Die Tiere des VEB Plaho – Hersteller dieser Figuren – Marolin® Richard Mahr GmbH seit 1992 : dieser Beitrag ist die Fortsetzung des Beitrages Die Tiere des VEB Plaho – Hersteller dieser Figuren – VEB Plast- und Holzspielwaren (PLAHO) Steinach 1974 – 1992

Nach der politischen Wende in der DDR wagten die Nachkommen von Richard Mahr – die alten Geschäftsführer des VEB PLAHO, Herr Walter Greiner und Herr Karlheinz Luthardt – die alte Firmentradition neu zu beleben. Das mittlerweile marode Firmengebäude samt den Restbeständen kam zurück in den Besitz der Familie Mahr. Diese gründete 1992 die Richard Mahr GmbH wieder und versuchten zuerst mit den bekannten Plastefiguren einen wirtschaftlichen Neuanfang.Marolin OVP Pappschild

Walter Greiner hat mit hohem fachlichen Wissen und Können die Entwicklung des Betriebes richtungsweisend beeinflußt. Sein Tätigsein auf den Spielwarenmärkten der Welt im Auftrag des ehemaligen Spielwarenkombinates machte es nach der Wende möglich, internationale Vertriebswege ohne Verzögerung aufzubauen und zu erweitern. Im Sommer 1994 kam er auf dem Heimweg von einer Lieferfahrt ins Erzgebirge durch einen tragischen Verkehrsunfall ums Leben.

Die Geschichte der Bemühungen um den Neuanfang wurde im Rahmen der MDR-Dokumentation „1990 – Aufbruch zur Einheit“ eindrucksvoll mit bisher kaum bekannten Bildern verfilmt. Der Ereignisse vor mehr als 20 Jahren wurden am Originalschauplatz nachgestellt und die Produktionsräume, die Büros, sowie der Keller in der Räumstraße in Steinach wurden in den Zustand vom Frühsommer 1990 zurückversetzt.

Marolin OVP Kopf FolieIn einem Interview zu den Dreharbeiten erinnert sich die jetzige Geschäftsführerin, Frau Evelyn Forkel an den Neustart von vor 20 Jahren: „Die Fertigung der Papiermachefiguren wurde ja schon 1978 eingestellt, aber die Spieltiere und auch Krippenfiguren aus Kunststoff waren beliebt und fanden reißenden Absatz. Die Krippenfiguren aus Kunststoff wurden zu der Zeit in drei Größen angeboten und gingen zu DDR-Zeiten ausschließlich in den Export. … Wir waren zuversichtlich, dass wir mit unserem Sortiment bestehen können. Der Verkauf gen Westen war allerdings ein Flop, nicht einmal im Osten waren unsere Figuren mehr gefragt. Die erste Herbstmesse in Leipzig 1990 brachte gerade mal einen Auftragswert von fünftausend DM ein und zu Hause waren achtzig Mitarbeiter, die auf Lohn und Arbeit warteten. Mein Vater reiste persönlich nach Nürnberg zum Verein deutscher Spielwareneinzelhändler, um unser Sortiment zu vermarkten. Es wurden neue Verpackungen kreiert, unsere Spieltiere wurden mit Farben gestaltet, die der neuen Euronorm entsprachen. Wir beteiligten uns mit einem kleinen Stand an der Nürnberger Spielwarenmesse. Es kam zwar zu ersten Aufträgen für Spieltiere, aber der erhoffte Zulauf blieb aus.“

Derart gestaltete sich der geplante Neuanfang mehr als schwierig. Jedoch kam im richtigen Moment der Zufall zu Hilfe. Bei Aufräum- und Umbauarbeiten wurde glücklicherweise das verloren geglaubte Originalrezept der MAROLINmasse wieder gefunden. Handschriftlich notiert war das alte Rezept auf der Rückseite einer Kellertür noch vorhanden und überdauerte die Zeit, weitere schriftliche Aufzeichnungen davon existierten nicht. Auch die alten Figurenformen lagerten noch im Keller und wurden gesäubert und wieder aufgearbeitet.

Seitdem werden unter der Verwendung der Originalrezeptur neue Figuren und mehr rund um die christlichen Feste in verschiedenen Größen produziert. Seit 1992 erfährt der Werkstoff MAROLIN® eine Renaissance und die Figuren werden mittlerweile wieder von den Liebhabern und Sammlern traditioneller Handwerkskunst geschätzt. Sie zählen auch heute noch zu den ausdruckstärksten Modellen dieses Genres.

So orientierte sich die Produktion der Firma mehr und mehr weitestgehend auf die Herstellung von Krippen- und anderen Figuren aus Papiermachémasse. Die Herstellung der alten „DDR-Tiere“ wurde zwar noch fortgeführt, spielte aber nicht mehr die Hauptrolle der Produktion. Grund dafür waren u.a. die zu DDR- Zeiten produzierten hohen Stückzahlen und deren Verkauf über Auktionsplattformen im Internet und auf Floh- und Trödelmärkten. MAROLIN® verkaufte diese Tiere auch nicht mehr nur in den Gruppen, welche zu DDR Zeiten im Handel erhältlich waren. So wurde z.B. die ursprüngliche Rehgruppe von vier Tieren in zwei Gruppen aufgeteilt.

Je nach Werkzeug (so wird die Form genannt, die der Rohling verlässt) werden in einer Modellform drei oder vier verschiedene Figuren im Spritzgussverfahren produziert. Jedoch verkaufen sich die Figuren nicht alle gleichmässig schnell. So kann es passieren, dass eine Figur, die nicht so beliebt ist, sich als hoher Lagerbestand anhäuft und benötigtes Kapital bindet. Um dies zu verhindern müsste das betreffende Werkzeug überarbeitet werden. Genau wie bei Beschädigungen der Werkzeuge wurden diese Aufträge von der Firma Mahr an einen Fremdbetrieb vergeben. Eine solche Arbeit konnte bis zu 15.000 Euro kosten!

Die geringen kleinzahligen Abverkäufe einerseits und die gestiegenen Kosten andererseits führten bei der Geschäftsleitung zu dem Entschluss die Produktion der Kunstofftiere, Ritter und WildWestfiguren einzustellen. Die noch vorhandene Fertigware wird abverkauft, das noch vorhandene Rohmaterial wird wohl noch einige Zeit gelagert werden. Sollte noch einmal ein grosser Auftrag kommen, so wurde versichert, kann man auf dieses Rohmaterial zurück greifen. Ab 5.000 Stück würden sich die Arbeiten rentieren. Ob jemals jedoch solch eine Bestellung zustande kommt ist fraglich.

So ging 2010 eine weitere Ära des DDR-Spielzeuges zu Ende. Nun können wir auch die PLAHO-tiere als abgeschlossenes Sammelgebiet bezeichnen. Ein Trost ist da vielleicht, dass es noch große Mengen dieser Figuren in den Spielzimmern und bei Sammlern gibt. Überraschend kann es auch heute noch immer wieder eine Überraschung in diesem Bereich geben.