hilfe bekommen hätte. Seufzend, aber mit einem befriedigenden Gefühl, füllt er die Raufe der Rentiere mit frischen duftendem Sommerheu auf. Den Kopf voller Gedanken geht er hinüber in sein Weihnachtsmannbüro.

Die Weihnachtsgeschichte 2018 - Wie die Menschen Weihnachten zerstörten

Tag 2: Tee und Spekulatius am Nachmittag

Inzwischen ist es Nachmittag geworden. Zeit für den obligatorischen Nachmittagsspekulatius. Unser Weihnachtsmann hat es sich im Laufe der letzten einhundert Jahre angewöhnt. Jeden Nachmittag um fünfzehn Uhr nimmt er sich Zeit für sich allein. Bei einer Tasse Tee und ein paar frisch gebackenen Spekulatius.

Spekulatius gibt es beim Weihnachtsmann das ganze Jahr über. Nicht wie bei uns, wo es pünktlich zum Sommerende als Herbstgebäck in unsere Läden kommt. Nein, hier am Nordpol backt ein Backelf das ganze Jahr über jeden Tag frische Spekulatius. Mittlerweile sind diese Kekse eine Art Lebenselixier für die Bewohner des Weihnachtslandes geworden. Aber hier zwischen den ganzen Kugeln, der Weihnachtsdekorationen und den Geschenken kann man auch problemlos im Sommer Spekulatius essen.

So setzt sich unser Weihnachtsmann in seinen bequemen Ohrensessel. Vor ihm steht schon dampfend der frisch aufgebrühte Tee. Auf einem kleinen Tellerchen daneben liegen die duftenden frischen Kekse. Gedankenverloren knabbert er an ihnen herum. Zwischendurch genießt er in kleinen Zügen seinen Tee.

Vor knapp einhundert Jahren ist seine Frau gestorben. Seitdem lebt der Weihnachtsmann allein. Zwar hat er seine Elfen, die Rentiere und ein paar Freunde um sich. Aber er sehnt sich manchmal nach Zweisamkeit, nach jemanden, den er einfach wortlos in die Arme nehmen kann. Früher, als er noch jünger war, machte ihm das nichts aus. In seinen betagten Jahren jedoch vermisst er seine Frau. Er ist jetzt älter – wie alt, das weiß selbst er nicht mehr. Aber auch ein Weihnachtsmann lebt nicht ewig. Wie schön wäre es, wenn er doch wieder jemanden Liebevolles an seiner Seite hätte. Vielleicht würde er sogar dafür seinen Weihnachtsmannmantel an den Nagel neben der Tür hängen und die Geschäfte einem Nachfolger übergeben.

Wehmütig erinnert er sich an die Waldesruher. An die wenigen glücklichen Tage, die er mit ihnen verleben durfte. Vieles in Waldesruh erinnert ihn an das Leben im Weihnachtsland. Sein Technikelf hat ihm doch vor einigen Jahren etwas gezeigt. Der begabte Techniker hatte nämlich damals eine Möglichkeit gefunden mittels moderner Kameras jeden beliebigen Flecken auf der Erde anzuschauen.

Schnell eilt der Weihnachtsmann hinüber in das Technikerbüro.

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Tag 3: Der Weihnachtsmann und der Datenschutz

„Nein“, wiederholte der Technikelf zum dritten Mal seine Antwort. Er konnte dem Weihnachtsmann nicht so ohne weiteres durch den Fernguckmonitor sehen lassen. Schließlich gelten auch für den Weihnachtsmann die Datenschutzgesetze. Und der Technikelf kann auch in dieser Hinsicht keine Ausnahme machen.  „Es müsse ein begründeter Verdacht vorliegen, damit wir von hier auf die Waldesruher schauen können. Und wenn der Verdacht vorliegt, dann müssen wir das Formular X-2018-01848 ausfüllen. In zweifacher Ausfertigung.“

Der Weihnachtsmann wusste nicht, ob er sich ärgern oder wundern sollte. Das also war die schöne neue moderne Zeit also geworden. Noch nicht einmal der Weihnachtsmann konnte die modernen Techniken für sich nutzen. Überall waren Bürokraten zur Stelle, um jede Initiative zu unterbinden. Noch nicht einmal vor den Werkstätten des Weihnachtsmannes machten sie halt. Ob es dem Osterhasen genauso erging?

„Allerdings müsste ich jetzt einmal zu unseren Geschenkförderbändern gehen. Dort hat sich anscheinend etwas verklemmt“, ließ der Technikelf verlauten und lächelte dem Weihnachtsmann spitzbübisch zu. Der Weihnachtsmann brummte nur und sah zu, wie sich die Tür des Technikerbüros schloss.

Jetzt hatte er also etwas Zeit, die er nutzen konnte. Schnell setzte er sich an den Monitor des Fernguckgerätes. Gerade überflog der Satellit tberg-sat auch das Gebiet von Waldesruh. Mit fast feuchten Augen blickte der Weihnachtsmann auf die Waldesruher hinab. Kinderlachen ertönte aus den Lautsprechern und Stimmengewusel. Beschäftigt rannten die Menschen dort hin und her. Sie waren alle in Vorweihnachtsfreude und warteten auf das Weihnachtsfest. Die Wartezeit vertrieben sie sich mit ihrem wunderschönen Weihnachten in Waldesruh. Hoffentlich würde dieses Jahr alles glatt und ohne Komplikationen ablaufen. Aber dann würde unser Weihnachtsmann ja gar nicht auf seine Waldesruher treffen. Dem Weihnachtsmann wurde es immer wehmütiger ums Herz.

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Tag 4: Weihnachtsvorbereitungen in Waldesruh

Tatsächlich war man in Waldesruh beschäftigt mit den Vorbereitungen für das kommende Weihnachtsfest. Schon im Sommer hatte Fräulein Krause alle beide Hände voll zu tun. Auch dieses Jahr wollte sie für die Waldesruher und ihre Gäste das beste Weihnachten in Waldesruh organisieren. Es musste an so viele unterschiedliche Dinge gedacht werden. Die Anmeldelisten für Stände und Imbissbuden waren lang. Jeder wollte einen der begehrten Stellplätze haben und seinen Anteil am Weihnachtsgeschäft haben.

Seit Waldesruh richtig bekannt geworden war, zog es immer mehr Fremde hier her. Die Waldesruher selbst brauchten nicht viele Stände zum Glücklich sein. Der Bärenwirt, Bratwurst-Schneider, die Spielzeugwarenmanufaktur und die anderen kleinen Handwerker des Ortes genügten ihnen vollkommen. Sinn ihres Weihnachtsmarktes war es doch, zusammen zu warten und zu feiern. Wozu brauchten sie da noch Stände mit teuren Uhren, Taschen, billigen Dekorationsideen oder sonstigem Schnick-Schnack? Sie brauchten auch nicht den dritten, vierten oder x-ten Würstchenstand. Aber alle solche und noch andere Stände hatten sich auf der Liste von Fräulein Krause für den Weihnachtsmarkt angemeldet.

Wie wir es von unserem Fräulein Krause gewohnt sind, versuchte sie es über die letzten Monate allen Interessenten gerecht zu werden. Doch einige konnte sie nicht berücksichtigen. Waldesruh ist ein kleiner beschaulicher Ort mit wenig Platz. Hier passen keine großen und protzigen Stände hin. Weihnachten in Waldesruh soll ein Weihnachten für die Familie sein. Und keines für große Geschäfte.

Doch nicht nur die Stände wollten vergeben sein. Auch das Rahmenprogramm soll für den ganzen Dezember stehen. Jede Waldesruher Gruppe, sei es der Chor, der Kindergarten, die Schulklassen oder die Jagdhornbläser – alle wollten berücksichtigt werden. Jede Gruppe sollte mindestens an einem Tag in der Vorweihnachtszeit auftreten und die Gäste erfreuen. Das Fräulein Krause hatte ganz schön viel zu tun. Aber für Waldesruh organisierte sie gern das Weihnachtsfest.

Die Weihnachtsgeschichte 2018 - Wie die Menschen Weihnachten zerstörten

Tag 5: Reges Treiben auf dem Weihnachtsmarkt

Die Zeit der Organisation ist aber nun beendet. Seit ein paar Tagen ist Weihnachten in Waldesruh offiziell eröffnet. Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten kamen allein am ersten Dezember mehr als 50.000 Besucher in den sonst so beschaulichen Ort. Trotz der vielen Menschen scheint auch der diesjährige Weihnachtsmonat ganz harmonisch abzulaufen. Sicher, das Wetter könnte besser mitspielen. Aber darauf haben selbst die Waldesruher keinen Einfluss. Sie müssen es eben nehmen, wie es ist.

Die Waldesruher sind im Weihnachtsmodus angekommen. Der Ort mit den kleinen Gassen und der Marktplatz sind geschmückt. Ebenso die alten Häuser. An jeder freien Stelle drängt sich ein kleiner Stand mit regionalen Spezialitäten, Souvenirs oder Spielzeugen. Auch viele freie Händler konnten einen der begehrten Stellplätze erhalten. Neben Schneiders Bratwürsten oder den leckeren Gerichten des Bärenwirts findet der Besucher auch jede Menge anderer kulinarischer Spezialitäten. Sogar einen Broilerstand und mehrere Dönerbuden sind hier zu finden.

Viele leckere Gerüche ziehen durch die Gassen. Vom Rathaus klingen die Weihnachtsmelodien bis hinauf zum Hirschkopf. Überall flackern Lichter und erhellen das abendliche Dunkel. Die Augen der Besucherkinder leuchten beim Anblick der vielen Spielzeugstände. Gern werden die Angebote angenommen, die Fräulein Krause in den Monaten zuvor so intensiv zusammengestellt hat. Egal, ob Bastelstunden für Kinder, die Nationalparkführungen mit Förster Grünrock oder eines der vielen Weihnachtsessen. Es scheint also alles in Ordnung zu sein.

Doch beim Warten auf einen Tisch beim Bärenwirt oder auf Einlass in eine der Waldesruher Ausstellungen vergeht manchem Erwachsenen bereits das Lachen.

Die Weihnachtsgeschichte 2018 - Wie die Menschen Weihnachten zerstörten

Tag 6: Kleine Unfälle häufen sich

Bereits bei der Anreise muss sich mancher Besucher in Geduld üben. Zwar hatte Fräulein Krause in jedem Bericht und in jeder Anzeige darauf gedrungen, dass Besucher möglichst mit der Bahn aus Wilhelmsbrunn anreisen möchten. Waldesruh ist gar nicht auf großen PKW-Verkehr ausgelegt. Neben nur einer Zufahrtsstraße in den Ort stehen auch nur wenige Parkmöglichkeiten zur Verfügung.

Besucher, welche mit einem PKW angereist sind, müssen sich nun auf längere Wartezeiten einrichten. Für viele ist dieses Warten schon zu viel. Viele der PKW werden also an Stellen abgestellt, an denen eigentlich nicht geparkt werden darf. An manchen Tagen bildet sich bereits eine Dunstglocke über dem Tal. Leider bleibt es dabei auch nicht aus, dass sich der ein oder andere kleine Unfall ereignet. Regelmäßig kommt es zu kleinen Blechschäden und Verkehrsrangeleien. Wachtmeister Hoffmann hat dann neben der Regelung des Verkehrs zusätzlich noch die Anzeigen der Autofahrer aufzunehmen. Über Langeweile kann er sich dieses Jahr nicht beklagen.

Doch es sind nicht nur die kleinen Blechschäden, die dem Wachtmeister Sorgen machen. Viel mehr regt es ihn auf, wenn wichtige Zufahrten für die Feuerwehr oder den Krankenwagen versperrt werden. Oder wenn die Türen und Tore der Waldesruher zugeparkt sind. Erst heute Morgen war Bauer Heinrich wieder bei ihm und beschwerte sich über Besucher, die einfach durch das offene Hoftor gefahren sind und nun mit ihren Autos seinen Hof zuparkten.

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Tag 7: Derweil in der Weihnachtsmannwerkstatt

Seit Tagen nun beobachtet der Weihnachtsmann das emsige Treiben in Waldesruh. In seiner Werkstatt schien alles nach Plan zu verlaufen. Sein Controllingelf legte ihm jeden Morgen die täglichen Berichte vor. Hier konnte der Weihnachtsmann sehen, wieviele Weihnachtswünsche erledigt waren und wieviele Wünsche neu hinzugekommen sind. Auch konnte er detailliert sehen, was sich die Kinder alles wünschten. Und er konnte sehen, ob seine Lieferanten ihm alles das zukommen ließen, was er zur Erfüllung der Wünsche benötigte.

Es schien wirklich alles nach Plan zu verlaufen. Eigentlich könnte er sich vor dem arbeitsintensiven Weihnachtsabend noch ein paar ruhige Tage in Waldesruh gönnen. In Gedanken packte er schon seinen Koffer für einen kleinen Urlaub zusammen. Der Weihnachtsmann freute sich richtig nach Waldesruh zu kommen.

In dem Moment hörte er die Türen seines Büros aufschlagen. Mit entgeisterten Minen stehen der Controllingelf und der Elfenvorarbeiter vor ihm. Der Controllingelf hält dem Weihnachtsmann einen Bogen Papier vor die Nase. „Hier steht es: es fehlen bei den Lieferungen aus Waldesruh aktuell zweitausend Spielzeuge. Vor einer halben Stunde waren wir da noch im Plan.“ In dem Moment poltert der Hilfscontrollingelf ebenfalls in das Büro des Weihnachtsmannes.  Er übergibt dem Controllingelf ein weiteres Stück Papier. Der Controllingelf wird immer bleicher.

„Zweitausend Spielzeuge waren es vor fünf Minuten. Jetzt sind es aktuell fünfttausendfünfhundertundzwölf! Wie sollen die Waldesruher das denn schaffen? Die Weihnachtszeit hat doch erst angefangen.“

Alle zusammen laufen sie in das Technikerbüro. „Jetzt dürfen wir keine Rücksicht auf den Datenschutz nehmen.“, wiegelt der Weihnachtsmann alle Bedenken des Technikelfes ab. „Ich muss jetzt wissen, was hier passiert ist!“. Erregt schaltet der Technikelf den Fernguckmonitor an.

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Tag 8: Ist denn schon wieder etwas passiert?

Auf dem Monitor sahen sie allerdings nichts Außergewöhnliches. Vielleicht war das weihnachtliche Treiben in Waldesruh noch etwas stärker geworden. Wachtmeister Hoffmann stritt gerade mit einem Autofahrer herum, der sein Auto in der Zufahrt zum Weihnachtsmarkt abgestellt hatte. In der Tourismusinformation regten sich mehrere Urlauber auf, dass sie schon wieder keine Karten für die Weihnachtsaufführung im Rathaussaal bekommen hatten. Vor dem Restaurant des Bärenwirtes stand eine lange Schlange wartender Menschen.

Beim Schwenk auf die Spielzeugwarenmanufaktur allerdings fiel dem Technikelf der leere Hof auf. Sollte da nicht wegen der vielen Bestellungen auch etwas Holz für die Herstellung des Spielzeugs lagern? Auf dem Bildschirm des Technikerbüros leuchtete eine neue Nachricht auf. „Neue Bestellung für Waldesruh: 10.000 Stück; Rückstand 25.374 Stück“ las der Controllingelf. Binnen weniger Minuten hatte sich der Rückstand verfünffacht. Ist denn dieses Jahr schon wieder etwas passiert?

Irritiert schauten sich alle an. Solch ein Bestellverhalten war einfach unnormal. Zumal laut der Wunschliste die Wünsche an Holzspielzeug doch eher gegenläufig waren. Viel öfters wünschten sich die Kinder nun ein Handy, Spielkonsolen oder anderes technische Spielzeug.

Der Vorarbeiterelf drückte auf den Knopf. Wie bisher mussten natürlich alle Bestellungen fristgerecht beim Lieferanten sein. Es dauerte auch gar nicht lange, da kam die Antwort aus Waldesruh: „Unmöglich! Solche Stückzahlen können wir nicht im ganzen Jahr produzieren.“ Das hatte der Weihnachtsmann geahnt. Nun musste er schnell nach Waldesruh um nach dem Rechten zu sehen. Vielleicht konnte er dieses Jahr den Waldesruhern helfen.

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Tag 9: Lieferschwierigkeiten in der Spielzeugwarenmanufaktur

Sanft landete der Rentierschlitten des Weihnachtsmannes hinter der Forsthütte von Förster Grünrock. Im Gegensatz zur Bruchlandung im vorletzten Jahr war diese Landung eine stramme Leistung (siehe hierzu die Weihnachtsgeschichte aus dem Jahr 2016). Kaum war der Weihnachtsmann ausgestiegen, rannten auch schon Fräulein KrauseEgon Schulze und Förster Grünrock auf ihn zu.

Während der Förster den Schlitten und die Rentiere schnell im Stall unterbrachte, zogen sich die anderen ungesehen in die Forsthütte zurück. Bei all dem Trubel hier in Waldesruh wäre es nicht angebracht noch mehr Aufmerksamkeit zu haben.

In der Küche wartete bereits Tante Rukolla mit einer heißen dampfenden Tasse Schokolade. Die hatte der Weihnachtsmann schon in den letzten Jahren immer gemocht. Nach einer kurzen Begrüssungsrunde setzten sich alle zusammen und sprachen über die Lage. Keiner von ihnen konnte sich die hohen Bestellungen der letzten Stunden erklären.

Mittlerweile hatte der Controllingelf weitere aktuelle Zahlen gesendet. Und wieder waren die Rückstände enorm angestiegen. Es war unmöglich den Rückstand aufzuholen. Das Weihnachtsfest war wieder einmal in Gefahr. Denn was ist Weihnachten ohne Geschenke für die Kinder?

Schlechte Nachrichten kommen auch aus der Spielzeugwarenmanufaktur. Nicht nur, dass die Waldesruher solche hohen Stückzahlen gar nicht schaffen könnten. Nein, auch das notwendige Holz war nicht in angemessener Zeit aufzutreiben. Schließlich nutzen die Waldesruher das, was ihnen ihre Region liefert. Und selbst wenn jetzt in Waldesruh alle Bäume gefällt werden würden, hätte man immer noch zu wenig Holz.

Die Lage war wohl hoffnungslos. In diesem Moment wurde Lärm vor der Haustür von Förster Grünrock laut.

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Tag 10: Der Weihnachtsmann wurde erkannt

In der Küche hörte man als erstes den Hund Bodo bellen. Der treue Begleiter von Förster Grünrock schien sein Revier zu verteidigen. Als nächstes hörte man Schimpfen und lautes Klopfen. Egon Schulze bat den Weihnachtsmann, sich im Obergeschoss des Hauses zu verstecken. Schließlich sollte ihn kein Kind sehen.

Förster Grünrock ging mit Egon Schulze zur Tür. Als sie öffneten, sahen sie die große Menschenmenge, die vom Tor bis zur Haustür ging. Die Menge rief: „Holt ihn raus.“ und „Wir wollen ihn sehen!“. Nur mit Mühe war die Menge zur Ruhe zu bringen. Schließlich kamen drei Personen zur Tür. Sie stellten sich als Reporter vom Fernsehkanal vor. Angeblich haben mehrere Erwachsene den Weihnachtsmann gesehen, wie er hier auf dem Hof von Förster mit seinem Rentierschlitten gelandet sei. Einige der Erwachsenen hätten den Anflug sogar mit dem Handy gefilmt. Und als freie Presse sei man schließlich dazu verpflichtet, solchen Meldungen nachzugehen. Man werde hier also nicht eher weggehen, bis man den echten Weihnachtsmann getroffen hätte.

Über so viel Dreistigkeit und Unvernunft konnten die beiden Waldesruher nur innerlich mit den Augen rollen. Was sollen sie nun aber machen? Allein gegen die Masse der Menschen vor ihrer Tür haben sie keine Chance. Immer ungeduldiger wurden die Presseleute. Schon schlichen einige von ihnen um das Grundstück herum und hofften so, einen Zugang zu erlangen.

Alles bitten und beteuern half nicht. Die Pressemeute gab in Erwartung auf ein Exklusivinterview mit dem echten Weihnachtsmann nicht nach. Jeder wollte seine eigene Story haben und damit viel Geld verdienen. Die Leute waren begierig auf jede noch so kleine Sensation. Egal, ob die Meldung dazu wahr ist oder erfunden. Die Lage vor der Haustür von Förster Grünrock spitzte sich zu.

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Tag 11: Tumult vor der Forsthütte

Vor der Tür wurde der Tumult immer grösser. Zur Unterstützung der Männer kamen nun auch Fräulein Krause und Tante Rukolla hinzu. Nur mit Mühe können die vier Waldesruher die Gruppe der Presse beruhigen. Selbst von dem Argument, dass es doch überhaupt keinen echten Weihnachtsmann gäbe, lassen sich die Presseleute nicht abbringen.

Alle Diskussionen nützen nichts. Jeder von der Presse dort draußen war überzeugt, dass die Waldesruher den echten Weihnachtsmann versteckt halten. Gut, dass die Gemeindearbeiter die Forsthütte erst vor kurzem mit einem stabilen Zaun umgeben hatte. So konnten die vier Waldesruher vor der Tür die Stellung halten.

Wertvolle Zeit vergeht, die sie eigentlich zur Lösung der Probleme der Spielzeugwarenmanufaktur benötigen. Langsam, sehr langsam löste sich die Menschenansammlung vor der Tür auf. Einige zogen sich zurück, weil es langweilig wurde hier einfach nur rumzustehen. Andere sind enttäuscht, weil sie keine Story und kein Foto vom echten Weihnachtsmann erhalten hatten.

Endlich kehrte wieder Ruhe ein und die anwesenden Waldesruher können sich um die wirklichen Probleme kümmern. Der Weihnachtsmann kam aus seinem Versteck und setzte sich wieder zu seinen Freunden in die Küche. Gemeinsam überlegen sie die nächsten Schritte.

Zuerst will man sich vergewissern, ob mit dem Bestellsystem beim Weihnachtsmann alles in Ordnung ist. Nicht, dass es einen Fehler bei der Datenübermittlung gegeben hatte. Aber laut der Meldung des Fermeldeelfen, der zusammen mit dem Techniker- und dem Controllingelfen das System bereits drei Mal kontrolliert hatte, war alles in Ordnung. Die bestellten Mengen waren so eingegangen, wie es in der Statistik steht.

Als nächste Schritt versuchten man nun den Auftraggeber der Bestellungen zu ermitteln. Das stellte sich als etwas schwieriger dar. Nach einigen Stunden des Wartens gab es dann die Erkenntnis: die Aufträge kamen von der Firma Weihnachtsartikel Ex- und Import aus Ullulu / Finnland. Das wunderte den Weihnachtsmann doch sehr. Denn diese Firma war ein Standort seiner Weihnachtsmannwerkstatt. Und die würden garantiert nicht solche Bestellungen losschicken. War der Fall doch komplizierter als alle angenommen haben?

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Tag 12: Streit auf dem Weihnachtsmarkt

Während die Waldesruher in der Forsthütte immer noch an der Lösung ihres Problems arbeiten, spielen sich auf dem Weihnachtsmarkt immer mehr dramatische Szenen ab. Nicht nur, dass es an den Ständen zu langen Warteschlangen kommt, nein, auch erste Tumulte werden bekannt. Und dabei geht es nicht immer nur darum, wer nun gerade an der Reihe ist.

Parkende PKW versperren die Zufahrtswege. Die Fahrer nutzen jede kleine Stellfläche aus, um ihren Wagen zu parken. Selbst vor den Toiletten werden die Autos geparkt. Für Besucher besteht fast kein Durchkommen. Dementsprechend ist die Stimmung schon aufgeheizt. Mehr und mehr entlädt sich der Ärger in Worten. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es zu ernsthaften Schlägereien kommt.

Und da fliegen auch schon die ersten Würstchen durch die Luft. Um den Stand von Bratwurst-Schneider liegen sich zwei Frauen in den Haaren. Grund dafür war wohl ein Senfflecken auf dem Pelz der einen. Schnell ergibt ein Wort das anderen und schon hauen sie mit ihren Handtaschen um sich. Die Umstehenden bilden schnell einen Kreis um die Streitenden. Heftig wird diskutiert und einige der Zuschauer scheinen bereits mit Geldbeträgen auf den Sieger zu wetten.

Vom anderen Ende des Marktes hört man Rufe: „Haltet den Dieb, haltet den Dieb.“ Offensichtlich gibt es nun auch in Waldesruh die ersten Taschendiebstähle. Durch die Menschenmenge sieht man jemanden schnell flüchten. Zurück bleibt nur eine weinende ältere Frau.

Die ersten Schaulustigen des Streites beginnen bereits auf die große Ortspyramide zu klettern. Von hier oben hat man einen besseren Blick auf das Geschehen. Und man kann besser mit seinem Handy filmen. Der Zaun um die Pyramide scheint die Kletterer nicht zu stören. Was ist nur aus unserem beschaulichen Örtchen geworden?

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Tag 13: Wachtmeister Hoffmann greift durch

Wachtmeister Hoffmann wird es langsam aber sicher zu viel. So viele Vorfälle hatte er während seiner Dienstzeit in Waldesruh noch nicht gehabt. Er ist der einzige Vertreter der Ordnungsmacht in Waldesruh. Bisher beschränkte sich seine Arbeit nur auf Kontrollgänge. Aber nun? Er braucht Hilfe, sonst kann er nicht mehr für Ruhe und Ordnung in Waldesruh garantieren. Aber Ortsvorsteher Egon Schulze sitzt in der Forsthütte.

Der Wachtmeister muss nun handeln. Glücklicherweise sieht er Bertram Baumeister und einige seiner Gemeindearbeiter ihm zur Hilfe eilen. Dankend blickt er zu den Männern hinüber. Polizeiliche Hilfe aus den Nachbarorten hatte er zwar bereits angefordert. Aber die Verstärkung steckt sicher in der Zufahrt zum Ort fest. Kein Wunder bei der Blechlawine, die es in diesen Tagen nach Waldesruh gezogen hat.

Der Wachtmeister kämpft sich durch die Menschenansammlungen zum Rathaus durch. Hier hat er Zugang zum Mikrofon und zu den Lautsprecheranlagen, die um den Markt verteilt stehen. Normalerweise sollten hier nun Weihnachtslieder zu hören sein. Stattdessen ertönt im Befehlston die Stimme des Wachtmeisters. „Der Weihnachtsmarkt wird geräumt. Bitte verlassen sie alle den Platz. In wenigen Minuten wird der Platz geräumt. Der Weihnachtsmarkt wird geschlossen.“

In diesen Minuten ertönt auch das tatütata der Polizeiwagen aus den Nachbarorten. Gerade rechtzeitig! Widerwillig und murrend lösen sich langsam die Menschenmengen auf. Diejenigen, welche eine Unterkunft in Waldesruh haben, ziehen sich dorthin zurück. Die anderen werden durch die ordnenden Hände der Polizisten zu ihren Autos und dann hinaus aus Waldesruh geleitet.

Die Arbeit gewohnten Gemeindearbeiter helfen mit, den Platz zu räumen. „Fast hätte ich das Militär gerufen.“ meint der Wachtmeister zu seinen Kollegen aus Wilhelmsbrunn„So etwas wie heute hatten wir hier noch nie.“ Nach knapp zwei Stunden haben die Waldesruher es geschafft. Der Weihnachtsmarkt ist von den Besuchern geräumt.

Der Wachtmeister eilt zur Forsthütte und setzt dort die Verantwortlichen von seinem Durchgreifen in Kenntnis. Vorerst müsse man Weihnachten in Waldesruh aussetzen. Es kann nicht mehr für die Ordnung und Sicherheit gesorgt werden. Seufzend stimmen Fräulein Krause, Egon Schulze, der Weihnachtsmann und die anderen zu.

Fräulein Krause informiert die Presse, dass bis auf weiteres Weihnachten in Waldesruh pausiert. An der Zufahrtsstraße in den Ort errichten die Gemeindearbeiter eine Zufahrtssperre. Über Nacht kehren endlich wieder Ruhe und Ordnung in Waldesruh ein.

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Tag 14: Weihnachten ist ein Riesengeschäft

Doch die Ruhe hält nur bis zum frühen Morgen an. Besucher kommen zwar zurzeit nicht nach Waldesruh hinein. Auch der Weihnachtsmarkt bleibt geschlossen. Aber im Rathaus klingeln die Telefone Sturm.

Was für eine Frechheit das denn sei, Weihnachten in Waldesruh einfach abzusagen! Schließlich habe man hier Stände gemietet und muss nun Umsatz machen. Warennachschub ist unterwegs und der muss verkauft werden. Schließlich habe man Verträge mit Waldesruh. – viele der Anrufer machen den Waldesruhern Vorwürfe und drohen mit dem Gang vor das Gericht.

Andere Anrufer beklagen sich, dass sie statt einer erhofften Zusage nur Absagen für ihre geplanten Stellplätze erhalten haben. So entginge ihnen ein beträchtlicher Umsatz zum Weihnachtsgeschäft.

Per Fax kommt sogar bereits eine Klageschrift vorab in das Büro von Egon Schulze. Hiermit wird die Spielzeugwarenmanufaktur auf Erfüllung des Liefervertrages verklagt.  Wird die bestellte Menge an Spielwaren nicht geliefert, so wird eine sehr hohe Vertragsstrafe fällig. Absender der Klageschrift ist die Firma Weihnachtsartikel Ex- und Import aus Ullulu / Finnland, Postanschrift postlagernd Monaco.

Anscheinend ist Waldesruh in die Blicke von Spekulanten gerückt. Diese wollen zur Weihnachtszeit nun das große Geschäft machen. Egal wie. Wie sonst sollen sich die Waldesruher die aktuelle Situation erklären?

Während sich im Rathaus der Tumult der letzten Tage fortsetzt, haben die Waldesruher im Ort nun Gelegenheit wieder Atem zu holen. Kein Stress, keine Autolawinen und keine Besuchermassen durchströmen den Ort. Fast ist es wie damals, als Waldesruh fast noch ein Geheimtipp war. Sind diese Zeiten nun endgültig vorbei? Wird Waldesruh im Sog des overtourism versinken wie andere schöne und alte Stätten auf dieser Welt? Weihnachten ist zu einem Riesengeschäft geworden und viele wollen daran teilhaben.

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Tag 15: Auch der Weihnachtsmann möchte nicht mehr

Derweil gibt es weitere neue Meldung aus der Weihnachtsmannwerkstatt. Glücklicherweise sind keine neuen Bestellungen für das Waldesruher Spielzeug eingetroffen. Trotzdem rattern die Drucker der Bestellannahme eine Bestellung nach der anderen aus ihren Papierausgabefächern. Die Wünsche der Kinder werden jedes Jahr grösser und mehr. Auch die Erwachsenen wollen reich beschenkt werden.

Der Weihnachtsmann lässt sich seine Übersichten nach Waldesruh schicken. Als er die langen Listen durchschaut wird er ärgerlich. „Wo sind nur die alten Weihnachtszeiten hin,“ murmelt er „anscheinend muss es heutzutage immer das neueste Handy, die große Spielkonsole und das zweite Auto sein. Die Menschen werden immer maßloser!“

„Sollen die Eltern doch ihren Kindern die Weihnachtsgeschenke selbst kaufen!“ sagt er laut zu den anwesenden Waldesruhern. „Jahrhundertelang besorge ich die Geschenke und bezahle diese mit meinen Firmengeldern.“ (Ja, liebe Kinder: falls ihr bis jetzt dachtet, die Geschenke werden von euren Eltern gekauft, dann hat sich eben eine Illusion zerschlagen.)

„Früher war das alles ganz anders. Da waren die Kinder noch maßvoller und haben sich über Kleinigkeiten gefreut. Aber heutzutage muss alles moderner, grösser und bunter sein. So macht Weihnachten doch keinen Spaß mehr. Ich kündige!“

Unserem Fräulein Krause fällt vor Schreck die Reiherfeder von ihrem kecken Reiherfederhütchen. Selbst dem so lebenserfahrenen Egon Schulze entgleisen alle Gesichtszüge. Kann der Weihnachtsmann denn kündigen? Was passiert dann mit Weihnachten?

„Ich kann kündigen!“ brummt der Weihnachtsmann. „Ich schließe die ganze Weihnachtsfirma. Sollen die Eltern doch den Kindern die teuren Geschenke kaufen und sich den ganzen Weihnachtsstress selbst antuen. Ich bin zu alt für diese ganze Sache!“

Schon bei seinen Worten telegrafierte er seinem Sekretärselfen eine Pressemitteilung an den Nordpol. Diese sollte sofort verschickt werden.

Die Weihnachtsgeschichte 2018 - Wie die Menschen Weihnachten zerstörten

Tag 16: Weihnachten fällt aus

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht des Weihnachtsmannes rund um die Welt. An jede Agentur, jede Zeitschrift, jeden Radio- und jedem Fernsehsender wurde die Pressemitteilung verschickt.

Pressemitteilung des Weihnachtsmannes

Mehrere hundert Jahre bin ich als Weihnachtsmann für das Weihnachtsfest zuständig. Viele Jahre waren es immer schöne und freudige Weihnachten, selbst in schwierigen Zeiten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie am Heiligen Abend des Jahres 1914 plötzlich in den Schützengräben des ersten Weltkrieges die Waffen schwiegen und Weihnachtslieder erklangen. Plötzlich lagen sich die Truppen der verfeindeten Armeen in den Armen. Wenigsten für ein paar Stunden war Frieden! Zu Weihnachten trafen sich immer die Familien, saßen Knechte, Mägde und Herrschaften beisammen. Weihnachten war ein Fest des Friedens, der Besinnung und der Liebe.

Heutzutage ist Weihnachten ein Fest des Geldes und gleicht dem Tanz um das goldene Kalb. Es zählt nur, wer das größte Geschenk hat. Alles muss neuer, teurer und grösser sein. Um sich selbst zu beweisen, beuten die Menschen andere Menschen und Tiere aus, plündern und verschmutzen die Natur. Weihnachten ist nicht mehr mein Weihnachten!

Aus diesem Gründen schließe ich mit sofortiger Wirkung meine Weihnachtsmannwerkstatt. Alle Weihnachtspatente und Weihnachtslizenzen ziehe ich ein. Mit anderen Worten: Weihnachten endet am heutigen Tag für immer!

Viele Menschen lasen diese Pressemitteilung und lachten nur darüber. Sie dachten wahrscheinlich: “Weihnachten feiern wir doch selbst, es gibt doch gar keinen echten Weihnachtsmann.“ Oder „was geht mich der Weihnachtsmann an. Das ist sowieso nur eine Erfindung der Werbeindustrie.“

Doch die Pressemitteilung des Weihnachtsmannes zeigte eine unerklärliche Wirkung. Wie von Geisterhand verschwanden Weihnachtsdekorationen und Beleuchtungen. Im Radio waren keine Weihnachtslieder mehr zu hören und die wenigen Gesangsbücher, die es noch gab, bestanden aus leeren Seiten. Es gab keine Schokoladenweihnachtsmänner mehr, keine Weihnachtsplätzchen, keine Zimtsterne. Es gab nichts mehr, das an Weihnachten erinnerte.

Nicht wenige Kinder fragten nun ihre Eltern: „Fällt Weihnachten nun wirklich aus?“ Ratlos drückten dann die Mütter ihre Kinder an sich und die Väter konnten auch nichts auf die gestellten Fragen antworten! Wie es schien, war Weihnachten von der Weltkarte verschwunden.

Die Weihnachtsgeschichte 2018 - Wie die Menschen Weihnachten zerstörten

Tag 17: Weihnachten verschwindet

Wie es der Weihnachtsmann gesagt hatte, verschwand alles, was irgendwie an Weihnachten erinnerte von der Welt. Der Weihnachtsmann flog aus Waldesruh zurück zum Nordpol. Dort zog sich zurück in seine privaten Zimmer. Niemanden ließ er zu sich. Die Weihnachtselfen in der Weihnachtsfabrik hatten die Maschinen ausgestellt und putzten nun nur noch fröhlich die Hallen. Fertige und unfertige Geschenke stapelten sich an den Hallenwänden. Die Arbeit ruhte.

War Weihnachten wirklich verschwunden? Einzig der Büroelf hielt tapfer an seinem Schreibtisch die Stellung. Und das musste er auch! Denn die Telefone standen nicht still. Immer mehr besorgte Eltern erkundigten sich, ob denn die Weihnachtsgeschenke für die Kinder rechtzeitig zum Fest einträfen.

Jedes dieser Gespräche musste der Büroelf traurig absagen. Es gäbe kein Weihnachten mehr und die Menschen sollten selbst sehen, was sie daraus machten. Der Weihnachtsmann hatte den uralten Vertrag zwischen den Menschen und Weihnachten gekündigt.

Auch in Waldesruh war die Weihnachtsstimmung verschwunden. Wie sonst das ganze Jahr über, so sah auch an diesem Tag der Rathausplatz aus. Nichts mehr war von Weihnachten in Waldesruh geblieben. Die Waldesruher Kinder waren sehr betrübt und selbst die Waldesruher Erwachsenen fühlten sich unwohl in ihrer Haut.

Der dicke Bernd diskutierte mit seinen Freunden. „Das geht so nicht. Der Weihnachtsmann kann nicht so einfach kündigen. Wir hatten immer so schöne Weihnachten hier in Waldesruh. Das war der Höhepunkt des Jahres.“ schluchzte er. Susi und der Forschtrat stimmten ihm zu. „Man muss doch irgendetwas unternehmen. Nur was?“

Vielleicht wussten die Erwachsenen Rat? Die wissen doch sonst immer alles … Gesagt, getan. Ohne große Worte liefen sie durch den Ort. Schnell suchten sie das Rathaus auf. Hier fanden sie wie vermutet das Fräulein Krause und Egon Schulze. Die Kinder bestanden darauf, dass die beiden sofort mit zu Tante Rukolla kommen sollten. Und wer kann sich schon energischen Kindern widersetzen? Unterwegs trafen sie Förster Grünrock, den sie ebenfalls mitnahmen.

In der fast leeren Rukollamühle trafen alle dann auf die Mühlenwirtin Tante Rukolla. Sie war fast erleichtert, dass sie nun einmal durchatmen konnte. Die letzten Tage waren sehr stressig gewesen im Kaffee der Mühle. Hunderte Besucher wollten bedient werden. Jetzt aber hatte sie Ruhe. Lächelnd bat sie die Kinder und die Erwachsenen an den Tisch. Alle bekamen erst einmal eine heiße Schokolade.

Die Erwachsenen hörten den Kindern aufmerksam zu. Auch sie vermissten das Weihnachtsfest. Doch sie konnten auch den Weihnachtsmann verstehen. Nur wie sollten sie den Weihnachtsmann überreden wieder mit dem Weihnachtsfest anzufangen? Das war sicherlich einfacher, als das Verhalten der ganzen Welt zu ändern.

Die Weihnachtsgeschichte 2018 - Wie die Menschen Weihnachten zerstörten

Tag 18: Niemand hat eine Idee

Die Kinder redeten so schnell und so viel, dass sie schon rote Köpfe bekamen. Irgendetwas muss getan werden, denn ein Weihnachtsfest ohne Weihnachten und ohne Weihnachtsmann war kein Weihnachtsfest. Da waren sich alle einig. Doch keiner der Erwachsenen wusste eine Lösung.

Da warf Susi in die Gesprächsrunde ein: „Ihr Erwachsen sagt doch immer, dass ihr Vorbild sein wollt. Wo bleibt denn jetzt eure Vorbildfunktion? Ihr habt doch sonst für jedes Problem eine Lösung und wisst immer alles! Erinnert ihr euch nicht an die letzten Weihnachtsjahre? Wir Waldesruher haben Weihnachten schon ein paar Mal gerettet, da muss es uns doch auch dieses Jahr wieder gelingen!“

Doch auch jetzt wusste keiner der Erwachsenen eine Lösung. Selbst das sonst so tatkräftige Fräulein Krause zuckte nur mit den Schultern. „Wir haben keine Ahnung, was wir machen sollen.“ meldete sich Egon Schulze zu Wort. „Die Menschen haben sich dieses Fiasko selbst eingebrockt. Wir haben doch hier in Waldesruh erlebt, zu welchen Tumulten es gekommen ist.“ In diesem Moment brach unser Fräulein Krause in Tränen aus. In der Runde kehrte Schweigen ein.

Nach einer Viertelstunde des gemeinsamen Schweigens räusperte sich Förster Grünrock. „Wenn wir Menschen nicht weiterwissen und uns nicht helfen können, vielleicht kann uns jemand anderes helfen. Ich muss jetzt gleich erst einmal weg. Warum darf ich leider nicht verraten.“ Fragend blickten ihn die Kinder und die anderen Erwachsenen an. „Nein ich darf nicht, ich habe es versprochen.“ schüttelte der Förster mit dem Kopf und zog sich seine Lodenjacke an. Schnell schloss er die Tür hinter sich.

Die Waldesruher blickten sich verstört an. Aber Förster Grünrock würde schon Gründe für sein Verhalten haben. Schweigend vertiefte sich jeder in seine Gedanken. Was könnte getan werden, um den Weihnachtsmann umzustimmen?

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Tag 19: Förster Grünrock und seine Tiere

Schweigend stapfte der Förster durch die kalte Dezembernacht. Es war frostig, doch der Schnee fehlte. Irgendwie gehört Schnee zum Weihnachtsfest. Doch da es kein Weihnachten mehr gab, fiel es gar nicht so sehr auf, dass kein Schnee lag.

Weit hatte er es nicht zu seinem Ziel. Der Förster wusste, was er machen konnte. Er würde den Rat der Waldtiere fragen. Vielleicht wissen diese eine Lösung. Tiere sehen die Welt mit anderen Augen als die Menschen. Förster Grünrock war zuversichtlich, denn er hatte ja im letzten Jahr ein großes Geheimnis (siehe hierzu die Weihnachtsgeschichte aus dem Jahr 2017) erfahren.

Am Nationalparkhaus angekommen, setzte er sich auf eine Bank und wartete. Schließlich konnte er ja nicht so einfach im Wald herumbrüllen. Seiner Erfahrung nach kommt irgendwann irgendein Waldtier vorbei. Und dieses würde er dann ansprechen.

Es dauerte auch gar nicht lange und eine der kleinen Waldesruher Kurzohrmäuse kam vorbeigehuscht. Erschreckt blieb sie vor dem Förster stehen und ihre großen schwarzen Augen blickten auf ihn. Der Förster versuchte sich nicht zu bewegen. Mit leiser Stimme fragte er das Mäuschen, ob es ihm helfen könne und eines der Tiere vom Rat herbeirufen würde.

Anscheinend war dem Mäuschen der Förster bekannt. Mit hoher Piepsstimme sagte sie dem Förster, dass sie schauen würde, ob es jemanden vorbeischicken könnte. Und schwupps war das Mäuschen weitergehuscht. Wieder war der Förster allein in der dunklen Nacht. Nur der Mond erleuchtete die freien Stellen am Nationalparkhaus.

Plötzlich raschelte es in den Büschen und heraus traten Hirsch Hubertus, der Keiler Hadrian und Weißzack, der Rehbock. Langsam steht der Förster auf und andächtig verneigen sich alle voreinander. Förster Grünrock fängt an zu erzählen, wieso er gekommen ist. Schließlich endet er mit dem verschwundenen Weihnachtsfest und fragt, ob die Tiere einen Rat für ihn hätten.

Mit leiser, dunkler Stimme antwortet Hubertus. Der alte Hirsch hat viel gesehen und erlebt. „Ihr Menschen zerstört unsere Lebensräume. Ihr tötet uns auf der Jagd aus Spaß und Freude. Mit euren Maschinen verdreckt ihr unsere Luft und verändert das Klima. Viele von uns versklavt ihr, haltet sie in engen dunklen Käfigen und beutet sie aus. Ihr seid euch selbst innerhalb eurer Art die nächsten und führt Kriege gegeneinander.“ Der Förster solle sich auf der Welt umschauen wie sich das Zusammenleben zwischen Menschen, Tieren und Natur in den letzten Jahren verändert hat.

„Ihr fühlt euch als Krone eurer eigenen Schöpfung“, pflichtet ihm der Keiler Hadrian bei. „Aber nicht alle Menschen sind so, wie es Hubertus beschreibt. Viele von euch setzen sich bereits wieder für die Natur und uns Tiere ein. Einige essen gar keine Tiere mehr, andere schützen aktiv die Natur. Gerade die Waldesruher leben vielfach noch im Einklang mit ihren Mitlebewesen und ihrem Umfeld. Ich denke, wenn die Menschen es schaffen, dass sie ihre Ignoranz, ihren Eigennutz, den Hass und ihren Neid ablegen, dann könnte der Weihnachtsmann noch einmal umgestimmt werden.“

Der Rehbock Weißzack, den der Förster selbst aufgezogen hatte und den der Rehbock genau kennt, pflichtete ebenfalls seinen Vorrednern zu. „Wie und ob die Menschheit sich ändert, können wir nicht sagen. Aber wenn ihr weiter so macht wie bisher, dann wird nicht nur Weihnachten verschwinden.“

Nach diesen Worten verabschiedeten sich die drei vom Förster und verschwanden wieder im Wald. Zurück blieb ein nachdenklicher Förster Grünrock.

Die Weihnachtsgeschichte 2018 - Wie die Menschen Weihnachten zerstörten

Tag 20: Der Rat des weisen Uhus

Immer noch grübelnd machte sich der Förster auf den Heimweg in die Rukollamühle. Die anderen Waldesruher würden bestimmt auf ihn warten. Er ging seinen gewohnten Weg und hing seinen Gedanken nach. Plötzlich stoppte er. Fast wäre er über den Uhu gestolpert, der vor ihm mitten auf dem Weg saß.

„Buhuuu“, begrüßte ihn der Vogel. Mit seinen leisen Schwingen hatte ihn der Förster gar nicht bemerkt. „Ich habe euer Gespräch eben am Nationalparkhaus mitbekommen.“ erzählte der Uhu. Der Förster hatte sich bereits vor Jahren gefreut, als endlich wieder ein Uhupaar im Steinbruch nistete. Streng hatte er über den Nistplatz des Vogels gewacht und mit dem Forschtrat Tobi sogar einmal einen Eierdieb gestellt.

„Der Hirsch, der Rehbock und der Keiler haben ja Recht. Wir Menschen leben so, als ob es nur uns auf der Welt gibt. Dabei sind wir nun fast so weit, dass wir unsere Erde selbst zerstören werden. Nun hat deswegen schon der Weihnachtsmann keine Lust mehr auf Weihnachten.  Was können wir tun?“

Der alte weise Uhu kratze sich am Kopf. „Ihr müsst euch ändern,“ antwortete er dem Förster „, die gesamte Menschheit muss sich ändern. Denn ihr lebt nicht allein auf dieser Erde und ihr habt so viele Mitlebewesen. Jahrtausendelang hatten wir mit euch ein gutes Verhältnis. Warum hat sich das geändert?“ „Wir können aber nicht alle Menschen ändern. Schon gar nicht in einer so kurzen Zeit. Und ob Weihnachten irgendwann einmal wiederkommen wird? Ich glaube nicht.“ seufzte der Förster.

Der Uhu flog auf einen Ast: „Förster Grünrock: schau dich um. Ihr hier in Waldesruh habt einen Nationalpark geschaffen. Dort jagt ihr nicht. Du hast eine Streuobstwiese wieder zum Leben erweckt. Ihr führt eure Kinder an die Natur heran und zeigt ihnen deren Schönheit und Verwundbarkeit. Bei Bauer Heinrich dürfen seine Tiere hinaus auf die Weide. Ihr habt euch noch nicht vollends von der Natur entwöhnt wie die Menschen in den großen Städten. Meint ihr nicht, wenn ihr mit gutem Vorbild handelt, dass sich immer mehr Menschen finden, die sich auch ändern wollen? Versucht es einfach!“

Mit diesen Worten verschwand der Uhu wieder auf leisen Schwingen. Nun noch nachdenklicher setzte der Förster seinen Weg zur Rukollamühle fort.

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Tag 21: Waldesruh bleibt Waldesruh

Nach einer geraumen Zeit kommt der Förster zurück in die Rukollamühle. Als er die Tür zum Kaffee öffnet, laufen die Kinder auf ihn zu und bedrängen ihn. Ob er denn eine Lösung hätte, wie sie das Weihnachtsfest zurückholen könnten?

Ernst setzt sich der Förster zu den anderen. Auch die Kinder nehmen wieder am Tisch Platz. Er sei lange durch den Wald gegangen, erzählte der Förster. An der frischen Waldluft konnte er besser denken. Schließlich sei er zu dem Entschluss gekommen, dass die Menschen sich ändern müsste.

Susi Bendig fiel im sogleich ins Wort: „Wir hier in diesem Raum können uns ja ändern. Aber wie schaffen wir es, dass sich alle Menschen ändern?“ Förster Grünrock antwortete ihr: „Ja, das ist das Problem. Wir können nicht alle Menschen zwingen sich zu ändern. Aber wir können hier in Waldesruh Vorbild sein. Wir müssen uns nur entscheiden, was wir wollen!“

Und er erzählte mit seinen Worten, was ihm der Uhu geraten hatte. „Da brauchen wir ja nicht viel zu machen,“ freute sich der dicke Bernd. „Doch, wir müssen vieles ändern“, entgegnete Tante Rukolla. „Wir müssen wieder kleiner denken. Wisst ihr noch, wie schön es in Waldesruh war, bevor die Massen an Touristen herkamen?“ „Aber Waldesruh braucht doch die Touristen“, schluchzte gleich wieder unser Fräulein Krause.

Egon Schulze stand auf: „Ja, wir brauchen den Tourismus. Doch wir können ihn verträglich gestalten. Wir können auch alles etwas kleiner gestalten. Es muss nicht alles grösser und bunter werden. Wir brauchen keinen großen Rummel. Lasst einfach Waldesruh sein, wie Waldesruh schon immer war.

Schnell entwickelte sich eine heftige Diskussion um das Thema, was Waldesruh eigentlich ausmacht. Schließlich einigte man sich auf einige Punkte. So soll es auch weiterhin keine Betonburgen in Waldesruh geben. Mit Autos darf man nicht mehr in den Ort fahren. Die Besucher sollen mit der Bahn den Ort erreichen können. Jeder unnötige Abfall soll gar nicht erst entstehen. Förster Grünrock brachte noch weitere Punkte in die Diskussion ein. Das Jagen soll nur noch der Hege und Pflege dienen und es sollen nur noch die Waldesruher hier jagen dürfen. Der Nationalpark soll grösser werden und jede Unterkunft muss nun nachhaltig bewirtschaftet werden.

Fräulein Krause schreibt alle Punkte auf eine lange Liste. Dahinter schreibt sie denjenigen auf, der dafür verantwortlich ist. „Und wir sollten überlegen, ob wir Weihnachten in Waldesruh nicht etwas kleiner machen.“ warf Egon Schulze ein. Da war es wieder – Weihnachten war ja noch immer verschwunden. Wie bekommen die Waldesruher nun den Weihnachtsmann zurück?

„Wir reisen zum Nordpol“ rufen die Kinder wie aus einem Mund. „Wir nehmen den Förster und das Fräulein Krause mit und dann reden wir mit dem Weihnachtsmann. Gemeinsam können wir ihm erklären, dass wir in Waldesruh uns ändern wollen. Und dass wir Vorbild für die ganze Welt sein werden. Vielleicht bekommt der Weihnachtsmann dann wieder Lust auf Weihnachten?“

„Hm, das könnte funktionieren. Miteinanderreden ist immer die beste Idee.“ brummt Egon Schulze und reibt sich dabei sein Kinn. „Nur wie kommt ihr so schnell zum Nordpol?“ Forschtrat Tobi meldet sich: „Ich habe noch etwas von dem magischen Flugsand von Harry Potter zu Hause versteckt. Wenn wir den auf ein Auto oder eine Kutsche streuen, vielleicht fliegt sie uns dahin?“ Ein Versuch sei es wert. Sonst geschahen um diese Zeit in Waldesruh ja immer eigenartige Wunder. Warum auch nicht dieses Mal?

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Tag 22: Das kleine Vögelchen

Kaum beschlossen, eilen die Kinder mit Förster Grünrock und unserem Fräulein Krause zum Bahnhof. Währenddessen telefoniert Egon Schulze mit dem Bahnhofsvorsteher Egbert Müller. Nachdem er von der Weihnachtsrettungsaktion informiert wurde, stellte er auch bereitwillig und ganz bürokratielos eine Lok zur Verfügung. Weihnachten kann man schließlich nicht jeden Tag retten!

Atemlos kamen unsere Waldesruher am Bahnhof an. Egbert Müller lief mit allen zum Abstellgleis am Steinbruch. Die Lok sollte möglichst weitab vom Dorfzentrum starten. Denn wer würde denn an eine fliegende Lokomotive glauben?

Die Kinder und ihre Mitreisenden machten sich reisefertig. Der Forschtrat holte sein Tütchen mit den Resten des Flugsandes hervor und streute es auf den Kohlekessel der Dampflok. Gespannt warteten alle darauf, dass sich die Lok in die Lüfte erheben würde. Doch außer einem Ächzen geschah …. nichts.

War die Lok zu schwer oder war die Menge des Flugsandes nicht ausreichend? Jedenfalls fing die Lok nicht an zu fliegen. Wieder machte sich Ratlosigkeit breit. Doch die Waldesruher wären keine Waldesruher, wenn sie jetzt die Hoffnung aufgeben würden. „Vielleicht ist die Magie des Flugsandes abgelaufen?“ vermutete Susi und hielt dem Forschtrat ein kleines Taschentuch hin. „Probiere mal, ob das Tuch fliegt!“ Es geschah aber nichts als der Forschtrat die letzten Krümel Sand zusammenkratzte. Jetzt war Weihnachten wohl nicht mehr zu retten. Mit herkömmlichen Mitteln würden sie es nie in zwei Tagen zum Nordpol schaffen.

In ihrer Aufregung bemerkten sie gar nicht das kleine Vögelchen, welches immer wieder laut piepsend zwischen ihren Beinen herumhüpfte. Erst als es unserem Förster Grünrock auf den Forsthut flog, wurde der Förster darauf aufmerksam. „Tschilp, tschilp, ich kann helfen, ich kann helfen“ zwitscherte es aufgeregt dem Förster entgegen. Der Förster zog sich erst einmal unbemerkt hinter ein paar Büschen zurück, denn es sollte ja niemand erfahren, dass er die Tiere verstehen und mit ihnen reden konnte.

Tschilp, tschilp! Wir Vögel haben eine Meldekette eingerichtet. Damit warnen wir alle Tiere, wenn böse Menschen kommen, tschilp. Wir sind gut vernetzt, tschilp! Wir können in ein paar Stunden sogar am Nordpol sein, tschilp tschilp.“ Der Förster überlegte kurz. Was blieb ihnen aber übrig? Schnell erzählte er dem Vögelchen vom Plan der Waldesruher und bat es, die Nachricht dem Weihnachtsmann zu überbringen. Vielleicht konnte das Weihnachtsfest doch noch gerettet werden.

„Tschilp, ich bin schon unterwegs, tschilp tschilp! Das sollte klappen, tschilp!“ zwitscherte es und verschwand. Der Förster gesellte sich wieder zu den anderen traurigen Waldesruhern. Gemeinsam kehrten sie zur Rukollamühle zurück. Alle schienen sich schon fast damit abgefunden zu haben, dass Weihnachten endgültig Geschichte war. Die Menschheit hatte es wieder einmal geschafft, eines der schönsten Dinge auf der Welt zu zerstören. Nur Förster Grünrock hatte im Herzen noch den kleinen Funker Hoffnung, welches das kleine Vögelchen in ihm erweckt hatte.

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Tag 23: Der vierte Advent

Heute wäre eigentlich der vierte Adventssonntag gewesen. Aber Weihnachten gab es ja nicht mehr. Die erwachsenen Waldesruher hatten sich damit abgefunden und versuchten nun die kommenden ehemaligen Festtage so gemütlich wie möglich zu verleben. Die Kinder jedoch gaben die Zuversicht nicht auf. Es wird ein Wunder geschehen. Es gab immer ein Wunder in dunklen Zeiten. Warum nicht auch dieses Mal?

Nichts geschah. Der Tag setzte sich so grau fort, wie er bereits begonnen hatte. Selbst Förster Grünrock war sich nicht mehr ganz so sicher, dass es das kleine Vögelchen zum Nordpol geschafft hatte. So ging er hinaus in den Wald. Schließlich sollten die Waldtiere nicht auf ihre jährliche Weihnachtsfütterung verzichten. Auch wenn es Weihnachten ja nicht mehr gab. Die Waldesruher Kinder schlossen sich dem Förster an. Die Wanderung in den Wald und die Gaben an die Tiere heiterten die Kinder wenigstens etwas auf. Denn wenn sie etwas mit ganzen Herzen mochten, so waren es der Wald und seine Tiere.

Ohne viel zu reden bestückten sie die Futterstellen mit Heu, Eicheln und Kastanien. Für die Vögel und Eichhörnchen hatten sie Nüsse aus ihren Gärten mitgebracht. Susi hatte sogar noch ein paar Möhrchen für die Hasen im Rucksack. Schweigend stapften sie nebeneinander durch den Wald. Plötzlich fiel ein schwarzer Vogel erschöpft in die Arme unseres Forschtrat. Susi erschreckte ein kleines bisschen. „Der arme Vogel ist ja ganz außer Atem!“ rief sie. „Das ist ein Kolkrabe – ich weiß auch nicht, was er hat. Aber er scheint aber gesund zu sein.“, antwortete Tobi. Der Rabe krächzte leise. Aber aus dem leisen Krächzen hörte unser Förster Grünrock ein kurzes „geschafft“ heraus. Seine Hoffnung wuchs. „Kinder, der Vogel braucht Ruhe. Bringen wir ihn zu mir in die Forsthütte.“

Schnell verteilten die Kinder den Rest der Leckereien im Wald. Als sie sich zum Gehen aufmachten, bemerkten sie aus dem Talkessel gemütliche Lichter. Je näher sie der Forsthütte kamen, umso heller wurden diese. Schließlich konnten sie vom Waldrand aus, kurze Blicke auf den Ort werfen. War das etwa der Weihnachtsbaum, der dort so hell auf dem Marktplatz strahlte? Schnell beeilten sich die Kinder in den Ort zu kommen.

Die Weihnachtsgeschichte 2018 - Wie die Menschen Weihnachten zerstörten

Tag 24: Am Heiligen Abend – Fröhliche Weihnachten!

Je näher der Förster und die Kinder der Forsthütte und dem Ort kamen umso heller wurden die Lichter. Die Kinder fingen an zu laufen und siehe da – es war wirklich der Weihnachtsbaum, der den Marktplatz hell erstrahlte. Während der Förster den erschöpften Raben in seiner Scheune betreute, rannten die Kinder zur Rukollamühle. Auch hier war wieder alles für Weihnachten geschmückt. Sogar Weihnachtslieder hörte man aus den alten Lautsprechern.

Die Waldesruher lagen sich in den Armen. Weihnachten war wieder da! Passend am Heiligen Abend hatte der Weihnachtsmann wohl doch noch seine Meinung geändert. Und die Tiere aus Waldesruh hatten dabei mitgeholfen. Die Waldesruher und vor allem die Kinder waren ausser sich vor Freude! Ebenso die wenigen Touristen, die sich mit der Abgeschiedenheit in Waldesruh arrangieren konnten. Was braucht es an Weihnachten denn den ganzen Kommerz? Die einfachen Dinge zählen doch viel mehr, wenn man sie nur zu schätzen weiss!

Es dauerte gar nicht lange, da waren alle Waldesruher mit ihren Gästen an der Rukollamühle versammelt. Nur einer fehlte noch … Nämlich derjenige, der die Waldesruher erst einmal wieder aus ihrem Konsumleben aufwecken musste. Der Weihnachtsmann! Und kaum hatte sich dieser Wunsch in den Köpfen der Anwesenden festgesetzt, war auch schon ein leises Tuckern vom Himmel zu hören. Fast wie Zu DDR-Zeiten, als noch Trabbis auf den Straßen fuhren. Hatte der Weihnachtsmann etwa immer noch den Hilfsmotor am Schlitten?

Mit gekonnten Manöver landete der Schlitten auf dem Parkplatz der Rukollamühle. Die Kinder aus Waldesruh liefen schnell zum Schlitten und umarmten den Weihnachtsmann. „Hohoho“ freute sich dieser. „Es ist schön wieder hier zu sein.“ Schnell hatte er allen seine kurze Geschichte erzählt. Besonders beeindruckt war er von der Unterstützung, welche die Tiere den Waldesruhern gegeben haben. Aus diesem Grund hat er auch kurzfristig beschlossen, das Weihnachtsfest nicht sterben zu lassen. „Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und wenn sogar die Tiere noch an euch Menschen glauben, dann kann es noch nicht zu spät sein. Ich zähle auf euer Versprechen! Aber jetzt lasst uns erst einmal Weihnachten feiern!“

Bei seinen letzten Worten beschreibt er mit seinen Armen einen Halbkreis über seinen Kopf. Und ganz plötzlich fängt es an zu schneien. Langsam rieselt der Schnee aus den Wolken hinab auf die Rukollamühle und den Parkplatz. Andächtig versammeln sich die Waldesruher und ihre Gäste um den Schlitten vom Weihnachtsmann. Die Glocke vom Waldesruher Kirchturm schlägt gerade zur achtzehnten Stunde. Jetzt ist die Zeit für Weihnachten! Von den Menschen hebt sich ein leises Lied in den Himmel empor: „Stille Nacht, heilige Nacht!“

Waldesruh wünscht allen seinen Gästen, Besuchern, Leser und Leserinnen ein besinnliches und fröhliches Weihnachtsfest im Kreise der Menschen, die euch wichtig sind.

Tante Rukolla erhebt noch einmal kurz den Zeigefinger: „Und denkt bei eurem Verhalten doch bitte darüber nach, wie ihr selbst nachhaltiger handeln und verbrauchen könnt! Schaut bitte, wie ihr unsere Natur und Umwelt schützen und bewahren könnt. Bitte seid einfach lieb zueinander!“


So, das war sie, die Weihnachtsgeschichte 2018 aus Waldesruh. Die Waldesruher hoffen, ihr hattet viel Freude mit ihren Erlebnissen. Solltet ihr Gefallen an der Geschichte gefunden haben, dürft ihr gern davon euren Freunden und Bekannten erzählen. Die Waldesruher freuen sich natürlich auch sehr über einen Kommentar von euch! Bleibt dran, auch im nächsten Jahr geht es weiter mit Waldesruh.